Liebe Leser, und vor allem liebe Reviewer!
Meinen herzlichsten Dank an banshee(my dearest wife), Selene Falcon(my son… g) und Amras(mein konstruktiver Kritiker!), dafür dass ihr mir immer so zuverlässig Reviews schickt und eure Meinung kundtut.
Diesmal gibt es ein etwas längeres Kapitel, mit einem gaaaanz großen Rückblick- und einem Streit, den ich Amras widme, weil er quasi nur durch ihn entstanden ist.
Disclaimer: wie immer…
Warning: hm… noch nichts…
Na, dann, viel Spaß beim Lesen!!
Kapitel 8 Pirates tell tales
Dunkel. Alles war dunkel um ihn herum. Dunkel und warm.
„Jack?"
Aber leider nicht mehr leise. Weit entfernt hörte er eine Stimme, die ihn rief. Kaum mehr als ein schwacher Widerhall.
„Jack?"
Mühsam versuchte er die Augen zu öffnen. Noch war alles verschwommen und undeutlich, doch dann klärte sich sein Blick.
Arabella war über ihn gebeugt und sah ihn aus besorgten, warmen Augen an. Jack schwankte zwischen Freude und Genugtuung darüber, dass sie sich Sorgen um ihn machte, und dem Ärger, dass sie ihn geweckt hatte.
„Jack?"
„Aye, Liebes. Ich bin nicht taub."
Er sagte es ein ganzes Stück leiser und heiserer, als er es eigentlich geplant hatte.
„Geht es dir gut?"
„Jaja, das tut's."
„Dein Freund hat-"
Jack lachte kurz. Ihm fiel durchaus der misstrauische Ton auf, mit dem Arabella „dein Freund" aussprach.
„Hat er euch überzeugt, dass er kein Schwerverbrecher ist? Wie ist ihm das denn gelungen?"
Arabella wurde rot, was Jack ungemein erheiterte.
„Wir-wir wussten ja nicht, ob du ihn wirklich kennst!"
„Schon gut, Lassie, schon gut. Wo sind denn die anderen?"
„Unten."
„Ah."
Ohne ein weiteres Wort schob Jack die Decke beiseite und stand auf. Ein leichter Schwindel überkam ihn.
Verfluchte Erkältung!
Leicht schwankend wankte er durchs Zimmern auf der Suche nach seinen Kleidern, (denn er trug nur dünne Kniebundhosen, die dem Londoner Wetter noch weniger angepasst waren, als seine üblichen Kleider.)
„Jack, Mrs.Turner meint, du sollst im Bett bleiben."
Er ignorierte Arabella und suchte weiter nach Kleidung. Schließlich fand er eine warme Hose, ein wollenes Hemd und eine Tweed-Jacke. Er nahm an, dass sie von seinem letzten Winter in London stammten und wohl ein wenig zu eng sein würden. Sie passten perfekt.
„Zeit, runterzugehen, was, Lassie?"
„Jack, du bist krank, du sollst-"
Mit einer ungeduldigen Handbewegung bedeutete er Arabella, zu schweigen, auch wenn er wusste, dass es sie verärgern würde und er es später würde büßen müssen.
Er stieg die enge Treppe des kleinen Mietshauses hinunter in die Stube, ohne weiter auf Arabella zu achten.
„Jack!"
„Ich dachte, du bist krank!"
„Geh ins Bett!"
„Ca va, capitaine?"
„Alles in Ordnung?"
Er hatte das Gefühl, dass ungefähr ein dutzend Stimmen plötzlich auf ihn einredeten, was seinem Kopf nicht gerade gut tat.
Fitzwilliam saß als Einziger scheinbar unbeteiligt am Tisch (auch wenn er einige besorgte Blicke in Jacks Richtung warf), alle anderen standen um ihn herum und redeten durcheinander.
Jacks Kopf dröhnte und er erwog kurz den Gedanken, doch wieder hoch ins Bett zu, als Bill vortrat und den anderen bedeutete still zu sein.
