Kapitel 6 – Zutaten sammeln und brauen
Flutter und ich machen uns schon früh am Morgen, gleich nach dem Frühstück auf zum Labor. Auch Professor Flamel und Beaker sind schon da und wenigstens letzterer begrüßt mich sogar freundlich und schenkt mir einen Blauen Stein, den ich vermutlich bald sehr nützlich finden werde.
Statt einem Morgengruß gibt mir der Professor lediglich den Tipp, dass ich Tränke und dergleichen mit höherer Qualität teurer verkaufen kann, und ich bin ihm dankbar für den Rat. Er reicht mir auch eine Liste mit all den Tränken und Gegenständen, die ich herstellen muss, um den nächsten Rang zu erreichen:
-3 Heiltränke (jetzt nur noch 2, da ich ja schon einen in meinem ersten Test gebraut habe): 1x Heilkraut + 1x Quellwasser
-1 guten Heiltrank: 1x Heilkraut + 1x Quellwasser
-1 Gift-Gegenmittel: 1x Kurierkraut + 1x Gegenmittel-Beeren + 1x Quellwasser
-1 Starre-Gegenmittel: 1x Kurierkraut + 1x Antistarre-Beeren + 1x Quellwasser
-1 Schlaf-Gegenmittel: 1x Kurierkraut + 1x Aufwach-Beeren + 1x Quellwasser
-1 Zauberkette: 1x Auffälliges Objekt + 1x Lederband
-1 Mini-Bombe: 2x Minzgestein + 1x Grünes Gel + 1x Tierkot
-1 gute Mini-Bombe: 2x Minzgestein + 1x Grünes Gel + 1x Tierkot
-3 Ausdauertränke: 1x Vitalkraut + 1x Quellwasser
-1 Wissenschaftskolben: 2x Blauer Stein + 1x Castele-Blume + 2x Quellwasser
-1 Runde Brille: 2x Gelber Stein + 1x Castele-Kupfer
-1 Krallen-Kette: 2x Tierkrallen + 1x Tierfangzahn + 1x Lederband
-allgemein 10 Rezepte machen
Ich nehme mir sogleich einen Zettel und einen Stift und schreibe eine Art Einkaufsliste, sodass alle Zutaten und ihre Anzahl beieinanderstehen:
-3x Heilkraut
-11x Quellwasser
-3x Kurierkraut
-1x Gegenmittel-Beeren
-1x Antistarre-Beeren
-1x Aufwach-Beeren
-1x Auffälliges Objekt
-2x Lederband
-4x Minzgestein
-2x Grünes Gel
-2x Tierkot
-3x Vitalkraut
-2x Blauer Stein
-1x Castele-Blume
-2x Gelber Stein
-1x Castele-Kupfer
-2x Tierkrallen
-1x Tierfangzahn
Ich überprüfe die Liste noch einmal und sehe dann in meiner Tasche nach, was ich schon alles habe. Doch außer 3x Heilkraut, 1x Blauer Stein und 1x Gegenmittel-Beeren sieht es schlecht aus. Woher bekomme ich nur all die anderen Zutaten?
Zu meinem Glück ist die Bibliothek gleich nebenan und ich beginne meine Suche damit, mehr über Reveria und seine Orte zu erfahren.
In den nächsten zwei Stunden lese ich allerhand über Castele und die beiden anderen großen Städte in Reveria namens Port Puerto und Al Maajik, dass der Schlummerdrachen angeblich Castele bewacht, dass ich in der Östlichen Grasebene Kupfer und Heilkraut finde, dass mir der Berg Schneespitze vermutlich nicht weiterhilft, und dass ich das Vitalkraut im Elderwald finden kann. Sogar ein Gedichtbuch von Beaker und eine Feine Feder finde ich in den tausenden Bänden.
Flutter ist zwischendurch so langweilig (können Schmetterlinge überhaupt lesen?), dass sie eine Weile draußen in der Stadt umherfliegt. Gerade als sie wieder zum Fenster hereinkommt, klappe ich mein letztes Buch für heute zu.
„Bist du endlich fertig?", will sie wissen und setzt sich auf meine Schulter.
Ich nicke. „Ja, gerade fertig geworden. Wir können losgehen."
Wir machen uns auf, die Läden der Stadt abzuklappern, und finden dabei viele tolle Sachen.
