Anm: Ja, dieses Kapitel ist wieder ein Stück länger ... Ich habe versucht, diese ganze Rose/Scorpius Sache in Gang zu bringen, keine Ahnung wie's zu lesen ist. ):
Und biiiitte review!
Kapitel 6: Du kannst tanzen?
Das Waschbecken versank in der Wand und gab das Ende eines großen Rohres frei, das wie eine Rutschbahn in die Tiefe führte.
Rose schlüpfte ohne zu zögern in die Röhre und verschwand in der Dunkelheit.
Das Rohr machte mehrere Biegungen, andere Rohre zweigten sich von diesem ab, ein stetiges Rauschen von Wasser war zu hören.
Schließlich lief das Rohr aus und Rose erhob sich. Sie ging einen Tunnel entlang, ihr Blick zielstrebig nach vorne gerichtet, sie wusste genau was sie zu tun hatte. Die Tierknochen, mit denen der Boden übersäht war, knirschten unangenehm als sie darauf trat.
Vor sich sah sie den Tunnel eingestürzt, ein Schlupfloch war jedoch freigelegt worden. Sie kletterte hindurch. Der Weg setzte sich fort. Sie hatte ihr Zeitgefühl verloren und ging immer weiter, bis sie an eine Wand stieß in die zwei Schlangen mit smaragdroten Augen eingemeißelt waren.
„Öffnet."
Und sie taten es. Der Spalt den sie freigaben führte Rose in eine hohe Kammer, riesige Säulen, um die sich steinerne Schlangen wanden, ragten empor bis zur Decke. Ihre Schritte hallten in der Kammer wider, als sie weiter in die Mitte ging. Das Rauschen war hier lauter.
Sie stand regungslos in der Mitte des Raumes und lauschte.
Je länger sie zuhörte, desto lauter wurde auch das Rauschen, es toste in ihren Ohren als stünde sie in einem Wasserfall und sie fühlte es, sah es und roch es. Wellen brachen über ihr, sie ließ sich Treiben, es verlieh ihr ein Gefühl von Sicherheit. Sie musste einfach dem Strom folgen.
Das Wasser schien ihr so lebendig, als wäre sie Teil davon. „...Du bist so nah..." Es sprach zu ihr. „...hier. Du bist hier ...so nah" Nah woran? Sie spürte ihre Füße tief unter sich. Ihre Hände. Sie bewegte sie.
Und plötzlich hörte das Rauschen auf, einen kurzen Moment setzte ihr Herz aus.
Was zur Hölle tat sie hier?
Panik stieg in ihr auf, ihr Herz klopfte jetzt viel zu schnell. Sie sah sich um. Die Schlangensäulen schienen sie anzustarren. Angst überkam sie. Sie musste hier weg, und zwar schnell. Ihre Füße begannen zu rennen bevor sie darüber nachdenken konnte, was sie tat. Sie rannte, rannte durch den Spalt und den Tunnel entlang.
Eine Kurve, noch eine. Unendlich viele Kurven und Windungen. War der Weg so lange gewesen, als sie hierher gekommen war? Ihr Atem wurde schwer, doch die Angst verlieh ihr Kraft und sie rannte weiter. Tränen stiegen ihr in die Augen. Wieso? Wieso war sie hierher gekommen.
Jetzt stand sie vor der Rutsche. Sie kletterte hoch, noch war es nicht zu steil. Ihre Finger suchten Halt an den Wänden und sie kletterte aufwärts. Es wurde immer steiler, verzweifelt bemerkte sie wie sie langsam abrutschte. Tränen flossen ihr das Gesicht hinunter. Das konnte doch nicht wahr sein. Es durfte nicht wahr sein. Einfach ein böser Traum. Das ganze war doch absurd. Ihre Finger waren aufgeschürft, sie kam nicht mehr weiter.
Doch kein Traum.
Sie musste weiter!
Ihr Körper war eiskalt und verschwitzt, doch das war ihr egal. Sie klammerte sich an jeden kleinen Vorsprung, den sieh sah. Langsam kam sie vorwärts. Finger und Kniee begannen zu bluten.
Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit. Sie würde an Erschöpfung sterben bevor sie oben ankam. Trotzdem kroch sie weiter, Meter für Meter.
Irgendwann, es fühlte sich an als wären es Stunden gewesen, erblickte sie ein Licht in der Ferne.
Es kam immer näher, und schließlich, völlig erschöpft, kletterte sie aus der Röhre und ließ sich auf den kalten Fliesenboden fallen. Sie begann wieder zu weinen, diesmal vor Erleichterung. Das war der gemütlichste Boden der Welt. Sie schloss die Augen.
Plötzlich fuhr etwas Eiskaltes durch sie hindurch. Sie riss die Augen wieder auf. Myrte schwebte vor ihr und starrte sie an.
„Du bist es also diesmal", und ehrliches Mitleid spiegelte sich in den großen Augen hinter den Brillen.
Rose sah sie verwirrt an. Was war sie?
„Ich schlage vor, du gehst in deinen Schlafsaal. Hier ist nicht ein sehr angenehmer Ort zu schlafen.", sagte sie jetzt sachlich und schwebte davon.
Rose seufzte. Vermutlich hatte Myrte Recht. Sie erhob sich mühsam und verließ die Toilette.
Ihr ganzer Körper schmerzte und ihre Hände und Kniee brannten.
Die Fette Dame starrte sie entgeistert an, als sie das Passwort sagte und sich in ihren Waschraum schleppte.
Sie stellte sich unter die Dusche und ließ warmes Wasser über ihren Körper laufen. Dreck und Blut flossen in den Ausguss und sie drehte das Wasser erst ab, als sie sich sauber fühlte.
Rose fiel in ihr Bett und schlief ein.
Langsam öffnete sie die Augen. Die Sonne schien in ihr Gesicht und blendete sie leicht. Sie seufzte. Was für ein absurder Traum.
Sie hob die Hand um sich vor der Sonne zu schützen und sah die aufgekratzten Finger und Handflächen.
Kein Traum! Die Erkenntnis traf sie wie ein riesiger Hammer auf dem Kopf ‚ha doch kein Traum!'
Die Schlafsaaltür ging auf und Sara stürmte herein. Als sie sah, dass Rose wach war rief sie laut und fröhlich:
„Guten Mooooooorgen!", und ging zu Roses Bett.
Hastig ließ diese ihre Hände unter die Decke gleiten.
„Morgen", sagte sie.
„Willst du nicht aufstehen? Es gibt bald Mittagessen."
Rose warf einen Blick zu ihrem Kanarienwecker. „Elf Uhr fünfundvierzig."
Tatsächlich. „Oh, also ... Ich zieh mich nur schnell an und komm dann runter, klar?", sagte sie und rang sich ein Lächeln ab.
„Stimmt was nicht?", fragte Sara und sah sie scharf an.
Rose sah nervös weg. „Was sollte nicht stimmen? Alles in Ordnung!", sagte sie so überzeugend sie konnte.
Sara sah sie noch kurz an und stand dann mit einem Schulterzucken auf.
„Also, Al und ich warten unten, ja?"
Rose nickte und Sara verließ den Schlafsaal.
Eilig stieg Rose aus dem Bett und durchsuchte ihre Schulsachen. Sie blätterte in einem Buch und fand schließlich was sie suchte:
Einen Heilzauber.
Schnell heilte sie ihre Aufschürfungen und zog sich dann an.
Der Tag verging sehr schnell. Weil das Wetter so schön war gingen die drei Freunde nach dem Mittagessen spazieren. Al hatte die Idee, Rose fliegen zu lassen und gemeinsam mit Sara zwang er sie auf einen Besen.
Rose hatte nie das Bedürfnis gehabt, fliegen zu lernen, der Lehrerin hatte sie erzählt, sie hätte Höhenangst.
Unsicher setzte sie sich auf den Besenstiel und stieß sich, wie von Al befohlen, vom Boden ab.
