Beta: chaotizitaet

Anmerkungen der Autorin: Vielen Dank an meine Reviewer!

Jana: Es hat mich riesig gefreut wieder ein Review von dir zu lesen.

tollkirsche: Ja, sie haben sich wie typische Gryffindors verhalten und das Nachdenken vergessen, wie man ihnen unterstellem könnte. ;)

schattenengl: Wow. (grins)

Das Spiel

von Tante Hildegard

Kapitel 3: Zum Dreckigen Löffel

Der Dreckige Löffel machte seinem Namen alle Ehre. Einzig Luna konnte sich für die heruntergekommene Gaststube begeistern, da sie über Jahrzehnte hinweg Treffpunkt für intellektuelle Zauberer und Hexen gewesen sei. Hermine zog die Stirn kraus und schnappte: „Ach!" Wenn es so gewesen wäre, hätte sie davon wissen müssen. Der Dreckige Löffel war höchstens ein Treffpunkt für Schaben aller Art. An den Wänden glänzte die schmierige Holzvertäfelung und die Lampenschirme waren graubraun von Fliegenkot und Staub. Hinter der Theke stand eine breitschulterige Frau mit raspelkurzem Haar, die ein schiefes Lächeln aufsetzte, sobald die Schüler das Lokal betreten hatten und bellte: „Ah, neue Gäste. Willkommen!"

Die Schüler setzten sich um einen abgewirtschafteten Holztisch herum, auf dem eine widerlich stinkende Tranfunzel brannte. Ihre Mienen waren noch starr von der Begegnung mit dem Listenbeauftragten. Verächtlich schnaufend legte Hermine die Hände vor sich auf den Tisch und betrachtete ihre gespreizten Finger. Bestimmt kamen, außer den unvermeidlichen Trinkern und abgehalfterten Gestalten, von denen es besonders in der Nockturngasse wimmelte, keine vernünftigen Leute auf den Gedanken, im Dreckigen Löffel einzukehren. Sie presste ihre Handflächen fest auf das Holz, um das leise Prickeln zu zerquetschen, das in ihren Fingern pulsierte, seit sie ihren Namen auf die Teilnehmerliste des Anderweltturniers gesetzt hatte. Ein bindender magischer Vertrag, so hatte es im Tagespropheten geheißen, und es bestand kein Zweifel daran, dass die Magie, die sie nun fesselte, tatsächlich bindend war. „Was machen wir jetzt?", fragte Neville scheu, während er sich unbewusst die Handflächen kratzte. Niemand antwortete.

Ron hatte kein Wort gesagt, seit der Alte mitsamt seinem Klapptisch und der Liste am Ende der Schrumpfkrebsgasse verschwunden war. Als endlich die Wirtin zu ihnen geschlurft kam und fragte, was sie bringen solle, ignorierte er sie einfach. Sie zog ihre buschigen Augenbrauen bis fast zur Stirn und begutachtete die anderen, während sie ihre Hände an einer fleckigen Schürze abwischte. Schließlich brummte sie: „Ihr seht aus als brauchtet ihr was Starkes." Dann trabte sie davon, verfolgt von Hermines zornigen Augen.

„Ron! Jetzt sag doch was!", zischte sie, aber der Freund blieb stumm und starrte lieber auf die Holzmaserung der Tischplatte, als sich zu artikulieren. Seine Gedanken ließen sich nicht in Sätze kleiden, höchstens in Grunzer oder Schreie, eine Kakophonie aus Schreckenslauten, also schwieg er.

„Er steht unter Schock!", rief Hermine bang.

Die Wirtin schob ein Tablett mit fünf Gläsern auf den Tisch. „Whiskey hilft." Ron blickte kurz zu ihr auf und schüttelte den Kopf, als ob er sagen wollte, dass nichts ihm und seinen Freunden mehr helfen konnte. Erst jetzt bemerkte er, dass sie keine Zauberrobe, sondern ein schwarzes Poloshirt trug, aus dessen Ärmeln ihre muskulösen, tätowierten Arme herauswuchsen. Für Kundschaft aus der Nockturngasse war solche Arbeitskleidung inakzeptabel. Schaben mochte es im Dreckigen Löffel geben, da hatte Hermine vielleicht recht, aber kein Gesindel aus der Nockturngasse. Die Wirtin grinste wissend, ehe sie mit dem leeren Tablett davonstapfte und Ron ihr nachsah. Eilig kippte er seinen Whiskey hinunter.