„Schau, hier!", ruft Flutter aufgeregt, als wir an einem Kleidungsgeschäft vorbeigehen. „Ist dieses Kleid nicht wunderschön?" Sie fliegt um ein langes, grünes Kleid mit weißer Schleife und feinem Kragen.
„Ja, das stimmt." Für einen Moment stelle ich mir vor, wie ich wohl in diesem Kleid aussehen würde… Ich schüttele mit dem Kopf, um den Gedanken zu vertreiben. „Es ist wirklich sehr schön, aber ich brauche es doch gar nicht. Ich spare lieber noch mein Geld für Nützliches – wer weiß, was wir noch alles besorgen müssen…"
Flutter ist zwar enttäuscht, aber auch einsichtig. Schon im nächsten Laden jedoch – Casteles Allgemeinwarengeschäft – ist sie wieder hellauf begeistert von all den wunderbaren Dingen, die es hier zu kaufen gibt.
Die Ladenbesitzerin tritt freundlich auf uns zu und ist wie fast jeder andere Bewohner der Stadt zugleich erschrocken aber auch erfreut über einen sprechenden Schmetterling…
„Was verkauft ihr denn hier so?", will Flutter plötzlich wissen und ich frage mich plötzlich, wie alt sie wohl ist.
„Oh, alles Mögliche", lacht die Verkäuferin fröhlich. „Am besten verkauft sich unser Heiltrank."
Nicht besonders beeindruckend, wenn man bedenkt, dass ich ihn jeder Zeit selbst herstellen kann…
„Wollt ihr mal probieren?", bietet die Verkäuferin nun an und holt eine kleine Flasche hinter der Ladentheke hervor.
Ich schüttele ablehnend mit dem Kopf – am Ende muss ich ihn noch bezahlen!
Doch wie nicht anders zu erwarten, genehmigt sich Flutter ein Schlückchen. „Lecker!", ruft sie zufrieden.
„Das freut mich", erwidert die Verkäuferin. „Was sich ebenfalls gut verkauft ist unser Ausdauertrank."
„Darf ich den auch probieren?", fragt Flutter, bevor ich sie aufhalten kann.
Zum Glück ist de Verkäuferin eine freundliche Frau. „Schaffst du das denn noch?", fragt sie Flutter in einem Tonfall, als würde sie mit einem kleinen Kind sprechen.
„Na klar!", antwortet der Schmetterling voller Stolz. „Da ist noch viel Platz in meinem Bauch."
„Okay. Hier."
Flutter probiert aus einer weiteren Flasche. „Das ist ja seltsam", urteilt sie. „Es schmeckt süß und bitter zugleich."
„Ja, das ist wahr", stimmt die Verkäuferin zu. „Ein wirklich seltsamer Geschmack, aber der Trank erfüllt seinen Zweck. Und hier ist unser letzter besonderer Trank: der Lebenstrank. Wenn ihr einmal am bitteren Ende seid, wird er euch mit neuer Lebenskraft ausstatten. Äußerst praktisch."
Ich nicke zustimmend; wir haben gestern zufällig schon einen gefunden.
Auch diesen darf Flutter probieren, auch wenn er ihr ganz und gar nicht schmeckt.
Die Verkäuferin geht zum nächsten Regal, holt ein paar Flaschen – und reicht sie uns danach. „Hier, für euch!", ruft sie begeistert.
Ich nehme vollkommen perplex die Tränke entgegen: 3x Heiltrank, 3x Ausdauertrank und 1x Lebenstrank. „Ähm, danke", stammele ich, und schäme mich auf einmal für all meine ungerechtfertigten Vermutungen über den Laden und seine Tricks…
Nun sehe ich mir ihre Auslegware genauer an und entdecke das Vitalkraut. Ich kaufe 3x Vitalkraut und wir verabschieden uns von der Verkäuferin.
„Die war wirklich total nett!", schwärmt Flutter vor dem Laden.
Ich nicke. „Aber die Tränke sollten wir in Zukunft trotzdem besser selbst herstellen – ist günstiger."
Im Handwerkerviertel finden wir Castele-Kupfer, Minzgestein und Lederband. Theoretisch auch die beiden Gelben Steine und den Blauen, doch sie sind viel zu teuer!
