Disclaimer: Ich besitze keine Rechte an den Büchern und Geschichten J.R.R. Tolkiens oder seinen Charakteren. Ebenso wenig verdiene ich Geld mit dieser Geschichte. Mir geht es alleine um den Spaß am Schreiben. Die Charaktere und Orte die ihr nicht in Tolkiens Werken findet sind meiner Phantasie entsprungen.

Kapitel 4: Das Mädchen

„Nein! Nein, nein, nein und nochmals nein! Das kann nicht sein!"

Seit Stunden murmelte sie diesen Satz, während sie durch den fremden Wald irrte. Als Elena aufgewacht war, hatte sie sich in genau diesem Wald wiedergefunden. Aber wie war das möglich? Sie hatte sich doch eben noch auf dieser Bank befunden. Ziellos irrte sie nun umher mit ihrem Rucksack auf dem Rücken. Komischerweise war ihr dieser geblieben.

„Bin ich vielleicht überfallen und entführt worden?" fragte sie sich in Gedanken.

Doch diese Idee war Unsinn, da in ihrem Rucksack nichts fehlte. Personalausweis, Geldbörse, alles war da. Sie überlegte und überlegte, kam jedoch zu keinem vernünftigem Ergebnis. Verzweifelt ließ sie sich auf einen Baumstamm fallen und hielt sich den Kopf. Wo war sie bloß?

Plötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als sie schwere, stampfende Schritte vernahm, die schnell in ihre Richtung kamen. Panisch blickte sie sich um und entdeckte einen hohen Baum, der ideal war um darauf zu klettern. Hastig nahm sie etwas Anlauf und schwang sich auf den ersten Ast und kletterte bis ins Blätterwerk hinein. Schon im Kindergarten war sie auf Bäume geklettert, was die Erzieherin meistens zur Verzweiflung gebracht hatte. Nun war es ein Vorteil, der Elena zu Gute kam.

Die Schritte wurden immer lauter und kamen immer näher. Vorsichtig lugte sie durch die Zweige und erblickte eine Gruppe furchteinflößender Wesen. Sie waren total entstellt, dreckig und hässlich. Von ihrem Gestank ganz zu schweigen. Elena musste sich den Mund zuhalten, um sich nicht übergeben zu müssen. Diese Viecher waren so eklig! Genau unter dem Baum, auf dem sie saß, machten sie Rast.

Der Anführer wand sich zu der Gruppe um.

„HALT! Riecht ihr das? Menschenfleisch!"

Ein mordlustiges Grölen verließ die Kehlen der Bestien. Reflexartig packte sich Elena an den Hals. Ein fataler Fehler. Ein Ast knackte und diese Bestien sahen hinauf in den Baum.

„Nur nicht bewegen. Ganz ruhig. Du packst das Elena. Nur nicht bewegen." dachte sie und schloss flehend die Augen.

Sie betete innerlich zu sämtlichen Göttern und Heiligen von denen sie je gehört hatte. Anscheinend half es, denn einer der Orks wand sich zu seinem Anführer und sah ihn böse an.

„Was redest du für einen Schwachsinn! Hier ist niemand. Ist dir das Abschlachten der Elben von eben auf den Geruchssinn geschlagen?"

„Verzieh dich! Du bist schon die ganze Zeit am meckern! Orks! Wir laufen weiter!"

„Orks? Elben?" fragte sich Elena, als sie der Gruppe nachsah, wie sie sich entfernte.

Nachdem sie nicht mehr zusehen waren, kletterte sie wieder den Baum hinunter. Doch ein Ast gab nach und Elena purzelte die letzten paar Äste hinunter, bis sie mit einem dumpfen Geräusch auf dem Waldboden aufschlug. Der Aufprall trieb ihr für ein paar Minuten die Luft aus den Lungen. Schließlich richtete sie sich auf und sah erst in die Richtung in der die Orks verschwunden waren und dann in die Richtung aus der sie gekommen waren.

„Elben? Abschlachten?" fragte sie sich.

Unschlüssig stand sie da. Hin und her gerissen von Neugierde und Vernunft. Sollte sie nachsehen gehen, was diese Orks gemeint hatten oder sollte sie einen Weg aus diesem Wald finden? Ihre Neugierde gewann schließlich die Oberhand und sie bewegte sich vorsichtig auf den kleinen Hügel zu. Langsam kletterte sie ihn hinauf und lugte auf den Waldabschnitt dahinter. Sie dachte ihr Herz müsse stehen bleiben. Vor ihr lagen in einer kleinen Sänke mindestens 9 tote Orks und noch fünf andere Kadaver, die definitiv nicht zu diesen Bestien passten. Das mussten diese Elben sein, von denen die Orks geredet hatten.

Als Elena langsam näher trat begutachtete sie vorsichtig den ersten dieser Elben und musste leicht lächeln. Er war wunderschön. Seine langen blonden Haare waren zum Teil zu kleinen Zöpfen geflochten worden, die kunstvoll wieder im Nackenbereich zusammenliefen. Seine Haut war beinah so, wie die Farbe von Elfenbein und sein schönes Gesicht mit den spitzen Ohren und offenen braunen Augen, die nun ins Leere starrten, war einfach nur wunderschön. Doch er war furchtbar zugerichtet. Überall hatte er Hiebe und Blut sickerte aus den tiefen Wunden. Er war eindeutig tot. Auch den anderen Drei konnte man nicht mehr helfen.

