Anmerkungen der Autorin:
Vielen Dank an
tollkirsche
RockPoet und
schattenengl (Nö, mit einem Lied von Schandmaul hat der Titel nichts zu tun )
für ihre Reviews.
Beta: Keine
Das Spiel
von Tante Hildegard
Kapitel 2: Wie stoppt man das Spiel?
Hermine und Harry knieten am Boden neben ihrem bewusstlosen Freund, der aussah als hätte ihn ein göttlicher Blitz niedergestreckt. Arme und Beine hatte er weit von sich geworfen und war unter lautem Krachen mit dem Fußboden kollidiert.
Durch eine sanfte Ohrfeige zurück in die Welt gerufen, rollte Ron benommen mit den Augen und hatte für einen Moment vergessen, dass er am Morgen in der Winkelgasse sein Todesurteil unterschrieben hatte. Er gähnte kräftig, dann kehrte die Erinnerung erbarmungslos zurück. Das Anderweltturnier! Wie ein fluguntüchtiger Besen stürzte die Realität auf ihn herab, hieb ihm gewaltig auf den Kopf. „Oh nein!", winselte er. „Der Alte in der Zeitung, der mit der Liste, ... ich habe mich bei ihm fürs Turnier angemeldet."
„Was?", keuchten Harry und Hermine synchron.
„Ich wusste doch nichts von dem Anderweltkram und der Lebensgefahr! Er hat gesagt, es ist ein Schachturnier!"
„Zauberschach, Ron. Hast du unser Spiel im ersten Jahr vergessen?", schnaufte Hermine.
Er schüttelte den Kopf. „Aber es ist nur Schach!"
„Harry!", kreischte sie. „Wir müssen das Spiel unbedingt stoppen."
„Aber ... wie stoppt man es denn?"
„Woher soll ich das wissen!? Wir müssen es rausfinden." Hermine rappelte sich auf, drückte das mit einem Mal noch struppigere Haar an den Kopf und strich sich entschlossen ihre Robe glatt. „Wir gehen jetzt zurück in die Winkelgasse und suchen diesen Listenbeauftragten, damit er Ron streicht."
Ron wurde von den beiden Freunden einfach hinterhergezerrt, da er zu keinem klaren Gedanken fähig war. Hermine warf rasch eine Handvoll Flohpulver in den Kamin, schubste Ron in die grünen Flammen und sprang ihm nach. Harry folgte ihnen. Zwei Stunden lang drängelten sie sich, bis zur Erschöpfung, durch alle Gässchen und Schleichwege im Umkreis der Winkelgasse, aber der Greis im grünen Gewand blieb wie vom Erdboden verschluckt. Ron jammerte vor Verzweiflung, als sich die drei müde in die Ecke neben einer Mülltonne knautschten, um zu verschnaufen und nicht von Passanten zertreten zu werden.
Über ihren Köpfen flackerte eine magische Leuchtreklame, die den Weg zum Eingang eines nahen Gasthauses wies. Zum Dreckigen Löffel. Der Leuchtzauber, mit dem das Schild behext worden war, knisterte altersschwach und verströmte ein kränkliches grünes Licht.
„Es ist alles vorbei", flüsterte Ron, den Kopf auf seine Knie legend. „Ich werde sterben." Seine Stimme klang schrill und scharf.
„Hallo, was macht ihr denn hier?", summte plötzlich Luna Lovegood und starrte aus großen Augen auf sie herab. Sie war eben in die kleine Seitengasse eingebogen. Neben ihr blinzelte Neville Longbottom verdattert in die Runde.
„Wieso kauert ihr neben einer Mülltonne?", fragte Luna beiläufig.
„Wir suchen den Listenbeauftragten für das Anderweltturnier, damit er Ron aus der Liste herausstreicht, aber wir können ihn nirgendwo finden."
Eine Frau drängte sich hinter Neville vorbei und rammte ihm dabei den Ellenbogen in die Rippen. Luna schwärmte: „Oh, ich habe vom Anderweltturnier gelesen", während der arme Neville sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Seite hielt.
„Wir helfen euch", keuchte er pummelige Junge, an seiner Unterlippe nagend. Luna nickte.
„Neville und ich wollten gerade in den Dreckigen Löffel, nachdem wir uns bei Flourish & Blotts über den Weg gelaufen sind. Heute ist dort der Teufel los."