Der braunhaarige Matrose, der Jack um fast zwei Köpfe überragte, grinste auf ihn herunter.
„Was ist, Welpe? Kopfweh? Warum bist du nicht im Bett geblieben?"
Lachend legte Bill ihm die Hand auf die Schulter.
„Aber der werte Mr. Sparrow hat ja noch nie sonderlich viel Wert auf wohlgemeinte Ratschläge gelegt, nicht wahr? Setz dich erstmal!"
Er führte den Jungen zu der Holzbank, die dem warmen Kaminfeuer am nächsten war.
Auch die anderen, die nun hoffentlich verstanden hatten, dass ihr Geplapper Jack auf die Nerven ging, setzten sich um den Tisch.
Jenny brachte eine große, dampfende Schüssel herein, die sie auf den Tisch stellte, dann scheuchte sie Bill, damit er ihr half, den Tisch zu decken.
Auch Jack wollte wieder aufstehen und helfen, doch Jenny winkte ab.
„Wenn du dummer Junge schon nicht im Bett bleibst, bleib wenigstens sitzen und warte auf das Mittagessen."
Mittagessen?! Hatte er etwa so lange geschlafen?
Tumen, der anscheinend plötzlich hellseherische Fähigkeiten entwickelt hatte, grinste ihn an.
„Wir sind schon seit heute Morgen hier, aber aufwecken konnten wir dich nicht mal zu acht!"
Jack beschloss diese Tatsache zu ignorieren und blieb- ungewöhnlicherweise- still.
Erst als Jenny jedem von ihnen einen großen Löffel Porridge auf den Teller häufte, meldete sich sein meistens recht schweigsames Gewissen zu Wort.
„Ähm, mir nichts, Jenny, das ist zu-"
„Unsinn. Wir haben mehr als genug. Ich sage es nur ungern, " sie seufzte, „doch die Piraterie ist ein recht einträgliches Handwerk."
Jack nickte. Er spürte wie die Blicke seiner Crew auf ihm lasteten. Irgendwie musste er es vergessen haben, ihnen zu erzählen, dass er die meiste Zeit seines Lebens auf einem Piratenschiff verbracht hatte.
„Ja, ja, Piraten haben's gut. Wie auch immer. Wie geht's euch? Alles in Ordnung? Was macht Will? Wo isser, Schule?"
Er hoffte sehr, dass sein Redefluss die anderen von seinem Piratendasein ablenken würde, doch er bezweifelte es.
„Uns geht es gut, das siehst du. Wie geht es dir?"
Bill sah ihn aufmerksam an.
„Gut. Es ist ja nicht allzu viel passiert und-"
„Ach nein?" Bill zog die Augenbrauen hoch. „Woher auch? Wir haben uns ja bloß 3 Jahre nicht mehr gesehen..."
Jack grinste.
„Ich kann dir auch alles haarklein erzählen. Es würde nur sehr viel Zeit in Anspruch nehmen."
„Habe ich auch gar nicht anders erwartet. Warte nur noch, bis James vorbeikommt."
„Aye, Bootstrap."
Für Jack war die Sache damit geklärt und er widmete sich wieder seinem Essen. Für Arabella war anscheinend gar nichts geklärt.
„Jack? Was war das vorhin mit der Piraterie? Und wer ist James?"
Er hüstelte kurz und bedeutete ihr, dass er mit vollem Mund unmöglich sprechen konnte.
„Als ob dich das vorher gestört hätte. Los, sag schon!"
„Kurz oder lang?"
Ein ideales Stichwort für Fitzwilliam, der stöhnend „Kurz, bitte." einwarf.
Jack sollte es Recht sein.
„Bevor ich Captain der grandiosen Barnacle wurde-"
„Jaack!"
„-war ich Schiffsjunge auf einem Piratenschiff namens White Pearl. Ende der ersten kurzen Geschichte. James ist ein Junge, der mir gestern aus einer misslichen Lage geholfen hat. Ende der zweiten kurzen Geschichte. Klar soweit?"
