Kapitel 23. Doch noch. Alle Zweifel seien hiermit widerlegt.

Disclaimer: disclaimed.

Danke Leaky für's betan.

Warnings: Slash. Und het. Aber anders, als ihr es erwartet. Ich würde hier gern noch einen witzigen und klugen Kommentar hinzufügen, aber mein Date steht mit leicht herablassendem Gesichtsausdruck hinter mir und schaut bedeutungsschwer auf die Uhr, also schätze ich, dass ich los muss. Viel Spaß.

Geißel von Hogwarts

Kapitel 23 – Paarungstänze

Mit einem unüberhörbaren Krachen flog das Portrait der fetten Dame auf und – im Gegenlicht der Fackeln auf dem Gang hinter ihm – betrat Harry Potter den Gemeinschaftsraum der Gryffindors, ein sexy Lächeln auf den Lippen und mit königlichem Flair und einigen Phiolen die nach Ärger aussahen in der feierlich ausgestreckten Hand. Die Couch und die Sessel waren mit Sicherheit beeindruckt, doch da sie nicht sprechen konnten und sonst niemand anwesend war, wurde der majestätische Auftritt nicht kommentiert. Ein Blick auf seine Uhr verriet ihm, dass sämtliche seiner Freunde bereits intensive Beziehungen mit ihren Matratzen eingegangen waren.

„Meh", machte der Retter der Zaubererwelt verdrossen, beschriftete die Phiolen, rief Dobby um sie den jeweiligen Opfern unterzuschieben und ging schlafen.

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Snape wachte schreiend auf.

Das allein war kein Grund, die Kavallerie zu rufen, da Snape wohl einer der wenigen im Schloss war, bei dem es nun wirklich niemanden wunderte, wenn er Alpträume hatte - von wegen Dunkler Lord, Deatheater, Folter und so weiter –, doch die Art seines Alptraums (er enthielt Sonnenschein, Blumen, Tanz, Gesang und einen nicht ganz so Dunklen Lord) und die Tatsache, dass er eigentlich einen Traumloser-Schlaf-Trank eingenommen hatte, ließ nur eine Schlussfolgerung zu: Jemand hatte an seinen Tränken rumgepfuscht.

Snape knirschte mit den Zähnen.

„Minervaaaaa…."

Niemand hatte je behauptet, dass Dumbledore das Monopol auf falsche Schlussfolgerungen hielt.

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Nach dem ereignisreichen letzten Tag begrüßten die Einwohner Hogwarts' den nächsten Morgen wie ein Postbote eine unangeleinte Bulldogge. Aus verschiedenen Teilen des Schlosses kamen diverse Flüche und Beleidigungen in Richtung der aufgehenden Sonne, welche, außer Größe, Form und Farbe auch Dinge wie Evolution und allgemeinen Standort der leuchtenden Kugel einschlossen. Hätte die Sonne Finger und die Möglichkeit diese zu bewegen gehabt… nun ja.

Das Frühstück an einem Montagmorgen in der Großen Halle verlief eher gedämpft. Man könnte auch sagen, dass, wenn der Herzschlag der Schüler noch langsamer gewesen wäre, dann hätten Hagrid und seine Schaufel viel Arbeit an der frischen Luft gehabt.

Von Natur aus waren die Ravenclaws in ihrer unermüdlichen Lust am Lernen die Ersten, die ihre Plätze am Haustisch einnahmen. Böse Zungen behaupteten allerdings, dass sie so früh aufschlugen, damit die Slytherins ihnen nicht den Kaffee klauten und ihn mit entkoffeinierendem ersetzen konnten, was für die Kaffeejunkies meist einen fürchterlich chaotischen Tag nach sich zog. Die Slytherins bestritten diese bösartigen Vorwürfe auf das Heftigste.

Kaum zehn Minuten nach ihnen marschierte die vereinigte Slytherinfront ein, sah die Ravenclaws und ließ unter dumpfem Gemurmel den entkoffeinierten Kaffee verschwinden. Von ihnen sah man während des Frühstücks meistens nichts, da sämtliche Gesichter von dem „Zaubererfinanzen"-Blatt verdeckt waren. Lediglich Dinge wie ein vereinzeltes hämisches Kichern oder ein Kommentar über die Entwicklung des transatlantischen Marktes für Mantikorherzen unterbrach das entspannende Rascheln der Zeitungen.

Die Gryffindors tröpfelten nach und nach herein und wenn man eins über Gryffindors weiß, dann dass sie vor dem ersten Pot heißen schwarzen Lebensretters nie etwas mitbekamen, was jede außenstehende Gruppe zu ihrem Vorteil ausnutzte, wie beispielsweise Snape, der jeden Morgen 1 Punkt pro Kopf für widerliches Verhalten am Frühstückstisch subtrahierte. Interessant war, dass kein Lehrer diesem Verhalten entgegenwirkte, was einiges auf das tatsächliche Frühstücksverhalten der rot-goldenen Bande schließen ließ.

