Kapitel 5 – Die Östliche Grasebene

Am nächsten Morgen falle ich erneut aus dem Bett – ist es vielleicht zu klein für mich?

„Mann hast du mich erschreckt!", ruft Flutter aufgeregt und fliegt im Kreis.

„Sorry", murmele ich und stehe auf.

„Dabei hab ich nur ein wenig an deiner Nase gekitzelt."

Deshalb bin ich also aus dem Bett gefallen. „Und warum hast du das gemacht?"

„Ich habe draußen den Postmann gehört", flötet sie. „Und die Sonne ist schon lange aufgegangen. Es gibt noch so viel in Reveria zu erkunden."

Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen. „Na, dann lass uns mal loslegen", meine ich, stecke meinen Dolch ein und wir verlassen mein Zimmer.

Nach einem fröhlichen Frühstück bei Pam schauen wir in den Briefkasten. Es ist ein Brief für mich dabei, vom König Erik: „Herzlichen Glückwunsch für dein neues Leben – jetzt fängt das Abenteuer erst an."

„Danke", murmele ich amüsiert und stecke den Brief in meine Umhängetasche.

„Können wir zu dem Brunnen mit der schönen Frau gehen?", bittet mich Flutter und ich nicke.

Auf dem Weg zum Brunnen, nördlich des Marktplatzes, treffen wir auf Rupert.

„Sylva!", ruft er und läuft auf mich zu.

„Hallo, Rupert", grüße ich freundlich. „Und? Hat's mit dem Brief geklappt?"

„Ja, sie hat ihn erhalten", grinst er. „Harmony hat mir auch schon geantwortet." Sein Lächeln verschwindet. „Sie hat mich sanft fallengelassen, aber das heißt ja noch nichts. Ich gebe nicht auf, das war nur der erste von vielen Versuchen – und eines Tages werden wir zusammen sein. Drück mir die Daumen", meint er, zwinkert mir zu und geht wieder zurück zu seinem Laden.

„Klar", rufe ich ihm nach und drücke kurz meine Daumen.

„Na, ob das was wird", meint Flutter, als wir weitergehen.

„Aber besser, als wenn er gleich die Hoffnung aufgibt."

„Hast du denn jemand besonderes in deinem Leben, dem du einen Liebesbrief schreiben möchtest?", will der neugierige Schmetterling von mir wissen.

„Nein", erwidere ich sofort. „Und ich denke auch nicht, dass das so schnell der Fall sein wird." Ich zucke nur mit den Schultern, um desinteressiert zu wirken, obwohl ich mich natürlich wie jedes andere Wesen nach einem Lebenspartner sehne. Jemanden, mit dem ich meine Sorgen und Ängste teilen kann, zusammen Träume verwirklichen oder mich abends einfach ankuscheln kann.

„Die Liebe kommt meist unerwarteter als geahnt", sagt Flutter.

Den Rest des Weges schweigen wir.

Erst als wir vor dem Brunnen stehen, meint Flutter: „Die Göttinnen-Statue. Glaube ich zumindest."

„Du klingst, als ob du dir da nicht so sicher wärst", sagt auf einmal eine Stimme und neben uns erscheint ein alter Mann. Er hat einen weißen Bart und stützt sich auf einen Gehstock. Seine Augen funkeln vor Aufregung.

„Wir sind neu", erwidere ich nur.

„Ja, das ist die Göttinnen-Statue", bestätigt er dann Flutters Vermutung. „Wollt ihr etwas über sie wissen?", bietet er uns freundlich an.

„Was hat sie so gemacht?", fragt Flutter sofort.

„Der Legende nach", beginnt der alte Mann zu erzählen, „ist sie in den alten Zeiten nach Reveria gekommen, um die Welt vor der Zerstörung zu retten."

Ich mache große Augen und Flutter ruft verwundert: „Was?!"

„Ich bin mir nicht sicher, was passiert war, aber Reveria und die Bewohner schienen in großer Gefahr gewesen zu sein. Deshalb hat die Göttin die Kraft der Wünsche der Leute genutzt."

„Sie konnte Wünsche hören?", unterbricht Flutter.

„Ja", nickt der alte Mann. „Daher nennt man sie auch die Göttin der Wünsche. Nach der Rettung Reverias sind viele zu ihr gegangen und sie hat alle ihre Wünsche erfüllt. Aber eines Tages waren es so viele, dass sie nicht mehr allen helfen konnte. Deshalb gab sie den Menschen die Macht, sich ihre Wünsche gegenseitig zu erfüllen: Sie erschuf verschiedene Jobs, die wir heute Leben nennen."

