Disclaimer: Ich besitze keine Rechte an den Büchern und Geschichten J.R.R. Tolkiens oder seinen Charakteren. Ebenso wenig verdiene ich Geld mit dieser Geschichte. Mir geht es alleine um den Spaß am Schreiben. Die Charaktere und Orte die ihr nicht in Tolkiens Werken findet sind meiner Phantasie entsprungen.
Kapitel 5: MaewagorLangsam senkte sich die Dunkelheit über das Land und die untergehende Sonne spendete kaum noch Licht. Eigentlich wäre es ein richtig romantischer Augenblick gewesen für Elena, doch sie hatte einen schwerverletzten Elben an ihrer Seite. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten hatten sie sich schließlich irgendwie mit Zeichensprache unterhalten. Elena hatte versucht ihn zu fragen, wo sie ist und wo die nächste Siedlung wäre, doch der Elb verstand sie nicht. Seine Wunden verursachten ihm beinah unerträgliche Schmerzen und ein vorankommen in Sachen Sprache war schlicht unmöglich. Elena war verzweifelt. Was sollte sie tun? Sie musste diesem Elb unbedingt helfen, sonst würde er wahrscheinlich sterben.
Vorsichtig half sie ihm, sich gegen einen alten Baum zu lehnen. Sie zog erneut die Wasserflasche heraus und gab sie ihm. Dabei fiel ihr auf, dass nur noch wenig Wasser darin war. Unter ihr angestrengtes Keuchen mischte sich ein trauriger Seufzer. Schwach lächelnd sah der Elb sie an. Dieses Mädchen war eigenartig. Schon allein wie sie sich kleidete, ihr Gepäck, die Schuhe, die sie trug, alles an ihr war merkwürdig und doch hatte sie ihm geholfen und sich um ihn gekümmert. Er wusste irgendwo in seinem Inneren, dass er ihr vertrauen konnte. Sie hätte ihn auch einfach liegen lassen oder ihm den Gnadenstoß geben können, doch das hatte sie nicht getan. Stattdessen hatte sie ihm geholfen. Ihm. Einem Fremden und einem Elben noch dazu.
Langsam hielt er ihr die Wasserflasche entgegen.
„Suga."1
„Was?"
Verwirrt sah Elena auf und erblickte die Wasserflasche vor ihrem Gesicht.
„Suga."1 wiederholte der Elb.
Fragend sah Elena von dem Elb zu der Wasserflasche und begriff dann.
„Nein, nein! Du brauchst es viel mehr als ich. Trink ruhig." sagte sie wild gestikulierend.
Doch anstatt das Wasser wieder an seine Lippen zu führen, stellte der Elb die Flasche wieder neben Elenas Rucksack ab und schaute in den Sternenhimmel hinauf, der sich ihnen nun zeigte. Ein trauriger Seufzer verließ seine Kehle und er ließ den Kopf sinken. Elena beobachtete dies und sah ihn fragend an. Anscheinend war er sehr traurig. Irgendetwas plagte ihn. Vorsichtig kam sie nähergerutscht.
„Wie ist eigentlich dein Name?" fragte sie.
Fragend sah der Elb sie an.
„Oh man! Immer diese blöden Sprachbarrieren!"
Langsam führte sie ihre Hand zu ihrem Herz.
„Elena." sagte sie. „Ich Elena."
Dann führte sie die Hand zu dem Elb. Dieser verstand jedoch nicht. Wieder führte sie ihre Hand zu ihrem Herzen und nannte ihren Namen und jetzt verstand er.
„Maewagor." sagte er und führte seine Hand zu seinem Herzen.
„Mae... wa... gor?" versuchte Elena es nachzusprechen.
Der Elb nickte zufrieden. Dann schloss er die Augen und war schnell eingeschlafen. Elena lächelte. Komisch. Irgendwie waren ihr die Fragen nach dem Wo und Wie sie in diese Welt gekommen war völlig entfallen. Irgendwo wollte sie es auch nicht mehr wissen. Es reichte ihr hier bei diesem wundervollen Geschöpf zu bleiben. Auch sie legte sich langsam auf den Boden, um ihren neuen Freund nicht aufzuwecken und schloss zufrieden die Augen.
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Eilig waren Aragorn und seine Gefährten mit Faramir aufgebrochen, um ihren vermissten Freund zu finden. Seit Stunden waren sie nun schon geritten und nichts hatte sich ergeben. Sie trafen zwischendurch ein paar Menschen, die ihnen von den erschlagenen Elben berichteten, doch von Legolas war keine Spur. Aragorn seufzte, als er den Abendhimmel begutachtete. Nichts. Seit Stunden ritten sie nun schon umher und nichts hatte sich ergeben. Das machte ihn wütend und ließ ihn ein wenig verzweifeln. Mittelerde war groß und bis sie Legolas vielleicht gefunden hatten, war es bestimmt zu spät. Frodo wandte sich an Aragorn.
