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Gelassen hielt Loki den undeutbaren Blick seines Bruders, nahm nur die Hand von seiner Hüfte um den Stoff seines Gewands zurück über bleiche Schultern zu ziehen, doch machte sich nicht die Mühe es zu schließen. Den Kopf leicht schief gelegt betrachtete er den Anderen vor sich, die leichte Röte auf seiner gebräunten Haut, die leichte Schwellung seiner Lippen, die leichten Spuren seiner Nägel auf dem trainierten Bauch – und riss seinen Blick wieder nach oben, bevor er noch tiefer wandern konnte. Nicht jetzt. Es war unmöglich zu sagen, was sich hinter den strahlend blauen Augen abspielte, ob Wut, ob Lust, ob Verwirrung, doch er rechnete mit Wut, die sich langsam aus den vom Alkohol trägen Gedanken erheben würde und er vertraute auf seine ungetrübten Reflexe, genoss das Spiel im Moment noch zu sehr um schon auf vorsichtigen Abstand zu gehen. Ein süffisantes Lächeln schlich sich zurück auf seine Züge, wohl wissend, dass er dieses Mal zu weit gegangen war und etwas änderte sich in den Augen seines Bruders.

„Wie?"

Der raue Klang Thors Stimme ließ ihn innerlich schaudern, doch die Frage irritierte ihn. Das war nicht, was er kalkuliert hatte, das war nicht die naheliegende Reaktion, doch er hielt seine Verwunderung unter der Oberfläche. Es reizte ihn auszutesten, wo die Grenzen waren, wo der Punkt lag, an dem etwas in seinem Bruder brach und der Zorn und die Scham in sein Handeln fanden. Der Alkohol, die bis eben empfundene Lust machten ihn langsam, gewiss, doch der Punkt würde kommen und er spielte zu gern mit dem Feuer.

„Das übersteigt deine momentane, mentale Kapazität", antwortete er kühl amüsiert und kam seinem Bruder sachte näher, ließ erneut die Augen über seine Gestalt schweifen, bis ganz nach unten, wo seine kaum geschwundene Erregung aus dem dünnen Stoff der Hose ragte. Interessant.

„Du warst dort", widersprach Thor stur und betrunken, zwischen schweren Atemzügen und ein ehrliches, leises Lachen kam über Lokis Lippen. Wie naiv. Den Kopf schüttelnd fuhr er mit einer Hand in die blonden Haare seines Bruders, strich ihm geradezu sanft ein paar verirrte Strähnen aus dem Gesicht und hielt sie fest. „Etwas, das aussah wie ich, war dort", verbesserte er, als würde er ein Kleinkind belehren und streichelte abwesend mit dem Daumen über die gebräunte Haut unter seiner Hand. „Wie geringschätzig du von mir denkst", fügte er hinzu, leiser, sein Ton eine kaum merkliche Spur kühler und das Lächeln auf seinen Lippen schwand, doch der Ausdruck in den Augen seines Bruders blieb der gleiche. Zorn, ein bisschen. Verwirrung, oh ja. Lust, noch immer. Und etwas, das seine äußerliche Gelassenheit aus den Fugen brachte. Seine Neugier würde eines Tages sein Ende sein und dennoch kam er näher, vergrub die Finger tiefer in den blonden Strähnen und kehrte mit der anderen Hand zu Thors Brust zurück, rieb langsame Zirkel über die angespannte Muskeln. „Wahrlich, wie wahllos du bist...", stellte er kühl fest, bei dem leichten Zittern unter der erhitzten Haut und etwas änderte sich in den Augen seines Bruders, etwas, auf das er die ganze Zeit gewartet hatte und doch versagte seine Reaktion.

Schnell, viel zu schnell, fand er sich an der nächsten Wand wieder, Thors Griff eisern um seinen Hals, doch das Gefühl seines halbnackten, starken Körpers, der ihn gegen die Wand presste, überlagere alle anderen Empfindungen. Mit zusammen gebissenen Zähnen hielt er jegliche Laute zurück und sah in die Augen seines Bruders, nur Zentimeter vor ihm und was er sah ließ etwas in ihm schwach werden. Das war der falsche Blick. Der Blick, der nur seiner Illusion gelten sollte, der nicht einmal durch alles Met Asgards gerechtfertigt werden konnte, wenn er ihm selbst galt.