Er sah den Gesichtern seiner Crew an, dass sie gerne noch mehr über ihn erfahren hätten. Er lächelte. Den Gefallen würde er ihnen nicht tun. Er genoss es, geheimnisvoll zu sein.
Es war ruhig beim Essen, doch es war ein gemütliches Schweigen. Jack konnte nicht umhin zu grinsen. Sah so aus als hätte man ihn hier doch nicht vergessen. Bester Beweis war wohl die passende Kleidung.
Als er Bill vorhin darauf angesprochen hatte, hatte dieser nur mit den Schultern gezuckt und gemeint, man könne ja nie wissen.
Die Turners schienen auf seine Rückkehr gewartet zu haben, obwohl es damals für sie so ausgesehen haben musste, als hätte er sie willentlich verlassen. Vielleicht hatte er das ja auch.
Auch später unterhielten sie sich nicht viel. Jack stellte seine Freunde den Turners vor und umgekehrt. Danach sprachen sie nur über Belangloses. Die wahren Geschichten (und Jack wusste mehr als eine zu erzählen) mussten warten, bis James Norrington kam.
Kurz nach dem Mittagessen stand der junge Adlige dann auch tatsächlich vor der Haustür.
Jack sprang vom Stuhl auf und grinste ihn an.
„'lo, Jamie." Der Junge hasste diesen Spitznamen und das wusste er.
James lächelte nur.
„Hallo, Jackie! Wieder auf den Beinen?"
Jack verzog nur das Gesicht. Er hasste diesen Spitznamen.
„Mir geht's gut. Aber du hast dir ja ganz schön Zeit gelassen. Die wollen hier alle meine Geschichte hören."
„Also ich nicht!", rief Fitzwilliam vom Tisch herüber, was James ein leichtes Lachen entlockte.
„Willst du mich nicht noch vorstellen?"
„Aber gerne, das hier ist Bill, das ist-"
„Jack, wie wär's wenn du mit denen anfängst, die ich noch nicht kenne?"
„Oh, achso. Aye."
Grinsend schritt er zu seinen Freunden herüber und zeigte in ausladenden Armbewegungen auf sie, während er sie vorstellte.
„Das ist Fitzy. Ein Aristo, das dürfte dir gefallen!"
Fitzwilliam
streckte James höflich die Hand hin. „Eigentlich heiße
ich Fitzwilliam P. Dalton III. Aber Jack hat anscheinend ein
schlechtes Namensgedächtnis."
„Wie auch immer." Jack
überging Fitzwilliams Worte einfach.
„Das ist Arabella. Hübsches Mädel aus Tortuga. Mein erster Maat. Määtin. Wie du willst."
Mit einem großen Schritt ging Jack zu Tumen und Jean hinüber.
„Tumen. Ein...Maya?"
Der Schwarzhaarige nickte.
„Gut. Das ist Jean, ein Kreole. Die beiden sind ganz ausgezeichnete Navigatoren."
Mit einem abfälligen Blick auf die Katze, meinte er.
„Das ist Constance, Jeans Schwester."
James blickte ihn überrascht an, doch Jack zuckte nur mit den Schultern, ohne irgendetwas zu erklären.
„Das ist Timothy Hawk. Ehemaliger Gehilfe einer Voodoo-Hexe, oder so. Ist jedenfalls sehr nützlich, wenn alle Schätze, die man findet, zufällig verflucht sind."
Auch Bill sah Jack jetzt neugierig an, doch der winkte ab.
„Alles zu seiner Zeit. Ich dachte, ich soll eine Geschichte erzählen."
Bill grinste.
„Nicht eine, deine, wenn's recht ist. Ich würde doch gerne wissen, wo du vor 3 Jahren hinverschwunden bist."
„Aye." Jack sah seinen erwachsenen Freund entschuldigend an.
