Danke an Leaky für's betan.

Geißel von Hogwarts

Kapitel 20 – In der Liebe und im Krieg…

Fünf Tage waren vergangen. Fünf Tage gryffindorischen Terrorregimes, endlosen Leidens für Minerva McGonagall, gesegneter Ignoranz von Dumbledores Seite, heimlicher nächtlicher Ausflüge von Hermione und allerlei unerklärlicher, nächtlicher Aktivitäten.

„Albus – das kann so nicht weitergehen", zeterte Minerva von ihrem Stuhl in Dumbledores Büro aus. „Dieser… dieser Streichewettstreit hin oder her, aber es kann nicht angehen, dass diese Respektlosigkeit weiterhin stattfindet. Alle, von Mr Potter bis Mr Longbottom tragen weiterhin ihre Kostüme. Albus! Ich habe die Hauselfen gefragt und die sagten, dass die Roben, die die Siebtklässler tragen, allesamt von dir sind und sie die aus der Wäscherei gestohlen haben. Diese Unverschämtheit! Erst heute im Unterricht hat Mr Finnegan…"

Dumbledore hörte sich ihre Beschwerde weiterhin an, so wie er es auch schon die letzte halbe Stunde getan hatte. Zumindest gab er den Anschein zuzuhören. Tatsächlich hatte er Minerva bereits vor etwa zwanzig Minuten ausgeblendet und fragte sich gerade, ob er an diesem Mittag lieber Zitronen- oder Schokoladendessert nehmen sollte. Es gab eben Entscheidungen, die wohl durchdacht und geplant sein wollten, wenn man sich nicht in die Gefahr begeben wollte, einen strategischen Fehler von unvorhersehbarer Konsequenz zu begehen. Nein, besser man ging alle möglichen Ausgänge der Entscheidung genauestens durch. Was ihn wieder zum Ursprung zurückführte. Schokolade war natürlich köstlich, hatte aber den Nachteil, dass man genau dann mehr wollte, wenn die Schüssel alle war. Zitrone hingegen…

„… und dann in Verteidigung gegen die Dunklen Künste hat Mr Weasley doch die Nerven gehabt zu behaupten, dass man Werwölfe nicht bekämpfen sollte, wenn sie versuchen, ihr Opfer zu töten, sondern sie lieber umarmen und ihnen einen Job als Lehrer geben sollte. Kannst du dir das vorstellen? Pah, natürlich kannst du das! Wie auch immer. Und dann…"

… war zwar von Frische und hatte dieses fantastische säuerliche Aroma, war aber wegen seines ständigen Konsums von Zitronenbonbons nicht mehr so wirklich gut für seinen Magen. Man wurde ja auch nicht jünger, nicht wahr?

„…und anschließend hat Mr Filch bekannt gegeben, dass er Hagrid heiraten würde und Hagrid, der ein rosa Tutu trug, war ganz in Tränen aufgelöst so sehr hat er sich gefreut. Was sagst du dazu?"

„Oh ja, sehr interessant, Minerva. Du hast völlig recht."

„ALBUS DUMBLEDORE! DU HAST NICHT EIN EINZIGES WORT VON DEM GEHÖRT, WAS ICH DIR GESAGT HABE!"

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Dean stürmte breit grinsend in dem Gemeinschaftsraum und ließ sich auf das Sofa vor dem Kamin fallen. Augenblicklich war er von den Anderen umringt.

„Wie lief es?", fragte Parvati aufgeregt, wobei sie fast so wirkte, als würde sie jeden Augeblick damit beginnen, auf und ab zu hüpfen.

Er hob die Hand und zeigte mit dem Daumen nach oben. Der Raum erbebte unter dem Beifall der Gryffindors.

„Wollt ihr es sehen?", fragte Dean und alles nickte. Daraufhin erhob er sich und stolzierte, soweit die viel zu lange Robe, die er Dumbledore geklaut hatte, es zuließ. Sie stiegen die Treppen hinab, bis sie schließlich in der Eingangshalle von Hogwarts angekommen waren und dort, unter dem Wappen der Schule, unter dem Schulspruch, stand die neuste Erweiterung, die Mr Thomas zu verdanken war.

Hogwarts – Schule für Zauberei und Hexerei

Draco Dormiens Nunquam Titillandus

- Sed Contra Discipulos Uti Bene Est -

(Übers.: Schlafende Drachen soll man nicht wecken

- aber gegen Schüler einsetzen ist okay -)

Während die Gryffindors vor sich hin grinsten, stand neben ihnen eine Gruppe Ravenclaws. Diese wirkten nicht besonders glücklich.

