Danke an Leaky, für's betan.

Geißel von Hogwarts

Kapitel 19 – Eine neue Herausforderung

„Ms Parkinson!"

Pansy, die nach Blaise' Verschwinden ein wenig hilflos auf die Tür gestarrt hatte, wirbelte herum und sah sich mit einem Professor Snape konfrontiert, der sie definitiv nervös machte. Sein Gesichtsausdruck war eine klare Sturmwarnung Stufe 1, während sich in seinen Augen ein Anflug bösartigen Humors spiegelte; jener Art von Humor, der nur jemanden wie Snape aufheitern konnte, so etwas wie weinende Hufflepuffs, der Anblick von Flitwick, wenn er an ein Buch im obersten Regal wollte, das Gesicht von Dumbledore, wenn ihm die Süßigkeiten ausgegangen waren oder ein Gryffindor nach der Sperrstunde.

Das war schlecht.

„Blaise?" Die Frage war eher gequiekt, als gefragt.

Snapes rechter Mundwinkel verzog sich um exakt einen halben Zentimeter nach oben.

Oh ja. Das war schlecht.

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„Mir schräg kommen, ja? Mich demütigen wollen, wie? Nicht mit mir, Freundchen! Du wirst dich noch umsehen! Du wirst noch den Tag bereuen, an dem du dich mit MIR angelegt hast! Das wird dir noch Leid tun! Ich werde dir auf soviel Arten den Arsch auf..."

Murmelnd zog ein Lufthauch durch das nächtliche Hogwarts. Hier und da hielt ein Geist im Flug inne und schaute neugierig um sich, doch zu sehen war nichts. Alles, was das erhitzte Gemurmel begleitete, war das Klirren von Glas und ab und an ein bitteres, kleines Lachen. Peeves, der Poltergeist war einer der Ersten, dem all dies aufgefallen war, und sein erster Impuls war gewesen, laut kreischend um die Quelle des Geräusches herumzufliegen, doch hatte schließlich innegehalten und dies aus zwei Gründen. Erstens klangen die Worte, die er vernahm, so, als würde die unsichtbare Person im wahrsten Sinne des Wortes ein Chaos verbreiten, wie selbst er es zu seinen Bestzeiten nicht vermochte, und zweitens, weil die Schritte ihn langsam, aber sicher an einen Ort führten, an dem er nur selten wagte, etwas anzustellen.

Vor dem Potionslabor kamen die Schritte schließlich zu einem Halt und unter leisem Rascheln erschien plötzlich der Kopf von Hermione Granger in der Luft.

„Das hast du nicht kommen sehen, du arroganter Bastard, was?", flüsterte sie. „Alohomora!"

Die Tür zu Snapes Labor öffnete sich und mit einem kleinen, gemeinen Grinsen trat Hermione hinein, von Peeves ehrfürchtig beobachtet.

Claudite portam!"

Die Tür schlug zu.

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„Interessant, aber keine zur Debatte stehende Option, wie ich fürchte, Ms. Parkinson."

„Hmpf."

Snape saß in seinem ledernen Sessel vor dem Kamin. Da er keinen Zweiten besaß und Pansy sich nicht auf einem der harten Besucherstühle niederlassen wollte, hatte sie sich kurzerhand ein Kissen auf den Boden gelegt und darauf gesetzt.

„Wie auch immer", sprach Snape weiter, „ich halte eine Herausforderung, dass alle Gryffindors eine Woche lang unbekleidet herumlaufen sollen, für etwas übertrieben." Bevor Pansy wegen der plötzlich entdeckten Menschlichkeit ihres Professors etwas sagen konnte, fügte er hinzu: „Denken Sie nur daran, dass ich eine Woche lang nichts essen könnte, ganz zu schweigen von dem enormen psychischen Schaden, der bei allen entstehen könnte, die diesem Anblick ausgesetzt sind. Des Weiteren müsste ich mich für eine Woche krank melden, denn nichts auf der Welt könnte mich dazu bringen, fünf Tage lang nackte Gryffindors zu unterrichten."

