Liebe Banshee666, liebe SeleneFalcon und lieber Amras (und natürlich alle anderen Leser, die nicht so reviewschreibfreudig sind ;-) ),

hier geht's weiter mit dem kleinen Weihnachtswahnsinn. Ich gestehe, dass Jack wahrscheinlich irgendein hanebücherner Plan eingefallen wäre, der weit, weit von Weihnachtsliedern entfernt gewesen wäre.

Leider bin ich nicht ganz so einfallsreich und habe zu sehr und zu lange "A Christmas Celebration" gehört. Aber ich glaube, banshee freut sich, wenn Jack ein bißchen trällert, nicht? g

Disclaimer: Kennt ihr ja...

Warnung: NOCH keine...

Kapitel 4 Christmas Carols

Obgleich alle Jacks Frage nach den Weihnachtsliedern bejaht hatten, waren sie derer in Wahrheit nur eingeschränkt mächtig.

Jacks Plan war es gewesen als Christmas Carollers von Tür zu Tür zu ziehen, um die weihnachtliche Spendenbereitschaft auszunutzen, doch mit dem Gekrächze und Gemaunze, das die 7 zustande brachten, konnten sie höchstens ein paar Shilling dafür ernten, dass sie weiterzogen.

Oh come, all ye faithful, joyful and triumphant, oh come ye, oh coome ye to Bethlehem. Come and behold him, born the King of angels..."

Zu Arabellas Verwunderung und wahrscheinlich auch zu seinem eigenen Erstaunen war Jacks Stimme, die einzige, die die Töne traf und die Weihnachtslieder in einem hellen, angenehmen Tenor singen konnte.

Ihm war es letztlich auch zu verdanken, dass sie nicht von jeder Haustür sofort weggejagt wurden.

Gegen Abend haten sie das Gefühl sämtliche Straßen Londons abegeklappert zu haben. Besonders viel hatten sie nicht verdient.

Müde und frierend saßen die 7 Freunde um einen kleinen Brunnen in der Nähe der Pudding Lane. Hier gab es kaum Häuser, an denen sie singen konnten, denn obwohl der Große Brand von 1666 schon über 30 Jahre her war, war in der armseligen Gegend um den ehemaligen Brandherd herum noch nicht alles wieder aufgebaut worden.

Seufzend lehnte sich Jack an die Brunnenmauer. „Wieviel haben wir, Lassie?"

Müde ließ Arabella die Münzen in Jacks Hand fallen.

„Zähl du."

Jack warf einen kurzen Blick auf die Shillinge und ließ sie klimpern.

„Reicht vielleicht für eine Nacht. In einem sehr, sehr billigen Inn."

Ächzend stand der Junge auf. „Sollen wirs nochmal probieren? An den Häusern bei Kensington Gardens gibt's vielleicht noch was zu holen."

„'st das weit von 'ier?", nuschelte Jean, der gegen Tumens Schulter gelehnt beinahe schlief.

„Ja.", meinte Jack trocken. „Aber wir müssen sowieso in diese Richtung. Der einzige Platz, an dem wir für die paar Münzen unterkommen, ist nämlich Southwark, am anderen Ufer der Themse."

„Also auf.", seufzte Fitzwilliam. „Wenn wir hier sitzen bleiben, erfrieren wir noch."

Die kleine Gruppe erhob sich mühsam und machte sich auf den Weg Richtung Themse, in der Hoffnung noch ein paar Häuser mit willigen Spendern zu entdecken, wohlwissend, dass es ihnen kaum gelingen würde.

Aus allen Ecken und Enden der Stadt erklangen Lieder wie „Carol of the Bells", „Christmas Pipes", „Away in a Manger", „Little Drummer Boy" oder „Silent Night".

Der Markt war mit Weihnachtssingern eindeutig überfüllt.

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Bootstrap Bill Turner stand gerade mit seinem 5-jährigen Sohn William in der kleinen Gasse vor ihrem noch kleineren Haus, als seine Frau Jenny mit ein paar Einkäufen nach Hause kam.