„Wisst ihr", plätscherte Lunas Stimme hinter einem Whiskeyglas hervor, „ich glaube, ich habe vorhin, als ich mit Neville aus Flourish & Blotts kam, Professor Snape gesehen. Ganz kurz nur, dann habe ich ihn zwischen all den Leuten verloren."

Nevilles Augen quollen vor Schreck aus den Höhlen. Harry und Hermine schnitten wütende Fratzen.

„Das kann nicht sein! Der Feigling würde sich nicht trauen offen durch die Winkelgasse zu laufen. Nicht nachdem er−"

„Harry hat recht. Du mußt dich verguckt haben."

Luna schüttelte den Kopf. „Vielleicht." Damit hatte sich das Thema Snape erledigt. Seine vermutliche Sichtung durch Luna wurde als optische Täuschung abgetan, denn die Sorgen wegen des Anderweltturniers lasteten schwer genug auf den Freunden, als dass sie noch Gedanken an den Verräter verschwenden wollten.

„Auf keinen Fall dürfen wir irgend jemandem erzählen, dass wir uns für das Anderweltturnier eingetragen haben."

„Ja, meine Großmutter würde durchdrehen", nuschelte Neville bekümmert.

„Fein. Also kein Wort zu irgendwem. Das Anderweltturnier bleibt unser Geheimnis."

„Was glaubt ihr", flüsterte Hermine, damit die vorbeihuschende Wirtin nicht lauschen konnte, „wie lange uns noch bleibt, bis das Spiel beginnt?"

Harry zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Wir werden eine Nachricht bekommen, hat der Alte gesagt. Es könnte morgen sein oder erst in zwei Monaten."

„Ich hoffe, es ist nicht schon morgen. Wir brauchen Zeit, um wenigstens etwas zu üben und so viel wie möglich über das Anderweltturnier in Erfahrung zu bringen."

„Darauf können wir uns nicht verlassen."

„Aber wir können hoffen", fauchte Hermine. „Dass ich es selbst in zwei Monaten nicht schaffen würde, eine Schachweltmeisterin zu werden, ist mir bewusst." Nach einer Weile fügte sie versöhnlicher hinzu: „Ob es in der Schulbibliothek ein Buch über das Anderweltturnier gibt?"

„Bestimmt nicht. Ich habe noch nie zuvor vom Anderweltturnier gehört", sagte Neville und schaute sich fragend um.

„Nein, ich auch nicht." Harry wusste aber ohnehin nicht gut Bescheid, wenn es um Traditionen und Bräuche in der Zaubererwelt ging. Jedesmal ereilten ihn diese Dinge vollkommen unerwartet.

„Ich habe mal darüber gelesen, denke ich", grübelte Luna, „aber ich weiß nicht mehr wo."

„Wenn das Buch in Hogwarts ist, werden wir es finden."

„Ja. Ich frage mich, ob die Nachricht zum Beginn des Spiels ein Portschlüssel sein wird?"

„Das ist gut möglich. Wenigstens könnten wir auf diese Weise schnell verschwinden, ohne eine große Szene, und ohne dass man uns folgt. Wir können ja schlecht zu McGonagall gehen und wegen des Turniers eine Woche schulfrei beantragen. Sie würde uns teeren und federn."

„Außerdem ist es nicht gut, wenn jemand davon Wind bekommt. Die Todesser könnten versuchen, Harry vor dem Spiel aufzulauern, wenn sie von unserer Teilnahme wüssten. Alles was sie zu tun brauchten, wäre Harry an der Teilnahme zu hindern. Ihr wisst, was der Listenbeauftragte zu diesem Thema gesagt hat. Wer sich dem Spiel entziehen will, obwohl er auf der Liste steht, stirbt. Jeder von uns ist jetzt durch Magie an sein Wort gebunden. Ich kann den Zauber förmlich fühlen. Wie eine Drohung. Er kribbelt unangenehm in den Fingern."

Alle nickten.

„Ein Todesser könnte sogar mitspielen bei dem Turnier."