Die Hufflepuffs kamen früh morgens konsequent erst fünf Minuten vor Unterrichtsbeginn in die Halle. Diese Tatsache hatte schon so manche misstrauisch gemacht, doch da die Hufflepuffs jeden Abend bis tief in die Nacht in ihrem eigenen Gewächshaus arbeiteten, welches ihnen von Professor Sprout zur Verfügung gestellt worden war, führte man ihre Müdigkeit, den erhöhten Nahrungsbedarf und die allgemeine Trägheit auf die harte körperliche Arbeit zurück. Traf man einen Hufflepuff abends auf den Gängen der Schule, so trug er meistens einen großen Vorrat an Süßigkeiten mit sich herum, die jener, wie er oder sie erklärte, seinen Hauskollegen in das Gewächshaus brachte, wo sie an einer neuen Pflanzenart forschten. Es wurde vermutet, dass dies auch den süßlichen Geruch erklärte, der den Mitgliedern dieses Hauses (ab dem sechsten Jahr) vorauseilte.

Hermione Granger saß mit einer Tasse Tee, einer Schüssel Porridge und einem 1000-seitigen Wälzer leichter Literatur auf ihrem Platz und versuchte nach Möglichkeit das Geschlürfe und Geschmatze ihrer Hauskameraden zu ignorieren. Sie sah erst auf, als sich die Seitentür am Lehrertisch öffnete und Snape die Szenerie betrat.

Mehrere Dinge schlugen dem aufmerksamen Beobachter gleichzeitig ins Gesicht. Erstens: Snapes Robe flatterte nicht. - Das war ungewöhnlich. Zweitens: Snapes erster Es-ist-Morgen-ich-bin-wütend-Blick traf nicht die Gryffindors. Genau genommen war der traditionelle böse Blick komplett abwesend. - Das war beunruhigend. Drittens sah der Mann aus, als wäre er von einem Hippogreif geweckt worden. Einem unzufriedenen Hippogreif. - Das war erschreckend.

Snape ließ sich unterdessen auf seinen Stuhl sinken und wurde noch in den Bewegung von Dumbledore verbal abgefangen.

„Severus, mein Junge, was hast du denn gemacht? Du siehst furchtbar aus."

Snape ignorierte das gezwitscherte „Was ist daran neu?" von Rolanda und wandte blutunterlaufene Augen seinem Brötchengeber, auch liebevoll „Feind" genannt, zu.

„Hab gestern etwas meditiert."

„Meditiert? Bist du in Trance gefallen und hast dich verbogen? Komische Formen angenommen? Hast dich mit deiner Umgebung verständigt und bist eins mit der Welt geworden?"

„Es war eigentlich mehr eine Flasche Whisky, mit der ich eins geworden bin."

Dumbledore zog es vor, das Gespräch an dieser Stelle auf eines seiner Lieblingsthemen zu bringen und zog sich geistig in die Dimension zurück, in der er den Großteil seiner Zeit verbrachte, was ihn glücklich lächelnd ins Nichts starren ließ.

Snape vergrub den Kopf in den Händen.

Da Hermione alles beobachtet hatte, wurde ihr automatisch klar, was geschehen sein musste. Snape hatte einen von ihr modifizierten Traumloser-Schlaf-Trank eingenommen, welcher beim Konsumenten intensive Alpträume hervorrief. Genau das, war auch ihr Plan gewesen. Sie sollte sich gut fühlen. Tat sie aber nicht. Ein uneingeplantes Gefühl von Schuld überrannte sie mit der Wucht eines wütenden Drachens und zwei unvereinbare Gedankengänge bereiteten sich darauf vor, ihr das Leben unangenehm zu machen.

Renn weg.

Äh, nein...gib's zu.

Renn weg.

Nein, GIB'S ZU!

Renn. WEG.

G I B ' S Z U!

„RUHE, VERDAMMT!", brüllte Hermione und die Augen der gesamten Schülerschaft in der Großen Halle drehten sich zu ihr, mit der Gewissheit, dass ihr Headgirl schließlich doch noch durchgedreht war.

Wissende Blicke wurden an diversen Tischen ausgetauscht, Blicke von der Art, wie sie die Ärzte und Schwestern in St. Mungos austauschten, wenn ein hoffnungsloser Fall eingeliefert wurde. Hermione stampfte mit dem Fuß auf, ließ sich zurück auf die Bank fallen und vergrub sich hinter ihrem Wälzer.

„Starker Auftritt", gratulierte Seamus, während Hermiones Gesichtsfarbe langsam aber sicher Weasley-Niveau erreichte.

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Im Hause Slytherin gab es ein ungeschriebenes Gesetz, welches da lautete: Tu was du willst, solange es dir einen Vorteil bringt und du nicht erwischt wirst, falls es illegal ist. Und wenn rechts und links alle dabei draufgehen – ist auch egal.

Getreu diesem Motto versammelte sich am Nachmittag die weiblichen Mitglieder der Slytherin-Siebtklässler, in anderen Worten Pansy und Millicent, und machten es sich in den Sesseln des Gemeinschaftsraumes gemütlich, um die gleich stattfindende Show zu genießen. Alle Slytherins der unteren Jahrgänge waren unter Androhung von Folter und Konfiszierung verschiedener Playwitch und Playwizard-Magazine in ihre Schlafräume verbannt worden, da Pansy und Millicent zwar grundsätzlich nichts gegen die Demütigung ihrer männlichen Hausgenossen einzuwenden hatten, jedoch keine größere Lust auf die unabwendbar folgende Vergeltung hatten.

So saßen die beiden also da, jeweils einen von den Hauselfen erpressten Cocktail in der Hand und harrten der Dinge, die da kommen mochten.