„Das tut mir leid. Es hatte auch rein gar nichts mit meiner Person zu tun, und-"
„Natürlich nicht. Jetzt erzähl schon."
„Also gut." Jack bedeutete James, sich zu den anderen zu setzen und stellte sich dann in Erzählerpose vor die anderen.
„Es war vor drei Jahren, als ich noch ein junger Bursche war..."
Fitzwilliam verdrehte die Augen. „Zufällig genau drei Jahre jünger als heute?"
„Ruhe!" Unwillig drehte sich Jack zu Fitzwilliam.
„Der Erzähler wird nicht unterbrochen! Also..."
Er hielt kurz inne und nutzte die Zeit, um die richtigen Worte zu finden.
„Es war genau hier, " theatralisch wies er mit beiden Armen auf seine Umgebung und warf dabei beinahe eine Blumenvase um, „genau hier, in London, im Winter des Jahres 1694. Der Schnee war noch dichter und kälter als der uns es jetzt umgibt und die Welt schien grau und trübe, obwohl sich doch Weihnachten näherte. Zigeuner waren in der Stadt, die die Leute mit ihren Puppenspielen und akrobatischen Kunststücken unterhalten wollten und auch sicher das eine oder andere Stück Stoff zum Verkauf dabei hatten. Unter ihnen war auch ein Mädchen, namens Elaine, deren kohlrabenschwarzes Haar und deren überraschend blaue Augen mich wie magisch anzogen. Ich glaube, sie hat mich verhext..."
Arabella schnaubte kurz und murmelte ein „Viel braucht es bei dir ja nicht!", doch Jack ignorierte sie.
„Jedenfalls verbrachte ich viel Zeit bei der kumpanija, also der Wagengruppe der Zigeuner. Ich aß mit ihnen, sang und tanzte, denn die Roma feiern oft, und eines Tages, bei einem dieser Feste überkam mich eine ungewöhnliche Müdigkeit. Ich schlief also ein, und als ich wieder erwachte, war ich in einem rumpelnden Wagen, der sich schnell von London fortbewegte. Über mir saß Elaine und meinte, es tue ihr von Herzen Leid, dass sie mich betäubt hätten, doch ich müsse unbedingt bei ihr bleiben. Tatsächlich hatte ich in diesem Moment keine sonderlich großen Einwände... Ich wunderte mich nur, was dieser Roma-Familie an mir so wichtig war, dass sie mich einfach mitnahm, auch auf die Gefahr hin, dass ich Ärger machte oder um Hilfe schrie."
Mittlerweile hatte Jack durch sein außerordentliches Erzähltalent alle in seinen Bann geschlagen. Jack grinste. So gefiel es ihm.
„Doch was sie mir erklärten, ist schier unglaublich... Nicht einmal ich selbst weiß, ob es stimmt oder nicht..."
Gespannt starrten die anderen ihn an, während er seine dramatische Pause auskostete.
„Der birévo, also der Anführer dieses Zigeuner-Clans, gestand mir, dass sie mich für einen Teil ihrer Familie hielten. Er behauptete, ich sei als Kind verloren gegangen, bei einer Razzia der Gadsche, also der Nicht-Zigeuner, doch da ich kaum Erinnerungen an die Zeit vor dem Waisenhaus habe, kann ich nicht sagen, ob dies tatsächlich der Wahrheit entspricht. Fakt ist, dass es mir von Anfang an leicht fiel, ihr Romanes zu verstehen, und so beschloss ich eine Zeit mit ihnen zu reisen, um zu sehen, ob nicht ein paar Erinnerungen zurückkämen. Ich-"
„Aber, Jack..." Arabella zögerte. „Was ist mit deiner Mutter? Hättest du sie nicht auf jeden Fall erkennen müssen, selbst wenn du noch klein warst, als du-"
Jack zuckte mit den Achseln.