„Ja, wegen des Anderweltturniers", seufzte Hermine matt.
„Ach?"
Harry sprang mit Entschlossenheit auf. „Wir müssen weiter suchen!"
Also schoben sie sich von da an zu fünft durch die Menschenmenge. Luna hakte sich bei Ron ein, der zu verstört war, um sie abzuwimmeln. „Die Leute sind wirklich vollkommen von Sinnen heute. Vorhin bei Flourish & Blotts habe ich ein sehr seltenes Buch gekauft. Der Verkäufer meinte, es sei erst heute früh von einem komischen Kauz in den Laden gebracht worden, der seine gesamten Bücher verkaufen wollte. Er hätte noch jede Menge andere im Lager, müsste sie aber erst durchsehen und schätzen. Pocula Amoris et Fertilitatis hatte er nur ins Regal gestellt, weil eine Lieferung neuer Tränkebücher noch nicht angekommen war. Damit das Regal nicht so nackt aussieht, hat er gesagt. Der Mann hatte keine Ahnung!"
Ron starrte trüb von rechts nach links. Seine Hoffnung, den Listenbeauftragten jemals wiederzufinden, schwand von Sekunde zu Sekunde und er ignorierte Lunas Geplapper. Er hatte, weiß Gott, wichtigeres zu tun.
Dann bog Luna plötzlich in eine leere Seitengasse ein, wo sie einen alten Mann mit einem Klapptisch gesehen hatte, dem sie beim Tragen helfen wollte.
Die anderen liefen ihr nur nach, um sie zurückzuholen, doch dann bemerkten auch sie den greisen Listenbeauftragten im grünen Gewand, als er sein Klappmöbel vor ihnen aufschlug und sich versonnen daran abstützte.
„Sie!", krähte Hermine herrisch. „Sie müssen Ron Weasley jetzt sofort von der Teilnehmerliste des Anderweltturniers herunternehmen. Er kann nicht mitmachen, er muss zur Schule gehen und seine Abschlussprüfung vorbereiten."
Der Alte wirkte verdutzt. „Ich grüße Sie ebenfalls, junges Fräulein. Was kann ich für Sie tun?" An sich selbst gerichtet brummte er: „Na, Scharchtqurpi, da hast du dich aber in der Straße geirrt. He he. So was!"
Nervös trat Ron an den alten Mann heran und probierte es etwas höflicher als Hermine. „Herr, ähm, Listenbeauftragter, ich habe mich vor einigen Stunden in die Teilnehmerliste des Anderweltturniers eingetragen, aber da wusste ich noch nicht, dass es kein normales Schachturniers ist. Deshalb würde ich gerne davon zurücktreten."
Der Alte wippte mit dem Kopf wie ein Papagei und musterte die Schüler streng.
„Das geht nicht", knirschte er schließlich. „Ich kann Herrn Weasley nicht mehr von der Liste streichen. Vollkommen unmöglich."
„Aber es muss gehen!"
„Nein, ich sagte Ihnen, dass es absolut verbindlich sei. Einzig Ihr Tod würde den Vertrag annullieren und ich möchte Ihnen nicht empfehlen, sich vor dem Spiel drücken zu wollen. Wer nicht erscheint, bezahlt den Vertragsbruch mit seinem Leben."
Daraufhin begann Harry zu toben und Hermine lauthals zu klagen, Luna hingegen lächelte dem Alten höflich zu und flötete: „Na ja, aber wir könnten doch mitmachen beim Turnier oder nicht?"
Misstrauisch äugte der Listenbeauftragte von Gesicht zu Gesicht. „Warum wollt ihr das tun?"
„Um Ron zu helfen, natürlich", schnappe Hermine brüsk und streckte fordernd die Hand nach der Schreibfeder aus, obwohl Harry ihr dringlich an der Robe rupfte.
„Das geht nicht, Hermine!", rief er schrill. „Du kannst nicht mal mittelmäßig Schach spielen. Das wäre Selbstmord."
Ihre Lippen wurden zu einem schmalen, missfälligen Strich. „Ich lerne schnell."
„Ich auch", fügte Luna zuversichtlich hinzu, bloß Neville schwieg und zuckte hilflos mit den Schultern. „Wenn es Ron hilft, mache ich auch mit", murmelte er, unsicher zum Listenbeauftragten schielend.
