Disclaimer: Ich besitze keine Rechte an den Büchern und Geschichten J.R.R. Tolkiens oder seinen Charakteren. Ebenso wenig verdiene ich Geld mit dieser Geschichte. Mir geht es alleine um den Spaß am Schreiben. Die Charaktere und Orte die ihr nicht in Tolkiens Werken findet sind meiner Phantasie entsprungen.

Kapitel 13: Gefühle

„Maewagor!" rief Elena freudig, als der schwarzhaarige Elb auf sie zu geritten kam.

„Mae govannen mellyn.1 Es tut gut euch gesund und wohlbehalten wiederzusehen. Besonders euch mein Prinz."

Ehrfürchtig neigte der Elb das Haupt vor Legolas und erwies ihm seine Ehre. Legolas jedoch lächelte.

„Maewagor. Wie oft muss ich dich noch bitten, so was zu unterlassen, mein Freund."

„Wenigstens noch einmal mein Prinz."

Inzwischen kamen auch Aragorn und seine Begleiter den Abhang heruntergeritten. Maewagor sah auf und erkannte Aragorn sofort. Ehrfürchtig verneigte er sich und legte seine Hand auf sein Herz.

„Elessar."

„Mein Freund. Es tut gut dich wieder wohl aufzusehen. Wie ist die Lage?"

„Die Bewohner sind unruhig. Sie wissen nicht, was geschieht. Ich kann die Verwirrung in ihren Augen seit Tagen sehen und es schmerzt mich."

„Wir müssen uns vorbereiten. Thranduil könnte jeden Tag hier ankommen." sagte Gandalf und trieb sein Pferd voran.

Die Anderen folgten ihm. Als sie die Stadt erreichten, wurden sie auf dem Weg zum Thronsaal von fragenden Blicken verfolgt. Gimli und Elena war dies nicht gerade recht. Besonders Elena konnte es nicht leiden, wenn man sie so anstarrte. Andauernd versuchte sie den Blicken auszuweichen, was ihr meistens aber nicht gelang. Maewagor entging das nicht. Er ließ sich ein bisschen zurückfallen, um in Ruhe mit dem Mädchen reden zu können.

„Ihr seid so verunsichert tinu.2 Was bedrückt euch?"

„Ich... ich kann es nicht leiden, wenn mich die Menschen anstarren, als würden sie etwas von mir erwarten. Als sollte ich etwas tun, was ich nicht kann."

„Was meint ihr, was diese Menschen von euch erwarten?"

„Ich weiß es nicht. Aber alle scheinen in mich hineinsehen zu können. Alle können meine Ängste sehen, meine Schwächen. Als ob sie mir direkt in die Seele sehen könnten."

„Seid ihr schon einmal innerlich verletzt worden tinu?"

Elena blickte auf und sah in Maewagors Augen. Sie hatte das Gefühl, dass dieser Elb in ihr las, wie in einem offenen Buch. Antworten konnte sie jedoch nicht.

„Ihr vertraut niemanden, nicht wahr? Und vor allem nicht euch selber."

„Ich wüsste nicht, was euch das angeht!"

„Tinu. Was euch immer auch passiert ist, ich möchte immer für euch da sein, wenn ihr mich braucht. Seid euch dies gewiss."

„Warum nennt ihr mich dauernd Tinu?"

„Weil dieser Name zu euch passt. Ihr seid verhüllt, wie die Sterne durch die grauen Wolken am Nachthimmel, aber sobald sie verzogen sind, strahlt ihr schöner als alles andere auf der Welt. Lasst die Wolken nicht euren Schein von euch nehmen."

Mit diesen Worten trieb er sein Pferd wieder voran und war bald wieder mit Gandalf und Gimli auf gleicher Höhe. In Elenas Augen sammelten sich Tränen. Was wusste er denn schon? Er hatte doch keine Ahnung.