„Was soll das werden?", fragte er schneidend und hielt seine Worte knapp, um den leichten Unterton zu verhindern, der verriet, was die körperliche Nähe in ihm auslöste. Überdeutlich spürte er die Erregung des Anderen an seiner Hüfte, viel zu nah an seiner eigenen und musste sich beherrschen sich nicht zu bewegen, nicht ein winziges bisschen, um den delikaten Kontakt auszukosten. Die Sekunden bis zu einer Antwort zogen sich in die Länge, dann erschien ein breites, deplatziertes Grinsen auf den Zügen seines Bruders und Lokis Blick wurde finster. Dieses selbstsichere, verfluchte Grinsen ließ seine Haut prickeln und war absolut nicht gerechtfertigt, absolut nicht geplant.

„Du hast diese Wirrnis angerichtet", spürte er die tiefe Stimme seines Bruders mehr als sie zu hören, spürte seinen Atem warm an seinen Lippen und befeuchtete sie unbewusst mit der Zungenspitze. „Also kümmere dich auch darum." Etwas wie milde Panik kreuzte seinen Blick und er zuckte leicht zurück, erfolglos mit der Wand im Rücken, als Thors Hand von seinem Hals in seine schwarzen Haare wanderte. Mit einem schmerzhaften Ruck wurde er näher gebracht, dann fühlte er seine Lippen, zum zweiten Mal diesen Abend und doch ganz anders, und fand sich wie gelähmt dem rauen, drängenden Kuss ausgeliefert. Jeder Muskel in seinem Körper spannte sich an durch den unerwarteten Überfall und dennoch öffnete er bereitwillig den Mund, begrüßte die fremde Zunge und ließ seinen Bruder gewähren. Nicht mehr konzentriert darauf eine Illusion aufrecht zu erhalten, nahm er jedes Detail deutlicher wahr und genoss es. Genoss es auch, wie seine Gedanken mehr und mehr ihre konkrete Form im Strudel der Empfindungen verloren und ihm langsam gestatteten sich darauf einzulassen. Es war überraschend, es war unerwartet und doch wunderte sich ein Teil von ihm nicht, aber das Hier und Jetzt verlangte zu viel seiner Aufmerksamkeit um sich damit zu befassen. Mit leisen, lustvollen Lauten schmiegte er sich enger an den durchtrainierten Körper seines Bruders, kämpfte um die Dominanz im Kuss während seine Hände erneut auf Wanderschaft gingen, weit weniger zärtlich als zuvor. Fahrig strich er über die breiten Schultern, kratzte mit den Nägeln über die muskulöse Brust, wo er sie erreichen konnte, nach unten und zum Rücken hin, krallte sich in Thors Hüften als er einen schmerzhaften Biss an seiner Lippe spürte. Nur widerwillig ließ er zu, dass der Andere den Kuss löste, doch alle Einwände waren vergessen, als er heiße Lippen seinen Hals erkundeten, mit feuchten Küssen und spielerischen Bissen jede empfindliche Stelle liebkosend, aber es war nicht genug. Ungeduldig bewegte er die Hüfte, unfähig ein raues Stöhnen zurück zu halten, als seine pochende Erregung die seines Bruders streifte. Der minimale Kontakt reichte, um ein vertrautes, heißes Prickeln durch seinen Körper zu senden, das direkt in seine Lenden strömte, sämtliche rationale Gedanken lahm gelegt in dem Bedürfnis nach mehr. Noch vorsichtig, ringend mit seiner Beherrschung, wiederholte er die Bewegung und warf den Kopf in den Nacken, kniff schwer atmend die Augen zusammen, überwältigt von den Reizen. Ein leises, trockenes Lachen seines Bruders drang an seine Ohren und er öffnete die Augen wieder einen Spalt, gerade genug um ihm einen Blick voller Herablassung zuzuwerfen und drängt dabei die Hüften in einer fließenden Bewegung an seine. Tiefste Genugtuung breitete sich in ihm aus bei dem Anblick, wie sein Bruder einen Moment die Fassung verlor, einen Moment brauchte um die Kontrolle über sich wiederzuerlangen, sichtlich am Ende mit seiner Beherrschung. Ein selbstgefälliges Lächeln auf den Lippen, rieb er seine Hüfte quälend langsam an der seines Bruders, machte sich nicht die Mühe die Laute seiner Lust zurück zu halten und genoss, was er dem Anderen damit antat, welche Macht er damit über ihn erlangte.