„Sie sind alle so wunderschön." dachte Elena und kniete neben dem fünften Elben nieder.

Sein langes schwarzes Haar verbarg sein Gesicht und machte es Elena unmöglich ihn zu betrachten. Vorsichtig streckte sie die Hand nach dem Wesen aus, um ihn auf den Rücken zu drehen, doch plötzlich packte eine blutverschmierte Hand ihr Handgelenk. Elena schrie auf und blickte panisch in das Gesicht des Elben. Schwach hatte er die Augen geöffnet und sah sie nun mit seinen haselnussbraunen Augen an.

Elena versuchte sich hastig loszureißen und schaffte es auch, da der geschwächte Elb sie nicht halten konnte. Sie robbte einige Meter weg von dem gerade auferstandenen Toten und starrte ihn mit weitaufgerissenen Augen an. Der Elb sah sie schwach an und versuchte seine Hand nach ihr auszustrecken.

„Nen... Nen."1 flüsterte er.

Für anständige Worte war er nicht in der Lage. Doch Elena verstand nicht, was er von ihr wollte. Vorsichtig krabbelte sie auf allen Vieren auf ihn zu und blieb kurz vor ihm stehen. Misstrauisch beäugte sie ihn. Er war wirklich übel zugerichtet. Er hatte eine Platzwunde an der Stirn und überall Schrammen und tiefe Schnittwunden. Sein rechter Arm war merkwürdig angewinkelt, woraus man schließen konnte, dass er gebrochen war. Mitleidig sah Elena ihn an.

„Entschuldige, aber ich versteh dich nicht. Sprichst du vielleicht Deutsch oder Englisch?"

Fragend sah er sie an.

„Wohl nicht." sagte Elena zu sich selber und stellte ihren Rucksack ab.

Da bekam sie ihre Wasserflasche zu fassen und sah den Elb fragend an.

„Ob es vielleicht das ist, was er will? Wasser?" fragte sie sich in Gedanken und holte ihre grüne Flasche aus dem Rucksack.

Mühsam half sie dem Elb sich aufzurichten und legte seinen Kopf in ihren Schoß. Dann öffnete sie die Wasserflasche und hielt sie dem Elb an den Mund. Zuerst zögerte dieser und sah Elena misstrauisch an, doch als sie aufmunternd nickte, begann er vorsichtig zu trinken. Doch gleich im nächsten Moment verschluckte er sich und musste gegen einen Hustenanfall kämpfen. Elena streichelte ihm beruhigend über den Rücken. Zu klopfen wagte sie bei seinen schweren Verletzungen nicht. Nach einer Weile war es vorbei und der Elb ließ sich geschwächt in Elenas Schoß zurücksinken.

„Hannon le."2 flüsterte er und schloss die Augen.

„Ich nehme mal an, dass soll so was wie Danke heißen." murmelte Elena zu sich und strich dem Elb beruhigend über dem Kopf.

-------

Währenddessen waren in Minas Tirith Gandalf mit den vier Hobbits eingetroffen. Aragorn hatte sie mit trüber Miene empfangen und ihnen berichtet, was vorgefallen war.

„Wie kommt dieser Trandi ... wie hieß er noch?" fragte Pippin aufgebracht.

„Thranduil." flüsterte ihm Merry ins Ohr.

„Ja genau. Wie kommt dieser Thranduil nur dazu, dich als Lügner und Mörder hinzustellen, Aragorn?"

„Ich weiß es nicht, mein Freund. Ich weiß nur, dass Legolas etwas zugestoßen ist und dass er unsere Hilfe braucht. Ich weiß, dass ihr wahrscheinlich nicht mehr kämpfen wolltet, aber ich muss euch darum bitten. Ich wollte auch nicht, dass es je wieder so weit kommt."

„Es ist selbstverständlich, dass wir helfen Aragorn." meinte Sam und sah Frodo an.

„Sam hat Recht. Legolas ist unser Freund und hat uns schon oft das Leben gerettet. Wir werden helfen."

„Ja!" riefen Merry und Pippin im Chor und auch Gandalf nickte zustimmend.

Gimli war von Anfang an dabei gewesen, schon als er gehört hatte, dass Legolas etwas zugestoßen war. Aragorn lächelte hoffnungsvoll.

„Danke meine Freunde. Ich bin mir sicher, dass unsere Suche von Erfolg gekrönt sein wird."

„Das erflehe ich jedenfalls." fügte er in Gedanken noch hinzu.

------

1 Nen – Wasser

2 Hannon le – Danke

An Melethil: Der Künstler dankt für das große Lob! Hab mich beeilt so gut ich konnte. Hoffe ich wurde den Ansprüchen gerecht.

An anu: Also ich kannte das Wort. Vielen Dank für deinen Review und ich hoffe du liest weiter!