„Hört mal", sagte einer von ihnen mit strafender Stimme, „eure Eskapaden in allen Ehren, aber denkt ihr nicht, dass das ein wenig zu weit geht? Ich meine… immerhin ist das unser Schulmotto!"

„Typisch Ravenclaws", schnarrte Seamus, „sie können alles akzeptieren, aber sobald es um die Schule geht, ist das Ende des Humors erreicht. Ihr solltet echt mal auflockern. So wie Hermione!"

Im gleichen Moment kam Hermione aus einem der Gänge geeilt.

„Beeilt euch. Wir haben Zaubertränke. Ihr wollt doch nicht etwa zu spät kommen?"

Seamus verdrehte die Augen. „Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil."

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„… und wenn Sie, entgegen all meiner Erwartungen, es geschafft haben sollten, alle Zutaten korrekt zusammenzubrauen, ohne dabei eine Explosion herbeizuführen – ja, damit meine ich insbesondere Sie, Mr Longbottom, ein A in einer theoretischen Arbeit macht noch lange keinen Experten oder auch nur halbwegs kompetenten Schüler aus Ihnen! – dann sollte ihr Trank eine hellblaue Farbe angenommen haben. Da ich davon ausgehe, dass Sie alle zu ignorant sind, auch nur Tee richtig zu kochen, geschweige denn Veritaserum, dürfte ich gleich, wenn Sie Ihre Proben abgefüllt und abgegeben haben, dazu gezwungen sein, eine breite Auswahl aus dem Farbspektrum zu bewundern."

Snape fegte durch die Reihen und teilte nach rechts und links verbale Tiefschläge auf. Seine Laune war offensichtlich für alle auf dem Gefrierpunkt, was niemand so richtig verstand, da er zu Beginn der letzten Herausforderung an Gryffindor regelrecht fröhlich gewirkt hatte. Auf eine sadistische, snapeartige Weise versteht sich. Aber nun schien er nicht nur zu seinem früheren Selbst zurückgekehrt zu sein, sondern schien auf der eins bis zehn Grausamkeitsskala die Fünfzehn entdeckt zu haben.

„Ms Patil und Ms Brown! Wenn sie damit fertig sind, Ihre falschen Wimpern in Ihren überteuerten Spiegeln zu bewundern, wäre ich dankbar, wenn Sie die schwarze gelatineartige Masse, die Sie da fabriziert haben, gleich in den Ausguss schütten würden. Ich habe nicht das Bedürfnis, weiterhin diesen Gestank einzuatmen, und denke ebenfalls nicht, dass Mdm Pomfrey begeistert wäre, wenn ich mehrere halbtote Erstickungsopfer auf ihre Station bringen würde. Ganz zu schweigen von der wertvollen Zeit, die mir verloren ginge. Jeweils zehn Punkte Abzug von Gryffindor für die Tränke, je zehn Punkte Abzug für die mangelnde Aufmerksamkeit, zehn für das Mitbringen glitzernder Objekte, zehn dafür, dass Sie Gryffindors sind. Sind das Tränen, Ms Brown? Zehn Punkte Abzug für das Beschmutzen meiner Tische mit Ihrem Make Up."

Snapes Zischen übertönte selbst das fauchende Geräusch der Flammen, die sich durch Nevilles Tisch fraßen.

„Ah ja, Mr Weasley, schön, dass Sie sich entschieden haben aufzuwachen, das gibt mir das Vergnügen, Ihr Gesicht zu sehen, wenn Sie 25 Punkte wegen Tagträumens verlieren, weitere 25 für die lächerlichen Roben und 25 weil… ich bin sicher, mir fällt noch etwas ein."

An Hermiones Tisch hielt er inne. Sie wusste, dass ihr Trank perfekt war, und ebenso wusste er es. Doch das hielt ihn nicht auf.

„Ms Granger, wie ich sehe, haben Sie es mal wieder nötig, den Anderen zu demonstrieren, was für eine Besserwisserin Sie sind. Haben Sie eigentlich immer das Bedürfnis, sich überall in den Mittelpunkt zu stellen? 25 Punkte Abzug für Ihren ständigen Drang sich zu profilieren."

Hermiones Zähne knirschten, als sie sie so fest zusammenpresste, dass ihr Kiefer knackte. Snape lächelte hinterhältig, während er darauf wartete, dass sie einen Widerspruch wagte.