Die Dinge, die da kamen, waren männlich und hießen Draco, Blaise, Theodore, Crabbe und Goyle und waren augenblicklich auf der Hut, als sie die beiden jungen Frauen erblickten. Misstrauische Blicke trafen auf glänzende Augen und das Verlangen wegzulaufen, welches die fünf Opferlämmer verspürten, war nicht nur auf Instinkt, sondern auch auf gesunden Menschenverstand und auf die harte Tour erworbene Erfahrung zurückzuführen. Lächelnde Slytherinfrauen bedeuteten meistens a) Ärger oder b) das Wechseln einer größeren Menge Galleonen in weiblichen Besitz. Manchmal auch beides zusammen. Daher war es kein Wunder, dass Dracos erste Worte lauteten:

„Wie viel?"

Pansy lehnte sich grinsend nach hinten und räkelte sich ausgiebig in ihrem Sessel, während Millicent ein Stück Pergament hervorholte und es in Richtung der unfreiwilligen Märtyrer hielt. Selbige erkannten auch aus sicherer Entfernung das Siegel der Gryffindors. Die Tatsache, dass ihre Hausgenossinnen keinerlei Panik sich betreffend zeigten, jedoch wie Katzen wirkten, die die Kanarienvögel gefressen, die Milch getrunken und es dem Hund angehängt hatten, schrie nach den furchtbarsten Horrorqualen. Blaise schnappte sich das Pergament und las es, drehte sich dann zu seinen Mitstreitern um und gab den Zettel weiter.

An die Schlangen

Die nächste Herausforderung wird zeigen, wie gut ihr euch tatsächlich den Gegebenheiten anpassen könnt. Geht in eure Schlafräume, dort wird ein jeder von euch ein Fläschchen mit einem Trank finden. Eure Aufgabe ist denkbar einfach: Trinkt den Trank. Keine Angst, er ist ungefährlich. Der Effekt, der hervorgebracht wird, hält drei Tage lang an. Jeder von euch muss selbst entscheiden, ob er das Risiko eingeht, tut es jedoch nur ein einziger von euch nicht, verliert ihr das gesamte Spiel.

PS: Wir freuen uns auf euch.

„'Wir freuen uns auf euch?' Was soll das denn heißen?", murmelte Draco.

„Nur ein Weg, es herauszufinden, nicht wahr?" Pansy war von einer wahrhaft teuflischen Aura umgeben und auch in Millis Augen flackerte ein unheiliges Feuer.

„Warum müssen nur wir irgendwelches Zeug schlucken und ihr nicht? Ich trau euch Weibern nicht", erklärte Theodore.

„Und das ist ausgesprochen klug von dir, Theo, mein Lieber", flötete Pansy beifällig, ohne auf die Frage einzugehen. „Und jetzt mach dich vom Acker und trink brav deine Schwefelsäure. Na los, hopp hopp."

Die fünf jungen Männer schlichen sich in Richtung ihrer Räume davon. Pansy und Millicent stießen mit ihren Cocktails an und warteten auf die Schreie. Sie warteten nicht lange.

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Hermione war gelangweilt. Sie streifte durch die Korridore des dritten Stockes im Westflügel. Hier verirrte sich kaum mal jemand her. Als Siebtklässler hatte sie einen großen Teil des Montags und des Mittwochs über keinen Unterricht, denn an diesen Tagen war das eigenständige studieren der Hauptfächer vorgesehen. Da Hermione den Stoff ihrer Fächer bereits bis zum Jahresende (einschließlich der Abschlussprüfungen) vorgelernt hatte und auswendig konnte, hatte sie an diesen Tagen sehr viel Zeit und da sie Hermione war, war sie mit dem Konzept von Freizeit absolut überfordert.

Neben der Statue von Barnabas dem Blöden bog sie nach rechts ab, an einem Wandgemälde vorbei, welches mit „Paarungstanz der Trolle" betitelt war und selbst einem Deatheater noch Alpträume beschert hätte. Die Nachmittagssonne, die durch die Herbstblätter der Bäume schien, fiel durch die großen Fenster gegen die steinernen Mauern des Ganges und glänzte in Hermiones Haaren.

Ich folge ihr nicht, beharrte ein sturer Teil von Snapes Verstand, während er ihr um die Ecke hinterher sah. Er folgte ihr schon seit mehreren Tagen nicht, in denen sie ziellos durch das Schloss gelaufen war, in der Bibliothek Bücher gelesen oder am See unter einem Baum gelegen hatte. Er hatte definitiv nicht gesehen, wie sie die Eulen gefüttert hatte oder wie sie Trelawnys Kristallkugel gegen eine „magische Acht"-Kugel ausgetauscht hatte. Er hatte ihrer gemurmelten Aussage, dass Sibylle damit wenigstens eine 50:50 Chance hatte, durchaus zugestimmt.

Er folgte ihr eine Weile nicht, bis er abrupt stehen blieb... Nur wenige Zentimeter davon entfernt, in eine Rüstung zu rennen. Nicht, dass er es bemerkt hätte. Aus der anderen Richtung näherte sich Peeves, aber auch das übersah Severus, da er sich darauf konzentrierte, nicht laut zu fluchen. Die Erkenntnis hatte ihn getroffen: Er mochte das Mädchen. Das war nicht akzeptabel!

