„Ah, das Weibervolk ist auch schon aufgestanden", neckte Rokko Lisa, als diese am nächsten Morgen mit Fenja auf dem Arm ins Wohnzimmer kam. „Ich wünsche dir auch einen guten Morgen", schmunzelte Lisa. „Ich hätte ja schon Frühstück gemacht, aber es ist nicht genug für ein Frühstück da. Ich würde schnell einkaufen gehen, was denkst du?" – „Du könntest kurz warten, bis ich mich fertig gemacht habe und dann könnten wir zu viert gehen", erwiderte Lisa, wobei sie Fenja auf den Boden stellte. Diese erspähte sofort ihr Spielzeug. „Ich glaube, Fenja würde lieber hier bleiben und spielen. Bleib doch mit den beiden hier und ich flitze schnell in den Supermarkt. Wir können ja nachher etwas zu viert unternehmen." – „Nein!", erklang Bennetts empörte Stimme. „Ich will mitgehen, Onkel Rokko. Ich will bei dir bleiben", erklärte er mit Nachdruck. Rokko musterte den Jungen. „Na gut, dann gehen wir zwei einkaufen und die zwei bleiben hier und spielen. Ein guter Plan?" – „Ein guter Plan", lächelte Lisa. Sie ging auf Rokko zu und gab ihm einen Kuss.

„Oh Fenja, bitte", flehte Lisa den Tränen nahe. „Was ist denn hier los?", fragte Rokko seine Wohnung betretend. Irritiert betrachtete er seine Frau, die Seifenschaum auf dem Kopf hatte und gleichzeitig versuchte, seine halbnackte Nichte anzuziehen. „Ich… Sie… Fenja hat so schön gespielt und da habe ich sie mit ins Bad genommen, damit sie da weiterspielt. Ich wollte wirklich nur schnell duschen. Sie ist mir einfach nachgekommen – komplett bekleidet. Ich dachte… damit sie sich nicht erkältet, ich sollte sie umziehen. Ich habe sie ausgezogen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie aufgequollen ihre Windel von dem bisschen Duschwasser war. Jedenfalls wollte ich ihr etwas anziehen und sie sagt ständig ‚Bompa'. Ich halte eine Hose hoch und sie sagt ‚Bompa', ich zeige ihr einen Rock und sie sagt ‚Bompa', ich wollte ihr einen Pullover anziehen und sie sagt ‚Bompa'. Ich weiß nicht, was Bompa ist." – „Eine Strumpfhose", entgegnete Bennett. „Socken und Strumpfhosen heißen bei ihr Bompa und Zeitung heißt Gongki." – „Gongki und Bompa", seufzte Lisa erleichtert. „Da wäre ich doch alleine nie draufgekommen." – „Das lernst du alles noch", bemühte Bennett sich, seine Tante zu beruhigen. „Lisa, am besten du gehst dir mal die Seife vom Kopf spülen. Ich ziehe der jungen Dame ihre Bompa an und dann können wir frühstücken."

„Deine Mutter hat angerufen, während du geduscht hast. Sie hat uns zum Kaffee nach Göberitz eingeladen", informierte Rokko seine Frau. „Vielleicht können wir ein bisschen eher hinfahren und mit den Kindern im Wald spazieren gehen", schlug er vor. „Ich würde die beiden nämlich gerne richtig müde toben, damit…" – „Damit?", hakte Lisa nach. „Damit ich heute Nacht schlafen kann, ohne von Fenja und dir synchron getreten zu werden", grinste Rokko.