„Glaubst du, Voldemort spielt Schach?"

„Zumindest wissen wir es nicht!", knurrte Hermine barsch.

„Bei dem großen Schachspiel, das den Stein der Weisen beschützen sollte, hat er sich nicht dumm angestellt."

Hermine runzelte die Stirn. „Richtig, aber es ist ebenso gut möglich, dass Quirell der Schachspieler war und nicht Du-weißt-schon-wer."

„Wäre doch cool, wenn Voldemort das Spiel nicht überleben würde, weil es doch so gefährlich ist und alles", fantasierte Harry enthusiastisch.

„Von der Tatsache abgesehen, dass er nicht sterben kann, solange die Horkruxe existieren."

Harrys Gesicht verfinsterte sich wieder. „Vorhin hast du noch auf die Hoffnung gepocht!"

„Zwischen begründeter Hoffnung und überbordender Fantasie besteht ein Unterschied, Harry."

„Schon gut, vergiss es."

Neville zappelte unruhig auf seinem Stuhl. Der Whiskey hatte seine Wangen gerötet, so dass sie nun seltsam fremd in seinem ängstlichen, kalkweißen Gesicht standen. „Ich muß langsam zurück nach Hause, sonst macht meine Großmutter sich Sorgen."

Hermine stimmte ihm mit einem knappen Kopfnicken zu. „Wir treffen uns morgen im Hogwartsexpress. Aber denkt daran, kein Sterbenswörtchen über das Turnier zu verlieren."

„Ich bin doch nicht verrückt!" Neville dachte offensichtlich an die Reaktion seiner Großmutter und erschauderte.

„Ich verrate nichts", schwor Luna.

Sie trennten sich ohne einen großen Abschied. Das Spiel hatte sie ohnehin aneinandergeschweißt. Luna umklammerte fest ihre Tasche mit dem seltenen Tränkebuch, das ihr ein unwissender Verkäufer bei Flourish & Blotts zum Spottpreis angeboten hatte und sprang in die grünen Flammen des Kamins im Dreckigen Löffel. Harry, Hermine und Ron kehrten in den Fuchsbau zurück, wo sie sich stumm an den großen Küchentisch setzten, auf dem noch immer ihre neuen Schulbücher und der Tagesprophet lagen. Sie schwiegen.

Mrs. Weasley lugte neugierig zur Küche herein. „Wie war der Einkauf?" Ihr Blick fiel wohlwollend auf die Lehrbücher, die über den Tisch ausgebreitet lagen.

„Es war sehr schön", beeilte sich Hermine zu versichern.

„Ihr wirkt so niedergeschlagen. Ist etwas passiert?"

„Nein. Nein nichts." Harry massierte nervös seine Kopfhaut und lächelte.

„Ron?" Mrs. Weasleys Blick glitt zu Ron hinüber, der wie versteinert auf einen Messingkessel im Spülbecken starrte.

„Ähm, wir haben Luna Lovegood getroffen", erklärte Hermine hastig und Mrs. Weasley blinzelte verwirrt. „Luna hat behauptet, sie hätte Snape bei Flourish & Blotts gesehen."

Entsetzten flackerte in Mrs. Weasleys Gesicht auf. „Habt ihr das dem Ministerium gemeldet?"

„Nein", fiepte Hermine kopfschüttelnd, „Luna war sich auch nicht ganz sicher und ... Es ist einfach undenkbar, dass Snape wagen würde, zwischen all den Menschen in der Winkelgasse herumzulaufen. Er müsste verrückt sein, so etwas zu tun!"

Zögerlich nickte Mrs. Weasley und murmelte: „Trotzdem." Wieder wandte sie sich ihrem Sohn zu, der unverändert starr auf den Kessel gaffte.

„Seitdem Luna das behauptet hat, ist er so schlecht gelaunt", log Harry und sie gab sich damit zufrieden. Wenn es um Severus Snape ging, hatte ihr Sohn stets heftig reagiert. „Ich werde mit Arthur darüber reden." Mit einem gutmütigen Lächeln huschte Mrs. Weasley nach draußen und schloss behutsam die Tür.

Harry und Hermine rutschten vor Erleichterung in sich zusammen. „Ron?"

Fortsetzung folgt.