Danke an leaky fürs betan.

Danke an Vengari, die zwei wunderschöne Banner für diese Story entworfen hat. Sie sind in meinem LJ zu sehen und werden ab jetzt als update-info verwendet

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Geißel von Hogwarts

Kapitel 22 – Von Tränken und Boggarts

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„Ich weiß, dass es Potter war, Headmaster. Ich verlange, dass er bestraft wird! Hart, unnachgiebig, brutal, vernichtend!"

„Severus!"

„Was denn?"

„Kannst du beweisen, dass es Harry war?"

„Nein, du weißt genau, dass ich das nicht kann, schließlich warst du es, der dem kleinen Monster den Tarnumhang gegeben hat – versuch dich gar nicht erst an diesem Blick – ich weiß, dass du es warst. Eines Tages werde ich euch alle umbringen, nur damit du es weißt und mit deinem Blut werde ich dann an die Wände schreiben, dass es alles deine Schuld war."

„Du artikulierst deine Wut – das finde ich gut. Wird aber nichts bringen."

„Ich hasse dich."

„Keine Beweise, keine Strafe. Du kennst die Regeln."

„Wäre ich hier Headmaster…"

„… dann gäbe es hier keine Schüler mehr, besonders, weil kein Elternteil bei Verstand sein Kind mehr herschicken würde."

„Dein Vertrauen in mich rührt mich immer wieder zu Tränen."

„Wie auch immer…"

Die Tür zu Dumbledores Büro wurde aufgestoßen und Minerva McGonagall kam mit geschlossenen Augen hereingewankt. Die Tasse, die sie in der Hand hielt, war randvoll mit einer schwarzen Flüssigkeit – Kaffee, wie die beiden vermuteten – und wurde von der Hexe getragen, wie ein kostbarer Schatz. Sie schlurfte zu der Couch, die im unteren Teil des Büros stand, und ließ sich unter dumpfen Murmeln, welches sich nach „Große Halle", „verdammte Frühaufsteher" und „Rolanda" anhörte, darauf sinken.

Die beiden Männer beäugten sie kurz, da Minerva aber keine Anstalten machte, irgendetwas zum Gespräch beizutragen, wandten sie sich wieder ihrer Diskussion zu. Da Severus offensichtlich nicht die öffentliche Exekution von Potter erreichen konnte, wollte er zumindest eine andere Last loswerden.

„Noch einmal wegen morgen."

Dumbledore verengte die Augen, als das für ihn bereits erledigte Thema wieder aufgewärmt wurde. „Ich lasse nicht mit mir verhandeln, Severus. Ich habe gesagt, du gehst, also gehst du." Die Stimme des Headmasters war kühl und Autorität schwang bedeutungsschwer durch die Luft.

„Zwing mich, alter Mann", gab Severus mit nicht weniger Autorität, aber einer wesentlich höheren Portion Kälte, Verachtung, Drohung und Gehässigkeit zurück. „Soll Minerva doch gehen."

„Ich?", warf McGonagall, deren Gehirn durch den Kaffee offensichtlich gerade einen Kickstart erlebt hatte, von der Couch aus ein. „Was hab ich damit zu tun?"

Sie wurde ignoriert. Ein Blickduell war – wieder einmal – die folgende Reaktion auf beiden Seiten, wobei Severus sich ernsthaft fragte, warum der alte Sack es überhaupt noch probierte, wenn er doch so gut wie jedes Mal verlor.

„Na schön, wenn du dich derart weigerst, dann lässt du mir keine Wahl. Der Verlierer begleitet die kleinen Monster. Bereit?"

„Bereit."

„Minerva?"

McGonagall seufzte, stand auf und stellte sich zu den beiden stinkigen Zauberern. Die beiden benahmen sich mal wieder wie die Kinder. „Jedes Mal, wenn ich mit euch zu tun habe, komme ich mir vor, als wäre ich selbst wieder in der Schule."

Severus grinste hinterhältig. „Minerva, du solltest deine Schultage dort zurückklassen, wo sie hingehören – im Mittelalter."

„Bist du nicht witzig."

Sie ballten jeder die rechte Faust und schüttelten sie dreimal.

„Schere."

„Stein."

„Avada Kedavra."

„Das kannst du so was von nicht machen, Severus!"

„Tote Steine sprechen nicht, Albus. Viel Spaß in Hogsmeade, Minerva." Die beiden Älteren sahen gerade noch den letzten Zipfel einer schwarzen Robe um die Ecke flattern, bevor ihnen klar wurde, dass Severus sie mal wieder nach Strich und Faden hatte auflaufen lassen, frei nach dem Motto: „Wenn du sie nicht überzeugen kannst – verwirre sie."

„Ich hasse es, wenn er das macht", schimpfte Minerva. „Was sollte das überhaupt? Ich denke, es war abgemachte Sache, dass er mit Miss Granger den Hogsmeade-Ausflug der unteren Klassen beaufsichtigt?"