"Loki..." Der heisere, beschwörende Klang seines Namens, so ausgesprochen von seinem Bruder, erschütterte ihn innerlich und ließ ihn mehr begehren, alles begehren mit einer Intensität die neu war, aber keinesfalls unwillkommen. Geschickt brachte er eine Hand zwischen sie, riss ungeduldig den letzten, störenden Stoff beiseite, um die harte Erregung seines Bruders sowie seine eigene zu umschließen, sie keuchend zusammen zu pressen, bevor er in ruhigen, gezielten Bewegungen begann die Hand über ihre heißen Schäfte auf und ab zu bewegen. Nicht eine Sekunde nahm er den Blick von seinem Bruder, obwohl seine Sicht vor Lust an den Enden verschwamm, von dem Anblick der sich im bot fast genauso an seine Grenzen gebracht wie von der reizvollen Berührung. Der Ausdruck puren Genusses auf dem Gesicht des Anderen, die Art wie seine blonden Strähnen wirr und ungezähmt in seine lustverhangenen, strahlenden Augen fielen, wie der leichte Schweißfilm seine Haut wie Bronze schimmern ließ, wo sie über harte Muskeln spannte. Raue Lippen fanden zurück auf seine und er schloss die Augen, verlor sich in dem Kuss, als er die kräftige Hand seines Bruders auf seiner spürte. Ihre Bewegungen verschnellerten sich, verloren an Kontrolle und er spürte wie nah er war, spürte wie das heiße Brennen in seinen Lenden unerträglich wurde und sich durch seinen ganzen Körper ausbreitete. Raues Stöhnen und geflüsterte Worte erfüllten durch den Kuss gedämpft die Luft, ohne dass er sagen konnte was von ihm stammte und was von seinem Bruder und er krallte sich in die breiten Schultern, suchte irgendeinen Halt, fühlte wie die Muskeln unter seinen Händen verkrampften und erlösende Leere breitete sich in seinen Gedanken aus, als er kam.

Langsam ebbten die Wellen der Lust ab und er schob mit einem leisen Geräusch die Hand seines Bruders beiseite, weg von seinem überreizten, empfindlichen Körper, brachte etwas minimalen Abstand zwischen sie. Erschöpft lehnte er den Kopf an die Wand und versuchte seine Atmung unter Kontrolle zu bekommen, aber scheiterte, öffnete seine Augen einen Spalt um seinen Bruder träge anzusehen. Was er sah irritierte ihn und sorgt dafür, dass sich etwas in seiner Brust schmerzhaft zusammenzog. Das war kein Blick, der ihm gelten durfte und doch lag so viel Wärme in Thors Augen, kaum verborgen unter postorgasmischer Glückseligkeit. Seufzend ließ er zu, dass seine Lippen in einem erneuten Kuss gefangen wurden, langsamer und sinnlicher als zuvor doch nicht weniger erotisch. Abwesend wischte er seine Hand an sich selbst ab und vergrub die Finger in den dichten, blonden Haaren seines Bruders, zog ihn schließlich sanft aber deutlich auf Abstand als drohte mehr daraus zu werden. Einen Moment trafen sich ihre Blicke und seine Brust schmerzte, dann senkte er leise lachend den Blick und schüttelte leicht den Kopf, verschwand mit einer kaum merklichen Handbewegung in einer dünnen Wolke grünen Rauchs.

Einen Moment reagierte Thor nicht, starrte nur auf die Stelle vor sich, wo die letzten grünen Wölkchen sich auflösten und etwas undeutbares kreuzte seinen Blick. Donnernd krachte seine Faust gegen die Wand und er biss die Zähne zusammen, zornig schnaubend und seinen Bruder mit seinen magischen Tricks innerlich verfluchend, das strahlende Blau seiner Augen getrübt von der Fülle der Emotionen.

"Wie immer bist du voreilig und unaufmerksam", riss ihn Lokis herablassend tadelnde Stimme herum und sein Blick fiel auf seinen Bruder, keineswegs geflüchtet sondern nackt und verlockend auf dem Bett ausgestreckt, ein schelmisches Funkeln in den Augen.

"Deine Bosheit bringt -"

"Uns alle in ein frühes Grab. Gewiss. Doch jetzt bringt sie dich zu mir in dein Bett."