Bei diesen Worten verzogen sich Snapes Lippen zu dem, was bei ihm als Lächeln galt, doch Pansy glaubte einen Schatten über seinen Zügen zu sehen. Bevor sie sich jedoch weiter darüber wundern konnte, verschwand der seltsame Ausdruck wieder.

„Haben Sie eine bessere Idee?" fragte Pansy nun neugierig, doch Snape schüttelte den Kopf. „Ich hatte eine, doch... kürzliche Umstände... haben dies unmöglich gemacht." Erneut war da dieser Ausdruck und diesmal hätte Pansy schwören können, dass es wie Trauer aussah, doch dies hier war Snape! Sie zog die Brauen zusammen, aber wieder war der Schatten verschwunden, bevor sie etwas sagen konnte.

„Also, Miss Parkinson." Ihr Name riss sie aus ihren Beobachtungen. „Mit Sicherheit wird uns etwas Passenderes einfallen als nackte Gryffindors, Gryffindors, die Hauselfen spielen müssen – obwohl das schon ziemlich innovativ war – oder das Verwandeln von Gryffindors in Flubberwürmer. – Ganz ehrlich Miss Parkinson, glauben Sie, ich könnte der Gelegenheit widerstehen, alle Gryffindors als Zutaten für meine Tränke zu verwenden? - Denn wenn nicht, dann bin ich mir sicher, wird mich der Headmaster wieder für Wochen..." Er verstummte und ein berechnendes Glitzern trat in seine Augen. Schlagartig wurde Pansy hellhörig. „Der Headmaster...", murmelte Snape und ein böses Grinsen breitete sich über seine Lippen aus.

„Ähm, Sir?"

Er wandte ihr abwesend sein Gesicht zu.

„Hm?"

„Die Idee hört sich in Ihrem Kopf bestimmt ganz logisch an, aber ich bin hier draußen!"

Ein warnender Blick traf sie.

„Ich meine… Würden Sie mir vielleicht erklären, was Sie vorhaben? Sir?"

„Aber gern, Miss Parkinson. Ich hatte gerade einen Geistesblitz, der unseres Hauses würdig ist, wie ich finde..."

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Er zog mit dem Finger eine Linie an der Wand entlang.

„Sooo..."

„So?" Ginny hob eine Braue.

„Ganz allein... hier... du und ich... hab ich schon erwähnt, dass wir allein sind?"

„Blaise?" Ginnys Tonfall sprach von äußerstem – und im Zweifelsfalle schmerzhaftem – Misstrauen.

„Ginny, Geliebte, du weißt, ich würde mich dir nie aufdrängen..." Blaise machte verletzte Hundeaugen.

„Bis auf das Begrabschen im Flur, wenn du denkst, ich wüsste nicht, dass du es bist?"

„Äh, ja, bis darauf."

„Du schnallst einfach nicht, das du bei mir niemals landen wirst, oder?"

Seine Augenbrauen wanderten nach oben. „Ist das so?"

„Das ist so!"

Er kam einen Schritt näher.

„Das heißt, du kannst mich nicht leiden?"

„Nicht ein bisschen!"

Noch einen Schritt.

„Du willst mich nicht?"

„Wüsste keinen Grund."

Er war fast bei ihr.

„Mich nicht küssen?"

„N- nein?"

Er stand vor ihr.

„Spüren?"

Seine Hand glitt an ihrem Gesicht entlang, ohne sie jedoch zu berühren.

„Äh..."

Wurde es wärmer hier drin, oder bildete sie sich das ein?

Sein Grinsen war nur noch als raubtierhaft zu bezeichnen, als er sich zu ihr herunterbeugte und flüsterte: „Und dein fabelhafter Plan, mich eifersüchtig zu machen, ist also nur gespielt?"

„Äh... WAS?" Erschrockene, hellblaue Augen starrten in dunkelblaue Augen. „Woher weißt du...?" Sie formulierte die Frage nicht bis zum Ende, denn ihr Blick glitt etwas an seinem Gesicht hinunter und war nun ganz auf seine weichen, geschwungenen Lippen konzentriert.

„Charme öffnet Tür und Tor... und Tagebücher", flüsterte er und ihr Ausruf der Entrüstung erstickte an seinen Lippen.