Ich ziehe die Stirn kraus und frage mich, ob er die Wahrheit erzählt oder ob dies nur ein Märchen ist, um die Entstehung der Welt zu erklären.

„Deshalb nennt man sie auch die Lebens-Göttin", meint Flutter, und ich erinnere mich, dass meine beste Freundin ein Schmetterling ist – warum soll es da nicht auch Wünsche erfüllende Göttinnen geben?

„Heute werden allerdings weniger Wünsche erfüllt als damals", fährt der alte Mann traurig fort.

„Warum?", frage ich verwundert.

„Neuerdings beginnen immer weniger Jugendliche ein Leben."

Einen Augenblick herrscht bedrückte Stille, dann verkündet Flutter determiniert: „Wenn das so ist, dann werde ich die Welt bereisen und die Wünsche der Leute hören. Vielleicht verstehen so ja alle das Wunder der einzelnen Leben."

„Du klingst ja wie die Göttin", kichert der alte Mann.

Es gibt bestimmt Schlimmeres, denke ich lächelnd.

„Was die Menschen wohl für Wünsche haben?", überlegt Flutter leise, bis ihre Augen sich auf mich richten. „Was ist denn dein Wunsch, Sylva?"

Ich muss nicht lange darüber nachdenken. Ernst blicke ich in die steinernen, aber immer noch warmen Augen der Göttin. „Ich wünsche mir, dass meine Familie stolz auf mich sein kann."

„Das ist dein Wunsch?", meint Flutter und klingt, als fände sie ihn seltsam. „Also mein Wunsch ist geheim."

Ich blicke sie böse an – ist das nicht unfair, wenn sie meinen Wunsch weiß, aber ich ihren nicht erfahren darf?

Daher fügt sie schnell hinzu: „Dein Wunsch wird bestimmt bald wahr werden."

Ich lächele; wie kann ich auch einem Schmetterling böse sein?

„Ich möchte von allen möglichen Leuten die Wünsche hören", meint Flutter noch einmal.

„Es gibt bestimmt viele hier in der Stadt", pflichtet der alte Mann ihr bei. „Und wenn ihr einen hört, könnt ihr ja helfen."

Ich ziehe im ersten Moment die Stirn in Falten – würde mich das nicht weiter weg bringen von meinem Ziel, eine außerordentliche Alchemistin zu werden? Doch dann fällt mir Professor Flamings zweite Aufgabe ein, und wie er meinte, dass es auch zu einem guten Alchemisten gehört, den Menschen in seiner Umgebung zu helfen, und daher fällt es mir nicht schwer zu nicken, als Flutter aufgeregt ruft: „Komm, Sylva, lass uns allen helfen."

„Sehr schön", sagt der alte Mann und klatscht vergnügt in die Hände. „Das war's dann für mich. Ich muss noch was erledigen."

Wir bedanken uns bei ihm und wollen uns gerade verabschieden, als er uns anbietet, mit seinem Wunsch anzufangen.

„Was wünschen Sie sich denn?", möchte Flutter aufgeregt wissen.

„Ich hätte gerne ein Großes Ei, das findet man auf der Grasebene."

„Kein Problem", ruft Flutter, obwohl ich mir da nicht so sicher bin.

„Als Belohnung gebe ich euch dann 500 Dosh, sowie einen Bronzenen Dolch."

Das überzeugt mich schon mehr und so nehmen wir den Deal an.

„Hier, das ist für euch." Er überreicht mir eine Halskette. „Sie soll euch beschützen."

Ich lege sie um. „Vielen Dank", sage ich.

„Ich treibe mich meistens hier auf dem Marktplatz rum", ergänzt der alte Mann. „Wenn ihr das Ei habt, kommt einfach wieder her."

Ich nicke und Flutter und ich machen uns auf den Weg.

„Danke, Sylva, dass du mich hergebracht hast", meint der Schmetterling, als wir wieder unter uns sind.

„Gern geschehen", lächele ich. Es ist so einfach, sie glücklich zu machen.

„Aber es gibt noch viel mehr Orte, die ich gerne besuchen würde. Wollen wir da zusammen hingehen."

