Disclaimer: Ich besitze keine Rechte an den Büchern und Geschichten J.R.R. Tolkiens oder seinen Charakteren. Ebenso wenig verdiene ich Geld mit dieser Geschichte. Mir geht es alleine um den Spaß am Schreiben. Die Charaktere und Orte die ihr nicht in Tolkiens Werken findet sind meiner Phantasie entsprungen.
Kapitel 6: Auf eigenen WegenVon Aragorns Schrei aufgeschreckt, erwachten die anderen aus ihrem Schlaf. Alle sahen ihn entgeistert an.
„Aragorn! Warum schreist du so?" fragte Gimli genervt.
„Mein König! Was ist geschehen?" hakte Faramir nach.
Aragorn gab keine Antwort. Hastig schaute er von einem zum anderen und erblickte schließlich hinter Faramir sein Pferd. So schnell er konnte, rannte er los, schwang sich auf sein Reittier und trieb es an.
„Aber mein König!" rief Faramir ihm nach.
„Folgt mir nicht! Ich kann nicht länger warten!" hörten sie Aragorn rufen, bevor er endgültig in der Nacht verschwand.
Niemand verstand, was diese Aktion nun sollte. Der Einzige, den das nicht zu wundern schien, war Gandalf.
„Lasst ihn gehen." murmelte er unter seinem Bart hervor.
„Aber er kann doch nicht alleine losziehen! Das ist höchstwahrscheinlich Selbstmord!" rief Gimli.
„Ja. Das ist es, aber das Band zwischen Legolas und Aragorn ist stärker, als ihr es euch auch nur ausmalen könnt."
„Alles schön und gut, aber warum reitet er so PLÖTZLICH los?" fragte Pippin leicht verzweifelt.
„Weil er gesehen hat, was Legolas ereilte. Er spürte seine Schmerzen, als würde man IHN auspeitschen. Aragorn erträgt es nicht mehr länger seinen Freund leiden zu sehen und weiß er auch nicht, wo Legolas sich befindet. Sein Herz wird ihn leiten."
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Elena schreckte aus dem Schlaf. Kalter Angstschweiß tropfte ihr von der Stirn und sie fröstelte. Was für ein furchtbarer Traum! Einer dieser schönen Wesen, dieser Elben, wurde aufs Grausamste gequält. Der schönste Mann oder eher gesagt Elb den sie je gesehen hatte. Überall war Dunkelheit und in einer kleinen Ecke kauerte dieser wunderschöne Elb und sah Elena mit angsterfüllten Augen an.
Die Dunkelheit verschluckte ihn und sie blieb alleine zurück. Plötzlich waren genauere Umrisse zu erkennen. Sie befand sich in einer übergroßen Halle, die von vielen Säulen gehalten wurde. Orks liefen dort herum und ein furchteinflößendes Wesen, dass aus Feuer und Asche zu stehen beschien. Dann wechselte die Szenerie und sie sah einen schwarzen See vor einer Felswand.
„War das überhaupt ein Traum?" fragte sie leise, als würde der Wald ihr eine Antwort auf ihre Frage geben.
„Man garal in?"1
Maewagor hatte schon eine geraume Zeit beobachtet, wie Elena sich nervös hin und her gewälzt hatte. Nun versuchte er sie auf ihren Alptraum anzusprechen. Langsam konnte sich Elena auch in manchen Situationen denken, was er von ihr wollte. So war es nun auch.
„Mir fehlt nichts." sagte sie und schüttelte den Kopf.
Plötzlich sah Maewagor auf und sein Blick verfinsterte sich. Auch Elena sah auf. Sie hörte das Getrappel von Pferdehufen, die sich ihnen sehr schnell näherten. Sofort war sie auf den Beinen. Auch Maewagor versuchte sich aufzurichten, musste sich aber weiter an den Baum stützen und stand etwas wackelig auf seinen Beinen. Elena lief ein kleines Stück voraus um nachzusehen, wer der unbekannte Reiter war.
„Si dartho!"2 rief Maewagor hinter ihr her, doch es war schon zu spät.
Kaum hatte Elena den kleinen Hügel erreicht, tauchte der Fremde auch schon auf. Er konnte beinah sein Pferd nicht mehr zum Stehen bringen, als Elena plötzlich vor ihm stand. Er hatte sie einfach zu spät gesehen. Doch Elena wich vor dem scheuenden Pferd nicht zurück. Nur einen kleinen Schritt tat sie zurück und sah aber weiter den Fremden mit prüfenden Augen an. Dieser hatte es inzwischen geschafft, sein Pferd zu beruhigen.
„Verzeiht Milady! Ich nahm euch nicht wahr in der Dunkelheit."
„Was wollt ihr? Wollt ihr etwa den Elben töten? Wenn dem so ist, dann werde ich das nicht zulassen!"
Der Fremde sah von dem etwas seltsam gekleideten Mädchen zu dem schwer verletzten Elben, der sich mit aller Kraft bemühte auf den Beinen zu bleiben.
„Nein Milady. Ich bin nicht hier, um ihm zu schaden. Ich habe noch nie einen Elben getötet. Ich bin selber auf der Suche nach einem."
„Das kann jeder behaupten! Nennt mir euren Namen!"
„Aragorn, Milady. Arathorns Sohn. König von Gondor."
„Elessar!"
Elena und der Fremde blickten verwundert zu Maewagor. Er schien den Reiter zu kennen. Doch in dem Moment brach er geschwächt zusammen. Elena rannte sofort zu ihm und auch Aragorn stieg hastig von seinem Pferd. Beide knieten sich neben den Elben und Aragorn begutachtete seine Wunden. Dann begann er plötzlich in genau der selben Sprache zu sprechen, wie der Elb. Elena sah den Fremden nur fragend an. Sie freute sich innerlich endlich jemanden getroffen zu haben, der ihre Sprache sprach. Als Maewagor mitten im Satz ihren Namen nannte, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Aragorn sah sie lächelnd an.