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Harry konnte nicht schlafen. Daher saß er im Schneidersitz auf dem Bett und wühlte sich hungrig durch den Beutel mit Süßigkeiten, die noch von dem vorletzten Besuch in Hogsmeade in seiner Tasche gefunden hatte.

Er hatte beschlossen, Draco beim Schlafen zuzusehen, nachdem dieser erschöpft eingeschlafen war, denn wie oft hatte er nicht schon gehört, wie sich die Gesichter der Menschen im Schlaf entspannten, ihre Sorgenfältchen sich glätteten und sie so sanft und unschuldig aussahen, dass sich einem das Herz in der Brust zusammenzog. … Nach etwa 90 Sekunden entschied er, dass Draco im Schlaf zu beobachten so ziemlich das Langweiligste war, was er je erlebt hatte, und machte sich auf, etwas Sinnvolles zu tun. Dementsprechend die Süßigkeiten.

Offensichtlich war das Rascheln laut genug, um Draco aufzuwecken. Ein platinblonder Schopf tauchte aus den Tiefen von Decken und Kissen auf und robbte, neugierig schnüffelnd, näher.

„Was'n das?"

„Guck, das hab ich aus dem Honigtopf mitgebracht", erklärte Harry und zeigte Draco zwei Stücken Papier. „Das ist ein Gewinnspiel. Wenn man einen Phönix hat, kriegt man ein Jahr lang Schokofrösche umsonst. Einfach nur rubbeln und gewinnen!"

Draco grinste Harry lüstern an und wackelte mit den Augenbrauen. „Ich gewinne immer, wenn ich rubble", schnurrte er anzüglich.

Es sollte hinzugefügt werden, dass sie niemals dazu kamen herauszufinden, ob sie gewonnen hatten.

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Am nächsten Morgen dämmerte es langsam und zögerlich. Die Sonne schien sich nicht so richtig dafür entscheiden zu können, ob sie an diesem Tag wirklich über die schottischen Berge scheinen sollte oder ob es vielleicht im Sinne der englischen Zauberergesellschaft wäre, wenn sie diesen Tag einfach ausfallen ließe.

Schließlich gab das Schicksal ihr einen Tritt und es ward Morgen. Dieser gestaltete sich im Gryffindorturm folgendermaßen:

„Ron?"

„Harry!"

„Wo kommst du her?"

„Wo kommst du her?"

„…"

„Ich hab zuerst gefragt!"

„Ich hab zuerst gefragt!"

„…"

„Hermione?"

„Jungs. Ihr seid doch nicht etwa jetzt erst zurückgekommen? Wo ward ihr?"

„Wo warst du?"

„Äh."

„Mor...geeeeen!"

„NEVILLE?"

„Hallo Leute. Seid ihr schon wach? Morgen Ginny!"

„Morgen Neville!"

Ginny?"

„Ron?"

„HAT HIER EIGENTLICH IRGENDJEMAND IN SEINEM EIGENEN BETT GESCHLAFEN?"

„Eine interessante Frage, Mr Weasley. Die Antwort darauf würde mich ebenfalls interessieren."

„Oh Merlin… Morgen Professor McGonagall."

„Guten Morgen, in der Tat, Mr Weasley. Abgesehen von der Tatsache, dass sie hier einen Krach veranstalten, als hätte Gryffindor den Hauspokal gewonnen", hier stoppte sie und sah alle mit mahnendem Ausdruck an, „was ich nebenbei gesagt auch erwarte, würde ich doch gern erfahren, waAHHH!" Sie duckte sich, als ein, den Anwesenden bereits bekannter, Falke durch den Raum fegte, ein Stück Pergament fallen ließ und mit einer eleganten Drehung wieder davon rauschte. Hermione half der offensichtlich überforderten Professor McGonagall wieder in eine aufrechte Position.

„Ich brauch Kaffee", murmelte diese und wankte in Richtung des Portraitlochs, ihre regelbrechenden Schüler ganz vergessen.

Harry hatte derweilen das Pergament aufgehoben und starrte nun ungläubig auf die Worte.