„Klar", erwidere ich sofort und strahle. Wer hätte gedacht, dass ich diese Welt zusammen mit einer Freundin erkunden könnte statt wie erwartet allein?

„Klasse!", ruft Flutter erfreut. „Na, dann los."

Ich lache. „Wir sind ja schon auf dem Weg zur Grasebene."

„Weißt du, wo das ist?"

Ich nicke. „Im Zunftbüro war eine Karte von der Gegend. Ich erinnere mich."

„Doppeltklasse!"

Wir gehen nach Süd-Castele, an dem Wasserfall und der Stelle, wo wir Fizz das erste Mal begegnet sind, vorbei und erreichen schon hinter der nächsten Kurve die Östliche Grasebene. Eine grüne, gesunde Wiese erstreckt sich bis zum Horizont, Schafe grasen und Bienen summen. Es ist fast idyllisch, wüsste ich nicht um die vielen Gefahren, die hier lauern können, besonders nachts. Aber noch steht die Sonne hoch am Himmel.

„Wow, ist das riesig hier", staunt Flutter und ich nicke. Für einen Schmetterling muss die Fläche noch größer wirken als für mich. „Und die Luft ist so viel reiner als in der Stadt."

Ich atme einmal tief ein, schmecke und rieche diese frische Luft, auch wenn sie noch lange nicht so schön wie im Unterirdischen Wald ist.

„Sieh mal, da vorne ist ein Paladin, den können wir um mehr Infos bitten", meint Flutter da und fliegt schon voraus.

Ich folge ihr, es ist nie schlecht, mehr Informationen über eine fremde Gegend, die man durchqueren muss, zu erhalten. Doch als wir bei ihm sind, bemerken wir, dass er schläft.

Flutter weckt ihn natürlich einfach auf, woraufhin der Soldat hochschreckt und irgendetwas von „Captain Mustang" murmelt.

„Hallo", grüßt der Schmetterling freundlich. „Kannst du uns bitte ein wenig mehr über diesen Ort erzählen?"

Der Soldat, wie jeder andere, dem wir bisher begegnet sind, erschrickt sich natürlich über einen sprechenden Schmetterling, doch er fängt sich schnell wieder, indem er sich räuspert und mit professioneller Stimme fragt, ob wir zum ersten Mal hier seien.

Ich nicke.

„Gut", machte der Soldat. „Also es gibt hier auf der Östlichen Grasebene verschiedene Monster, die man erledigen muss, bevor sie dich erledigen."

Ich schlucke, auch wenn ich das schon vom Unterirdischen Wald kenne, und ich bin froh, meinen Dolch bei mir zu haben.

„Die Monster, die sich in Reveria finden lassen", fuhr der Soldat fort, „kehren immer wieder. Also wenn ihr eines erledigt habt, müsst ihr aufpassen, dass es nicht plötzlich wieder hinter euch auftaucht. Wenn ihr eines geschafft habt, werden sie sich einfach in Luft auflösen und ihr könnt gerne alles aufsammeln, was sie hinterlassen (Fell, Fleisch, Honig, etc.)."

Ich nicke wieder – auch das ist mir vom Unterirdischen Wald bekannt.

„Aber seid vorsichtig", warnt der Soldat uns nun. „Wenn ihr nicht schnell genug seid, können die Viecher euch mit ihren scharfen Krallen und Zähnen schwere Kratzer zufügen. Ich empfehle euch Heilkraut oder Heiltränke dagegen zu nehmen. Hier, die hab ich vorhin gefunden." Und er übergibt mir 5x Heilkraut.

„Danke!", erwidere ich erstaunt und packe die Kräuter in meine Tasche; die werden uns bestimmt noch nützen.

„Meistens ist alles ruhig hier", ergänzt er noch. „Die meisten Monster greifen euch nicht an, wenn ihr sie nicht angreift, wie zum Beispiel die Schafe dort drüben." Er zeigte auf ein paar grasende in der Nähe. „Doch nachts sind die Gegner schlimmer, nehmt euch in Acht! Noch Fragen?"

„Ähm", macht Flutter, „gibt es auch Schmetterling-fressende Monster?"

Der Soldat überlegt. „Da bin ich mir nicht sicher… Ach so, noch etwas: Wenn ihr auf den Schlummerdrachen trefft, dann greift ihn auf keinen Fall an! Er lebt eigentlich in den Bergen, aber er sonnt sich gerne hier unten. Geht nicht zu nah an ihn ran, sonst…" Er macht eine tödliche Geste.

