Ich öffnete die Augen und brauchte erst einmal eine kleine Weile bis ich wieder wusste, wo ich war.
Ich war im Hotelzimmer- und ich konnte mich nicht bewegen, denn irgendetwas lag auf meinem Rücken. Dieses irgendetwas entpuppte sich schließlich als irgendjemand und dieser irgendjemand war Ian!
„Oh!",stöhnte ich. „Ian?" Keine Reaktion.
„Ian?",fragte ich erneut, aber diesmal etwas lauter. Nichts.
„Ian!",rief ich nun,denn ich musste dringend aufs Klo. Außerdem hatte ich es nicht gerne, wenn irgendwelchen Typen -wie Ian (und ganz besonders Ian!)- einfach so auf mir lagen. Nun gut. In diesem Fall war es ja nicht Ians Schuld. Trotzdem musste ich jetzt aufs Klo. Ich versuchte mich unter Ian hinauszuwinden. Erfolglos.
„IAN!",kreischte ich.
Ian grunzte einmal und öffnete verschlafen die Augen.
„Was'n los?",fragte er müde.
„Du liegst auf mir",erklärte ich.
„Oh." Seine Augen weiteten sich und er rollte sich so schnell wie möglich von mir runter.
„Danke",sagte ich und rannte förmlich zum Klo.
Als ich wiederkam lag Ian immer noch auf dem Bett. Er hatte einen Zettel in der Hand und las ihn.
„Was ist das?",fragte ich und deutete auf den Zettel. Ich setzte mich auf mein Bett.
„Eine Nachricht",erklärte Ian. „Von Shaw."
„Was?" Ich konnte meine Verblüffung nicht verbergen. Ian gab mir den Zettel.
Hoffe ihr habt schön geschlafen und seit jetzt gut ausgeruht,
denn euer Abenteuer geht weiter.
Den Schatz werdet ihr in Ruhe lassen,
denn er gehört uns.
Wenn nicht...nun ja...
dann wird es eurem kleinen Freund böse ergehen...
Man sieht sich. Vielleicht auch nicht.
Shaw
P.S.:Rylie geht es wahrscheinlich gut...
„Rylie...",keuchte ich. „Oh, Gott!" Ich schlug mir die Hand vor den Mund und schaute entsetzt zu Ian. „WIE KANN ER NUR?!",schrie ich. Ich sprang auf und rannte in die anderen Zimmer, um dort nach Rylie zu suchen, doch er war nicht da. In der Küche saßen Abigail und Ben.
„Was ist los?",fragte Ben. „Geht's dir gut? Alles in Ordnung?"
„Habt ihr Rylie gesehen?",rief ich aufgeregt.
„Ich dachte, er wäre bei euch im Schlafzimmer!"
Oh,Scheiße! Oh,Scheiße!, dachte ich nur.
„Da ist er aber nich-!",kreischte
ich, als Ian mich unterbrach. „Shaw hat ihn."
„Wie?",fragten
Ben und Abigail unisono.
Ian reichte ihnen den Zettel. Ich ließ mich erschöpft in einen Stuhl sinken. Shaw hatte meinen Bruder gekidnappt und ich wusste nicht, wie es ihm ging!
„Gott!",hörte ich Abigail nur murmeln.
„Wir müssen unbedingt in diese Miene zurück",meinte Ben. „Di?"
Ich nickte.
Eine Viertelstunde später war ich umgezogen und saß auf dem Bett. Ich atmete tief ein und aus und überlegte, was wir wohl tun könnten, um Rylie zu befreien. Ian rannte im Zimmer hin und her und suchte diverse Sachen zusammen.
Irgendwann konnte ich nicht mehr und brach in Tränen aus. Ich schlug mir die Hände vors Gesicht und heulte. Ich hörte, wie Ian aufhörte rumzulaufen. Er setzte sich neben mich aufs Bett und schlang einen Arm um meine Schultern. Ich warf mich an seine Brust und heulte mich aus.
„Schhh...",machte Ian und wiegte mich leicht vor und zurück.
Was tat ich hier eigentlich?! Ich lag in Ians Armen und heulte mich bei ihm aus? Was solls?
Ich befreite mich aus seinen Armen und wischte mir die Augen trocken.
„Geht's wieder?",fragte Ian besorgt.
Ich nickte, als ich erneut in Tränen ausbrach.
„Oh, Di...",hauchte Ian nah an meinem Ohr, als er mich wieder in seine muskulösen Arme schloss. Ich weinte mich komplett bei ihm aus. Er strich mir beruhigend über den Rücken bis es mir schließlich wieder besser ging.
Ich löste mich aus seinen Armen und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Ich blickte zu Ian.
„Ich glaube, wir sollten jetzt zu den anderen gehen",schlug ich vor. Ian nickte und wir standen auf. Wir gingen zu Ben und Abigail, die schon an der Hotelzimmertür standen.