Für weitere Erkenntnisse war es zu spät, denn das war der Moment, den Peeves sich aussuchte, um eine der Ritterrüstungen in eine nicht jugendfreie neue Position zu rücken. Das Quietschen der seit Urzeiten nicht mehr geölten Scharniere ließen Hermione herumfahren und Severus sah sich mit einer unerfreulichen Situation konfrontiert. Selbstverständlich war er ihr nicht wie ein Schatten gefolgt und es war natürlich sein Recht sich in jedem beliebigen Teil des Schlosses aufzuhalten, dennoch war es schon ein seltsamer Zufall. Jah, Zufall. So zumindest musste er es ihr verkaufen. Es brachte schließlich nichts, wenn sie auf durch richtige Schlussfolgerungen auf das für ihn falsche Ergebnis kam.

„Snape."

„Professor Snape für Sie, Granger!"

„Das ist Miss Granger für Sie, Professor!"

Es gab nur eine Möglichkeit seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und offensichtlich war Potter nicht der Einzige, den man mit einer überraschenden und schnellen Abfolge von Beleidigungen über Intelligenz, Abstammung und generelle Fähigkeiten einschüchtern konnte. Das dachte er zumindest. Doch kaum hatte er den Mund wieder geschlossen, sah er ihre blitzenden Augen und war hin und her gerissen zwischen Bewunderung und offener Panik.

Man sah es ihr an, dass Hermione erwog ihre Handfläche samt der fünf dazugehörigen Finger dazu zu benutzen, einen bleibenden Eindruck auf Snape zu hinterlassen. Da sie sich allerdings zu erwachsen dafür hielt, entschied sie sich lediglich für den Gebrauch eines Fingers. Des Mittleren. Dann schritt sie würdevoll davon. Das wiederum konnte Snape so nicht hinnehmen. Nach einigen Minuten musste er allerdings einsehen, dass sie ziemlich flink und er außer Übung war. Er sah sie ein paar Korridore weiter in einem Raum verschwinden. Ohne darauf zu achten, wo er sich eigentlich befand, rauschte er ihr hinterher.

„Hab ich dich", zischelte er gehässig und riss die Tür auf.

Leider war es die Mädchendusche.

Ein schriller Schrei erklang. Severus schmiss die Tür wieder zu, drehte sich schreckensbleich um und lehnte sich gegen die Tür.

„PERVERSLIIIIIIIIIIING!", erklang es kreischend aus dem Inneren des Raumes.

Entgegen vieler Wetten besaß Snape genug Blut im Körper, um ziemlich rot zu werden. Er hatte ja schon eine Menge erlebt und getan in seinem nicht gerade unereignisreichen Leben, aber das Eindringen in die Mädchendusche der Gryffindors gehörte sicherlich nicht dazu.

„Ich habe nichts gesehen, Ms Brown, ich schwöre, dass ich nichts gesehen habe!"

„Was heißt hier „nichts gesehen"? Ist das etwa NICHTS, was Sie angestarrt haben?"

Severus begann zu hyperventilieren. Es war immer dasselbe Theater! Abgefuckte Pläne! Plötzliches Linksabbiegen in der Rechtskurve des Lebens.

„Ich... ich..."

Lachen kam von der anderen Seite.

„Nur ein Witz, Professor."

„DETENTION MS BROWN!!! MIT FILCH!!!"

„Hey – ICH bin hier das Opfer."

Der patentierte Slytherin-Todesblick hätte sie eigentlich durch die Tür hindurch fällen müssen.

Er machte sich so schnell ihn die Füße trugen davon, bis er wieder in neutralem Gebiet war. Da der Tag bis zu dieser Minute ein Reinfall von deprimierender Größe gewesen war, beschloss er, dass es angebracht war, sich wenigstens ein wenig die Zeit zu vertreiben..

Er war in erstaunlich guter Laune, nachdem er einer Gruppe verängstigter Hufflepuff Erstklässler erzählt hatte, das Sybill Trelawny eine begnadete Seherin war und dass derjenige, den sie diesmal hatte sterben sehen, bei der nächst besten Gelegenheit ins Gras beißen würde, woraufhin das diesjährige Opfer von Sybills Fantasien ohnmächtig umgefallen war, begleitet von den entsetzten Schreien seiner Hausgenossen.

Hah! Schüler! Es war schon fast zu einfach.

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„Ich werde Potter umbringen", kreischte eine Stimme.

Pansy und Millicent begannen zu lachen, als ob es kein Morgen gäbe und zeigten mit dem Zeigefinger wage in die Richtung von Draco und Theodore, während ihre vom Gelächter geschüttelten Körper drohten von den Sesseln zu kippen.

Kurz darauf traten auch Crabbe und Goyle ein. Beide wirkten unzufrieden, ein Zustand den ihnen auch wirklich niemand verwehren konnte.

„Wir können uns so nicht draußen zeigen", fauchte Theodore.

„Ihr müsst", gröhlte Pansy vergnügt, „Abendessen, Unterricht, nicht zu vergessen mein persönliches Amüsement."

„Mit euch beiden als Freund, wer braucht da noch Zweifel und Selbsthass?", wütete Draco.

„Oh, du machst die süßesten Komplimente. Doch das wird dir auch nicht helfen."

„Aber die Gryffindors werden es merken", heulte Draco gedemütigt.

„Wir könnten ihnen eine Kiste voll bunter Luftballons schenken. Sie wären für Wochen beschäftigt", kam es unbeeindruckt von Millicent, die den diversen seelischen Zusammenbrüchen keine weitere Beachtung schenkte. „Im Übrigen müssen wir euch passende Kleidung suchen."