„Schon möglich. Das tut aber nichts zur Sache, denn der alte Zigeuner sagte mir, meine Mutter habe die kumpanija verlassen, um nach mir zu suchen...
Jedenfalls zog ich eine Weile mit ihnen durch Britannien, bis mir klar wurde, dass dies nicht das Leben war, das ich führen wollte. Wir kampierten gerade vor den Toren von Brighton, als der Wind drehte und mir eine kühle Seebrise durch die Haare fuhr...
Brighton ist, wie ihr vermutlich wisst, eine Hafenstadt, und genau dort, mit dem Schiffsgeruch und der salzigen Meeresluft in der Nase wurde mir klar, dass ich zwar für das Nomadenleben geschaffen war, doch das meine eigentliche Heimat nicht das Land, sondern die 7 Weltmeere sind... Eines Nachts stahl ich mich aus dem Wohnwagen meiner Gastgeber, meiner Familie vielleicht, und schlich mich hinunter zum Hafen. Dort suchte ich mir ein stattliches Schiff aus, in dessen Rumpf ich mich versteckte und als blinder Passagier meine Rückreise in die Karibik antrat, auf der Suche nach dem Schiff, auf dem ich groß geworden war.
S gelangte ich unbemerkt nach Tortuga, wo ich von Bord ging. Da Captain Bonny, unter der- äh dessen Befehl ich früher gesegelt war, mit eine unerklärlichen Abneigung gegen Rum gesegnet ist, war es das erste Mal, dass ich die Schildkröteninsel betrat. Dummerweise geriet ich gleich an einen üblen Taschendieb, der mir mein ganzes Hab und Gut stahl. Ich verfolgte ihn bis zu der Taverne „The Faithful Bride", wo ich dieser jungen Dame hier," er wies auf Arabella wie auf eine kostbare Trophäe, „begegnete. Auf der Suche nach meinem Seesack war ich in eine kleine... Streiterei geraten, aus der ich dank Bellas Hilfe ohne einen Kratzer entfliehen konnte."
Arabella schnaubte. „Deine „kleine Streiterei" hat die Kneipe meines Vaters fast vollständig zerlegt. Und dann war der Seesack, den du dir genommen hast, noch nicht mal dein eigener!"
„Äh, nein. Egal, jedenfalls fanden wir in dem Beutel eine Schwertschneide und wie ich schnell herausfand-"
Nach einem bösen Blick von Arabella fügte er hastig hinzu, „wie ich durch deine Hilfe schnell herausfand, gehörte die Scheide ehedem dem berüchtigten Hernando Cortez, und Schwert und Scheide vereint konnten uns zu unendlicher Macht verhelfen. Wir beschlossen also, gemeinsam auf Abenteuerjagd zu gehen."
Jack berichtete davon, wie Fitzwilliam, der den Zwängen seines gesellschaftlichen Standes entfliehen wollte, zu ihnen stoß, und wie sie zu dritt in See stachen. Er sprach davon, wie sie Jean, Tumen und Constance auf einer Insel fanden, auf der sie Hinweise zum Aufenthaltsort des Schwertes zu finden suchten, ließ natürlich nicht aus, wie er dank seiner fabelhaften Intelligenz einen berüchtigten und verfluchten Piratenkapitän zur Strecke brachte, und wie sie schließlich nach mehreren Kämpfen mit Seeungeheueren und Sirenen das Schwert fanden.
Er berichtete auch vom Geist des Cortez, der sie hinters Licht geführt hatte und der beinahe den Tod Tumens verschuldet hätte.
Insbesondere seine ausführliche Schilderung des Kampfes zwischen dem durch Tia Dalmas Hilfe heraufbeschworenen Montezuma dem Geist Cortez schlug die Turners und Norrington, die diese Geschichte noch nicht kannten, in seinen Bann, obwohl James den Wahrheitsgehalt von Jacks Abenteuern ein wenige bezweifelte und auch Bill drückte mit einem gelegentlichen Schmunzeln aus, das er höchstens die Hälfte von dem glaubte, was Jack da von sich gab.
