Ich öffnete die Augen. Dunkelheit umgab mich. Ich war auf einem Stuhl gefesselt und mein Kopf tat furchtbar weh. Das einzige Licht, das die Kammer erhellte, kam durch den Spalt unter der Tür, von wo aus ich Schritte sehen konnte
„So war das nicht abgemacht!",rief jemand, dessen Stimme ich in meiner leichten Benebelheit ich nicht eindeutig erkennen konnte.
„So war was nicht abgemacht, Ian?" Das war eindeutig Michael.
Moment mal! Hatte er gerade Ian gesagt?
Waren die anderen auch hier oder steckte Ian etwa mit Michael und
Shaw unter einer Decke?!
„Das hier!",rief Ian. „Es war nicht
abgemacht, dass ihr irgendjemanden außer Rylie mitnehmen
würdet!"
„Aber Rylie ist doch gar nicht hier?"
„Ja, aber dafür sitzt Di jetzt nebenan!"
„Di...wie süß. Jetzt nennst du sie schon bei ihrem Spitznamen",mischte sich eine dritte Person ein, die zweifelsohne Shaw war.
Ich konnte nicht glauben, was ich gerade gehört hatte. Ian arbeitete mit dem Feind und er hatte uns die ganze Zeit nur etwas vorgemacht! Warum bloß? Warum tat er das? Warum tat er mir das an?
„Halt den Mund, Shaw!",rief Ian. „Ihr habt ihr nichts getan, oder?",fragte er mit einem Hauch Besorgnis in seiner Stimme.
„Geh doch gucken", meinte Michael nur. Schritte näherten sich der Tür und Ian öffnete sie.
Ich blinzelte gegen das Licht. Ian schloss die Tür wieder, ging zum Fenster und öffnete die alten zerfetzen Vorhänge, sodass weißes Mondlicht hinein scheinen konnte.
Es war Nacht? Wie lange war ich den bewusstlos gewesen? Als wir die Miene betreten hatten war es Nachmittag gewesen, aber lange vor der Dämmerung.
Ian trat zu mir und öffnete die Fesseln an meinem Handgelenk.
„Bist du OK?",fragte er.
„Ian- ja- aber- wie-WARUM ARBEITEST DU MIT MICHAEL UND SHAW ZUSAMMEN?!?!"
„Es tut mir Leid, Diana."
„Wieso?",fragte ich leise zu Ian, der vor mir auf dem Boden hockte. Eine Träne entwischte meinem Auge und glitt langsam meine Wange hinunter. Ian wollte sie wegwischen, doch ich wandte mich von ihm weg. Er stand wieder auf.
„Es tut mir Leid",wiederholte Ian mit erstickter Stimme. „Es tut mir so unendlich Leid! Ich wollte nicht, dass das alles passiert! Ich wollte nicht,dass DU da mit reingezogen wirst. Nicht so!" Eine weitere Träne fand den Weg meine Wange hinunter. Ian blickte mich traurig an. So hatte ich ihn noch nie gesehen. Er sah so aus, als würde er jeden Moment ebenfalls losheulen. Er blickte zu Boden und fuhr sich nervös durch die Haare. Er blickte wieder zu mir.
„Steh auf",sagte er leise und blickte gehetzt zur Tür.
„Was?" Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte.
„Steh auf!",wiederholte Ian.
Ich blickte ihn verwirrt an, tat jedoch, wie von mir verlangt wurde.
Ian ging rüber zum Fenster und bedeutete mir zu ihm zu kommen.
„Du musst hier verschwinden!"",flüsterte er. „Ich weiß nicht, was sie mit dir vorhaben, aber du musst hier weg!" Ich hatte Ian noch nie so ernst erlebt.
„Geh!",sagte er und deutete auf das Fenster.
„Ian?",hörte ich Michael im Nebenraum. „Was machst du solange da drin?"Seine Schritte näherten sich der Tür.
„Verschwinde!",sagte Ian mit Nachdruck.
„Aber-du-" Was würde bloß aus Ian werden, wenn die rausfanden, dass ich weg war?
Ian unterbrach mich einfach, indem er mich küsste. Er hob mich hoch und setzte mich auf die Fensterbank.
Ich sah ihn gestört an.
„Geh!",rief Ian nun.
Die Tür öffnete sich und ich sprang aus dem Fenster.
„Was hast du GETAN?", hörte
ich Michael schreien.
„Mike-",begann Ian, wurde jedoch durch
irgendetwas abgeschnitten. Ich hörte ein Stöhnen.
Wahrscheinlich hatte Michael Ian gerade geschlagen oder so.
Ich zögerte nicht mehr und rannte um mein Leben. Ein Schuss ertönte und traf ein Auto neben mir.
Ich wandte mich um und und sah Shaw am Fenster stehen.
Ich rannte nach rechts und verschwand zwischen zwei Häusern...
