Es war faszinierend, selbst nach Jahren konnte er sich an jedes Detail, jede Kleinigkeit, jedes Wort erinnern.
Er war auf einen Satz
gestoßen, in einem Buch der Verbotenen Abteilung, der ihn nicht
mehr losließ.
Er hatte ihn in dem Buch Gar böse
Zauberey gelesen;
Von dem Horcrux, der ruchlosesten von
allen magischen Erfindungen, wollen wir schweigen und auch keinen
Fingerzeig geben.
Er war enttäuscht gewesen.
Später
sogar sehr wütend.
Er hatte jedes Buch der Verbotenen
Abteilung durchgearbeitet, doch er fand nichts.
Aber er hatte
ja auch noch etwas um diese Wut zu kompensieren, war er doch auf der
Spur der Kammer des Schreckens.
„Was für ein
verweichlichter Name, für etwas so wunderbares." dachte er.
Er
hatte beschlossen der Spur seines Vorfahren, des reinen und mächtigen
Salazar Slytherin, zu folgen. Und in zwei Wochen war sowieso wieder
ein Hogsmeade Wochenende und von dort aus konnte er dann seine
Nachforschungen über die Horcruxe fortführen.
Vorher
aber fand er SIE.
Das wonach er fünf lange Jahre gesucht
hatte. Die verborgene Kammer seines Urahnen und er wäre fähig
diesen bittersüßen Schrecken zu wecken, zu bändigen,
zu befehlen.
Er hatte sie endlich gefunden, nachdem er so viel
Zeit damit verbracht hatte Spuren nachzugehen, etwas voran zukommen
und doch wieder enttäuscht zu werden.
Er war zufällig am Mädchenklo im ersten Stock vorbei gekommen, als er hörte wie sich zwei Weiber über einen defekten Wasserhahn unterhielten.
„Seltsam meinst du nicht auch, Liv?"
„Na,
er ist eben kaputt, Cecile, sieh doch, es sind sogar ganz viele
Kratzer dran und der eine sieht richtig unheimlich aus."
„Apropos,
unheimlich aussehen. Was findest du nur an Tarald?"
Tom war
weiter gegangen, hatte aber beschlossen sich diesen Wasserhahn etwas
genauer anzusehen. Noch in derselben Nacht hatte er sich wieder
dorthin gestohlen.
Tom war nervös, etwas, was er zutiefst
verabscheute.
Er besah sich alle Wasserhähne, drehte
jeden einzelnen auf. Der letzte funktionierte nicht.
Er nahm ihn
genauer unter die Lupe.
Da!
Da war etwas, was absolut nicht
dorthin passte.
Eine Schlange.
War er endlich am Ziel, war dies
der Eingang?
Tom fing an zu sprechen.
„Größter
der Vier von Hogwarts, höre mich an, hochverehrter Slytherin.
Ich trage dein Blut, ich bin dein Erbe, verwehre dich mir nicht.
Offenbare dein Geheimnis." Das wusste er zwar nicht eindeutig, aber
das würde Tom auch nich herausfinden.
Die Worte kamen als
leises Zischeln des Parsel aus seinem Mund.
Erst tat sich
nichts. Er fühlte schon eine Woge der Frustration in sich
aufsteigen, doch plötzlich erglühte der Hahn, so dass es
ihn blendete und während die Waschbecken sich auseinander
schoben, gaben sie einen Blick auf einen Geheimgang frei.
Mit
einem weiteren Blick stellte er fest, dass es wohl eher ein
Geheimrohr war.
Tom warf einen Blick ins dunkle Innere und
ließ sich dann hinab gleiten.
Als er unten angekommen war,
sah er sich um und stellte fest, dass jede Menge Abzweigungen in
verschiedene Richtungen führte.
Er ließ sich von
seinem Instinkt leiten und fand sich nach kurzer Zeit vor einer
starken Eisentür mit eingelassenen Schlangen wieder, deren Augen
rot leuchteten.
Sachte berührte er die Tür und spürte
die unbändige Macht dahinter.
„Öffnet mir"
zischelte er leise.
Die Eisentür schwang auf und er trat ein.
Tom nahm alles in sich auf, die Dunkelheit, der modrige Geruch,
alles.
Während er die Details in sich aufnahm, schritt er
weiter und kam vor einer riesigen Statue zum stehen.