„Aragorn. Wollen wir nicht rasten? Es hat doch keinen Sinn mehr weiter zu suchen. Vor allem nicht im Dunkeln. Hier in diesem Wald haben wir bestimmt guten Schutz. Lass uns doch rasten."
„Du hast Recht Frodo. Im Dunkeln bringt das Herumirren wirklich nichts. Wir rasten hier!"
Diese Worte kamen nur schmerzlich über seine Lippen. Er machte sich ernsthafte Sorgen um seinen Freund. Durch das Rasten verloren sie wertvolle Zeit. Zeit die sie nicht hatten! Enttäuscht setzte er sich auf eine Baumwurzel und stopfte seine Pfeife.
„Wo sind wir hier eigentlich?" fragte Merry.
„In einem kleinen Wald nahe dem Reich Rohan. Wir haben beinah die Grenzen erreicht." meinte Faramir und rollte seine Decke auf dem Boden aus.
„Irgendwie gefällt es mir hier nicht. Ich wünschte ein Elb wäre hier, der sich in diesen Wäldern auskennt." meinte Pippin.
Alle schwiegen und sahen betreten zu Boden. Sie wussten genau, wen Pippin meinte. Legolas hatte sich mit jedem Wald ausgekannt, hatte immer erkennen können, wenn einem der Wald wohl gesonnen oder feindlich zugeneigt war. Langsam sog Aragorn an seiner Pfeife und die rote Glut ließ sein Gesicht gespenstisch aufleuchten in der langsam aufkommenden Dunkelheit.
„Mein Freund." murmelte er. „Was ist dir bloß zugestoßen?"
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„Aragorn." seufzte der Elbenprinz.
Er konnte nicht sagen, wie lange er schon in diesem Verließ saß und wie lange er sich schon nicht mehr am Rauschen der Bäume und am Leuchten der Sterne hatte erfreuen können. Seine Freunde fehlten ihm sehr. Eigentlich hatte er sich gefreut sie wiederzusehen, auch wenn der Anlass eher ein Trauriger gewesen war. Doch nun saß er einem stinken, dreckigen Verließ mit einem schwarzen Tuch um die Augen und bekam jede 2. Stunde Besuch. Menschen und Orks, die ihn auslachten und sich daran ergötzten, wenn jemanden von ihnen begann Legolas zu treten und zu schlagen. Dies alles war so demütigend. Legolas konnte es kaum ertragen. Nicht die Schmerzen machten ihm zu schaffen, sondern der Verlust des Waldes. Als Elb brauchte man die Nähe der Bäume und der Natur, sonst verging man innerlich.
Eine kleine Träne rann unter dem Tuch hervor. Legolas war eigentlich nicht jemand, den man schnell zum weinen brachte, doch diese Dunkelheit war unerträglich für ihn. Er versuchte sich zu erinnern, wie die Farben des Düsterwaldes aussahen und musste lächeln. Er erinnerte sich an die geheimen Treffen mit Aragorn, als sie sich gerade erst kennen gelernt hatten. Damals hatten sie immer zusammen Lieder gesungen und im Wald Verstecken gespielt. Er wusste noch eines dieser alten Kinderlieder und begann es langsam zu summen. Es tat ihm gut. Das konnte er innerlich fühlen. Seit Jahren hatte er das Lied nicht mehr gesungen und konnte sich doch an seinen Text und seine Melodie noch so gut erinnern, wie am ersten Tag.
Weit kam er jedoch nicht, denn plötzlich wurde seine Kerkertüre hart aufgeschlagen und Schritte näherten sich ihm.
„Hey was soll das? Wirst du wohl dein Maul halten, du elbische Missgeburt! Dir werde ich helfen hier herumzuträllern."
Legolas wurde brutal am Arm gepackt, im nächsten Moment verspürte er nur noch den Schmerz der Peitschenhiebe. Legolas schrie.
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An anderer Stelle schreckte Aragorn aus dem Schlaf, in den er eingenickt war.
„LEGOLAS!"
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1. Suga! – trink!
An Melethil: Danke für den neuen Review und hier haste wieder was zum lesen. Hoffe das neue Chapter gefällt dir. Ich weiß , ist ein bisschen brutal. Muss aber auch mal sein!
An anu: Deine Geduld zahlt sich hoffentlich aus für dich. Ich hoffe das neue Kapitel gefällt dir und du hast nicht umsonst gewartet. Will ja nur zufriedene Leser!