Ich schlucke wieder und nicke – auch solch gefährliche Monster bin ich aus dem Unterirdischen Wald gewohnt und weiß, wie wichtig es ist, sie zu meiden…

„Im Osten befindet sich der Berg Schneespitze, geht dorthin, wenn ihr euch traut; es ist wirklich schön dort. Passt auf euch auf." Er lächelt uns freundlich zu.

Danach machen Flutter und ich uns auf den Weg in die Grasebene und auf die Suche nach dem Großen Ei. Ich habe meinen Dolch fest in der Hand und meine Augen weit geöffnet.

Den Rest des Tages verbringen wir damit, Schafe, Bienen und möhrenartige Wesen zu vernichten. Das klingt grausamer als es ist, denn es gibt nicht einmal Blut und die Monster lösen sich wirklich einfach in Luft auf. Und wenn ich sie nicht fertigmache, werde ich von ihnen fertiggemacht! Des Weiteren finden wir alles Mögliche auf der Wiese (Schmetterlinge, Blumen, Löwenzahn, Honig, Grashüpfer und Heilkraut!), welche ich bestimmt gut für meine alchemistischen Zwecke nutzen kann. Falls nicht, verkaufe ich sie einfach. Manchmal schafft es eines der Viecher, mich zu kratzen, aber nicht besonders schlimm und zur Not habe ich noch immer den Heiltrank.

Brenzlig wird es nur, als wir den Schlummerdrachen entdecken (doch wir gehen schnell in eine andere Richtung) und als uns plötzlich drei Banditen auflauern (aber wenn man schnell genug davonrennt, verlieren sie die Lust an dir).

„Es dämmert schon", sage ich irgendwann. „Wo ist denn dieses Ei?"

Ich habe das Gefühl, dass wir schon jeden Winkel der Wiese erforscht haben, doch das Ei ist nirgends zu entdecken…

„Dort!", ruft Flutter plötzlich und fliegt zu einem von Felsen abgegrenzten Teil der Wiese, einer Art Bucht.

Ich sehe das Große Ei, doch es wird von drei Riesenbienen bewacht. Ich atme einmal tief ein – dann stürze ich mich mit meinem Dolch in den Kampf. Die erste Biene ist zu erschrocken, um reagieren zu können, daher erledige ich sie im Nu, doch die anderen beiden sind nun auf mich aufmerksam geworden. Von zwei verschiedenen Seiten greifen sie mich an und auch wenn ich wie wild meinen Dolch schwinge, bin ich nicht immer schnell genug und ihre Stacheln verpassen mir Schrammen. Schließlich beende ich es und die beiden sind verschwunden.

„Du hast es geschafft!", ruft Flutter übermotiviert; ich vermute, dass sie ein schlechtes Gewissen hat, da sie mir im Kampf keine Hilfe sein konnte.

Ich nicke nur, da ich außer Atem bin, und lege das Große Ei vorsichtig in meine Tasche. „Und jetzt schnell weg von hier", murmele ich.

Auf dem Weg nach Castele merke ich, wie weh mir alles tut, besonders meine Muskeln im rechten Arm und die Schrammen und Stiche an den Armen und an der Bauchseite.

Wir finden den alten Mann auf dem Marktplatz, mittlerweile ist es vollkommen dunkel geworden. Er ist höchst erfreut über das Große Ei und gibt uns wie versprochen die 500 Dosh und den Bronzenen Dolch.

Trotz meiner Schmerzen bin ich überglücklich, meinen ersten Auftrag eines Bürgers erfolgreich beendet zu haben.

Wie verabschieden uns von dem alten Mann und gehen nach Hause.

„Ist das nicht toll?", ruft Flutter immer wieder.

Ich nicke nur müde.

„Hey, Sylva!", ruft da plötzlich jemand.

Ich drehe mich um und sehe, dass Fizz strahlend auf uns zuläuft.

„Hallo", grüße ich lächelnd.

Sie schließt sich unserem Weg nach Hause an; offensichtlich muss sie in die gleiche Richtung gehen.

„Und, was habt ihr heute Schönes gemacht?", fragt sie beiläufig.

Flutter berichtet es ihr in schillernden Farben und ich bin froh, nicht sprechen zu müssen – ich habe das Gefühl, dass mir jeden Moment die Augen zufallen.

