Disclaimer: Ich besitze keine Rechte an den Büchern und Geschichten J.R.R. Tolkiens oder seinen Charakteren. Ebenso wenig verdiene ich Geld mit dieser Geschichte. Mir geht es alleine um den Spaß am Schreiben. Die Charaktere und Orte die ihr nicht in Tolkiens Werken findet sind meiner Phantasie entsprungen.
Kapitel 7: Nach Isengard„ A Elbereth Gilthoniel silivren penna míriel o menel aglar elenath! Na-chaered palan-díriel
o galadhremmin ennorath, Fanuilos, le linnathon nef aear, sí nef aearon!
A Elbereth Gilthoniel o menel palan-díriel, le nallon sí di'nguruthos! A tiro nin, Fanuilos!"
Elena öffnete vorsichtig ein Auge und schaute ihren neuen Gefährten an. Eigentlich hatte sie sich vor einer Weile schon Schlafen gelegt, aber ihre Augen wollten und wollten sich nicht von alleine schließen. Aragorn hatte für diese Nacht die Wache übernommen, sowie für die Drei davor. Irgendwo war es Elena peinlich, dass sie nicht auch einmal Wache halten konnte, aber im Umgang mit einer Waffe, war sie wirklich nicht geübt.
Nun, da das Lagerfeuer langsam abglimmte und Aragorn immer noch davor saß und Pfeife rauchte und schließlich auch noch ein Lied summte, wollte Elena endlich ein bisschen mehr über ihn wissen. Immerhin konnte sie ja nicht mit jemandem reisen, von dem sie gerade mal den Namen wusste und das er ein König war. Aragorns Stimme klang so beruhigend und tat ihr gut. Aber das Lied, so kurz es auch war, ließ die Trauer vernehmen, den ihr Gefährte anscheinend empfand. Langsam richtete sie sich auf und sah Aragorn an.
„Ein schönes Lied."
Aragorn schwieg einen Moment und starrte weiterhin abwesend ins Feuer. Dann nahm er , wie in Zeitlupe, die Pfeife aus dem Mund und sah Elena mit traurigen Augen an. Ein leichtes Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht.
„Findet ihr?"
„Ja. Es ist wunderschön, auch wenn ich wahrscheinlich nichts verstanden habe von dem, was ihr da gesungen habt."
Einen Moment hielt sie inne, überlegte kurz und sprach dann endlich aus, was sie dachte.
„Ihr habt eine sehr beruhigende Stimme."
Bei diesen Worten wurde sie etwas rot im Gesicht, was man aber im Schein des Feuers sowieso nicht sah. Aragorn lächelte gütig.
„Verwunderlich."
„Was?"
„Das gleiche Kompliment machte mir Legolas auch immer, wenn ich ihm etwas vorsang. Ich war damals noch ein Junge gewesen, als wir uns das erste Mal trafen."
Er musste lachen, als er an die alten Zeiten dachte.
„Unser erstes Treffen. Ich hatte mich damals im Düsterwald verirrt. Dem Zuhause meines Freundes. Durch Unachtsamkeit war ich in das Netz einer Spinne geraten. Als sie mich gerade verspeisen wollte, flog ein Pfeil durch die Bäume und tötete die Spinne mit einem Schlag. Doch ich hang immer noch in diesem blöden Netz fest und versuchte mich zu befreien. Plötzlich tauchte zwischen den Zweigen eines Baumes ein blondhaariger Elb auf und sah mich fragend an. Er sprang zu Boden und untersuchte erst die Spinne, um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich tot war. Legolas sah damals genauso aus, wie ein 12jähriger Junge, wenn man es auf unsere Lebensdauer umrechnet. Belustigt sah er mich an und meinte:
,Brauchst du Hilfe oder schaffst du es allein dort herauszukommen?'
In meinem Stolz gekrängt schüttelte ich den Kopf und versuchte immer wieder mich zu befreien, doch das Netz gab und gab nicht nach. Legolas setzte sich auf den Boden und sah mich lächelnd an und wartete darauf, dass ich ihn bat mir zu helfen. Schließlich tat ich das auch und mein Freund hieb mit einem Elbendolch auf die Spinnweben ein.
