2
„Was für ein Weib!", riss Volstaggs anerkennende Stimme Thor aus seinen trägen Gedanken, die schon seit geraumer Zeit keinen rechten Sinn mehr ergaben und sich im metseligen Nebel verloren, bevor sie ganz zu Ende gedacht waren. Langsam hob er den Blick von den Spiegelungen des flackernden Kerzenlichts auf der sanft sprudelnden Oberfläche seines Mets und ließ ihn suchend durch den Raum schweifen, streifte einmal mehr seinen Bruder, der gelangweilt am anderen Ende der Halle den Barden lauschte. Fandrals leises Pfeifen lenkte seine Aufmerksamkeit wieder in die entsprechende Richtung und er ließ den Blick über die Menge wandern, blinzelte gegen seine an den Enden verschwimmende Sicht. Abwesend führte er das Horn an die Lippen, ungeachtet der Tatsache, wie das Met und der Wein und das Bier seine Sinne inzwischen beeinträchtigten – und sah sie.
Pechschwarze Haare flossen in schweren Locken auf weiße Schultern, hinab über makellose, bleiche Haut zu dem wohl wohlgeformtesten, prallsten Paar Brüste diesseits des Bifröst, kaum verborgen durch den weit ausgeschnittenen, straffen Stoff des tief grünen Kleids, der ihre Form mehr als nur erahnen ließ. Wie eine zweite Haut schmiegten sich die schimmernden Stoffe an die schmale Taille, umschmeichelten die ausladenden Hüften und stürzten über endlos lange Beine hinab.
„Bei Odins Bart...", murmelte Fandral, tatsächlich einmal um einen schlagfertigen Kommentar verlegen.
„Wo hat das Weib sich nur solange versteckt...", schüttelte Volstagg den Kopf, ohne den Blick nur eine Sekunde abzuwenden, in der Aussprache lang nicht mehr so deutlich wie in seinen Absichten.
Thors Blick wanderte höher, verweilte einen Moment auf den weichen Erhebungen der vollen Brüste, verfolgte die sanfte Biegung des hellen Nackens nach oben, streifte sinnlich geschwungene Lippen und fand leuchtend grüne Augen, deren Ausdruck ein unwillkürliches Schaudern über seinen Rücken sandte. Diese Augen... Seine Gedanken verloren sich in der hypnotischen Bewegung des verlockenden Körpers, als geschmeidige Schritte das Objekt der Begierde näher brachten, wenn auch nicht zu ihnen. Gebannt verfolgte er, wie zarte Hände nach einem Metkrug griffen, ihn an volle Lippen führten, wie die prallen Brüste sich bei jedem Schluck hoben und senkten. Ein Tropfen löste sich, rann glitzernd über den hellen Hals nach unten und verschwand in ihrem Dekolleté. Seine Hosen fühlten sich plötzlich eng an und er bewegte sich unruhig auf der Bank.
„Diese Titten sind mein Untergang...", ächzte Volstagg neben ihm und brach damit für einen Moment den Bann, der auf ihnen allen lastete. Mühsam wandte Thor den Blick ab und sah in das grinsende Gesicht seines blonden Freundes. „Ich meine mich eines Prinzen zu erinnern", setzte Fandral an, nicht mehr ganz deutlich in seiner Aussprache, aber in seinem Tonfall umso süffisanter, „der von sich behauptete jede in sein Bett zu bekommen."
„Fandral, forderst du unseren Freund heraus?", sprach Hogun ruhig, eine Augenbraue in die Höhe gezogen, doch das amüsierte Blitzen in seinen Augen verriet ihn.
„Vielleicht", schmunzelte Fandral und sah über Thors Schulter zu der schwarzhaarigen Schönheit.
„Das Weib ist jede Herausforderung wert", brummte Volstagg, nicht bemüht dezent zu bleiben und zog sie schon mit seinen Blicken aus. Blicke, die Thor nicht gefielen, so wenig wie die zweifelnden Worte seiner Freunde.
„Bedauert nicht zu sehr, meine Freunde – ...", eine Traube verschwand zwischen den feuchten Lippen der dunklen Schönheit und sein Satz stockte einen Atemzug lang, begleitet von einem vertrauten, heißen Prickeln, das durch seine Glieder rann. „Dass sie niemals euch gehören wird", beendete er den Satz, bevor der Alkoholnebel in seinem Kopf ihn ganz verschluckte, schenkte der Runde ein breites Grinsen und stellte sein Horn ab, um sich zu erheben, als das verführerische Weib sich näher an sie schob.
Smaragdgrüne Augen blitzten süffisant, während ihr Blick langsam über seinen gestählten Körper wanderte, jedes Detail aufnahm und einen qualvoll langen Moment an seinem Schritt hängen blieb, der nichts dafür tat die Enge seiner Hosen zu mildern.
„Es wäre mir eine Ehre", drang die Stimme der unbekannten Asin zu ihm durch, rauchig wie eine kalte Winternacht und doch so verlockend samtig sanft, „den... Unannehmlichkeiten", ihr Blick streifte erneut und eindeutig seinen Schritt und ließ seine Erregung pochen, „des mächtigen Thor Abhilfe zu schaffen."