Sie drückte ihrem Ehemann einen kurzen Kuss auf den Mund und nahm den kleinen Willie in den Arm.

„Na, meine beiden Männer? Habt ihr einen schönen Tag gehabt?"

Bill blieb, sofern er nicht auf See war, den ganzen Tag bei William und spielte mit ihm. Er musste in der kalten Zeit nicht arbeiten. Die Streifzüge, die er auf dem Piratenschiff „White Pearl" mitmachte, brachten ihm mehr als genug ein, um mit seiner kleinen Familie den Winter zu überstehen.

„Wie immer, Liebling."

„Wir haben einen Schneemann gebaut, Mummy!"

„Das sehe ich, mein Engel."

Jenny Turner lächelte. Für den kleinen William war das Weihnachtsfest immer doppelt so schön, wenn sein Seemannsvater nach Hause kam.

Normalerweise brachte das weiße Schiff der Anne Bonny ihn und alle anderen Piraten, die Familie in Großbritannien hatten, alle zwei oder drei Jahre zur Weihnachtszeit nach Hause, um sie dann im Frühjahr wieder an Bord zu nehmen. Normalerweise. Denn in diesem Jahr hatte Bill beschlossen, nicht wieder zur Piraterie zurückzukehren, sondern auf einem Schiff der East India Trading Company anzuheuern, um das zu werden, wofür sein Sohn ihn hielt: Ein ehrbarer Handelsmann.

Es hielt ihn ohnehin nicht mehr viel an Bord der Pearl, seit der Welpe nicht mehr da war. Sicher, mit Anne Bonny, Mary Read, Calico Jack und den anderen verband ihn eine tiefe Freundschaft. Trotzdem reichte sie bei weitem nicht aus, um ihn weiterhin ans gefährliche Geschäft der Piraterie zu fesseln. Er konnte darauf verzichten, gehängt zu werden und eine Familie ohne Schutz zu hinterlassen.

„Bill."

„Hm?"

Bootstrap blickte zu seiner geliebten Jenny auf. Er war wohl in Gedanken gewesen.

„Du denkst an ihn, nicht wahr?"

Sie durchschaute ihn jedesmal.

Er räusperte sich.

„Lass uns reingehen. Es ist zu kalt hier."

„Ja."

Sie ließen Willie vorgehen und blieben im Hauseingang stehen, über dem ein frischer Mistelzweig hing.

„Sieht nach einem Kuss für deinen Liebsten aus.", feixte Bill spielerisch.

„Das tut es, mein Lieber." Jenny tat ihm den Gefallen und küsste ihn zärtlich, was von Klein-Will mit einem würgendem Geräusch quittiert wurde. Die Eheleute lachten.

„Du kommst schon noch auf den Geschmack, mein Sohn.", meinte Bill und verwuschelte die Haare des Kindes. Gemeinsam betrat die Familie die kleine Wohnstube und ließ sich am Tisch nieder.

Bill inspizierte die Einkäufe seiner Frau. „Du hast fürs Abendessen eingekauft?"

„Das weißt du, Bill. Und außerdem lenkst du ab."

„Ich will nur dafür sorgen, dass William genügend ist."

„Unsinn. Du willst nicht über Jack sprechen."

Jack Sparrow. Nein, über den Jungen wollte er wirklich nicht sprechen. Doch jetzt stand der Name förmlich in der Luft, war ausgesprochen und konnte nicht mehr vertrieben werden. Seit er den Kleinen vor 10 Jahren in einem Waisenhaus aufgetrieben hatte und ihn als Schiffsjunge für das Schiff der Royal Navy, auf dem er damals segelte, angeheuert hatte, fühlte er sich dem jungen Sparrow gegenüber verantwortlich. Sie hatten soviel miteinander erlebt, waren gemeinsam auf hoher See in einem Beiboot ausgesetzt worden, waren gemeinsam auf die White Pearl gekommen, hatten dort zwei Kapitäne erlebt und entscheidend zum Fall des ersten beigetragen. Sie waren solange beisammen gewesen, dass sich zwischen ihnen ein unzerreißbares Band der Freundschaft entwickelt hatte.