Nach einer Weile hatte er es geschafft und ich fiel zu Boden, doch ich fiel genau auf meinen elbischen Freund, der nun mit mir im Dreck lag und von oben bis unten mit Erde verschmiert war. Hastig richteten wir beide uns auf und sahen uns an. Wir sahen wohl beide so komisch aus, dass wir schließlich anfingen aus tiefstem Herzen zu lachen. Seit diesem Tag waren wir Freunde und wir schworen uns ewige Treue."
„Eine wunderschöne Geschichte. Aber wie meint ihr das, dass euer Freund damals aussah wie ein 12jähriger Junge, wenn man es auf unsere Lebensdauer umrechnet?"
„Elben sind unsterblich. Sie kennen keine Krankheit und keine Schwäche im hohen Alter. Sie bleiben ewig jung. Legolas selbst ist schon 2931 Jahre alt."
„Oh. Das... wusste... ich nicht."
Elena schluckte. Dieser Gedanke war ihr irgendwie unheimlich. Ewig leben? Nein! Das würde sie persönlich nicht wollen!
„Und ihr?" durchschnitt Aragorns Stimme die Stille.
Elena sah fragend wieder auf.
„Was meint ihr?"
„Ihr habt doch bestimmt auch Freunde, Familie. Erzählt mir doch ein wenig von euch. Vielleicht verlieren sich dann meine trüben Gedanken."
„Es tut mir leid euch enttäuschen zu müssen. Über mich gibt es nicht viel zu erzählen. Ich lebe mit meiner besten Freundin Nicki unter einem Dach, gehe zum College, studiere dort Kunst und Musik. Ich gehe manchmal in einem Verein tanzen, aber nur sehr selten. Na ja. Jeden Tag passiert eigentlich das Selbe."
„Euer Vater und eure Mutter müssen sehr stolz auf euch sein, auch wenn ich euch nicht ganz folgen konnte in euren Ausführungen."
„Ich... ich habe keine Eltern."
Aragorn stockte und nahm seine Pfeife erneut aus dem Mund.
„Ich habe meine Eltern nie kennen gelernt. Ich wuchs im Waisenhaus auf." fügte Elena hinzu und schwieg dann.
„Oh. Verzeiht mir. Ich wollte nicht solche traurigen Erinnerungen in euch wecken."
„Nein, nein, nein! Sie sind nicht traurig. Immerhin kenne ich meine Eltern ja nicht, also kann ich mich auch nicht an sie erinnern."
„Versteckt euren Schmerz und eure Trauer nicht Elena. Ich weiss, was es heißt, keine Eltern zu haben. Auch ich habe meinen Vater nie kennen gelernt. Meine Mutter starb, als ich noch sehr klein war."
„Wo kamt ihr unter?"
„Elben zogen mich auf. Elrond von Bruchtal war mein Lehrer."
„Ein sehr gütiger Mann... ähm Elb, wenn er euch aufnahm."
„Meine Mutter brachte mich damals nach Bruchtal, weil sie mich dort in Sicherheit wähnte. Sie bat Elrond auf mich Acht zu geben, dann verstarb sie."
Elena prustete. Aragorn sah sie entgeistert an.
„Was ist daran so lustig?"
„Dieser Elrond hat so gut auf euch aufgepasst, dass ihr in einem Spinnennetz gelandet seid!"
Aragorn sah unschuldig drein und zuckte mit den Schultern.
„Na ja. Ich war nicht immer ein braver Bursche."
Beide mussten lachen und es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich wieder beruhigt hatten.
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Eilige Schritte hallten an den steinernen Wänden wieder und kündigten einen neuen Besucher an. Legolas sah langsam auf, konnte er sich allmählich kaum mehr bewegen ohne das er Schmerzen empfand. Mit einem lauten Knall wurde seine Kerkertüre aufgeschlagen und Schritte näherten sich ihm. Er spürte, wie an seinen Ketten gezogen wurde und ihn diese so auf die Beine katapultierten.
„Los, du Sohn eines Baumknutschers! Der weiße Zauberer will dich sehen!"