„Nein", hauchten Draco und Theo gleichzeitig entsetzt, während Crabbe und Goyle ausdrucksstark die Köpfe schüttelten.

In diesem Moment fiel Pansy auf, dass Zwei und Zwei nicht Fünf ergab und das brachte sie unweigerlich zum nächsten Thema.

„Wo ist Blaise?"

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Ginny war gerade auf dem Weg zu Hannah Abbott, um ihr eines der geborgten Bücher zurückzugeben. Sie hatte noch etwa 10 Minuten, bis Kräuterkunde anfing, und sie hatte eben festgestellt, dass sie ihre Handschuhe in ihrem Zimmer hatte liegen lassen. Sie hasste es, unter Zeitdruck zu sein. Sie rannte durch die Gänge, ihre roten Haare flatterte hinter ihr her und Mrs. Norris sprang ihr fauchend aus dem Weg, da sie sich noch gut an das letzte Mal erinnerte, als ihr die jüngste der roten Blagen einen Tritt versetzt hatte. Ginny sauste um die Ecke und wollte gerade zum Endspurt ansetzen, als sie etwas sah, dass sie wie vom Blitz getroffen stehen bleiben ließ.

Vor ihr angelehnt an eine Wand stand so ziemlich die schönste Frau, die sie in ihrem Leben gesehen hatte. Kaskaden von schwarzem Haar fielen in großen Locken bis in die Mitte ihres Rückens. In einem perfekt geformten Gesicht an spannte sich milchigweiße Haut über hohe Wangeknochen und große, von langen schwarzen Wimpern umgebene, dunkelblaue Augen sahen sie lasziv an. Die eng sitzende Schuluniform war oben weit genug geöffnet, um den geneigten Betrachter erkennen zu lassen, dass Unterwäsche hier nicht zum Standardprogramm gehörte und unten kurz genug, um den inzwischen definitiv interessierten Betrachter dasselbe vermuten zu lassen.

Die Fremde stieß sich mit den Schultern gekonnt von der Wand ab, was die Blicke zeitgleich auf lange, wohlgeformte Beine und die plötzlich ziemlich weit nach vorn gestreckte Oberweite fallen ließ.

Zu diesem Zeitpunkt beschränkte sich Ginnys mentales Vokabular auf „dahlalalschahhaaaa", was man getrost als Kompliment verstehen durfte.

Die Schwarzhaarige schwebte auf sie zu, anders konnte man diese Art zu gehen wohl kaum beschreiben, blieb kaum mehr als 10 Zentimeter vor ihr stehen und ließ eine feingliedrige Hand durch Ginnys rote Mähne gleiten.

„Hi", hauchte die Fremde und in ihren blauen Augen vereinten sich Erotik und unverhohlene Anmache. Sie presste sich gegen Ginny und flüsterte: „Lass uns doch irgendwo hingehen, wo es gemütlicher ist." Kaum hatte sie das gesagt, hatte sich ihre Hand auch schon um Ginnys geschlossen und sie den Gang hinunter mitgeschleppt. Dort vor einer blanken Mauer angekommen, zerrte sie Ginny dreimal an einer Stellte der Wand vorbei, bis aus dem Nichts eine Tür erschien. Ohne auf eine Reaktion ihrer Gefangnen zu warten, zog sie das andere Mädchen in den Raum, den Ginny mittlerweile als den Raum der Wünsche identifiziert hatte. Kaum waren sie drinnen und die Tür geschlossen, drehte sich die Fremde um, hob die Brauen und gab einen Blick von sich, der so zweideutig war, dass sie dafür Geld hätte verlangen können.

Es gab nur eine Person, die sich wie eine Schlampe benehmen und gleichzeitig absolut charmant und natürlich wirkten konnte.

„BLAISE?"

Die weibliche Version von Blaise grinste unverschämt, schnappte sich Ginnys Hand und zerrte sie mit sich. „Ganz genau, mein Schatz. Und jetzt lass uns ein wenig experimentieren."

„Wa-?"

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Harry war gerade bei Hagrid und ließ sich mit Tee und selbstgebackenen Keksen vergiften, als es einen Knall gab und Dobby aus einer Rauchwolke auftauchte.

„Siiiir", quiekte er und hopste auf und ab, wie eine lebendige Zielscheibe, „Siiir wollte, dass Dobby Bescheid sagt, wenn…", hier zwinkerte er mehrmals auffällig mit einem Auge.

Harry verschluckte sich ausgiebig bei seinem Versuch aus Hagrids Sessel aufzustehen, schnellte schließlich auf die Füße, hechtete aus der Hütte, ohne den Satz, den er gerade vorher angefangen hatte zu sprechen, zu beenden, sprintete um die Ecke, sprang über den ersten Busch, verfing sich mit dem Schuh im Blattwerk und klatschte grazil kopfüber in das Blumenbeet. Harry die Gazelle hatte wieder zugeschlagen.

Noch bevor die Schwerkraft Verdacht schöpfen konnte, rappelte er sich wieder auf. Nachdem er die Erde mit einem Ärmel strategisch geschickt in seinem Gesicht verschmiert und mit großer Umsicht seine Robe an mindestens zwei Stellen an einem Busch zerfetzt hatte, packte er es schließlich aufrecht das Schloss zu betreten. In einer Geschwindigkeit, wie man sie sonst nur bei Kurzstreckensprintern oder von der Polizei Verfolgten findet, bahnte er sich seinen weg durch Korridore und Treppen hinab, bis er mit einem klangvollen Krachen seine Anwesenheit am Eingang der Slytherins kundtat. Noch ehe sein beeindruckender Schmerzensschrei verklungen war, hatte Pansy das Portrait geöffnet.