„Das können sie unmöglich ernst meinen!"

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Rolanda Hooch hatte sich gerade die letzte Tasse Kaffe eingeschüttet – sehr zum offensichtlichen Leidwesen von Minerva, welche im Inneren tobend auf Nachschub von den Hauselfen wartete, als sich die Türen der Großen Halle öffneten und die Siebtklässler der Gryffindors unter den wachsamen Blicken eines seit langer Zeit mal morgendlich gut gelaunten Snapes den Saal betraten. Da die fünf Jungen allesamt in dunkelroten Samtroben, passendem Zaubererhut und falschen weißen Bärten einmarschierten, war aller Aufmerksamkeit die ihre.

Hermione und Ginny, zum ersten Mal seit dem Beginn des Streichewettbewerbs still grinsend, setzten sich auf ihre Plätze und versuchten, nicht haltlos zu lachen.

„Wie stehen die Chancen, dass wir das überleben?", flüsterte Ginny.

„Schlecht bis ganz schlecht. Ich muss zugeben, dieser Streich hat was. Das hätte ich den Slytherins nicht zugetraut. Er ist nicht unter der Gürtellinie, aber trotzdem von absoluter Gemeinheit", wisperte Hermione zurück.

Harry, der seine etwas zu langen Roben mit beiden Händen hochgerafft hielt, lief indessen unbekümmert nach vorn zum Lehrertisch, acciote sich einen Stuhl heran und stieg darauf. Er ließ seinen Blick unter der etwas nach vorn auf die Nase geschobenen Brille dramatisch durch die Hall schweifen und breitete dann die Arme aufmerksamkeitsheischend nach vorn aus.

„Herzlich willkommen zu einem neuen Jahr in Hogwarts. Bevor wir hier alle mit dem Essen beginnen, möchte ich ein paar Worte sagen. Der dritte Stock ist in diesem Jahr mal wieder verboten, weil ich da ein Artefakt unbestimmter Herkunft und Gefährlichkeit gelagert habe, welches von einem Monster bewacht wird, welches jedem von euch den Kopf und die Gliedmaßen ausreißen würde, wenn es nur die Gelegenheit bekommt. Natürlich ist ein wahnsinniger Mörder hinter dem guten Stück her und wird wahrscheinlich in die Schule eindringen, aber das ist jetzt nichts, worauf ich weiter eingehen möchte. Keine Bange. Außerdem ist wie immer der Verbotene Wald, wie der Name es schon sagt, verboten, außer natürlich für die unerfahrenen Zweitklässler von euch, die ich vielleicht zum Nachsitzen da reinschicke. Aber ich denke, so ein paar Zweitklässler können wir schon entbehren. Im Großen und Ganzen hoffe ich, dass dieses Jahr nicht zu viele von euch draufgehen, denn das bringt mir nur so viel unnötigen Papierkram. Aber versprechen kann ich nichts. Na dann. Mahlzeit!"

Harry stieg von dem Stuhl, nickte Dumbledore freundlich zu und ging unter den geschockten Blicken der Lehrer zurück zu seinem Platz am Gryffindortisch. Sämtliche Slytherins lagen kreischen vor Lachen auf dem Boden, ebenso die Ravenclaws, die Hufflepuffs schienen noch mit sich zu ringen, ob sie lachen durften oder nicht und die Gryfindors erstickten ihr Gekicher im Kürbissaft.

Snape biss sich so hart auf die Lippen, dass diese fast weiß waren und kämpfte gegen das Gelächter, das in seiner Kehle aufstieg. Das war das erste Mal seit… überhaupt,… dass er Potter im Geiste Punkte gab. Die Ansprache war so durch und durch perfekt gewesen, dass nicht einmal ihm noch etwas Ergänzendes dazu eingefallen wäre. Er wagte einen kleinen Seitenblick zu Dumbledore, der auf seinem Platz thronte und gerade einer mehr als aufgebrachten McGonagall die Hand tätschelte.

So, du alter Sack, wollen wir doch mal sehen, wie es dir gefällt am empfangenden Ende der Frechheiten deiner geliebten Gryffindors zu sein.

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