„Mama, du isst ja gar nicht auf", stellte Fenja fest. „Dann wird das Wetter morgen wieder schlecht", fügte sie vorwurfsvoll hinzu. „Ach Fenja-Mäuschen, das Baby nimmt einfach so viel Platz in meinem Bauch in Anspruch, dass ich nicht mehr essen kann." Das Mädchen mit den vielen braunen Locken betrachtete Lisa. „Ich freue mich so auf das Baby", sagte sie dann ganz ernst. „Wie oft noch schlafen, bis es da ist?" – „Das ist nicht so einfach zu sagen", erklärte Lisa. „Wenn das Baby raus will, dann will es raus. Das kann morgen sein oder nächste Woche…" – „Idealer Weise bleibt es aber noch die zwei Wochen bis zum errechneten Termin drin", grinste Rokko. „Zwei Wochen noch?", fragte Fenja enttäuscht. „Ja, mein Schatz, unter Umständen dauert es zwei Wochen. Aber guck mal, die vergehen ganz schnell", sprach Rokko liebvoll mit dem kleinen Mädchen. „Jetzt wirst du erstmal gesund, dann ist die erste Woche schon rum und dann gehst du wieder in den Kindergarten und dann ist das Baby auch schon da." – „Oh ja", strahlte Fenja. „Ich freue mich schon darauf. Hoffentlich wird es ein Mädchen. Dann teile ich alle meine Puppen mit ihr." – „Und was machst du, wenn es ein Junge wird?", wollte Lisa von ihr wissen. „Ich habe auch einen Puppenjungen. Mit dem darf er dann spielen", entgegnete Fenja ernst. „Das ist sehr lieb von dir", lobte Rokko. „Allerdings wird das Baby nicht gleich mit dir spielen können. Dafür muss es erst wachsen", erklärte er dann. „Ich weiß", versicherte Fenja. „Aber ich freue mich doch schon so auf mein Geschwist." – „Das ist schön. Hey, Fenja, willst du mal fühlen? Es tritt gerade", bot Lisa dem kleinen Mädchen an. „Ja", strahlte sie. „Habt ihr euch damals auch auf mich gefreut? Hab ich auch so gestrampelt? Hast du meinetwegen auch nicht essen können?", bestürmte sie Lisa mit Fragen. Hilflos sah die Schwangere zu Rokko. „Weißt du, Fenja", begann dieser zaghaft. „Du warst nie in ihrem Bauch!", warf Bennett plötzlich zornig ein. „Nicht?", fragte Fenja verwirrt. „Ich war nicht in deinem Bauch, Mama?", wandte sie sich an Lisa. „Begreif es endlich", schrie Bennett. „Sie ist nicht deine Mama! Und wenn das Baby erstmal auf der Welt ist, dann sind wir abgemeldet! Das ist wie… wie… wie… bei Aschenputtel. Sie ist nur die Stiefmutter!" Bennett war aufgesprungen und deutete mit dem Finger auf Lisa. Diese hatte ihre blauen Augen entsetzt aufgerissen. „Aber Bennett", wollte sie den fast Sechsjährigen beruhigen. „Das wird ganz sicher nicht passieren. Ich habe euch beide doch lieb", versicherte sie den beiden Kindern. „Du bist nicht meine Mama?", fragte Fenja den Tränen nahe. „Nein, das ist sie nicht und Onkel Rokko ist nicht dein Vater", erklärte Bennett ihr. „Aber mach dir keine Sorgen. Wenn das Baby auf der Welt ist und die uns nicht mehr wollen, dann kümmere ich mich um dich." – „Wieso bist du nicht meine Mama?", ging Fenja nicht auf Bennetts Ansprache ein.