Legolas glaubte sein Herz müsse einen Schlag überspringen. Nun ging es also los. Vielleicht würde er nun endlich erfahren, warum er eigentlich an diesem fremden Ort war. Brutal wurde an seinen Handschellen gerissen und der Ork schubste ihn vor sich her. Der Weg kam Legolas endlos vor. Mal nahm er wahr, dass sie sich durch steinerne Gänge bewegten, manchmal spürte er plötzlich eine Treppe unter seinen Füßen. Plötzlich gab man ihm einen Tritt in den Rücken, sodass er vornüber zu Boden fiel. Die Augenbinde wurde ihm abgerissen und einen Tür fiel hinter ihm ins Schloss. Legolas' Augen mussten sich erst wieder an das Licht gewöhnen. Obwohl es kaum welches gab in diesem Raum, tat es ihm in den Augen weh. Nach ein paar Minuten richtete er sich plötzlich auf und nahm eine weiße Gestalt vor sich wahr. Diese sah ihn höhnisch von oben herab an und lächelte finster.
„Legolas Thranduillion. Ich möchte es beinah eine Ehre nennen, dass ihr meiner Einladung gefolgt seid."
„Wenn ihr eure Gäste immer so empfang, werden bald keine mehr kommen wollen. Ich kann nicht sagen, dass ich all das hier freiwillig erdulde." fauchte Legolas, versuchte jedoch seinen Zorn so gut es ging im Zaum zu halten.
„Oh. Ich versichere euch, dass ich dieses sehr bedauere. Aber es ist nun mal nötig, um solch einen verzogenen Elbenprinzen wie euch zu züchtigen."
„Mich züchtigen! Sagt mir sofort, was ihr von mir wollt! Ich bin eure Spielchen leid Saruman!"
Saruman packte Legolas am Hals und drückte zu. Legolas röchelte.
„Seid nicht so frech! Ich garantiere euch, dass ihr alles erfahren werdet, wenn die Zeit reif ist. Es stellt sich nur die Frage, ob ihr es dann noch wissen wollt."
„Ihr könnt alles mit mir tun, aber eure Macht wird hier in Mittelerde nie mehr Fuß fassen! Elessar wird dafür sorgen!"
„Euer kleiner Menschenfreund. Ach wie ich solches Freundschaftsgetue verabscheue! Ihr werdet mir helfen wieder an meine Macht zu kommen Legolas! Ob ihr wollt oder nicht! Ihr gehört jetzt mir!"
Legolas sah Saruman hasserfüllt an und spuckte ihm mitten ins Gesicht.
„Ich gehöre niemandem!"
Saruman sah ihn verächtlich an und wischte sich das Gesicht.
„Das kann ich ändern. Glaubt mir. Ihr werdet eure Meinung über mich ganz schnell ändern Legolas Thranduillion."
„Niemals!"
„Oh doch. Ich glaube ich beginne am Besten gleich mit eurer Züchtigung."
Legolas wich zurück, als der Zauberer ihm seine rechte Hand entgegenhielt und anfing unverständliche Worte zu murmeln. Ein Windstoß warf Legolas gegen eine der Wände und pinnte ihn dort fest.
„Ihr seid mein und bleibt mein!" rief Saruman.
„Nein!"
„Ihr werdet meinen Befehlen gehorchen und euch für mich opfern, wenn es sein muss! Zusammen werden wir euren Freunden eine Falle stellen und wenn sie euch gerettet haben, werdet ihr sie auf meinen Befehl hin töten!"
Langsam rutschte Legolas die Wand hinunter und kam ohnmächtig auf dem Boden auf. Er landete auf den Knien und blieb bewegungslos sitzen. Ein fieses Lächeln umspielte die Mundwinkel Sarumans.
„Werdet ihr das für mich tun, Legolas Thranduillion? Werdet ihr eure Freunde töten, wenn ich es euch befehle?"
Langsam hob Legolas den Kopf und sah den Zauberer an. Seine Augen waren leer und kein einziges Gefühl spiegelte sich in ihnen.
„Ja mein Herr. Ich werde alles tun, was ihr mir befehlt." sagte er wie in Trance.
Sarumans triumphierendes Lachen schallte durch alle Gänge, während Legolas ihn mit gefühllosen Augen anstarrte und Dunkelheit seinen Geist und sein Herz umfing. Seine Freunde hatte er schon längst vergessen.
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„Frodo? Herr Frodo."
Langsam öffnete Frodo die Augen und starrte in das lächelnde Gesicht von Sam.
„Was ist Sam?"
„Herr Frodo. Ich mache mir Sorgen. Um Streicher und Legolas. Ich wünschte wir könnten ihnen helfen."
„Sam. Aragorn wollte alleine reiten. Du hast ihn vernommen. Ich bin mir sicher, dass wir ihnen noch irgendwie nützlich sein können, doch nicht jetzt. Versuch ein bisschen zu schlafen. Wir werden ihnen morgen bestimmt weiter folgen."
