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(Seeing you again)

Am nächsten Morgen in der Uni:

„Buffy, du glaubst nicht, was mir gestern passiert ist. Da waren so zwei Typen, die mich ausrauben wollten und dann kam so ein Kerl und hat die beiden zusammengeschlagen.", erzählte Mark seiner Freundin.

„Wie nett von ihm.", sagte Buffy abwesend.

„Ja, ich habe ihn für heute Abend zu mir eingeladen. So als Dankeschön."

„Cool, soll ich was kochen? Oder soll ich nicht dabei sein? Ich kann auch zu Hause bleiben."

„Nein, das ist ne super Idee.", sagte Mark und küsste seine Freundin.

Am frühen Abend wachte Spike in seiner Gruft auf. Er erinnerte sich. Er hatte diesem Mark geholfen und jetzt hatte er ihn eingeladen. Nicht schlecht eigentlich. Er hatte ja eh nichts zu tun. Vielleicht war er ja ein ganz netter Kerl. Also zog er sich um, ließ den Ledermantel ausnahmsweise weg und ging los.

Er klingelte einmal und bald darauf ging auch die Tür auf.

Mark machte ihm freundlich lächelnd die Tür auf. „Hey, Will. Schön, dass du da bist. Komm doch rein."

Spike nickte und war froh um die direkte Aufforderung einzutreten. Das hätte noch böse enden können. In der Wohnung stieg ihm ein eigenartiger Geruch in die Nase. Es roch nach Essen. Und nach etwas anderem. Er wusste nur nicht was.

„Ähm, meine Freundin hat für uns gekocht."

„Schön.", sagte Spike, obwohl er ja eigentlich gar nicht aß.

„Schatz, kommst du mal? Unser Gast ist da.", rief Mark nach seiner Freundin.

Die Küchentür ging auf und Marks Freundin kam heraus. Spike musste zweimal hinsehen um es zu glauben. Da stand sie. Seine Buffy, so schön wie eh und je.

Auch Buffy war nicht weniger überrascht. Einen kurzen Moment setzte ihre Atmung aus und dann arbeitete ihr Gehirn auf Hochtouren. Beide wussten nicht wie sie reagieren sollten. Spike erkannte Buffy's Unentschlossenheit und beschloss den ersten Schritt zu machen.

„Hey, ich bin Will.", sagte er und reichte ihr die Hand.

„Buffy.", sagte sie kurz angebunden und reichte ihm die Hand. Ein Stromstoß durchzuckten sie und fast hätte sie das Gleichgewicht verloren.

Mark beobachtete die beiden erfreut darüber, dass sie sich anscheinend mochten.

„Ähm, das Essen ist fertig, wir könnten dann...", sagte Buffy etwas verwirrt und deutete den beiden zum Tisch zu gehen.

So gut wie möglich versuchte sie ihre Nervosität zu verstecken. Es war einfach unglaublich. So irreal. Aber schön. Er sah noch immer gut aus. Das Blond war ein bisschen herausgewachsen und die Haare waren länger. Er war ein bisschen schmaler geworden. Im Gesicht zumindest. Und auch sonst sah überwältigend aus. Sie musste sich eingestehen, dass Mark da nicht herankam. Aber was sollte das auch? Sie liebte Mark schließlich.

Während sie das Essen ins Esszimmer brachte, versuchte sie angestrengt rauszufinden, wie dieser Abend nur verlaufen sollte. Sie würde Mark auf gar keinen Fall sagen, wer sein Lebensretter war. Und sie hoffte, dass Spike nicht die Absicht hatte, zu sagen, er hieße William oder Spike.

Etwas später saßen die drei beim Essen. Die Stimmung war eigenartig. Spike beobachtete Buffy und Buffy warf ihm hin und wieder einen flüchtigen Blick zu. Darauf bedacht sich bloß nicht in die Augen zu gucken.

Spike war teils erleichtert und teils enttäuscht. Jetzt wusste er, dass es ihr gut ging. Aber er ärgerte sich selbst über die Tatsache, dass er ihr jetzt gegenüber stand. Das hatte er nicht gewollt.