Gegen Mittag hatte Jack seine Geschichte von seinen Abenteuern und denen der Barnacle zu einem Ende gebracht, wobei er besonderen Wert darauf gelegt hatte, dass er im Frühjahr Captain der East India Trading Company werden würde. Dieses kleine Detail ließ Bill stutzen.
„Dieser Beckett hat DICH zum Captain gemacht?"
Beleidigt schaute Jack Bootstrap an.
„Jaa, und?!"
„Meinst du nicht, du bist ein bisschen zu jung, um Captain zu sein?"
„Erstens bin ich schon längst Captain und zweitens kennt Talent eben kein Alter. Bist du vielleicht eifersüchtig?"
„Nein." Bill blieb ruhig. „Nur vorsichtig. Ich werde auch auf deinem Schiff anheuern-"
„Falls ich dich einstelle", knurrte Jack.
„-, dann sehen wir weiter."
„Meinetwegen..."
Bills Misstrauen gegenüber seiner neuen Position trübte Jacks Stimmung ein wenig. Es schien, als gäbe es Einiges, über das der ältere Turner mit seinem Schützling sprechen wollte und es schien James ratsam, sich zu verabschieden… Das kleine Haus der Turners war auch ohne ihn schon voll genug.
James erhob sich elegant.
„Ich fürchte, ich muss schon gehen. Meine Familie erwartete mich zum Nachmittagstee.", meinte er bedauernd, was Jack dazu veranlasste zu schmollen.
James grinste ihn an.
„Zieh nicht so ein Gesicht. Du hast es 2 Jahre ohne mich ausgehalten, da wirst du ja wohl noch einen Tag überstehen… Morgen komme ich wieder vorbei, Vielleicht können wir deinen Freunden ja eine kleine Stadtführung durch London bieten."
„Gerne." Jack grinste schon wieder übermütig.
„Und du willst tatsächlich zu Fuß durch London latschen, Mylord?"
„Nein." James lächelte unbekümmert. „Wir nehmen die Kutsche. Besser gesagt, deine Freunde nehmen unsere Kutsche, die fasst nämlich höchstens 5 Personen. Wir reiten. Falls du das kannst."
Er grinste frech.
„Klar kann ich das!" Jack war empört. „Ich bin ein unglaublich talentierter Reiter!" Tatsächlich hatte er in seinem Leben bisher höchstens dreimal auf einem Pferd gesessen, aber das brauchte James ja nicht zu wissen.
„Dann ist ja gut. Wir sehen uns morgen, Sparrow"
Jack winkte ihm ausgelassen hinterher, bis plötzlich Bill hinter ihm stand.
"Ist was, Großer?"
Doch Bill ging nicht auf ihn ein. Er sah ernst aus.
„Wir müssen reden, Jack… Was hat das mit diesem Beckett zu bedeuten?"
Jacks Gesichtsausdruck verdunkelte sich.
„Was soll das, Bill? Kannst du nicht akzeptieren, dass ich Captain werde?!"
Jack verschränkte in einer scheinbar undurchdringlichen Abwehrhaltung die Arme vor der Brust. Er wollte nicht mehr reden, das war Bill klar. Trotzdem wollte er nicht lockerlassen, denn das Angebot des EITC-Agenten ließ ihm keine Ruhe, instinktiv spürte er, dass etwas nicht stimmte.
„Jack…"
Doch Jack ignorierte ihn und rauschte von der Türschwelle tiefer ins Haus hinein. Es schien, als wolle er nach oben ins Gästezimmer, doch plötzlich blieb er stehen und drehte sich auf der Schnelle um.
„Wo… wo ist eigentlich Will?", fragte Jack, plötzlich beklommen. Kleine Kinder wie Will waren zerbrechlich. Sie starben schnell.
Bills Zögerlichkeit schien Jacks düstere Vorahnung noch zu bestätigen.