Auf der anderen Seite des Raumes beobachtete Draco, wie sich Snape immer weiter zu Harry vorarbeitete, den er sich offensichtlich als den Höhepunkt der heutigen Punkteabzugsorgie vorbehalten hatte. Ein Grummeln seines Magens signalisierte ihm, dass er Hunger hatte. Das wunderte ihn, denn er hatte erst vor der Stunde einem Erstklässler eine Packung Bertie Botts Bohnen abgenommen und war eigentlich relativ gesättigt. Dann traf ihn die Erkenntnis. Das Grummeln seines Magens war kein Hunger – es war Besorgnis. Er machte sich Sorgen um Potter, da Snape ihn bereits mehrmals mit einem Ausdruck angesehen hatte, der klar machte, dass Harry den Titel „Der-Junge-der-lebte" wahrscheinlich gleich im Kampf verteidigen musste. Er stöhnte auf. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Er sah nervös auf die Uhr, um die er einen Drittklässler erleichtert hatte. Noch fünf Minuten bis zum Ende der Stunde. Was sollte er tun?

Wie sich zu seiner Erleichterung herausstellte, musste er nichts tun, denn Snape war auf seinem Weg der Zerstörung scheinbar noch etwas eingefallen, das er Hermione auf keinen Fall vorenthalten wollte. Da diese noch immer nicht auf den herausfordernden Spott des Professors reagiert hatte und Snape das ganz offensichtlich nicht gefiel, fuhr er größere, soll heißen gemeinere, Geschütze auf.

„Kein Widerspruch Ms Granger? Haben Sie ausnahmsweise nicht das Bedürfnis, sich wichtig zu machen? Oder ist Ihrem Spatzengehirn doch noch aufgegangen, dass Sie sich in machen Punkten einfach übernommen haben?"

Die Bedeutung des Satzes war ausschließlich Harry klar und er wand sich innerlich, als er Hermione etwas ausgesetzt sah, was überhaupt nicht ihre Schuld war. Zum ersten Mal ging ihm auf, dass er nicht nur ihre Gefühle ignoriert, sondern sie auch noch Snapes Zorn ausgesetzt hatte. Ein kleines Stimmchen in ihm, welches sich verdächtig nach Dumbledore anhörte, gab ihm Namen, die er bisher nur aus dem Munde der Weasley-Zwillinge gehört hatte. Er duckte seinen Kopf und wünschte sich ein Loch im Boden herbei.

Hermiones Innerstes bebte vor Wut. Mit jedem Wort, das über Snapes Lippen floss, wurde sie giftiger und giftiger, bis selbst Nachtschatten an ihr verreckt wäre. Sie hörte schon gar nicht mehr genau, was Snape eigentlich genau sagte, aber der Tonfall war genug. Das Blut rauschte in ihren Ohren und dann hatte sie genug. Ihr Kopf ruckte nach oben, nur um zu sehen, wie Snape mit dem eben erklingenden Signal des Stundenendes zu seinem Schreibtisch zurückkehrte. Die Klasse erhob sich gerade, um ihre Tische aufzuräumen, als das laute Scharren, eines in schneller Bewegung über den Steinfußboden geschobenen Stuhles, alle innehalten ließ.

Hermione stand sehr ruhig an ihrem Tisch, die Atmung kontrolliert und langsam. Sie verwandelte etwas mit ihrem Zauberstab, nahm es in die Hand und ging die Reihen entlang nach vorn. Alle Augenpaare waren auf sie gerichtet und weder die Gryffindors noch die Slytherins wagten, etwas zu sagen. Eine unheilvolle Ruhe lag über dem Raum. Als sie vorne ankam, war sie sich der schwarzen Augen bewusst, die sie beobachteten, vorsichtig, als wäre sie etwas, wovon man nicht wusste, was es war und wie es auf Reizung reagieren würde. Und in diesem Moment war diese Einschätzung auch richtig. Hermione stellte sich vor Severus und hob den rechten Arm, etwas Schwarzes in ihrer Hand. Und dann ging es ganz schnell.

WAM! BAM!

Vor den geschockten Augen der Siebtklässler hatte Hermione Granger Severus Snape mit einem schwarzen Handschuh recht und links eine gelangt. Jeder wusste, was das bedeutete, und so wären die nächsten Worte überflüssig gewesen, aber Tradition war nun mal Tradition. Und der Spaßfaktor war auch nicht zu verachten.

„Severus Snape – ich fordere Sie zu einem Zaubererduell!"