„Wie sollen wir uns das jemals leisten können?", murmele ich verzweifelt. Es musste doch eine Möglichkeit geben, entweder an Geld zu gelangen oder aber die Steine woanders aufzutreiben – schließlich konnten ja nicht nur Reiche die Alchemie betreiben – aber wie?
„Schau, da vorne ist Fizz!", ruft Flutter plötzlich und fliegt zu dem hübschen Mädchen mit den blauen Haaren.
Ich freue mich, sie zu sehen, nach Flutter ist sie vermutlich meine beste Freundin hier in Castele, und nachdem sie mir gestern Abend so hingebungsvoll geholfen hat, noch mehr. „Hey, Fizz", grinse ich, als ich vor ihr bei ihrem Lieblingsladen stehe.
„Sylva!", erwidert sie erfreut – und zu meiner großen Überraschung umarmt sie mich. „Flutter! Was macht ihr denn hier?"
Wir berichten von unserer Suche nach Zutaten und sie nickt wissend.
„Oh ja, ich erinnere mich noch, als ich zum ersten Mal Zutaten sammeln musste – hat mich ein paar Tage gekostet, bis ich alle zusammen hatte. Und Kopfschmerzen hatte ich… Hey, da hab ich was für euch. Hier." Sie holt aus ihrer Tasche etwas uns reicht es uns.
Ich nehme das längliche Ding entgegen und entdecke, dass es sich um einen Aal handelt!
„Gegrillter Aal ist gut fürs Gehirn", behauptet sie. „Den hab ich heute Morgen von Fischer Sage geschenkt bekommen, aber ich hab schon was fürs Mittagessen."
Sie lächelt mich so voller Freude an, dass ich es nicht übers Herz bringe, ihr zu sagen, dass ich eigentlich keinen Aal mag… Stattdessen stecke ich den stinkenden Fisch in ein Tuch und in meine Tasche. Jetzt wird sie noch lange nach Fisch riechen, denke ich missmutig. Aber immerhin erinnert es mich an Fizz.
„Was braucht ihr denn noch?", will sie plötzlich wissen und ich gebe ihr unsere Liste. Sie überfliegt sie kurz, nickt und gibt uns dann den Tipp, bei ihrem liebsten Laden nachzuschauen, da er wohl vieles von der Liste haben sollte.
„Mach ich", nicke ich und wende mich dem Laden zu. Dort bekommen wir wirklich fast alles: das Kurierkraut, die restlichen Beeren und die Blume, sowie die Krallen, den Fangzahn, das grüne Gel, das Auffallende Objekt, Tierkot. Gerade als ich das Quellwasser kaufen wollte, spüre ich Fizz Haare an meinem Hals und sie flüstert mir ins Ohr:
„Quellwasser würde ich nicht kaufen – das kann man überall finden!"
Ich nicke dankbar und bezahle die andere Ware. Jetzt fehlt uns nur noch 11x Quellwasser, 1x Blauer Stein und 2x Gelber Stein. Das Wasser wird wohl kein Problem sein – aber die Steine? Wie sollen wir nur so viel Geld bekommen? Ich erläutere Fizz meine Sorgen und sie weiß die Lösung.
„Das ist ganz einfach", lacht sie fröhlich. „Als Alchemist gehört es dazu, möglichst viele Zutaten zu sammeln, verschiedene Blumen, Beeren, alles, was man finden kann. Selten jedoch braucht man all diese Sachen, also kann man den Rest ganz einfach verkaufen. Es gibt genügend Leute, die zu faul sind, Löwenzahn, etc. zu sammeln und es stattdessen lieber kaufen. Je seltener eine Sache, desto teurer wird sie auch. Also sammelt nicht nur Löwenzahn – den gibt's wie Sand am Meer hier." Sie grinst mich zufrieden an.
Ich grinse dankbar zurück. „Was sollte ich nur ohne dich tun", sage ich und bedanke mich herzlich.
„Keine Ursache", erwidert sie bescheiden. „Ich helfe gerne."
Wir verabschieden uns von ihr und gehen weiter in den Osten von Castele.
„Du warst eben ausgesprochen ruhig", merke ich an und betrachte den Schmetterling auf meiner Schulter besorgt. „Alles in Ordnung bei dir?"
„Ja, ja", erwidert Flutter so unbeschwert wie immer. „Aber ihr habt euch so schön unterhalten, da dachte ich mir nur, ich stör mal lieber nicht."