Legolas hatte das Gespräch zwischen Elena und Maewagor natürlich mitbekommen und obwohl er es hasste, hatte er gelauscht. Nun, da Maewagor sein Pferd wieder vorantrieb und zu Gandalf aufschloss, schaute er traurig zu Elena und bemerkte die Tränen in ihren Augen. Bei diesem Anblick hatte er das Gefühl, dass sich eine dunkle Klaue um sein Herz legte und erbarmungslos zudrückte. Er kannte dieses Gefühl nicht. Was war es bloß? Er konnte es sich einfach nicht erklären. Doch er wusste, wenn er nun mit Elena reden würde, würde sie das nicht wollen. Soviel hatte er bereits über sie gelernt. In solchen Dingen, wollte sie meistens einfach alleine sein. Obwohl es Legolas sichtlich schwer fiel nicht einfach umzudrehen und sie zu trösten. Eisern wand er seinen Blick wieder nach vorn und versuchte das Gesehene aus seinem Kopf zu verbannen.

Schließlich erreichen sie den Vorplatz auf dem der weisse Baum stand. Dort stiegen sie von ihren Pferden und kaum hatten sie den ersten Schritt in Richtung Thronsaal gemacht, wurden die schweren Türen aufgestoßen und Faramir trat heraus. Er eilte zu seinem König und kniete vor ihm nieder.

„Mein König. Eure sichere Rückkehr erfreut mich."

„Ich danke euch Faramir."

Kaum hatte Aragorn seinen Satz zu Ende gesprochen, da kamen auch schon vier kleine Gestalten auf die Gruppe zugelaufen. Es waren natürlich die Hobbits. Als sie Legolas erblickten, strahlten alle übers ganze Gesicht.

„Legolas! Wir dachten schon, du wärst für immer von uns gegangen!" rief Pippin freudig.

Legolas begann zu lachen.

„Es wäre ein trauriger Tag geworden, wenn ich deine freudige Art nicht mehr erleben dürfte Freund Pippin."

„Wir freuen uns, dass du wohl auf bist." sagte Frodo und schenkte Legolas ein freundliches Lächeln, dass dieser nur zu erwidern wusste.

Elena war wie versteinert. Legolas' Lachen war das Schönste, dass sie je vernommen hatte. Ihrer Meinung nach, war diese Schönheit nicht zu beschreiben. Erst als Maewagor auf sie zukam, löste sie sich aus ihrer Starre. Der Elb lächelte sie an und wandte sich dann an Faramir und die Hobbits.

„Meine Freunde. Dies ist Elena. Das Mädchen von dem euch erzählte."

„Sie hat dir das Leben gerettet?" fragte Merry und starrte Elena nur mit offenem Mund an.

Als Elena umherblickte und die Hobbits nur verlegen anlächelte, traf sie Sam's Blick. Dieser errötete und wandte sich schnell an Frodo.

„Herr Frodo. Hast du schon einmal so einen merkwürdig gekleideten Menschen gesehen?"

„Nein Sam. Aber ihre Kleidung spielt keine Rolle. Sie hat Maewagor das Leben gerettet und das hätte wohl nicht jeder getan."

Später in der Nacht konnte Elena nicht schlafen. So viele Dinge schwirrten ihr im Kopf herum, so viele Fragen. Mit einem Ruck saß sie senkrecht im Bett und schaute aus dem Fenster. Helle Sterne funkelten am Firmament und erleuchteten die Nacht. Automatisch musste sie an das Gespräch mit Maewagor denken. Tinu hatte er sie genannt. Bei diesem Gedanken lächelte sie. Um ehrlich zu sein, hatte niemand sie bisher so liebevoll genannt. Mit einem Seufzer stand sie auf und zog sich ihre Jeans an und ihr T – Shirt. Dann öffnete sie vorsichtig die Türe und spähte auf den dunklen Gang hinaus, der nur durch Fackeln erhellt wurde. Leise trat sie aus der Türe und schloss diese hinter sich. Zum Glück hatte sie sich den Weg hinaus gemerkt und trat auf den Vorplatz, wo sich der weisse Baum in all seiner Pracht erstreckte. Nachdenklich schaute Elena hinauf zu den Sternen. Sollte sie wirklich wie ein Stern sein? Hastig schüttelte sie den Kopf.

„Oh man. Du denkst mal wieder totalen Unsinn!" wies sie sich in Gedanken zurecht und schaute über das Land.