„Di, was ist passiert?",fragte Abigail besorgt als sie mich sah.
„Sie hatte einen kleinen Zusammenbruch",antwortete Ian für mich.
Ich nickte zustimmend. Abi umarmte mich und brachte mich so fast wieder zum heulen,aber ich unterdrückte es.
„OK",brach Ben die Stille. „Los geht's!"
Eine halbe Stunde später standen wir am Eingang der Miene. Ben trat zuerst hinein, dann Abigail, ich und das Schlusslicht bildete Ian. Wir sprangen durch das Loch und folgten den Schienen, wie wir es auch schon beim letzten Mal gemacht hatten.
Als wir uns der Schatzkammer näherten hörten wir plötzlich Stimmen,die aus der Kammer zu kommen schienen.
„Schht!",machte Ben. Wir blieben stehen.
„Lange kann es jedenfalls nicht mehr dauern",hörte ich die Stimme von Michael.
„Und was ist, wenn sie gar nicht kommen?",hörte ich eine andere Stimme, die eindeutig zu Shaw gehörte. „Er scheint ja nicht sonderlich beliebt zu sein."
„Ey!",hörte ich Rylie dazwischen rufen.
„Halt den Mund!",rief Michael. Ein Klatschen erfolgte und ein Schmerzensschrei von Rylie. Ich zuckte zusammen. Ben legte beruhigend seine Hand auf meine Schulter.
„Und was sollen wir jetzt tun?",fragte ich leicht panisch.
„Wir müssen irgendwie da rein",meinte Ben.
„Hat die Kammer keinen zweiten Eingang?",fragte ich aufgeregt. „Dann könnten wir sie von beiden Seiten angreifen."
„Ich-",setzte Ben an,wurde jedoch unterbrochen.
„Schöner Plan. "
Während wir uns im Gang unterhalten hatten, hatte sich Shaw in den Eingang der Kammer begeben und grinste nun breit vor sich hin.
„Wie ich sehe, habt ihr den Weg zu uns gefunden",fuhr Shaw fort und holte eine Knarre aus seinem Hosenbund heraus.
„Di? Bist du das? Hilf mi-", hörte ich Rylie rufen, worauf ein erneutes Klatschen folgte und Rylie vor Schmerzen aufschrie.
„Nein!",knurrte ich mir knirschenden Zähnen. Ich konnte nicht zulassen, wie sie meinen Bruder weiterhin misshandelten.
Ich fackelte nicht lange und wollte mich an Shaw vorbei zu Rylie durchdrängen, doch Shaw hielt mich fest. Ich biss ihm in die Hand und rannte einfach weiter. Ich hörte einen Schuss, der nur wenige Millimeter neben meinem Fuß im Boden einschlug.
„Di-",hörte ich Ian hinter mir keuchen.
Ich blieb nicht stehen, sondern stürzte mich blindlings auf Michaels,der vor einem antiken Stuhl stand,auf dem Rylie gefesselt war, und mich jetzt überrascht anstarrte.
Wahrscheinlich konnte er einfach nicht glauben, dass jemand wie ich mich auf ihn stürzte.
Ein weitere Schuss fiel und streifte meinen rechten Arm. Ich spürte es kaum, so sehr war ich auf Michael fixiert.
„Argh!",hörte ich Shaw, als die anderen ihn überwältigten.
Ich warf mich auf Michael ,riss ihn von den Füßen und wir landeten auf dem Boden.
„Du-mieses-Schwein!",rief ich und schlug ihn mit der Faust ins Gesicht. Er griff sich überrascht an die Nase, doch er war schneller. Er hielt mein Handgelenk und mit seiner anderen Hand umschlang er mein anderes Handgelenk,sodass ich mich nicht mehr bewegen konnte.
„Na, na, na ,na!",sagte Michael, als wie wenn ich ein kleines Kind wäre, dass etwas falsch gemacht hatte.
Ich starrte hasserfüllt auf ihn nieder.
Er sprang auf und zog mich dabei ebenfalls auf die Füße. Er drehte mich nun, sodass ich mit dem Rücken zu ihm stand, den einen Arm hatte er eng um meinen Bauch geschlungen und drückte mich so fest an sich; mit der anderen Hand hielt er mir ein Messer an den Hals.
Rylie keuchte, ich schluckte.
„Lasst Shaw los!", sagte Michael seelenruhig.
„Michael...",flüsterte ich und Panik stieg in mir hoch.
„Sei still!",flüsterte dieser.
Ian, der Shaw im Schwitzkasten hatte und diesem eine Pistole an den Kopf hielt, zögerte. „Michael, mach keinen Scheiß..."
„Ian! Lass Shaw los!"
Ian ließ Shaw widerwillig los und dieser stolperte zu Michael und mir.
„Jetzt lass Diana los!",rief Ian.
„Das hättest du wohl gerne",entgegnete Michael, als ich zum zweiten Mal in zwei Tagen das Bewusstsein verlor...