Bill hatte es ihm nie gesagt, doch er fühlte für Jack wie ein Vater für seinen Sohn fühlt.

Und dann war der Junge verschwunden. Vor 3 Jahren, als sie das letzte Mal hier in London waren, war Jack Sparrow aus seinem Leben verschwunden. Damals, das wusste Bill noch ganz genau, waren Zigeuner in der Stadt gewesen, deren Lebensweise Jack fasziniert hatten. Bill wusste noch ganz genau, dass er sich damals Sorgen machte, Jack könne sich für ein Leben bei ihnen entscheiden, da er doch sowohl im Aussehen als auch in seiner Lebensauffassung besser zu ihnen passte, als zu den im Grunde durch und durch englischen Turners. Bill hatte sich beruhigt, hatte geglaubt, einzig das Piratenleben interessiere Jack. Doch eines Tages war der Junge fort gewesen. Einfach fort. Sie hatten noch über eine Stunde am Kai gewartetet, Captain Anne, Mary, Calico, er und die Mannschaft. Besonders Anne weigerte sich standhaft, ohne ihren liebsten Schiffsjungen in See zu stechen, doch schließlich hatte es sein müssen. Sie konnten nicht länger warten, die Flut kam, das Schiff musste aus dem Hafen und Jack blieb zurück.

Und seitdem wusste Bill nicht, wo sein Junge war. Hatte er sich den Zigeunern angeschlossen? Lebte er überhaupt noch? Ging es ihm gut?

Bill hatte keine Ahnung und er sah keine Möglichkeit, es herauszufinden. Über Jack zu reden stimmte ihn traurig.

„Ich musste heute auch an ihn denken."

Erstaunt blickte er seine Frau an. Auch sie redete sonst nicht gerne über den Jungen, den sie beide ins Herz geschlossen hatten.

„Wieso?"

Jenny lächelte traurig. „Weißt du, ich dachte fast, ich hätte heute seine Stimme gehört. Lächerlich,ich weiß. Aber da waren ein paar Sternsinger und darunter ein Junge. Ich hab ihn nicht gesehen, nur gehört. Hätte schwören können, es wäre Jack."

Bill sah auf, üplötzlich hoffnungsvoll. „Vielleicht war er es."

„Vielleicht aber auch nicht. Wirklich, Bill, vergiß es lieber. Wenn er es war, kommt er bestimmt zu uns."

„Ja...ja...bestimmt."
Bill sah auf den Tisch. Das waren ja Neuigkeiten. Nur... Wenn es wirklich Jack war, warum saß er dann nicht längst hier am Tisch und ließ sie nicht länger auf ihn warten?

„Lord Norrington schickt morgen seinen Sohn vorbei, um die Zahlung für nächstes Jahr abzuholen."

Lord Norrington war ihr Landlord.

„Ach, der junge James? Vielleicht hat er von Jack gehört!"

„Vielleicht. Jedenfalls sind die Mieter von Mylord wie jedes Jahr zum Weihnachtsessen eingeladen. Ich bin einer seiner Mägde auf dem Markt begegnet."

„Hm."

„Mummy?"

„Ja, Liebes?"

„Ich hab Hunger, Mummy."

„Mummy macht dir gleich etwas, Liebling."

Bill lächelte, als er seiner Frau und seinem Sohn zusah, die sich über einen Kessel am Herd beugten. Vielleicht war Jack ja wirklich in der Stadt...

Jack ging durch die eisigen Straßen von Southwark. Ihn schauderte. Es war eine zwielichtige Gegend hier, Tortuga gar nicht mal so unähnlich. Aber in Tortuga war es wenigstens warm.

