Jemand etwas Kitsch ? Ich bin mir sicher, hier ist genug für alle. Hoffe mal, es ist nicht zu emo. Verklagt Bryan Adams und sein „Everything I do", das allein hat schon genug Melancholie und ein dunkler Winterabend tut das restliche.

Everything I do

Look into my eyes – You will see,
What you mean to me,
Search your heart - Search your soul,
And when you find me there,
You'll search no more

In ihren Augen versinken. Einfach aufzuhören zu existieren. Im endlosen Grün verschwinden. Ihre Augen erinnerten ihn immer ein Frühling. Und auch ihr Duft. Sie roch nach Blumen. Wie einer dieser Frühlingstage, die schon leicht nach Sommer schmeckten und es doch noch nicht ganz waren.

Und ihre Lippen schmeckten nach Schokolade. Nach Schokoladeneis um genau zu sein. Nicht, dass sie kalte Lippen gehabt hätte, nein. Zu einem warmen Sommertag passte einfach das erste Schokoladeneis des Jahres.

James seufzte. Und fuhr sich zum wiederholten Male über die Lippen. Ihr Geschmack war schon lange verschwunden. Aber die Erinnerung war süß.

„Prongs ?" Er hatte Sirius nicht bemerkt, der sich nun neben ihm auf der Tribüne fallen lies und ihn besorgt ansah. Es kümmerte ihn nicht. Das hatte es ja schließlich auch nicht, als Remus versucht hatte, nach dem Frühstück mit ihm zu reden.

Er war einfach zu beschäftigt gewesen, sie anzustarren. Ihre nervöse Angewohnheit, vor dem Unterricht noch mal in den Unterlagen zu blättern. Wie sie sich durch das Haar fuhr, wenn sie auf eine Unstimmigkeit stieß.

Aber heute war etwas anders gewesen. Sie hatte ruhig da gesessen. Anscheinend hatte sie keinen Hunger. Vielleicht war ihr nicht gut.
Hoffentlich hatte das nichts mit gestern Abend zu tun. Sicher hatte es das. Schließlich hatte sie ihn küssen müssen. Und wie alle Welt und besonders ganz Hogwarts wusste, hasste sie ihn. Und ihn zu küssen war da sicher keine Ausnahme. Aber irgendwie hatte er gedacht, gestern wäre es anders gewesen.

Gestern hätte sie vielleicht endlich gemerkt, wie ernst es ihm war.

Don't tell me – It's not worth fighting for,

I can't help it – There's nothing I want more,

You know it's true,

Everything I do, I do it for you – Ohh yeah

Es hatte geregnet, an dem Tag an dem er sie zum ersten Mal gesehen hatte. Naja, nicht unbedingt gesehen. Er hatte sie vorher schon gesehen. Schließlich gingen sie in die gleiche Klasse. Aber es hatte an dem Tag geregnet, als er sie zum ersten Mal gesehen hatte. Schließlich war es der erste Tag des Septembers gewesen. Und der Anfang ihres dritten Jahres.

James liebte den Herbst. Bunte, wirbelnde Blätter machten die sonst so graue Welt zu einer Farbpalette.

Es war ein nasser Tag gewesen. Und kalt. Das waren die Seiten am Herbst, die James überhaupt nicht leiden konnte. Er wusste noch ganz genau, wie er über den Bahnsteig geschlendert war, und auf der Suche nach seinem besten Freund und Mitmarauder Sirius Bleack gewesen war.

Und plötzlich hatte es einen Knall gegeben.

Nein, nicht im methaphorischen Sinne, sondern wirklich. Er war nämlich direkt in einen Gepäckwagen hinein gerannt.

Hast du dir weh getan ?" fragte plötzlich jemand.

Und dieser jemand war sie gewesen. Lily Evans. Er hatte nur kurz gegrinst, dann war er aufgestanden und hatte sich entschuldigt. Schließlich hatte er Pads dann doch noch gefunden und war mit ihm in den Zug gestiegen.

Aber sie war ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Ihr besorgtes Gesicht und das anschließende Lächeln.

Er beschloss, mit ihr auszugehen.

Padfoot und Moony waren mitgekommen. Natürlich nur zur Sicherheit. Nicht, dass er nervös gewesen wäre oder so. ER doch nicht.

Hey Evans !" hatte Padfoot gerufen. Eigentlich sollte er doch gar nichts sagen …

Hey Lily." und nun auch noch Moony.

Lily hatte nur fragend geguckt. Erst von Sirius zu Remus und dann war ihr Blick schließlich bei ihm hängen geblieben.

Hey. Ich wollte dich eigentlich nur fragen, naja, am Wochenende können wir doch nach Hogsmeade und naja, ich hatte gedacht wir könnten vielleicht, naja, zusammen hingehen ?"

So jetzt war es raus. Toll, das hatte sich ja sehr souverän angehört.

Wieder hatte sie erst ihn angesehen, dann seine beiden Begleiter. Sirius hatte sein breitestes Grinsen aufgesetzt und Remus lächelte einfach nur freundlich. Wie er das immer so tat.

Und James war es schon immer ein Rätsel gewesen, wie Sirius immer Grinsen und Remus in jeder Situation freundlich gucken konnte.

Dann hatte sie wieder ihn angesehen. Aber sie lächelte nicht.

O-oh.


„Vergiss es, Potter."

Look into your heart – you will find

There's nothin' there to hide

Take me as I am – take my life

I would give it all – I would sacrifice

James war im nach hinein klar, dass es falsch gewesen war, in Begleitung eines grinsenden Sirius und eines freundlich lächelnden Remus Lily nach einem Date zu fragen. Er hätte den Mut aufbringen müssen, sie selbst allein zu fragen.

So hätte er sich selbst auch nicht ernst genommen.

„Man, Alter gibs auf. Ich sag es dir seit Jahren. Irgendwann wirst du wirklich weich in der Birne."

Sirius schüttelte den Kopf und klopfte ihm auf die Schulter.

Aber wie aufgeben, wenn das Herz nur für sie schlägt ? Warum weggehen, wenn man nur bei ihr sein will ?

Für ihn war sie wie eine Droge – und allein ihre Anwesenheit machte ihn glücklich.

Aber Sirius hatte Recht. Sie hatte ihn all den Jahren nie ein gutes Wort über ihn verloren. Und seine Freunde, auch wenn sie ihn seit Jahren in seinen Bemühungen unterstützten und seine Hartnäckigkeit bewunderten, gingen auch langsam die Erklärungen aus.

Warum hasste sie ihn so ? Wie konnte sie ihn jedes Mal wie Luft behandeln ?
Was hatte er getan ? Womit hatte er das verdient ?

Aber James beschwerte sich nicht. Er liebte sie. Still und heimlich und doch offensichtlich.

There's no love – like your love,

And no other – could give me more love

There's nowhere – Unless you're there

All the time – All the way – Yeah.

Bei dem Gedanken an sie verzog sich ihr Herz. Konnte ein einzelner Mensch einem so wichtig sein ? Ohne sie gab es kein hier und jetzt. Ohne sie wollte er nirgendwo sein.

„Kommst du zum Essen ?" Heute schien der Tag zu sein, an dem sich alle irgendwie unbemerkt an ihn heranschleichen konnten. Remus sah ihn ziemlich besorgt an.

Er lächelte. Essen, das hieß sie wieder zu sehen. Und er konnte sich nichts schöneres vorstellen. Sie würde schon irgendwann merken, wie sehr er sie liebte.

You now it's true – Everything I do,

I do it for you