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An der Busverbindung ist nichts auszusetzen. Die Fahrt dauert nur 10 Minuten länger als wenn er mit dem Auto fahren würde. Am Krankenhaus befindet sich die Bushaltestelle direkt schräg gegenüber vom Haupteingang und bei ihm zu Hause in der nächsten Querstraße.

Früher ist er niemals Bus gefahren, wenn es sich vermeiden ließ, doch inzwischen ist House froh, dass er die Wahl hat. An gewissen Tagen ist schon der Gedanke, sich hinters Steuer seines Wagens oder womöglich aufs Motorrad zu setzen, unerträglich. Da Wilson leider nicht immer als Chauffeur zur Verfügung steht und Taxifahrten auf die Dauer ein wenig ins Geld gehen, ist der Bus eine praktische Alternative. Mit seinem Behindertenausweis steht ihm der öffentliche Nahverkehr kostenlos zur Verfügung, was ein weiterer Pluspunkt ist.

Minuspunkte gibt es allerdings auch ein paar. Die Busse in Princeton gehören bei weitem nicht zu den modernsten ihrer Art. Von Bussen, die an den Haltestellen den Ein- und Ausstieg für Kinderkarren, Rollstuhlfahrer, gebrechliche Greise oder Diagnostiker absenken, kann man in dieser Stadt nur träumen. Stattdessen sind zwei recht hohe Stufen zu überwinden – nicht gerade angenehm für jemanden, der sein Auto stehen lässt, weil sein Bein (mehr als sonst) aufmuckt. Allerdings gibt es ein Geländer, und mit zwei Stufen kommt er selbst an schlechten Tagen meistens irgendwie zurecht. An seinem Eingang zu Hause sind schließlich ebenfalls zwei Stufen.

Die Blicke der anderen Fahrgäste sind unangenehm. Er hasst es, das Mitleid anderer Leute auf sich zu ziehen. Sie beobachten ihn beim Einsteigen, wobei einige ihn direkt anstarren und andere vorgeben, nicht auf ihn zu achten, es aber doch tun – aus den Augenwinkeln. Wenn der Bus voll ist, steht immer jemand auf, um ihm seinen Platz anzubieten. An der Höflichkeit der Einwohner dieser Stadt ist wahrhaftig nichts auszusetzen. Einerseits ist er froh, sich setzen zu können, denn auf der schaukligen Fahrt das Gleichgewicht zu halten, ist ein Problem für ihn. Andererseits hasst er es. Er kommt sich vor wie ein Neunzigjähriger, wenn jemand für ihn aufsteht.

Heute ist definitiv ein Bustag, denn das Bein hat schon die ganze Nacht keine Ruhe gegeben. House spült eine zweite Morgen-Vicodin mit einem Schluck von diesem Energiegetränk runter, das seinen Urin wieder grün färben wird (nette Marketingstrategie), als sein Handy klingelt. Es ist Wilson.

„Bist du schon unterwegs?"

„Noch nicht ganz."

„Lust auf einen Kaffee bei Starbucks vor der Arbeit? Ich hol dich ab?"

Ich liebe dich, Wilson, denkt House. Doch kein Bustag.