„Was ist mit ihm??", drängte er
Bill hob beschwichtigend die Hände.
„Es geht ihm gut, er ist bei seiner Großmutter..:"
Verständnislos sah Jack ihn an.
„Wieso…?"
Bill schien sich unwohl zu fühlen.
„Weißt du Jack… Wir haben beschlossen, dass Will nichts von meiner Vergangenheit wissen soll… Deshalb wäre es besser, wenn er dich nicht-„
Jack fühlte, wie sein Inneres zu Eis wurde. Bill wollte nicht, dass sein Sohn ihn kennen lernte… Er schämte sich für ihn.
„Es wäre besser, was?" Jack spie die Wörter förmlich aus. „Besser für den kleinen Will, damit er nicht vom verdorbenen Piraten Jack beeinflusst wird…!!! Du hättest nur was sagen brauchen, dann wäre ich wieder gegangen! Du solltest deinen echten Sohn nicht wegen mir aus dem Haus vertreiben!!"
Jacks Stimme wurde immer lauter, bis er Bill tatsächlich anschrie.
„Jack.. beruhige dich…", versuchte der Ältere ihn zu beschwichtigen, doch es war vergebens.
„ICH WILL MICH NICHT BERUHIGEN!!! Wenn ich es nicht wert bin, dass dein Sohn mich KENNT, dann brauchst du dir erst recht keine SORGEN um mich zu machen! ICH FAHRE ALLEIN FÜR DIE EITC.!!! DU KANNST JA WIEDER MIT DER WHITE PEARL SEGELN!!"
„Natürlich mache ich mir Sorgen um dich, du kleiner Idiot."
Jack schüttelte wütend den Kopf, er wollte Bill nicht zuhören. Schwer atmend versuchte er an ihm vorbei aus dem Haus zu stürmen. Bill packte ihn jedoch am Arm und versuchte, ihn so zu drehen, dass er ihn anschauen musste.
„JACK, hör mir zu, ich-„
"NEIN, ich will nicht zuhören!!"
"Jack, natürlich bin ich besorgt um dich und natürlich werde ich dich begleiten… Ich bin kein Crewmitglied der Pearl mehr, also ist das kein Problem und-„
Jack hatte aufgehört, sich gegen Bill zu wehren und starrte ihn mit großen Augen an.
"Du… du hast was?"
„Ich habe beschlossen, die Piraterie an den Nagel zu hängen. Glaub mir, es ist besser so. Ich will nicht, dass mein Junge so wird wie-„
"SO WIE ICH?" Jack schrie wieder, seine Stimme überschlug sich fast.
„Damit er kein verdreckter Piratenjunge wird, der nur vom Stehlen Ahnung hat?? Siehst du mich so, Bill????"
Jack wand sich aus Bills Griff frei. Tränen standen in seinen Augen.
„Ich…ich..:"
"Jack, beruhige dich… Ich will doch nur das Beste für euch beide… Du kannst doch auch auf einem Handelsschiff anheuern so wie ich… Immerhin beginnst du deine Laufbahn als Gesetzestreuer als Captain…"
"Nein, Bill, nein…"
Jack schüttelte den Kopf.
„Das kann ich nicht. Ich bin Pirat und die Pearl ist mein Zuhause. Ich dachte nur immer, dass du…"
Jack schaute zu Boden, dann blickte er Bill plötzlich voller Wut an.
„Ich verstehe dich. Jetzt, wo du deinen eigenen Welpen hast, brauchst du mich voll nicht mehr!", rief er bitter aus, dann drehte er sich auf der Stelle um und lief aus dem Haus.
Bill eilte zur Tür, um ihm nachzuhetzen, doch Jack, der zahlreiche Schlupfwinkel in Londons Straßen kannte, war bereits im Schneegestöber verschwunden.
Oh, oh, Jackie, was machst du bloß? Bist du nicht schon krank genug?
Wenn ihr wissen wollt, wie's weitergeht, dann schreibt Reviews!!!
