ANTIVA-EPISODEN

Teil III. TOD

"Death happens. And when I get paid for it, death happens more often." (Zevran's dialogues, Dragon Age: Origins)

III.1 "Grajo Dorato"

Im Sommer des Jahres 9:28 begann Zevran's siebtes Jahr als Assassine im Dienste der Krähen. Sein Todeskuss galt Huren und Piraten, Bankleuten und Händler, Handwerkern, Fischern, Politikern und einmal sogar einer Schwester der Kirche, die im Angesicht des Todes bereit war, ihr "Antiya Nagrano" zu vergessen. In ganz Antiva schien es nur eine einzige Person zu geben, die seinen Avancen zu widerstehen vermochte.

Die Schachtel in seiner Schublande war längst zu klein geworden für all seine Trophäen. Nur die wichtigsten seiner Erinnerungestücke sammelte er immer noch dort - wie Sûls Messer oder die Schuhschnalle der Magierin. Alle anderen hatte er längst mit in den Gürtel geschmiedet, den er von Antonio geerbt hatte. Mit jedem neuen Mord wuchs seine Macht und ebenso der Ruf seines Trägers.

Sie nannten ihn "Grajo Dorato", die "goldene Krähe". Berüchtigt ebenso für seine Schönheit wie für seine Tödlichkeit. In der hohen Gesellschaft erzählte man Geschichten über ihn, die mit jedem Mal phantastischer klangen. Die Spielleute besangen ihn in ihren Liedern; und wenn die Kinder in den Straßen Krähe und Opfer spielten, wollte jeder Junge Zevran sein. Es kam sogar vor - gar nicht selten - dass der Assassine Liebesbriefe von heimlichen Verehrern erhielt.

Doch er hatte nicht nur Bewunderer, sondern auch Feinde. Und einer von denen, die ihn mit großer Inbrunst hassten, war Meister Empio. Sein Hass war noch gewachsen, seit Zevran im letzten Sommer zwanzig geworden war. Patron Arainai hatte im Solis 9:27 Zevrans lange zurückliegende Meisterweihe für gültig erklärt. Seitdem wurde Empio bei jedem Treffen mit seinen Patrons klar gemacht, wie zerbrechlich seine Macht war - wie viel lieber sie den jungen Elfen an der Spitze ihrer Zelle sehen würden. Immer wieder passierte es in den letzten Monaten, dass Verträge an ihm vorbei direkt an den jungen Elfen gegeben wurden. Ein Ärgernis, das er nur zu gern abstellen würde.