„So schnell hier? Kannst es wohl gar nicht erwarten deinen Triumph auszukosten, was?"

Wenn du wüsstest, dachte Harry, doch zu einer Antwort außerhalb seines Kopfes kam er nicht, denn neben Pansy materialisierte sich ein Arm, packte Harry am Kragen und zerrte den oberen Teil seines Körpers nach vorn. Mit einem Mal sah er sich mit einem paar äußerst bekannter silbergrauer Augen konfrontiert, die so nahe vor den seinen aufgetaucht waren, dass Harrys Augen über Kreuz liefen.

„Duuu…" Das Knurren war eine verstörend attraktive Mischung aus hohem Mädchensopran und einem drohenden Ton, den man sich in dieser Stimmlage blutiger Gewalt nur von männlichen Höhlenbewohnern vorstellen konnte. Harry zog den Kopf zurück und betrachtete zufrieden das Gesamtwerk. Draco, der immer sehr stolz auf seine im Quidditch erworbenen Muskeln und seinen im sechsten Schuljahr doch noch eingesetzten Wachstumsschub gewesen war, hatte sich in ein zierliches Mädchen verwandelt, welches gerade mal bis zu Harrys Schulter reichte. Die weißblonden Haare fielen bis zum Kinn und der mörderische Ausdruck in seinen Augen lenkte nicht im Geringsten von einer furchtbaren Tatsache ab:

Draco war niedlich.

Jemand, Harry schätze, dass es Pansy gewesen war, hatte ihn in eine Mädchenuniform gesteckt, die ihm allerdings ein wenig zu groß war. Er sah einfach zum Anbeißen aus, wie etwas zum Knuddeln und lieb haben und wenn dieser Gedanke nicht das sichere Ende der Welt nach sich zog, dann wusste Harry auch nicht weiter.

„Ist er nicht reiner Zucker", quietschte Pansy und begann, Draco an sich zu drücken.

„Nimm deine Finger von mir, du verdorbenes Weib, oder ich schwöre, ich beiß sie dir ab!" Die hohe Stimme nahm der Drohung einiges an Schärfe. Pansy lachte nur und ließ ihre Hände weiter über Dracos wohlgeratenen Körper gleiten, während dieser eine Litanei von Verwünschungen und Anschuldigungen abließ. Harry nutzte die Zeit, um den neuen Draco von Kopf bis Fuß unter die Lupe zu nehmen.

„Hey, ich rede hier mit dir. Hast du was Besseres zu tun?", fauchte dieser schließlich.

„Nein, nein, ich warte nur darauf, dass du aufhörst Variationen von „Armes, unglückliches Ich" zu spielen."

Eine Reaktion blieb Draco verwehrt, da Pansys Hände eine bestimmte Stelle erreichten. Draco quiekte und machte einen Satz nach vorn, was ihn in die unmittelbare Nähe eines gewissen H.J. Potter brachte, der die Gelegenheit nutzte, sich Draco griff und die Flucht antrat.

Pansy sah erst ein wenig überrascht, anschließend enttäuscht drein, winkte ihnen dann aber nach. Sie hatte schließlich noch drei weitere Opfer, die sie quälen konnte. Und würde.

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Das Erste, das Ginny förmlich ins Auge stach, war ein gewaltiges Bett. Nein, gewaltig war das falsche Wort. Gigantisch, monströs, Orgiengrundlage - das waren die Bezeichnungen, die ihr eher angebracht erschienen. Und Blaise, Version 2.0, steuerte direkt darauf zu. Sie räusperte sich.

„Blaise - warum sind wir hier?"

„Ich spekuliere nicht über kosmische Angelegenheiten."

Ginny widerstand nur knapp der Versuchung die Augen zu rollen.

„Ich meine - diesen Ort -!"

„Oh. Was denkst du? War das Bett kein Hinweis? Ich geb dir einen Tipp: Es reimt sich auf „wilder wahnsinniger Schmex"." Er bewegte sich mit einem gleitenden Gang auf Ginny zu, wobei er seine Hände in eindeutiger Weise über seinen Körper gleiten ließ und besondere Zeit darauf verwandte, die neuen Attribute zu erkunden. „Obwohl ich ungern Zeit verschwende, werde ich dir das mal erklären, ja? Sieh es doch mal von meinem Standpunkt aus, Liebes. Wann hat ein Mann schon mal die Gelegenheit, genau zu wissen, wie es sich anfühlt eine Frau zu sein? Herauszufinden, wie es sich anfühlt, im Eigenversuch zu erfahren, wo die Knöpfe sind und wie man sie drücken muss?"

Ginny fand die Argumentation interessant, war aber nicht überzeugt.

„Was ist mit Polijuice?"

Blaise rümpfte die Nase. „Polijuice Potion gibt einem zwar den Körper, aber nicht das richtige Gefühl. Es ist, als ob du eine Jacke aus Drachenhaut anziehst. Es hilft gegen Feuer, lässt dich aber nicht fliegen. Nein. Das hier ist was Anderes. Besser. Und denk doch nur daran, wie viel besser es deine Situation macht."

„Meine? Wieso meine?"