„Du störst doch nicht!", entgegne ich sofort. „Ohne dich würde mich doch niemand zweimal ansehen, geschweige denn Freundschaft mit mir schließen." Dafür bin ich zu ruhig, zu langweilig, zu verschlossen.
„Ach was", schnaubt sie. „Du bist das coolste und mutigste Mädchen, das ich kenne!"
Ich lache kurz darüber, beende aber die Diskussion. Sie war viel zu lieb, um das Schlechte in den Menschen zu sehen.
Als wir Ost-Castele erreichen, bin ich gespannt, was wir hier alles finden und entdecken werden. Es sieht ähnlich aus wie Süd-Castele, mit den grünen Wiesen und Bäumen (wie Süd-Castele liegt es auch außerhalb der Stadtmauern), nur dass es hier noch ruhiger zugeht und keine Saatfelder zu sehen sind. Dafür finden wir ein paar Milchkühe, die uns Milch geben, und viele andere Kleinigkeiten (Blumen, Beeren, Gräser, etc.). Wir sammeln einfach alles ein, was wir finden können, um es später verkaufen zu können. Kleinvieh macht auch Mist.
Sogar ein kleines Wäldchen entdecken wir, das uns mit Holz und Pilzen versorgt; und auch eine Mine – in der wir leider auch Heilkraut und Kupfer finden… Nächstes Mal müssen wir wohl zuerst suchen und sammeln und dann erst einkaufen gehen…
Wir machen den Bogen nach Süd-Castele, wo wir weitere Blumen und Schafsfell finden. Ich erinnere mich an den Wasserfall, wo wir Fizz das erste Mal begegnet sind. Ob dies wohl einer der Orte ist, wo man Quellwasser finden kann? Tatsächlich versorgt der Wasserfall uns mir ein paar Einheiten, später finden wir noch weitere Quellen und Brunnen, die wir nutzen können, um genügend Quellwasser zur Verfügung zu haben.
Weiter geht es nach West-Castele, wo das allgemeine Sammeln weitergeht.
„Castele ist wirklich schön, findest du nicht auch?", meint Flutter irgendwann.
Ich nicke. Überall Wiesen und Bäche, bunte Blumen und sichere Stadtmauern. „Kein Wunder, dass die Leute hier so glücklich sind."
Im Einkaufsviertel klappern wir die verschiedenen Läden ab und verkaufen alles, was wir nicht mehr benötigen (zum Glück, da meine Tasche langsam unerträglich schwer geworden ist). Sogar Fizz' Aal bringen wir an den Mann, aber wir bekommen ja immer bei Pam Abendbrot. Ich hoffe nur, dass Fizz es nie erfährt… Schließlich überlege ich sogar, meine alte Kleidung zu verkaufen, da ich nun ja in Alchemistenrobe herumlaufe, aber Flutter bremst mich und meint, dass es gut ist, einmal Wechselkleidung im Schrank zu haben, falls meine gewaschen werden muss oder kaputtgeht oder oder.
Ich nicke dankbar für ihre Weitsicht und verkaufe meine Kleidung nicht.
Wir haben nun so viel Geld, dass wir uns im Handwerkerviertel die beiden Gelben Steine leisten können, doch für den Blauen fehlen uns noch über 200 Dosh!
„Und was machen wir nun?", frage ich und sehe hinauf in den rosafarbenen Abendhimmel. „Es dämmert schon." Man könnte natürlich auch einfach morgen weiter sammeln und suchen und verkaufen, doch ich habe den Ehrgeiz an mich selbst, meine Sache so gut und auch so schnell wie möglich zu machen. Ich habe es mir heute Morgen vorgenommen gehabt und dann will ich es jetzt auch zu Ende bringen!
„Wie wär's denn", überlegt Flutter, „wenn wir erstmal anfangen zu brauen und dann die Tränke, die wir nicht mehr brauchen, verkaufen?"
Ich starre sie einen Moment erstaunt an. „Du bist genial, Flutter!", meine ich schließlich und der kleine Schmetterling scheint zu leuchten vor Freude.