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In Dumbledores Büro breitete Fawkes die Flügel aus, reckte sich und gab eine leise warnende Melodie von sich. Der Headmaster selbst wachte davon ebenfalls auf, reckte sich, erfreute sich an seiner Allwissenheit, der Tatsache, dass ihm nie etwas verborgen blieb und daran, dass alles im Schloss in Ordnung war, warf einen Zitronenbonbon ein und schlief weiter.

Der Phönix verdrehte die Augen. Was half es unsterblich, intelligent und der Berater von jemandem zu sein, wenn man ständig ignoriert wurde?

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Zwei Dutzend Kehlen japsten entsetz nach Luft. Harry faltete sich auf seinem Stuhl zusammen und begann seinen Kopf rhythmisch gegen die Tischplatte zu hämmern. Dracos Augen machten eine beeindruckende Imitation von Luna Lovegoods Augen nach, während Blaise sich mit einem beifälligen „Ich hätte nicht gedacht, dass sie es in sich hätte", gegen seinen Tisch lehnte. Pansy, Millicent, Lavender und Parvati blinzelten heftig und wiederholt, während Dean in Gedanken eine Abschiedsrede für Hermione entwarf, die ungefähr so begann: „Sie war immer eine kluge und bedachte junge Frau. Nun ja, bis zu dem Tag, als sie Snape herausforderte. Das war nicht gerade ein Zuwachs an Klugheit. Wir werden sie vermissen."

In Snapes Kopf fand derweil eine heftige Diskussion statt, bei der sich die drei Schichten seiner Persönlichkeit unterhielten. Zusammentreffen dieser Art waren bei Snape eher selten, da er es bevorzugte, die ewachseneren Seiten dieser drei Schichten als sein normales Selbst zu verwenden und die eher ungezügelten Seiten in den Tiefen seines Geistes einzusperren und nach Möglichkeit unter Drogen zu setzen, damit nicht das passierte, was jetzt passierte.

Er hasste Psychologie.

Hier also ein kleiner Ausschnitt aus dem Geschehen in Severus' Kopf:

Sein innerer Todesser, auch sarkastisches Bastard-Selbst genannt, hielt sich auf der rechten Seite des Geschehens auf, während es sich das gebildete, pragmatische und leicht arrogante Selbst in der linken Ecke bequem gemacht hatte. Den Vorsitz führte der Aspekt, welchen er als sein Gewissen ansah, das leicht kindische Wesensmerkmale aufzeigte und auf erschreckende Art und Weise an Dumbledore erinnerte.

Ich sage: ein Avada und die Sache ist erledigt.

Wie typisch. Du denkst, wenn du die Leute umbringst, ist alles in Ordnung.

Hat bisher funktioniert oder? Warum Dinge verändern, die wirken?

Weil es falsch ist.

Oh. Du hast so Recht. Warum habe ich das bisher nicht verstanden? Du hast mich überzeugt und auf die Seite des Lichts geführt. Ich werde meine böse Wege aufgeben und von nun an nur noch Gutes tun. Idiot.

Darf ich daran erinnern, dass dies hier eine etwas andere Situation ist, als sonst? Es geht um Hermione. Wir alle wissen, dass uns eine Geschichte mit ihr verbindet?

Die drei Persönlichkeiten grinsten sich an.

Wie auch immer. Das Miststück hat uns verraten und ich sage, sie soll dafür bezahlen. Sie hat uns vor einer ganzen Meute hirn- und nutzloser Bälger herausgefordert. Wir sollten ihr zeigen, wo ihr Platz ist.

Und der wäre wo?

Vorzugsweise auf ihrem Rücken. Hehehe.

Ich darf doch sehr bitten. Wir sprechen hier von einer jungen und hochtalentierten jungen Frau.

Die uns verraten hat.

Da hat er nicht Unrecht.

Na schön. Willst du sie wirklich umbringen?

Nein, du Trottel. Ich will…

Ja?

Ach, beiß mich.

Hättest du wohl gern.

Ich finde den Pfad, den unsere Unterhaltung nimmt, bedenklich.

Halts Maul!

Ab diesem Moment wurde die Diskussion ungemütlich.

Im Klassenraum waren unterdessen etwa zwanzig Sekunden vergangen, in denen Snape Hermione ausdruckslos angestarrt hatte, sie diesen Blick gnadenlos erwiderte und der Rest der Schüler zunehmend nervöser wurde. Schließlich blitzte ein Funke in Snapes schwarzen Augen auf, eine Braue erhob sich und Snape sagte das eine Wort, von dem niemand gedacht hatte, dass er es sagen würde.

„Akzeptiert!"

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