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Krachend fiel die schwere Tür des Schlafgemachs ins Schloss und ihr Körper schmolz gegen seinen, weiche Kurven an harten Muskeln. Sinnliche Lippen pressten sich auf seine, heiß und feucht, und er vergrub die Hände in seidigen, pechschwarzen Locken, zog sie näher. Ihr Geruch, ihr Geschmack, betäubte seine Sinne und ließ nichts zurück als begieriges Verlangen, das in seinem Körper brannte. Dunkler Wein und süße Früchte vermengten sich auf seiner Zunge als er sie kostete, vertraut und zugleich verlockend exotisch, seltsam kühl wie frisches Wasser und doch so erhitzend. Mit einem leisen, anerkennenden Knurren vertiefte er den Kuss, als sie spielerisch auf seine Lippe biss und dabei die verlockendsten Geräusche von sich gab, die ihn daran zweifeln ließen, dass sie es je bis ins Bett schaffen würden. Sanft wanderten ihre zarten Hände tiefer, unter sein Festgewand, erkundeten seine definierte Bauchmuskeln und jeglicher konkrete Gedanke verschwand in den Empfindungen. Fahrig strich er über ihre Schultern, schob den Stoff des Kleids beiseite und über ihre schlanken Arme nach unten, löste den Kuss widerstrebend um sich den Anblick nicht entgehen zu lassen, wie die schimmernde Seide Zentimeter um Zentimeter tiefer rutschte und den Blick frei gab auf ihre vollen Brüste, die bleich und vollendet zum Vorschein kamen. Ein Schaudern ging durch den begehrenswerten Körper, als kühle Luft auf erhitzte Haut traf und für den Bruchteil einer Sekunde verschwamm das Bild vor seinen Augen, dann legte sich die plötzliche Wirkung des Alkohols wieder. Fasziniert fuhr er mit den Fingerspitzen über ihr Schlüsselbein zur Mitte und dann tiefer, umrundete sanft ihre Brüste bevor er sie mit den Händen umschloss. Ein leiser Laut zog seinen Blick zurück nach oben, in unendlich grüne Augen, deren angestrengten Ausdruck er nicht deuten konnte.

Er öffnete den Mund um etwas Beruhigendes zu sagen, doch bevor ein Wort über seine Lippen kam, versiegelte sie sie mit den ihren in einem rauen, fordernden Kuss. Massierend verweilten seine Hände noch einen Moment auf ihren Brüsten, wanderten dann tiefer und zogen sie an der schmalen Taille eng an seine Hüfte, seine Ungeduld und sein Verlangen deutlich spürbar. Der seidene Stoff sank tief auf ihre Hüften und immer tiefer, mit jeder leichten, kreisenden Bewegung, mit der sie sich an seiner Erregung rieb. In den Kuss stöhnend fuhr er mit den Händen nach hinten, in ihren Rücken und strich tiefer, über ihren runden, straffen Po, drängte sie an sich, doch sie wand sich aus seinem Griff und löste den Kuss. Ein schelmisches Lächeln umspielte ihre geröteten Lippen, als sie ihn mit einer Hand an seiner Brust auf Abstand hielt, einen gebieterischen Ausdruck in den smaragdgrünen Augen, der seinen Widerstand schwach machte. Den Blick haltend glitt ihre Hand tiefer, wieder unter seinen Wams und entledigte ihn den störenden Stoffs. Willig ließ er sich entkleiden und ihre Hand fuhr federleicht tiefer, ruhte auf dem Saum seiner Hosen und seine Geduld wurde dünn. Sie musste es in seinen Augen gelesen haben, denn ihr Lächeln wurde breiter, unmissverständlicher. Geschmeidig ging sie vor ihm auf die Knie, in Bewegungen wie fließendes Wasser, und kam ihm näher, nah genug, dass er ihren warmen Atem spüren konnte durch den dünnen Stoff, der sie noch trennte. Ein kehliges Stöhnen kam über seine Lippen, als sie quälend langsam die Schnürung seiner Hosen löste und den rauen Stoff tiefer zog, sich dabei erwartungsvoll über die vom Küssen geschwollenen Lippen leckte – und plötzlich inne hielt.

Etwas anderes trat in ihre grünen Augen, die plötzlich dunkler schienen und er vergrub eine Hand in ihren Haaren, zog leicht an den gelockten Strähnen um sie zu ermuntern, leicht zu drängen, weiterzumachen, bevor seine schwindende Selbstkontrolle ihn verließ. Sie tat nichts davon, hielt nur seinen Blick gefangen mit diesen unergründlich grünen Augen, in denen ein unheilvolles Funkeln blitzte und ein selbstgefälliges Lächeln trat auf ihre sinnlichen Lippen. „Hast du wirklich noch nichts bemerkt?", hauchte sie gegen seine Erregung, nur Zentimeter entfernt, ihre Stimme plötzlich tiefer, vertrauter. Schwer schluckend legte er den Kopf in den Nacken aber hielt ihren Blick, rang mit dem stechenden Gefühl etwas zu vergessen, dass von Wellen der Lust übermannt wurde bei jedem ihrer leichten Atemzüge. Leise lachend erhob sie sich, fuhr sanft mit einer Hand über seine Brust und wieder tiefer, ließ sie locker an seiner Hüfte ruhen, aber nicht nah genug, nicht ansatzweise nah genug. Ihr Bild verschwamm vor seinen Augen und nahm wieder feste Gestalt an, auf eine Weise, die er Alkohol in seinem Blut nicht erklären konnte. Auf eine Weise, die in seinen lustgetränkten Gedanken keinen Platz mehr fand. „Gar nichts?", hakte sie spöttisch nach. „Bruder?"

Mit einer lässigen Handbewegung ihrerseits fiel das Bild vor ihm zusammen, floss geradezu an ihr herab und verschwand in schwerelosen Wolken grünen Rauchs. Nur die Augen, die ewig spöttisch funkelnden Augen blieben gleich und die Erkenntnis fraß sich wie ein Strahl puren Eises in seine Brust. Loki.