„Und? Wie ist die Ehe?", wollte Helga in einem unbeobachteten Augenblick von ihrer Tochter wissen. „Naja, viel Normalität hatten wir bisher noch nicht. Du weißt ja, die Kinder, die Beisetzung, die Haushaltsauflösung…" – „Ja ja, aber mal davon abgesehen… Ist Rokko… also, ist er ein guter Liebhaber?", fragte Helga, begann dann aber pubertär zu kichern. „Ähm… naja… also…", druckste Lisa herum. „Sag bloß, ihr habt immer noch nicht? Dann stimmt doch irgendetwas zwischen euch nicht." – „Es ist so", senkte Lisa ihre Stimme. „Gestern Abend… da waren wir so kurz davor und dann kam Fenja ins Schlafzimmer." – „Sie hat euch dabei erwischt?", amüsierte Helga sich über die Prüderie ihrer Tochter. „Nein, aber es war haarscharf – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hoffe ja nur, dass sie… naja… kein Trauma davongetragen hat oder so." – „Trauma? Lisa, sei nicht albern. Die Kleine ist noch nicht mal zwei. Sie hat bestimmt gedacht, ihr kuschelt. Du hast deinen Vater und mich übrigens auch mal dabei erwischt. Da warst du sechs und es hat dir auch nicht geschadet." – „Mama!", ermahnte Lisa Helga schockiert. „Was denn? Sex gehört zum Leben dazu. Glaub mir, wenn du es erstmal probiert hast, dann wirst du nicht mehr damit aufhören können." – „Womit wird das Schnattchen nicht mehr aufhören können?", wollte Bernd wissen. Völlig erschöpft vom Fußballspiel mit seinem Schwiegersohn und den beiden Kindern war er zu seiner Familie herübergekommen, um sich dort auf die Hollywoodschaukel fallen zu lassen. „Nichts, Bärchen, nichts." – „Ja, damit soll es sich ja besonders schwer aufhören lassen", kommentierte Bernd. „Schnattchen, ick globe, du hast nicht nur zwee Kinder jeerbt, du hast och eens jeheiratet. Ne Ausdauer hat der…", wunderte Lisas Vater sich. „Wie läuft's eigentlich? Als mit ihm und dir und de Kinder?" – „Mit Rokko läuft es gut, mit Fenja auch. Sie ist ziemlich quirlig, aber ich glaube, sie mag mich." – „Und Bennett?", wollte Helga wissen. „Der hängt sehr an seinem Onkel." – „Er is ja doch älter als dis Mädchen", dachte Bernd laut nach. „Er kann sich an seine Eltern erinnern. Und dich kennt er nicht." – „Aber er könnte mich kennen lernen. Habt ihr nicht ein paar Tipps in Sachen Kindererziehung für mich?" – „Lieb haben, Schnattchen, du musst'se lieb haben. Und wenn de se in'n Kinderjarten jebracht hast, immer winken. Ick hab dies eenmal verjessen. Oy, du hast noch ne Woche später deswejen jeheult." – „Lisa?", sprach Bennett die junge Frau an. Er war zusammen mit Fenja zur Hollywoodschaukel hinübergegangen. „Ja", lächelte Lisa ihn an. „Fenja will, dass du mit uns und Onkel Rokko Fußball spielst." Bernds Lippen umspielte ein bedeutungsvolles Grinsen. „Fenja will das also", neckte er den Jungen. „Und du?" – „Ich glaube, dass Onkel Rokko sich freuen würde… und ich… ich auch." – „Gut, ich ziehe Fenja nur noch schnell ihre Bompa hoch und dann spiele ich mit euch." – „Bompa?", fragte Bernd verwirrt. „Das ist Fenjanisch für Strumpfhose." – „Na wenn de schon weeßt, was ihre Laute bedeuten, dann musste dir echt keene Jedanken machen."