„Höchst interessant!", bollerte der alte Mann, bebend vor Aufregung und kratzte sich am bärtigen Kinn. Da schien Ron aus seiner Starre aufzuwachen. Er blickte wild um sich und schüttelte energisch den Kopf. „Seid ihr irre?! Keiner von euch wird bei dem Wahnsinn mitmachen."
„Für einen schlechten Spieler ist es unmöglich das Turnier zu überstehen", stimmte der Alte zu. „Dieses Spiel ist für die Besten da."
Ron blinzelte resigniert. „Da habe ich sowieso keine Chance."
„Junger Mann!", empörte sich der Listenbeauftragte, hob seinen Klapptisch an und rammte ihn donnernd auf das Kopfsteinpflaster zurück, dass alle erschrocken zusammenfuhren. „Solche Reden dulde ich nicht. Wenn Sie Motivation brauchen", hierbei feixte er wenig nett, „werde ich Ihre Freunde zum Turnier zulassen." Großzügig überreichte er Hermine die Schreibfeder und breitete das Pergament mit den Teilnehmernamen vor ihr aus.
„Auf keinen Fall!", kreischte Ron und fetzte Hermine die Feder aus den Fingern.
Der Alte kraulte belustigt seinen Bart. „Sehr schön", raunte er. „Ohne Motivation haben Sie keine Chance, Herr Weasley." Dies sagte er allerdings nicht zu Ron, sondern an Luna und Hermine gewandt. Beide verstanden. Hermine betrachtete Rons verzweifeltes Gesicht, dann Harrys, Lunas und Nevilles. Sie biss die Zähne zusammen und ergriff die neue Feder, die der Listenbeauftragte aus seiner Gewandtasche hervorgezogen hatte, während Harry den rasenden Ron bei den Schultern packte.
„NEIN!", tobte Ron. „ICH BIN MOTIVIERT. ICH SCHWÖRE IHNEN, DASS ICH GEWINNEN WERDE! BITTE LASSEN SIE MEINE FREUNDE NICHT TEILNEHMEN."
„Kann ich mich auf Ihr Wort verlassen?", wunderte sich der Greis.
„Ja!"
„Aber, wenn sie mich nun belügen und nicht Ihr Bestes geben? Nein. Nein, lieber nicht. Wir wollen doch kein Risiko eingehen und uns das schöne Spiel vermasseln!"
„Was?"
„Mein lieber Junge", brauste der Greis auf und umschrieb mit den Armen einen weiten Bogen in der Luft, „das Spiel ist nicht irgendein alberner Wettstreit. Das Anderweltturnier ist ein komplexer Organismus, eine Welt in der Welt. Wenn es begonnen hat, dann kann niemand seinen Lauf steuern oder gar beenden." Er richtete einen runzligen Zeigefinger auf Ron. „Sie entscheiden über den Ausgang des Spiels, nicht ich. Die Teilnehmer entscheiden."
„Ron", flüsterte Hermine drängend, „wenn wir alle zusammen sind, dann können wir es bestimmt schaffen."
„Wir reden hier von einem Schachspiel", fluchte Ron, „nicht von Quidditch." Er fletschte die Zähne und starrte den alten Mann grimmig nieder. „Was passiert mit den Spielern, die verlieren?"
„..."
„WAS?", kreischte Ron, aber der Greis nestelte unbeeindruckt an seinem Gewand, als hätte er gar nicht zuhört und strich sich seufzend den Bart glatt.
„Wir gehen jetzt!", befahl Ron und mühte sich verzweifelt aus Harrys starkem Griff zu entkommen. Währenddessen musterte der Listenbeauftragte mit gespannter Miene, was Hermine tun würde. Er strich das Pergament auf seinem Klapptischchen glatt und schob es sachte zu ihr herüber.
Einer nach dem anderen unterzeichneten die Freunde das Pergament. Rons Tobsucht endete nach der ersten Unterschrift. Er ließ den Kopf hängen und wurde so schlaff, dass er beinahe in sich zusammen fiel. Mit krummen Rücken standen sie endlich alle vorm Klapptischchen und besahen zerknirscht wie der Greis das Pergament sorgfältig einrollte, um es in seinem Gewand verschwinden zu lassen, sich zufrieden die Hände rieb und sein Möbel zusammenfaltete. Er nickte den Schülern mit bedeutungsschwangerer Miene zu und schlurfte davon.
„Wir müssen reden", flüsterte Harry gebrochen.
Fortsetzung folgt.