„Salazar,
endlich. Dein Wille wird bald fortgesetzt."
Er war am Ziel,
beschloss aber, noch etwas zu warten. Warum, wusste er selbst nicht,
doch er spürte, dass er sich andere Pläne durchkreuzen
würde, würde er jetzt den Basilisken aus seiner
Gefangenschaft befreien.
Mit dem größten Gefühl der Befriedigung, wandte Tom sich ab und ging zurück zum Eingang. Als er aus den Waschbecken wieder heraustrat, konnte man immer noch ein infernalisches Glimmen in seinen Augen erkennen.
Zwei Wochen später konnte man ihn kurz in
Hogsmeade sehen und danach schien er wie vom Erdboden verschluckt.
Tom war zur Winkelgasse appariert und konnte in einem Buchladen
der Nokturngasse gefunden werden, wo er eine Antwort auf seine
Horkruxfrage zu finden hoffte.
Und auch dieses Rätsel löste er. Tom fand in einer Ecke ein kleines, schäbiges Buch in dem stand, wonach er suchte.
Ein Horkrux gehört
zu der dunkelsten und bösartigsten Magie, die es in der
Zaubererwelt gibt.
Er kann nur gefertigt werden, wenn man aus Hass
und/ oder tiefster Gleichgültigkeit mordet.
Es funktioniert
wie folgt:
Kurz bevor ein Mensch den Tod findet, denkt man die
Formel Animus abiungere.
Sobald also die ausgewählte Person
stirbt, spürt man einen Lufthauch, welchen man mithilfe eines
Fingerzeiges in die gewünschte Person oder den gewünschten
Gegenstand transferieren kann. Nun ist die Seele geteilt.
Doch es
muss auch gewarnt werden, dies gelingt nur Zauberern, deren Blut
reinen Ursprungs ist, da man sonst selbst den Tod findet.
Zudem
ist es wohl nicht ratsam, die Seele mehr als einmal zu teilen.
Verfasser unbekannt.
Ein mächtiges Gefühl der
Gier durchzog ihn.
Jetzt wusste er, was er wollte, er erkannte
seinen unausgegorenen Wunsch, der schon so lange in ihm
schlummerte.
Tom wollte unsterblich werden und diese niedere
Menschheit um sich scharen.
Sie waren nicht mehr wert, als der
Staub des Buches an seinen Fingern.
Er, nur er allein, hatte das
Recht dazu und würde sein Werk beginnen und vollenden.
Und er würde bald damit beginnen.
Nur eine Woche später,
ließ er den Basilisken zum ersten Mal frei.
Das Tier
verbreitete Angst und Schrecken und in Tom das Gefühl der
vollsten Zufriedenheit und Macht.
Doch es gab Probleme. Diese
Angsthasen wollten die Schule schließen. Weil es ja so schlimm
sei, das dieser Schmutz versteinert würde. Das musste er um
jeden Preis verhindern.
Doch wie?
Zunächst einmal
beschloss er, eine Art Tagebuch mit seiner Seele und einer Erinnerung
zu hinter lassen.
Auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte,
hier fühlte Tom sich zu Hause und hier konnte er seinen immensen
Wissensdurst nach den dunklen Kräften stillen.
Tom wollte
sich nur mit seinem Basilisken beschäftigen, die Bande
vertiefen.
Als er die Toilette betrat, hörte er, dass jemand
sich in einer der Kabinen eingeschlossen hatte und geräuschvoll
schluchzte.
Es konnte nur dieses Schlammblut Myrte sein, dieses
Geheule war allgemeinhin bekannt.
Perfekt, dachte er sich
grinsend.
Er zog, schon mal vorsorglich, den Taschenkalender aus der Tasche, den er mal von diesem Waisenhaus geschenkt bekommen hatte.
Nebenbei beschwor er das Waschbecken: „Öffne dich".
Eine Weile schien sich nichts zu tun und man sah nur
in die gähnende Leere des Tunnels.
Doch Tom spürte dass
sein Geschöpf auf dem Weg zu ihm war und wartete geduldig.
Und er kam, der Basilisk, dieses wunderschöne Geschöpf, mit seinen giftgrünen Schuppen und dem roten Kamm. Mit diesen bernsteinfarbenen, mörderischen Augen.