Als Flutter unsere Geschichte erzählt hat, blickt Fizz mich besorgt an. „Alles in Ordnung bei dir? Das klingt, als hättest du viel auf dich genommen heute."

Ich nicke. „Ja, alles klar. Bin nur müde."

Sie beobachtet mich immer noch. „Schwankst du etwa?", ruft sie plötzlich erschrocken. „Und ist das Blut auf deinem Arm!"

„Nur ein wenig", gebe ich zu und winke ab, auch wenn ich bei der Bewegung schmerzlich das Gesicht verziehe.

„Ich helf dir", meint Fizz sofort und legt meinen Arm um ihre Schultern, sodass sie mich stützen kann.

Zuerst will ihr mitteilen, dass ihre Hilfe nicht nötig sei, doch als ich bemerke, wie viel besser und leichter ich dadurch laufen kann, seufze ich nur erleichtert. Zum ersten Mal bemerke ich auch, dass Fizz gut riecht: nach Veilchen im Frühling, wenn es gerade geregnet hat.

Fizz bringt mich in mein Zimmer und legt mich danach aufs Bett.

Ich strecke mich zufrieden auf dem Bett aus und kümmere mich nicht einmal darum, meine Schuhe auszuziehen.

„Ich habe Heilsalbe dabei", sagt Fizz nun und setzte sich auf den Stuhl neben meinem Bett. „Wenn du möchtest, kann ich sie auf deine Wunden schmieren."

Ich nicke.

Sie holt die Salbe hervor und reibt damit erst etwas auf meinen rechten Arm und dann meinen linken. „Noch irgendwo?", fragt sie.

Ich ziehe wortlos mein Oberteil ein weinig hoch, sodass die Stiche auf der Seite sichtbar werden.

Fizz nickt nur und schmiert auch diese ein. „Womit hast du denn gekämpft?", will sie schließlich wissen.

„Dolch", murmele ich schläfrig. Jetzt, wo ich in meinem Bett liege und die Schmerzen durch die Salbe nachlassen, bin ich wirklich kurz vorm Einschlafen.

Sie sieht mich abschätzig an. „Mit einem Dolch?! Kein Wunder, dass du so viele Schrammen hast! Ich rate dir lieber zu einem Bogen, dann kannst du von der Ferne kämpfen und dir passiert nicht viel. Oder wenn du lieber mit Stahl kämpfen willst, dann lieber mit einem Schwert, die sind viel effektiver."

Ich nicke nur, die Augen schon geschlossen.

Schließlich ist sie fertig. „Schlaf schön", meint sie und steht auf. „Morgen sollte es dir bessergehen." Sie geht zur Tür.

„Fizz", halte ich sie auf und zwinge mich, die Augen zu öffnen, damit ich sie sehen kann.

„Ja?"

„Danke."

Sie lächelt lieb. „Gern geschehen." Dann verschwindet sie wirklich.

Einen Augenblick ist es still, dann höre ich Flutter, die sich wieder auf mein Kissen gesetzt hat. „Geht es dir jetzt besser?", fragt sie ein wenig ängstlich.

„Ja", erwidere ich und zwar nicht nur, um sie beruhigen. Ich merke, wie die Heilsalbe schon jetzt anschlägt.

„Das ist gut", sagt Flutter schläfrig und ich vermute, dass sie schon im nächsten Moment eingeschlafen ist – auch für sie ist es ein aufregender, anstrengender Tag gewesen.

Ich denke noch einen Augenblick über das nach, was Fizz über meine Wahl der Waffe gesagt hat. Ich weiß selbst, dass ein Dolch keine besonders strake Waffe ist und auch dass selbst der Dolch, den ich heute vom alten Mann bekommen habe, viel besser ist als mein eigener. Aber dieser ist nun einmal der Dolch meines Vaters gewesen, das einzige, was ich von ihm geerbt habe. Es fällt mir schwer, ihn zurückzulassen und nicht mehr zu gebrauchen. Aber es wird bestimmt nicht im Interesse meines Vaters sein, meine Gesundheit nur wegen dieses Andenkens aufs Spiel zu setzen… Ich kann mir ja mal andere Waffen ansehen…

Mein letzter Gedanke, bevor ich einschlafe ist, dass ich heute gar nichts mit Alchemie gemacht habe und dies morgen dringen nachholen sollte – am besten damit, eine Heilsalbe herzustellen…