„Hallo Fenja, ich bin Lisa", sprach Lisa mit dem kleinen verängstigten Mädchen. Sie saß in ihrem Krankenhausgitterbett und sah die ihr fremde Frau mit großen Augen an. „Wir haben uns gestern schon mal gesehen, aber da hast du schon geschlafen", fuhr Lisa ruhig fort. „Dein Onkel Rokko holt gerade deinen Bruder und…" – „Nett?", fragte Fenja. „Ja, er holt Bennett und dann gehen wir nach Hause." Das Kleinkind streckte sofort die Arme nach Lisa aus, um ihr so zu zeigen, dass sie hochgenommen werden wollte.
„Ich will zu meiner Mama", jammerte Bennett. Widerwillig folgte er seinem Onkel über den Krankenhausflur. „Wo ist meine Mama? Bringst du mich zu ihr, Onkel Rokko?" – „Nett!", rief Fenja, als sie ihren Bruder erspähte. „Fenja! Da bist du ja!", entgegnete Bennett ebenso laut, bevor er auf das kleine Mädchen zu rannte. „Onkel Rokko bringt uns jetzt bestimmt zu Mama." – „Bennett, mein Großer", seufzte Rokko, bevor er vor den beiden Kindern in die Hocke ging. „Mama geht's nicht gut, oder?", fragte Bennett traurig. „Sie war voller Blut im Auto. Sie ist doch hier im Krankenhaus? Die Doktors helfen ihr doch, oder?" – „Bennett, deine Mama…" Rokko war Lisa einen Hilfe suchenden Blick zu. „Deine Mama ist jetzt… sie ist im Himmel, Bennett." – „Im Himmel?", fragte der Junge ungläubig. „Ja, zusammen mit deinem Papa." – „Wann kommen die beiden denn wieder? Wir wollten doch gemeinsam Urlaub in Berlin machen. Wir wollten in den Zoo und auf den Rummel und ein echtes Schloss besuchen. Papa hat es versprochen. Er wollte den ganzen Urlaub über nicht arbeiten und…" – „Bennett, mein Großer, weißt du, aus dem Himmel… wenn man einmal hingegangen ist, dann kommt man von da nicht wieder." – „Mama und Papa sind ohne uns in den Himmel gegangen? Aber… aber… Fenja und ich… was ist denn mit uns? Wieso wollten sie uns denn nicht mitnehmen?" – „Bennett, ich glaube nicht, dass sie wirklich gehen wollten", seufzte Rokko. „Aber sie mussten und sie konnten euch nicht mitnehmen. Ihr zwei werdet jetzt bei mir und Lisa wohnen. Glaub mir, das wird eine tolle Zeit. Berlin ist eine schöne Stadt und wir werden uns ganz viel Zeit für euch nehmen, nicht, Lisa?", versuchte Rokko Lisa in das Gespräch mit einzubeziehen. „Ja, natürlich", versicherte diese sofort. „Oh nein", verzog sich Bennetts Gesicht plötzlich weinerlich. „Das ist die Braut, oder? Ich sollte doch die Ringe tragen, aber ich war hier. Ich konnte die Ringe nicht tragen…" – „Bennett, reg dich nicht auf. Mein Trauzeuge hat die Ringe getragen. Siehst du, hier", Rokko deutete auf seinen Ringfinger. „Das ist mein Ehering. Es wäre natürlich schöner gewesen, wenn du ihn mir gebracht hättest, aber es ging auch ohne dich. Du musst deswegen nicht traurig sein." – „Gehen wir jetzt zu dir nach Hause?", wollte Bennett wissen. Bei den Worten „nach Hause" sah Fenja auf und streckte Lisa sofort ihre Arme entgegen. „Wir treffen die Großeltern zum Essen in der Stadt", erklärte Lisa.