„Ja, eigentlich schon, aber die beiden verstehen sich zurzeit so gut wie zwei nasse Katzen in einem Sack."

Dem Ausdruck in Minervas Augen nach zu urteilen, fand sie diesen Vergleich weder besonders gelungen, noch in irgendeiner Form amüsant.

Albus hatte den berechtigten Verdacht, dass ihm wieder eine lange Nacht auf einer kurzen Couch bevorstand.

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Das Wochenende verlief ohne größere Zwischenfälle, am Samstag endete die Herausforderung der Slytherins und die Gryffindor-Siebtklässler gaben, im Falle von Seamus und Dean widerwillig, die „geborgten" Roben von Dumbledore an die Hauselfen zurück, welche sich sogleich mit Eifer an die Reinigung machten. Dumbledore selbst war sehr glücklich, endlich wieder Roben zum Wechseln zu haben.

Minerva begleitete zusammen mit einer ungewöhnlich gesprächsunwilligen Hermione die unteren Klassen nach Hogsmeade und da sie selbst durch die letzte Präsentation von Albus Taktlosigkeit eher unwillig war, tiefgehende Diskussionen zu führen, bemerkte sie die zunehmende Gereiztheit ihrer Schülerin nicht.

Snape war nicht da. Das machte Hermione – gleichwohl sie dem Bastard die Pest wünschte, und zwar in unaussprechlichen Regionen - nicht glücklich und warf gleichzeitig mehrere Fragen auf.

1. Hatte er jemand anderen gefunden, mit dem er seine Zeit verbrachte?

2. Wie schwierig würde es für Hermione sein, diesen jemand zu töten? Und:

3. Wo sollte sie die Leiche verstecken?

Das Einzige, was sie von unüberlegten Handlungen abhielt, war der Gedanke an ihre nächtlichen Ausflüge in ein gewisses Zaubertränkelabor, in dem sie nichts, aber auch gar nichts verloren hatte.

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Harry hatte derweil eine Mission und diese Mission involvierte Dinge, die zu grausam waren, als dass das menschliche Ohr sie hätte vernehmen können. Es sei denn, man war weiblich, Slytherin und zu jeder Art von Gemeinheit fähig. Pansy amüsierte sich königlich und auch Millicent konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als sie sich die Resultate ausmalte.

„Der Trank ist ziemlich schwierig", meinte Pansy. „Nicht, dass er besonders lange dauern würde, aber die Zutaten sind sehr selten und schwer zu bekommen und die Verwandlungskomponente erfordert eine ganz neue und brillante Herangehensweise. Die Verbindung von Trank und Zaubersprüchen ist knifflig und die Tatsache, dass die Wirkung nicht für immer, sondern zeitlich begrenzt sein soll, macht das Ganze zu einer intellektuellen Herausforderung außergewöhnlicher Größenordnung."

„Sind wir uns also einig, Ladys?", gurrte Harry in seiner einschmeichelndsten Stimme, was jede Menge Giggeln nach sich zog.

Millicent und Pansy besprachen sich flüsternd und nickten dann mit einem überlegenen Gesichtsausdruck.

„In Ordnung. Du lässt unsere Seite von Slytherin aus der Sache raus und sponserst uns die neueste Madam Malkins Kollektion und dafür stellen wir dir unsere brillanten und unübertroffenen Fähigkeiten in Zaubertränke und Verwandlung zur Verfügung. UND selbstverständlich wirst du niemals und unter keinen Umständen unsere Beteiligung an der Sache eingestehen. Soweit es alle anderen betrifft, hat Granger dir geholfen."

Harry streckte die Hand aus, doch statt diese zu ergreifen, grinsten die beiden nur.

„In Slytherin beschließt man einen Handel mit einem Kuss", behauptete Pansy, ohne die Miene zu verziehen. Harry zog eine Braue hoch, doch bevor er die Behauptung widerlegen konnte – als ob in Slytherin einer dem anderen genug getraut hätte, denjenigen so nahe an sich heranzulassen – sah er sich auch schon mit zwei Paar delikat geschminkter Lippen konfrontiert. Wenige Sekunden später zogen sich die beiden jungen Frauen mit Seufzern zurück.

„Milli?"

„Ja, Pansy?"

„Bist du meiner Ansicht?"

„Ich denke schon."

Die beiden sahen ihn vorwurfsvoll an.

„Du hättest uns ruhig sagen können, dass du für das andere Team spielst, statt dauernd mit uns zu flirten."

Harry saß mit offenem Mund da. Flirten? Er hatte nicht geflirtet. Er hatte geatmet!

Die beiden schienen dem Verlust eine Schweigeminute schenken zu wollen. Dann lächelten sie ihn breit an. „Wollen wir beginnen?"