„Und Will, lebst du in Sunnydale?", fragte Mark Spike nach einiger Zeit.

Panisch schaute Buffy zu Spike und dann zu Mark. Ihre Augen pendelten hin und her. Das konnte ja was werden.

„Nein, ich bin vor zwei Jahren weggezogen. Bin eigentlich nur hier um mal zu schauen, ob auch alles in Ordnung ist.", erklärte Spike.

„Achso, hast du hier studiert, oder so?", fragte Mark weiter.

„Ich habe in England studiert. Habe fünf Jahre hier gewohnt. Es gab hier ein paar Dinge, die mich festgehalten haben. Später dachte ich, es sei besser zu gehen."

Buffy lachte leise auf, was aber nur Spike mitbekam. Er schaute sie einmal fragend an, doch sie wich ihm aus.

„Dann bist du also doch aus England. Habe mir schon so was gedacht, wegen deinem Akzent. Wo genau kommst du denn her?", fragte Mark interessiert.

„Aus London.", antwortete Spike. „Und du? Bist du auch von hier, oder bist du nur zum studieren hier?", fragte Spike Mark.

„Ich komme aus Greenfield, aber als ich den Studienplatz hier bekommen habe, habe ich mich für Sunnydale entschieden. Aber Buffy kommt aus Sunnydale."

„Eigentlich komme ich aus LA, aber so mit 15 bin ich hierher gezogen.", sagte Buffy ohne irgendwen anzuschauen.

„Seid ihr zwei euch nie begegnet? Sunnydale ist nicht gerade groß.", sagte Mark. „Doch bestimmt schon mal im Bronze, oder nicht?"

„Nicht das ich wüsste.", murmelte Buffy.

„Sag mal, Will. War es damals auch schon so, dass es hier sehr viele Todesfälle gab? Mir ist aufgefallen, dass hier andauernd irgendwer verschwindet oder tot aufgefunden wird. Man hatte es mir schon mal früher erzählt, aber ich hatte es nie geglaubt."

Spike zog spike-like die linke Augenbraue hoch und sah erst Buffy verwundert an, bevor er antwortete. Dieser Mark wusste es also nicht. Er hatte wirklich keine Ahnung von Dämonen oder gar davon, dass seine Freundin schon ein paar Mal die Welt gerettet hat. Armer Kerl. „Das war schon immer so. Es gibt ja auch dementsprechend viele Friedhöfe hier. Nicht wahr Buffy?", versetzte er ihr einen kleine Seitenhieb.

Buffy warf ihm unauffällig einen giftigen Blick zu und nickte. Dann ging sie zum Angriff über: „Und? ‚Will'.", Dabei betonte sei seinen vermeidlichen Namen besonders sarkastisch, „Ist auch alles in Ordnung in Sunnydale? Ich meine, du sagtest ja, du wollest schauen, ob alles in Ordnung ist.", funkelte sie ihn an.

„Oh ja, ich denke schon. Heute Abend kam viel Klarheit in die Sache.", antwortet Spike abgehackt.

„Will, darf ich fragen, warum du aus Sunnydale weggezogen bist?", fragte Mark.

„Das hatte private Gründe. Sagen wir mal so, ich war der Meinung, dass die Frau die ich liebte, beziehungsweise immer noch liebe, mir nicht sagen konnte, dass sie mich liebt. Und dann gab es noch einen Todesfall. Ich konnte nicht mit ihr trauern, weil dieser Mann nicht gerade mein bester Freund war. Doch jetzt ist alles so, wie ich es haben wollte. Es geht ihr gut und sie ist neu verliebt."

„Woher willst du wissen, dass sie damals um diesen Mann getrauert hat, wenn du einfach gegangen bist?", fragte Buffy und Mark ahnte, dass sie es fragte um rauszufinden, warum William damals gegangen war. Es versetzte ihm schon einen kleinen Stich.

Spike war verwundert. „ Er war ihre erste große Liebe und ich denke, ich war ihr im Weg. Und nach allem, was zwischen uns war, war ich der Meinung, sie würde wohl erleichtert sein."