Wir gehen zurück zur Bibliothek und ins Labor, wo ich mir alle Zutaten zurechtlege, meinen Kolben heraushole – und endlich beginne, wie eine richtige Alchemistin zu arbeiten. Es brodelt und köchelt und ich bin so konzentriert, wie es nur geht. Alles läuft wie am Schnürchen, bis mir auf einmal etwas auffällt.
„Verdammt!", rufe ich und lese mir noch einmal die Liste mit den Aufträgen durch.
„Was ist los?", will Flutter wissen, die sich die Zeit damit vertrieben hat, das Labor genauer zu erforschen.
„Ich hab mich verlesen", jammere ich. „Ich brauche pro Ausdauertrank 2x Vitalkraut! Das heißt, mir fehlen nun 3…" Ich seufze schwer – solche Dinge stören mich gewaltig, besonders wenn es mir so wichtig ist, meine Arbeit perfekt zu machen.
„Dann müssen wir die restlichen Kräuter eben nachher nachkaufen", erwidert Flutter beruhigend und ihre Flügel streichen tröstend über meine Wange.
Ich nicke ein paar Mal und begebe mich wieder an den Kolben. „Danke", murmele ich nach einer Weile.
„Keine Ursache."
Der Rest funktioniert weiterhin wunderbar und ein Trank nach dem anderen, die Gegenmittel, Bomben und andere Gegenstände werden fertiggestellt.
Beaker gibt mir zwischendurch den Tipp, dass, wenn ich eine gute Mini-Bombe herstelle, sie auch für den Auftrag für eine normale Bombe zählt. Somit kann ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und Zutaten und Zeit sparen.
Nun gebe ich noch mehr mein Bestes – und erstelle eine gute Bombe. Wir brauchen ja das Geld.
Erneut schaue ich auf meine Liste. „Ich werd verrückt", murmele ich. „2x Lederband fehlt mir auch noch." Ich atme tief ein und aus, um nicht wütend auf mich selbst zu werden. Das nächste Mal muss ich aber wirklich genauer arbeiten!
In diesem Moment kommt Professor Flamel herein. „Na, wie geht's voran?", fragt er gutmütig.
Ich zeige ihm nervös meine Ergebnisse und er betrachtet sie prüfend.
„Hmm, hmm, hmm", macht er nickend. Dann auf einmal springt er auf und ruft: „Genug!"
Erschrocken blicke ich ihn an. Genug? Genug wovon? Bin ich so schlecht, dass ich keine Alchimistin mehr sein darf?
Doch er erklärt schnell, dass meine Arbeit so gut ist, dass er mich schon zu einem Lehrling machen kann, obwohl mir noch ein paar Punkte von der Liste fehlen.
Ich bin überglücklich und jubele zusammen mit Flutter, die aufgeregt um meinen Kopf herumfliegt.
„Ja, ja", brummt der Professor und wir beruhigen uns wieder. Er gibt mir eine neue Liste mit Rezepten, die ich nun herstellen darf und kann, und ich überfliege sie übermütig. „Hast du eigentlich schon einen jungen Alchemisten namens Petri kennengelernt?", fragt er mich plötzlich.
Ich schüttele mit dem Kopf.
„Naja, vielleicht bald. Ein wirklich netter Junge, treibt sich oft in Port Puerto herum."
Ich nicke kurz und nehme mir vor, ihn ausfindig zu machen und mit ihm zu sprechen, wenn ich jemals nach Port Puerto kommen. Vielleicht kennt Fizz ihn ja?
Zur Belohnung für meinen nächsten Rang schenkt Beaker mir einen Lebenstrank. „Ich hoffe nicht, dass du ihn brauchen wirst", sagt er ernst. „Aber für den Notfall…"
„Danke", lächele ich ehrlich. Es bedeutet mir viel, dass er so an mich denkt.
„Und was machen wir als nächstes?", will Flutter schließlich wissen.
Obwohl ich eine Liste an neuen Aufgaben zur Verfügung habe und sofort mit ihr anfangen könnte, will ich zuerst meine alten Aufträge abschließen. In meinen Augen muss man erst das eine Projekt abgeschlossen haben, bevor man ein neues beginnen darf. „Lass uns zum Marktplatz gehen und alles Unnötige verkaufen."
Der Schmetterling nickt und setzt sich wieder auf meinen Hals. Draußen ist die Dämmerung schon weit vorangeschritten; kein Wunder, dass sie langsam müde wird.