Blaise' Grinsen war auf anziehende Weise dreckig. „Aber Ginny, mein Schatz. Wenn ich erst mal weiß, wie und wo es sich gut anfühlt…" Der Groschen fiel und Ginnys Herzschlag beschleunigte auf Feuerblitzgeschwindigkeit.

„Oh…"

„Ganz genau." Er begann an dem obersten Knopf seiner Uniform zu nesteln und ließ ihn schließlich aufploppen. Ginny gab ein Geräusch von sich, das verdächtig nach einem Röcheln klang und von Blaise mit wohlwollend-lüsternem Lächeln zur Kenntnis genommen wurde. „Und jetzt sei ehrlich. Wie oft in den letzten zehn Minuten hast du daran gedacht, wie ich ohne Kleidung aussehe?"

„Ich, ah… ein oder zwei…" Blaise' Augenbrauen gingen nach oben und Ginny lenkte ein. „… tausend Mal?"

Ihre Kleidung sollte den nächsten Morgen nicht erleben.

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Zaubertränke.

Snape sah sich in seinem spärlich besetzten Klassenzimmer um. Aus Gryffindor fehlte nur Potter, was für ihn Grund zur Freude wäre und ihn jede Menge Punkte hätte abziehen lassen, doch zu seinem Ärger fehlte fast die gesamte Bandbreite aus seinem Haus. Lediglich Pansy und Millicent saßen auf ihren Plätzen und sahen aus, als ob sie genauso überrascht wären wie er. Damit war klar, dass sie damit etwas zu tun hatten. Er sah unzufrieden auf seine Schüler. Dieser Wettbewerb, den er von vorneherein verurteilt hatte, lief langsam aus dem Ruder. Albus reagierte auf seine Beschwerden mit seniler Naivität, von deren Vorgespieltheit Snape nicht völlig überzeugt war. Er musste Gegenmaßnahmen ergreifen und zwar bald.

Die gesamte Stunde hatte eigentlich nur einen einzigen Vorteil: Ohne einen Potter in der Gruppe war Snape in der Lage, seinen Sarkasmus gleichmäßig zu verteilen und somit das gesamte Haus von Gryffindor zu quälen.

Das hieß, bis zu dem Moment, in dem Nevilles Kessel anfing, seltsam purpurne Rauchschwaden auszuspucken. Noch bevor Snape den Mund öffnen konnte, um den jungen Mann verbal in Streifen zu scheiden, sprang Hermione mit blitzenden Augen auf.

„Lassen Sie ihn in Ruhe, Professor. Er bringt das schon in Ordnung. Wir haben geübt. Neville kann das."

Snape schnaubte nur verächtlich.

„Das Einzige, was Longbottom kann, ist, einen Kessel in ein Loch im Boden zu verwandeln. Er ist eine einzige Enttäuschung. Selbst ein wirbelloser Einzeller hat mehr Rückgrat."

Und das Unvorstellbare passierte: Statt in sich zusammenzusinken und mit den Tränen zu kämpfen, richtete sich Neville auf und stellte, wohl zum ersten Mal in seinem Leben freiwillig, Blickkontakt zu Snape her. Und damit nicht genug. Er lächelte.

„Professor, Sie wissen, dass ich, ganz im Gegensatz zu Ihnen, kein Freund vieler überflüssiger Worte bin, doch, wiederum im Gegensatz zu Ihnen, hab ich es nicht nötig, durch dramatische Auftritte, wirbelnde Roben und das Terrorisieren von Jugendlichen auf mein Kindheitstrauma aufmerksam zu machen. Mit anderen Worten und allem nötigen Respekt: Sie können mich mal."

Die Klasse keuchte entsetzt auf und hielt dann den Atem an. Das war es. Neville hatte endgültig den Verstand verloren und Snape würde ihn nun wohl töten.

Doch Snape hob die nur Augenbrauen. Einige Sekunden vergingen, in denen man auf den großen Knall und einen Avada wartete, dann drehte Snape sich um und ging zu seinem Tisch zurück.

„Nicht übel, Longbottom. Ich muss sagen, ich bin weniger abgrundtief enttäuscht von Ihnen als je zuvor."

Das von Snape war fast wie ein Ritterschlag.

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„Harry? Was soll das werden?"

Harry sagte kein Wort, sondern schlug die Tür des geheimen Raumes der Slytherins hinter sich zu und hielt nicht eher an, als bis sie vor dem Bett standen.

„Das ist nicht dein Ernst?", quiekte Draco, doch ein Blick in Harrys wölfischen Gesichtsausdruck genügte, um zu wissen, dass es diesem todernst war. Ein Schubser gegen Dracos neuerdings schmale Schultern und dieser fand sich mit dem Rücken auf einer weichen Matratze wieder und mit einem äußerst entschlossenen Gryffindor über sich konfrontiert, welcher seinen Zauberstab aus dem Ärmel holte, ihn zu einem gemurmelte Zauberspruch über sich und Draco schwang und ihn dann achtlos auf dem Kleiderhaufen fallen ließ, der sich neben dem Bett materialisiert hatte und noch einige Sekunden vorher die Körpern der beiden verhüllt hatte.

Draco fühlte zum ersten Mal in seinem Leben, wie ihm einfach die Worte wegblieben, als er in die Augen Harrys sah, die sich Millimeter für Millimeter über seine neue Form arbeiteten.