„War sie nicht.", sagte Buffy so leise, dass nur er es verstand. Vampirgehör.

„Wohnst du jetzt hier im Hotel?", fragte Mark, bevor Spike darüber nachdenken konnte.

„Nein, in meiner alten Wohnung.", sagte er und bemerke aus den Augenwinkeln, wie Buffy angestrengt nachdachte. Er kannte diesen Blick. Sie überlegte, was richtig war.

Ein bisschen Zeit verging. Sie hatten mittlerweile aufgegessen und sich dann in die kleine, gemütliche Sitzecke verzogen. Sie redeten ein bisschen über dies und das. Buffy schaute nicht ein einziges Mal Spike an. Ab und an bemerkte Mark, wie Will seine Freundin komisch anschaute, dachte sich aber nichts dabei, weil er es gewohnt war, dass andere Kerle seine Buffy anstarrten. Er machte sich nichts daraus. Er war sich ihrer Liebe sicher.

„Ich denke, ich sollte dann mal nach Hause gehen. Willow ist alleine zu Hause. Kennedy ist doch arbeiten.", sagte Buffy. Mit ‚arbeiten' umschrieb sie, dass Kennedy auf Streife war.

„Wie? Du willst wirklich schon gehen?", fragte Mark.

„Ja, ich denke, es ist besser so.", sagte Buffy.

„Mmh, ich denke, ich sollte dann auch gehen. Es ist schon spät.", sagte Spike.

„Na gut, dann kann ich euch nicht abhalten."

Spike verließ als erster die Wohnung, nachdem er sich von Mark und Buffy verabschiedet hatte. Es war wirklich eine komische Situation gewesen. Er beschloss vor dem Haus, in dem Mark's Wohnung war, zu warten.

Buffy hatte die Verabschiedung von Mark noch etwas in die Länge gezogen, um Spike nicht mehr zu begegnen und verließ nun das Haus.

Spike sah seine Chance gekommen und ging auf sie zu.

„Buffy?"

„Verschwinde!", entgegnete sie kalt.

„Können wir reden?", fragte Spike, als Buffy immer noch mit dem Rücken zu ihm stand.

„Schreib doch nen Brief. Darin bist du doch so gut.", sagte sie und ging weiter ohne ihn eines Blickes zu würdigen.

„Buffy, bitte."

Endlich drehte sie sich um. „Was willst du von mir? Lass mich in Ruhe."

Oben in der Wohnung, wollte Mark gerade seine Vorhänge zuziehen als er Buffy und Will vor dem Haus sah. Sie sahen aus, als würden sie sich streiten.

„Dann war es also doch richtig, dass ich gegangen bin? Du warst froh mich los zu sein.", stellte Spike fest und sah sie an.

„Das hat niemand gesagt."

„Und trotzdem soll ich verschwinden."

„Was willst du denn auch hier, Spike? Du bist doch abgehauen."

„Nur nach dem Rechten sehen. Aber du hast Recht, ich sollte verschwinden. Wie ich sehe ist alle in Ordnung und auch sonst scheinst du glücklich zu sein.", sagte er etwas verletzt.

„Du gehst also wieder?", fragte sie.

„Wenn du es so willst, Buffy. Nichts anderes kann mich hier halten.", sagte er und wandte sich zum Gehen.

„Warte!", sagte sie.

Verwundert drehte er sich wieder um und sah sie überrascht an.

„Es gibt noch ein paar Dinge, die ich dir sagen muss. Aber nicht jetzt und nicht hier."

„Wann dann?", fragte er.

„Ich weiß nicht. Morgen? Übermorgen?"

„Wenn du dich entschieden hast, sag Bescheid. Du weißt wo du mich findest.", sagte er und verschwand in der Dunkelheit.

Er war also wieder da. Um zu sehen, ob es ihr gut ging. Wegen ihr.

Buffy war verwirrt. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Da war Mark und da war Spike. Und ihre Freunde. Das einzige, was sie wusste, war, wem ihre Liebe gehörte. Oder?