Bei den Händlern auf dem Marktplatz können wir gut das meiste unserer gerade neu angefertigten Sachen verkaufen. Teilweise erzielen unsere Werke sogar hohe Preise; besonders die Brille kann teuer verkauft werden! Am Ende besitze ich plötzlich so viel Geld wie noch nie zuvor in meinem ganzen Leben: über 3000 Dosh! „Das reicht auf jeden Fall für die restlichen Zutaten", sage ich und gehe zum Handwerkerviertel.
Flutter scheint ebenso geschockt zu sein wie ich über unseren plötzlichen Geldsegen; so still habe ich sie bisher selten erlebt.
Bei den Handwerkern kaufen wir endlich den Blauen Stein, das restliche Vitalkraut und das Lederband. Auf dem Rückweg treffen wir erneut auf Fizz.
„Und habt ihr alles zusammenbekommen?", fragt sie grinsend.
Ich nicke. „Danke für deinen Tipp mit dem Verkaufen."
„Sylva ist zum Lehrling aufgestiegen!", ruft Flutter auf einmal – ich habe schon geglaubt, sie wäre eingeschlafen…
„Flutter!", zische ich und werde rot. Ich mag es nicht zu prahlen.
Aber Fizz scheint das nicht zu stören. Stattdessen jubelt sie laut und umarmt mich erneut. „Herzlichen Glückwunsch! Muss wohl ein neuer Rekord sein – du hast doch erst heute damit angefangen!"
Ich bedanke mich peinlich berührt für ihr Lob und will am liebsten schnell weiter – so viel Rummel bekommt mir nicht.
„Hast du eigentlich schon dein Spezialgebiet gefunden?", fragt sie dann.
„Spezialgebiet?"
„Na, so wie Flamel am liebsten Bomben macht."
„Ach so, nein, noch nicht."
„Das wirst du bestimmt schon bald feststellen. Meins ist Accessoires. Weißt du, wie man bessere Ringe herstellt?"
Ich verneine.
„Werde besser in Alchemie", lacht sie.
Ich blinzele kurz verdutzt, dann lache ich mit. Diese Seite kenne ich von Fizz noch gar nicht, aber sie gefällt mir.
Wir verabschieden uns von ihr und gehen zurück zum Labor.
„Musstest du ihr das sofort erzählen?", zische ich Flutter zu, als wir außer Hörweite sind.
„Wieso denn nicht?" Ich stelle mir vor, wie der Schmetterling mit den Schultern zuckt. „Sie hätte es doch sowieso bald erfahren."
Ich erwidere nichts; ich habe gerade keine Lust zu diskutieren.
Im Labor erstelle ich schnell noch die restlichen Tränke und Gegenstände von der alten Liste und tausche schließlich den Wissenschaftskolben gegen meinen aus, da er besser ist. Jetzt kann ich mit etwas brauen, das ich selbst hergestellt habe!
Zum Schluss zeige ich meine neuesten Werke Professor Flamel, der in einer Ecke sitzt und in einem dicken Buch liest.
Er nickt sie ab, scheint zufrieden zu sein, und wir wünschen ihm und Beaker eine Gute Nacht.
Als wir Pams Haus erreichen, ist es schon dunkel draußen. Wir essen mit ihr zu Abendbrot und Flutter erzählt aufgeregt, was wir heute alles erlebt haben; offenbar hat sie ihre Kraftreserven in den letzten zwei Stunden wieder ein wenig aufgetankt… Wenn ich nur so viel Energie zur Verfügung hätte…
Oben in meinem Zimmer verfasse ich noch schnell einen Brief an meine Mutter und meinen Bruder, berichte ihnen von meinen ersten Tagen in Castele und dass ich schon aufgestiegen bin. Darauf habe ich gewartet, da ich ihnen erst schreiben wollte, wenn ich den nächsten Rang erreicht habe, um etwas vorzeigen zu können. Auch von Flutter und Fizz berichte ich, damit sie sich keine Sorge um mich machen müssen. Und dass ich sie vermisse…
„Ich bring kurz den Brief zum Briefkasten", teile ich Flutter mit.
„Bis gleich", murmelt sie. Sie liegt schon auf dem Kissen und als ich von der Post wiederkomme, ist sie bereits eingeschlafen.
Es ist wirklich ein aufregender Tag gewesen.