„Also", würgte er schließlich hervor, „du scheinst kein größeres Problem zu haben mit der Tatsache, dass mmmmffffff…."

Harry hatte in der Tat keine Probleme, ganz im Gegenteil. Seine Lippen pressten gegen Dracos, während seine rechte Hand Dracos Schenkel empor kroch, bis zu dem Punkt an dem…

„Oh, gütige Circe", stöhnte Draco und seine Augen verdrehten sich nach hinten, während sich sein Rücken durchbog. „Oh, man, ich, aaaah…"

„Darf ich das als Einverständnis betrachten?", murmelte Harry, der sich inzwischen an dem Hals seines Opfers nach oben gearbeitet hatte und dessen Zunge gerade die geografische Beschaffenheit einer Ohrmuschel erkundete.

„Oh, ah, okay." Dracos Fähigkeit, sich durch Worte und ganze Sätze verständlich zu machen, gingen verloren, als ihn die völlig neuen intensiven Gefühle überrollten, die Hände und Lippen seines Liebhabers in ihm hervorriefen. Das Letzte, was er zusammenhängend von sich gab war: „Räche mich später."

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Viel später, als die Sonne bereits mit einer gewissen Erleichterung hinter den Bergen verschwunden war, machten sich Harry und ein, seinem Freund gegenüber ambivalent eingestellter Draco, auf den Weg zu ihren Quartieren. Draco lief ein wenig langsamer, da er ein Ziehen an Stellen empfand, denen er eine Mischung aus Misstrauen und Vergnügen entgegenbrachte. Glücklich dagegen konnte er darüber sein, dass der Trank, dem er seinen momentanen Zustand verdankte, ihn tatsächlich eins zu eins verwandelt hatte, da er sicher war, dass er dem Konzept des Jungfernhäutchens gegenüber nicht positiv eingestellt gewesen wäre.

Sie waren ganze zehn Schritte bis zur Biegung des Ganges gekommen, als das Schicksal zuschlug.

Potter." Snapes Stimme war so warm wie ein Eisberg.

Harry sprang vor Schreck fast an die Decke, während Draco stocksteif wurde und vorsorglich schon mal anfing zu beten.

„Ich dachte, Schüler gehörten zu dieser Zeit bereits in ihre Gemeinschaftsräume?"

„Witzig. Und ich dachte, Fledermäuse würden nachts schlafen. Scheint, als hätten wir uns beide geirrt."

Draco und Snape zogen gleichzeitig warnend die Luft ein. Das Echo seines Geräusches brachten Snape dazu, sich der zweiten Figur zuzuwenden und sein gefährliches Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht.

„Eine Studentin, Potter? So schnell gelangweilt von Mr Malfoy? Interessant. Ich frage mich, ob er von Ihrem kleinen Rendezvous weiß?"

Nun gab es keinen Ausweg mehr. Draco sammelte seinen ganzen Mut.

„Ja, weiß er", sagte er und drehte sich um. Snapes Augenbrauen schossen in ungeahnte Höhen und sein Mund klappte auf, bevor sich fing und seine übliche kühle Maske auf sein Gesicht senkte.

„In diesem Fall… zwanzig Punkte Abzug, Mr Malfoy, für das erneute demonstrieren schlechten Geschmackes."

Es war Harry anzusehen, dass er nur zu gern das Maul aufgerissen hätte, sich aber nicht traute. Es war Snape ein Vergnügen mit anzusehen, wie sich das Balg bemühte ruhig zu sein, ohne dabei in Flammen aufzugehen. Es dauerte natürlich nur ein paar Sekunden.

„Es ist nicht Dracos Schuld. Es liegt an dem Wettbewerb."

Soweit war Snape inzwischen auch schon gekommen.

Jugendliche.

„Mein Schock darüber wird nur von meinem Desinteresse übertroffen, Mr Potter. Und jetzt verschwinden Sie in Ihr Haus, bevor ich meinen letzten Funken Geduld verliere. Ich kümmere mich um ihren Amour."

Harry wollte etwas erwidern, aber Draco schüttelte den Kopf. „Morgen", flüsterte er und Harry gab Fersengeld.

Snape sah an seiner beträchtlichen Nase herab auf Draco.

„Ich wusste, dass deine Familie einen Knall hat Draco, aber das…?"

„Wettbewerb", knurrte Draco.

„Wie auch immer. Ich gehe nun also davon aus, dass dies der Grund ist, dass die meisten deiner Klassenkameraden heute nicht im Unterricht waren." Er rollte die Augen. „Ich wird mir den Schlamassel morgen ansehen. Und ich kann dir versprechen, dass ich bei den Konsequenzen, die sich für euch ergeben, nicht eingreifen werden. Das habt ihr euch selbst eingebrockt. Ich persönlich freue mich direkt auf das Frühstück morgen. Und ihr werdet antreten. Allesamt. In für junge Damen angemessener Kleidung. Hab ich mich klar ausgedrückt?"

Draco würgte und nickte. Was blieb ihm schon übrig?

„Gut. Und jetzt verzieh dich, bevor ich mich entschließe, Fotos zu machen und deinem Vater nach Askaban zu schicken. Hm… eigentlich eine ziemlich gute Idee."

Draco sah das hinterhältige Grinsen auf Snapes Gesicht, schluckte nervös und machte sich aus dem Staub.

Snape schüttelte den Kopf und schritt davon.

„Unter Voldemort wäre das nicht passiert."

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