Er schüttelte innerlich hilflos den Kopf. Slytherins!

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Severus seufzte innerlich. Alles, was er sich von diesem Abend erhofft hatte, war ein gutes Buch und Alkohol bis zum Delirium gewesen. Leider hatte er nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Madam Ich-bin-ein-Vorbild-für-meine-Schüler-und-würde-nie-etwas-Kindisches-tun-McGonagall sich entschließen würde, sich an ihm zu rächen und ihm einen Boggart in den Schrank sperren würde. Gerade, als er die Tür des Schrankes geöffnet hatte, um seinem alten Freund Glen Odgens die Hand zu schütteln, war das Biest in Gestalt von Neville Longbottom – und war das nicht ironisch? - herausgesprungen und begann, ihn zu bebetteln, ihm Nachhilfeunterricht zu geben.

Gleich darauf stellte der Boggart fest, dass er nicht der Einzige war, der Angst und Schrecken verbreiten konnte und im Gegensatz zu ihm hatte Snape sogar den Vorteil, dass er sich dazu nicht erst verwandeln musste. Nachdem er den Boggart zurück in den Schrank getrieben hatte und dieser dort wimmernd hinter den Roben verborgen hatte, hatte Snape sich den letzten Rest der einen Flasche gegönnt, nicht bevor er nicht ausgiebig darüber debattiert hatte, Minerva bei der nächsten Gelegenheit Katzenminze unterzujubeln.

Kurz vor Mitternacht sah er ein, dass er eine zweite Flasche brauchte und das Problem war, dass er dazu den Schrank wieder öffnen musste, wobei er befürchtete, dass das Biest sich inzwischen wieder gefangen hatte und einen neuen Versuch starten würde, ihm auf seine kostbaren Nerven zu fallen.

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Während Pansy und Millicent brauten, beschworen, über die neuesten Modetrends aus „Witch's Weekly" diskutierten und Harry Sextipps gaben, versuchte dieser im Boden zu versinken. Slytherins waren so graphisch in ihren Beschreibungen.

Er wusste natürlich, dass sein Gesicht nicht wirklich in Flammen aufgehen konnte. Aber es startete dennoch den Versuch.

Pansy erklärte ihm gerade ganz besonders ausführlich, auf welche Weise er den Finger biegen musste, und langsam aber sicher hatte er das Gefühl, dass er, Ron und Hermione nicht die Einzigen waren, die Erfahrungen mit Polijuice hatten. Allerdings war es bei ihnen um die Rettung der Welt gegangen, die Vernichtung Voldemorts und so weiter, aber es schien nicht so, als wären die beiden davon besonders beeindruckt.

Millicent beendete ihren dritten Zauberspruch und sah zufrieden auf den grün-bräunlichen Trank hinab.

„Er muss jetzt ein paar Stunden auf kleiner Flamme köcheln, wir machen morgen weiter", verkündete sie, während Pansy Luft holte, um ihren Monolog über erogene Zonen zu neuen ungeahnten Höhen zu schwingen.

Harry hatte das Gefühl, dass er zwei neue Freundinnen und Beraterinnen gewonnen hatte.

Ob er das nun gut fand oder nicht.

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Die letzte Flasche Glen Odgens neigte sich dem Ende entgegen. Snape war froh, dass er überhaupt so weit gekommen war. Die Flasche vorher hatte ihn schon gut abgefüllt und der Boggart aus dem Schrank, der sich schon vernachlässigt gefühlt hatte, hatte sich mit ihm eine ziemlich dreckige Schlacht um den Alkohol geliefert. Dass Snape diesmal gewonnen hatte, wollte schon was heißen, denn wer konnte sich schon rühmen, volltrunken einen nicht materiellen Arsch gekickt und getroffen zu haben? Er hatte dem stinkigen Boggart dann aber trotzdem ein Glas abgegeben und dem Schnarchen nach zu urteilen, welches aus dem Schrank kam, vertrug das kleine Monster nicht viel.

Schließlich sah er ein, dass er an diesem Abend keinen Schlaf finden würde, außer er nahm einen ordentlichen Schluck seines Traumloser-Schlaf-Trankes. Glücklicherweise hatte er gerade in den letzten Tagen einen neuen Kessel voll gebraut und sich in weiser Voraussicht eine Philole davon abgefüllt, als er an diesem Nachmittag in seinem Tränkelabor gewesen war. Als er die Phiole hervorkramte, beäugte er sie einen Moment lang. Eigenartig, die normalerweise hellblaue Färbung schien irgendwie anders, zwar noch hellblau, aber anders. Wahrscheinlich lag es am Alkohol. Er zuckte die Schultern. Er hatte das Zeug gebraut, also war es auch in Ordnung. Er trank es in einem Zug und legte sich schlafen.

Irgendwo lachte das Schicksal in besonders hämischer Weise.

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