„Ich soll euch in seinem Namen danken, Milady. Er steht tief in eurer Schuld."
„Quatsch! Ich hab's gern gemacht."
Wieder wandte sich Aragorn dem Elb zu und schien Elenas Satz zu übersetzen. Maewagor lächelte sie gütig an und neigte leicht sein Haupt, soweit das möglich war. Aragorn wandte sich an Elena.
„Ihr müsst schnell nach Minas Tirith. Euer Freund braucht Ruhe und Medizin. Ihr könnt mein Pferd nehmen."
„Führt ihr uns nicht dorthin? Ich... ich kenne mich hier nicht aus." gab Elena kleinlaut zu und senkte beschämt den Kopf.
„Nein. Das ist leider nicht möglich. Ich muss jemanden finden. Mein Pferd kennt den Weg. Es wird euch sicher nach Minas Tirith geleiten."
Gerade wollte Aragorn aufstehen, als Maewagor ihn am Arm packte. Verwirrt sah der König den Elben an, doch als der Elb zu sprechen begann weiteten sich seine Augen vor Entsetzen. Urplötzlich packte er Maewagor an den Armen und schüttelte ihn leicht.
„Mas? Pedo!"3
„Annûn."4
„Isengard." hauchte Aragorn und wand sich wieder an Maewagor.
„Hannon le."5
Der Elb nickte leicht. Aragorn und Elena halfen ihm auf das hellbraune Pferd, dann wollte Aragorn Elena helfen aufzusteigen, doch diese winkte ab.
„Nein. Das arme Pferd kann nicht zwei Leute auf einmal tragen. Es ist wichtiger, dass Maewagor schnell in diese Stadt kommt. Ich werde hier warten."
Aragorn sah sie erst entgeistert an, merkte aber, dass dieses Mädchen keinen Widerspruch zuließ und übersetzte es dem Elben. Dieser nickte dankend und trieb dann das Pferd an. Langsam verschwand er in der Nacht. Elena wandte sich vorsichtig an Aragorn.
„Ihr... ihr spracht davon, dass ihr einen Elben sucht. Wer ist er?"
„Es würde zuviel Zeit in Anspruch nehmen, um es euch zu erklären Milady. Verzeiht mir, aber ich muss weiter."
„Aber wohin denn? Und vor allem zu Fuß?"
„Fragt nicht!"
Aragorn hatte diese kleinen Worte lauter ausgesprochen, als er es überhaupt gewollt hatte.
„Ich muss nach Isengard. Ich muss Legolas finden auch wenn ich mein Leben dabei riskiere." murmelte er.
Obwohl diese Rede ihm selber gegolten hatte, trat Elena näher und legte Aragorn freundschaftlich die Hand auf die Schulter.
„Kann ich euch nicht begleiten? Vielleicht kann ich euch helfen."
„Nein! Ich werde nicht euer Leben in Gefahr bringen Milady. Ihr gehört nicht in diese Welt. Ich bezweifle, dass ihr es versteht mit einer Waffe umzugehen. Nein! Dies ist meine Angelegenheit."
„Auch wenn ich nicht von hier bin. Ich bin bestimmt nicht ohne Grund hier! Ich habe diesen Legolas gesehen."
Aragorn wand sich blitzschnell um.
„Woher wollt ihr das wissen? Ihr kennt ihn nicht einmal."
„Gute Frage." dachte sich Elena.
„Ich habe heute Nacht von einem Elben geträumt, der grausam gequält wurde. Er hatte lange blonde Haare und himmelblaue Augen. Er trug ein dreckiges, aber doch edles, silbernes Gewand. Ich glaube, einst trug er ein silbernes Diadem um den Kopf." sagte sie anschließend.
Aragorn verstand bald gar nichts mehr. Wie konnte dieses fremde Mädchen eine so genaue Beschreibung von Legolas abgeben, obwohl sie ihn anscheinend noch nie gesehen hatte?
„Sieht er so aus mein Herr? Euer elbischer Freund." fragte Elena leicht errötend bei dem Gedanken an Legolas.
„Ja. Die Beschreibung passt Milady."
„Bitte mein Herr. Ich möchte euch und eurem Freund helfen."
Aragorn biss sich nervös auf die Lippen. Er war hin und her gerissen. Sollte er sie mitnehmen, was ihm sein Herz riet, oder sie nach Minas Tirith schicken, was ihm sein Verstand vorschlug? Ernst sah er das Mädchen an.
„Warum? Warum willst du Legolas helfen?"
Schweigen. In Elenas Gehirn arbeitete es fieberhaft. Was sollte sie sagen? Sie wusste die Antwort auf diese Frage ja selber nicht! Dann blickte sie Aragorn entschlossen in die Augen.
„Weil ich Freunden immer helfe."
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1.Man garal in? - Was habt ihr?
2.Si dartho! - Bleibt hier!
3.Mas? Pedo! - wo? sprich!
4.Annûn. – Westen
5.Hannon le - Danke
An Melethil: So! Langsam kann man sich ja, glaube ich, denken, wo Legolas gelandet ist oder? Wenn das nicht so ist, dann ist es auch gut. Dann bleibt's spannend!
An anu: Das will ich doch hoffen, dass du zufrieden bist! (freu, freu) Ich weiß, dass neue Kapitel kam ganz schön schnell. Wann das Nächste kommt, kann ich allerdings nicht sagen. Kann sein, dass es diesmal ein bisschen dauert.