Plötzlich zerriss ein unmenschlicher Schrei die Stille und alle waren auf den Beinen. Jeder von ihnen kannte dieses Geräusch, aber das konnte nicht sein.
„Nazgul! Das sind Nazgul!" rief Pippin und wich einige Schritte zurück.
„Das ist unmöglich! Sie sind mit ihrem Herrn vergangen." rief Faramir und schaute in den nächtlichen Himmel.
„Nein! Pippin irrt sich nicht! Das sind die schwarzen Reiter!" rief Frodo und hielt sich instinktiv seine linke Schulter.
„Bleibt stumm ihr Narren und rührt euch nicht!" zischte Gandalf und alle verharrten.
Plötzlich fiel ein Schatten auf die Baumkronen und ein großes Wesen flog über sie hinweg. So schnell, wie es gekommen war, war es auch wieder verschwunden. Gandalf sah auf und hatte seinen Entschluss gefasst. Er schwang sich auf Schattenfell und sah seine Freunde ernst an.
„Ich glaube langsam zu durchschauen, was hier vor sich geht. Ich werde Aragorn folgen. Ich hoffe ich erreiche ihn noch rechtzeitig."
„Aber... aber Gandalf, warum verlässt du uns nun auch noch?" fragte Merry entgeistert.
„Wenn ich nicht reite Merry, wird Aragorn in eine Falle laufen. Er ist geblendet durch Legolas. Er glaubt bestimmt, dass Legolas in Isengard gefangen gehalten wird, aber damit läuft er geradewegs in eine Falle."
„Aber was sollen WIR tun?"
„Geht zurück nach Minas Tirith Merry. Eure Kräfte werden dort von Nöten sein. Wir brauchen jede Verteidigung die wir kriegen können, wenn Thranduil uns wirklich den Krieg erklären sollte, was ich annehme."
„Den Krieg erklären? Uns? Warum?" fragte Pippin.
„Närrischer Tuk! Er glaubt Aragorn habe Legolas als seine Geisel! So wie ich ihn kenne, wird er alles daran setzen Legolas zu befreien, auch wenn er damit nur als Marionette des wahren Bösen dient."
„Und was ist das wahre Böse?"
„Saruman ist zurückgekehrt. Und wenn die Nazguls auch wieder auftauchen, dann kann das nur eines bedeuten. Das Saruman versucht seine Kräfte, die ich ihm genommen habe, wieder zugewinnen. Und wenn meine Vermutung in dieser Richtung stimmt, dann ist Legolas' Leben in ernsthafter Gefahr."
„Mithrandir! Ihr sprecht in Rätseln!" rief Faramir.
„Nun ist nicht die Zeit für Streitereien Faramir! Befolgt meinen Rat und kehrt zurück nach Minas Tirith! Ihr werdet dort gebraucht!"
Alle nickten nur und begannen ihre Sachen einzupacken. Der Einzige, der nichts tat und Gandalf immer noch anstarrte, war Gimli.
„Gimli ,Gloins Sohn. Warum leistest du meinem Rat nicht Folge?"
„Weil ich mit dir kommen werde! Du sagst, dass Leben des Spitzohrs ist in Gefahr. Da kann ich nicht einfach in der Stadt herumsitzen und nichts tun!"
„Ich weiss um deine Freundschaft mit Legolas, doch ich bin mir nicht sicher ob... ."
„Aber ich! Der Junge hat mir schon öfters das Leben gerettet, auch wenn ich das nicht gerne zugebe. Ich werde ihm helfen und du wirst mich nicht vom Fleck bekommen, bis du mich mitnimmst."
Gandalf schmunzelte freundlich. Die Freundschaft von Gimli und Legolas musste angewachsen sein, da Gimli sich für Legolas sogar freiwillig auf ein Pferd traute. Schließlich nickte der Alte zustimmend und half Gimli auf Schattenfell.
„Eile Schattenfell! Denn ich höre den Ruf des Todes in der Ferne!"
Mit diesen Worten preschte das Pferd davon in die düstere Nacht.
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An Melethil: So! Das Kapitel ist länger als die anderen! Hoffentlich gefällt es dir!
An anu: Danke für die Grüße und ich hoffe du bist zufrieden mit dem Chapter. Ist sogar länger als die anderen!