Das Geld hatte tatsächlich für eine Nacht ausgereicht. Allerdings nur für ein Zimmer für 5 Personen mit Katze. Für ihn hatte es nicht mehr gereicht. Da er alleine mit dem Wirt verhandelt hatte, konnte er es seinen Freunden verschweigen. Er hatte ihnen gesagt, er wolle nur noch ein bißchen spazieren gehen, dann käme er wieder. Wenn er am Morgen wiederkam, konnte er ihnen ja sagen, dass er noch ein wenig Geld übrig hatte und damit die Nacht durchzecht hatte. Ihm war es tausendmal lieber, dass sie einen für einen selbstsüchtigen Zecher hielten, denn für einen barmherzigen Samariter.

Aber kalt war es trotzdem. Jack zitterte. Er schwankte ein wenig und es war nicht sein übliches Gehabe. Ihm war schwindlig. Sein Kopf fühlte sich schwer und zugleich seltsam leer an. Die Sturmnacht an Deck, der Sturz ins kalte Wasser und der Tag im verschneiten London hatten seiner Gesundheit wohl nicht unbedingt gut getan.

Was soll's... 's gibt Schlimmeres als eine Erkältung...

Zum Beispiel, die Gegend, in der er sich aufhielt. Es war wirklich das übelste Viertel von Southwark. An jeder Straßenecke standen zwielichtige Gestalten, die Geschäfte anboten... Oder sich selbst.

Jack war gewiß kein Feind von außerehelichen Beziehungen, doch das hier war etwas anderes.

Hier wurde genommen, was nicht freiwillig gegeben wurde, zwar meistens mit einem Handel verbunden, doch immer irgendwie unter Zwang. Derlei Geschäfte gefielen ihm gar nicht. Kein Mensch sollte gezwungen werden, etwas von sich preiszugeben, was er lieber behalten wollte, nur weil die Not ihn dazu trieb. Das war ein Verlust der Freiheit und Freiheit war Jack heilig.

Er zitterte immer heftiger. Der eiskalte Wind trieb ihm die Schneeflocken ins Gesicht. Er bemühte sich aus diesem Viertel herauszukommen. Vielleicht fand er ja irgendwo einen netten Pub, eine nette Wirtsfrau, die ihn auch ohne Geld aufnahm.

Oder auch gleich ein Stall mit Krippe...

Verdammt, war das kalt! Jack war kurz davor sein Kopftuch aufzubinden und es als Decke zu benutzen, da hielt plötzlich eine Kutsche neben ihm.

„Ich hätte Arbeit für dich. Du bist ein hübscher Junge," erklang eine tiefe Stimme aus dem Wagen.

Jack schoß das Blut ins Gesicht. Das war definitiv ein-

„Ähm... das ist ein Missverständnis, Sir. Ich bin kein-"

„Zier dich nicht. Du wirst gut bezahlt."

Ein Arm streckte sich aus dem Wagen und wollte Jack ins Innere zerren.

Jack schrie erschrocken auf und versuchte, sich loszumachen, doch der Kerl in der Kutsche war zu stark.

Das darf doch nicht war sein!

„Nein, ich-" Jack war beinahe panisch. Was sollte er denn jetzt machen?

Hinter sich war Hufgetrappel zu hören. Ein Pferd kam immer näher, dann hörte er das Zischen eines Degens in der Luft.

Auch das noch... ein Straßenüberfall?

Jack schloss die Augen und erwartete einen Schwerthieb, doch es kam nichts.

Als er die Augen wieder öffnete, sah er, dass der Degen zwischen ihm und dem Fremden in der Kutsche zum Halt gekommen war. Über ihm saß ein junger Mann mit hochgeschlossenem Mantel auf einem schwarzen, dampfenden Pferd.

„Ihr tut besser daran, diesen Jungen nicht anzurühren!", sagte eine kühle, klare Stimme. Sie war noch recht jung und, was noch wichtiger war, sie kam Jack bekannt vor.

Naaah, wer ist der mysteriöse Unbekannte? Schreibt genügend Reviews, dann erfahrt ihr es!