Als ihr Blick die dunklen Berge im Osten wahrnahmen, verengte sie ihre Augen zu Schlitzen. Diese Erhebungen waren ihr nicht geheuer und verhießen nichts Gutes. Sie spürte einen leichten, kalten Luftzug, der sie wieder in die Richtung der schwarzen Berge blicken ließ. Mit einem Mal wechselte der Luftzug die Richtung und streifte Elena über die rechte Schulter. Verwirrt blickt sie erst zu ihrer Schulter und hinüber zu dem angrenzenden Gebäude. Die Türen waren offen. Das war seltsam. Sie konnte es sich eigentlich nicht vorstellen, dass hier einfach die Türen zu irgendwelchen Gebäuden offengelassen wurden. Vorsichtig näherte sie sich dem Gebäude und verharrte einen Moment vor den offenen Türen. Mit verengten Augen versuchte sie in die Dunkelheit zu spähen. Sie nahm ein paar Statuen und große steinerne Monumente wahr. Langsam und auf jeden Schritt bedacht, betrat sie das Gebäude und trat näher zu einem der Monumente. Erst da fiel ihr auf, dass es keine Monumente waren, sondern steinerne Särge.

„Das muss so etwas, wie eine Ahnengruft sein." dachte sie sich.

Sie wand ihren Blick nach links und bemerkte einen Sarg, der auf einem kleinen Podest in der Mitte des Raumes stand. Er wurde durch das einfallende Mondlicht angestrahlt. Langsam trat Elena näher und begutachtete ihn. Als sie vorsichtig mit den Finger über den kalten Stein strich, fielen ihr eingemeißelte Buchstaben auf. Langsam begann sie zu lesen.

„Boromir. Sohn des Denethor."

Der Rest war in einer Sprache geschrieben, die Elena nicht verstand. Boromir? Wer war das? Leider hatte sie keine Zeit mehr, darüber nachzudenken, denn plötzlich wurde sie an der Schulter gepackt. Erschrocken wirbelte Elena herum und blickte in das Gesicht von Faramir.

„Was habt ihr hier zu suchen mitten in der Nacht?"

„Ich ... ich konnte nicht schlafen und hier standen einfach die Türen offen. Das hat mich gewundert."

Faramir trat einen Schritt zurück.

„Ist in Ordnung. Verzeiht mein unwürdiges Benehmen. Ich bin für die Sicherheit des Königs und dieser Stadt zuständig, diese Aufgabe nehme ich sehr ernst. Also verzeiht wenn ich euch erschreckt habe."

„Ihr müsst euch doch nicht entschuldigen Faramir. Ich muss ja auch nicht mitten in der Nacht durch eure Ahnengruft wandeln oder? Ach Faramir. Darf ich euch etwas fragen?"

„Natürlich."

„Wer ist dieser Boromir, der hier begraben ist?"

Faramirs Blick wandte sich dem Boden zu. Seine Augen wurden glasig und er musste schlucken, bevor er wieder aufsah und dem Mädchen antworten konnte.

„Boromir war mein Bruder. Er starb mutig im Kampf gegen Uruk Hais des Zauberers Saruman, um die Halblinge Merry und Pippin zu retten."

„Oh das tut mir leid. Ich wollte euch nicht, an solch eine traurige Erinnerung erinnern. Ich mache aber auch alles falsch."

Überrascht sah Faramir auf.

„Was habt ihr falsch gemacht Lady Elena? Erinnern wir uns nicht unserer toten Freunde und Kameraden, so werden sie eines Tages vergessen und das ist das größte Verbrechen, was man an toten Freunden begehen kann. Ihr braucht euch wirklich nicht entschuldigen."

Elena lächelte leicht zu Faramir, der dies erwiderte.

„Kommt. Ich führe euch zurück in eure Gemächer."

---

Mae govannen mellyn – Seid gegrüßt, Freunde

Tinu – kleiner Stern (Sternchen)

Vielen Dank, dass ihr immer noch meine Geschichte lest. Ich habe mich auch wirklich beeilt, aber durch den ganzen Schulstress, hatte es leider ein Weilchen länger gedauert als beabsichtigt. Ich hoffe ihr bleibt mir auch weiterhin treu!