Sie sauste in die Luft und nach einem Moment des Schreckens fand sie ihr Gleichgewicht und flog höher.
Die kühle Luft wehte ihr ins Gesicht und durch ihr Haar und sie fühlte sich, als würden ihre ganzen Sorgen einfach zurückbleiben, wo immer sie gerade vorhin noch gewesen war; sie wollte nicht anhalten. Sie fragte sich, warum sie nie einen Besen besteigen hatte wollen; es war großartig!
Von unten hörte sie Pfiffe und als sie hinunterblickte, sah sie Al und Sara begeistert klatschen und ihr zuwinken.
Rose sank hinab und landete neben ihren Freunden.
„Wow!", sagte Al.
„Warum wolltest du nie fliegen? Du bist ein Naturtalent!", sagte Sara strahlend.
Verlegen aber auch ein wenig stolz meinte Rose lachend:
„Besser zu spät als nie!"
Sie übten noch alle möglichen Flugmanöver, die Rose sich anfangs nicht zutraute, aus Angst von ihrem Besen zu fallen, aber nach mehreren Anläufen dann doch schaffte. Ehe sie sich's versahen, war es Zeit für das Abendessen und Rose ging glücklich mit Al und Sara zum Schloss hinauf, die Ereignisse der Nacht für einen Moment verdrängt.
Rose trat in das Klassenzimmer, doch Ella war noch nicht da.
Sie begann sich aufzuwärmen und einige Übungen zu machen.
Nach einer viertel Stunde war Ella noch immer nicht da und Rose übte ihre Choreographie.
Eine Stelle wollte ihr einfach nicht gelingen. Dabei musste sie mit dem linken Fuß abspringen, den rechten Fuß so weit wie möglich heben, sich in der Luft umdrehen, mit dem linken Fuß landen, während der rechte noch in der Luft war, eine Pirouette Attitude folgte unmittelbar darauf.
Der Sprung gelang ihr, aber bei der Pirouette verlor sie jedes Mal das Gleichgewicht.
Frustriert versuchte sie es immer und immer wieder.
Sie setzte gerade ein weiteres Mal zum Sprung an, als eine Stimme hinter ihr sagte:
„Du musst den Rücken weiter nach hinten ziehen und das Bein höher heben, dann bekommst du mehr Schwung."
Sie drehte sich um.
Malfoy lehnte im Türrahmen, die Arme verschränkt, und beobachtete sie interessiert.
Sie starrte ihn überrascht an.
Seit wann sah er ihr zu?
„Wie lange stehst du da schon?", fragte sie mit einem Anflug von Ärger.
„Ein paar Minuten", sagte er kein bisschen verlegen und sie lächelte schief an.
Sie wollte ihm gerade sagen, er solle gefälligst abhauen, als ihr dämmerte, WAS er vorhin gesagt hatte.
„Du ... du kannst tanzen?", fragte sie verwirrt.
Er zuckte mit den Schultern und betrat das Klassenzimmer. Er kam auf sie zu und stellte sich neben sie, dann sagte er:
„Versuch's noch mal. Und stopp nach dem Sprung."
Sie war so überrumpelt, dass sie sofort tat, was er gesagt hatte.
Sie sprang und als sie landete nahm Malfoy sie locker aber sicher an der Schulter und hielt sie fest.
„Nicht nach vorne fallen lassen", sagte er leise neben ihr. Er strich sich mit einer Hand seine Haare aus den Augen und nahm dann ihre linke Hand. Was tat er da? Und wieso, um Himmels willen, konnte er tanzen!?
Er ließ sie los.
„Und jetzt die Pirouette."
Sie konzentrierte sich und drehte. Einmal, zweimal, drei ... sie begann gefährlich zu schwanken und stoppte. Ein bisschen zu spät allerdings und mir viel überschüssigem Schwung stolperte sie.
Wie in Zeitlupe sah sie den Boden näher kommen. Malfoy reagierte schnell und streckte seine Arme aus, um sie zu fangen.
Rose war so überrascht, dass sie zurückzuckte, sie zog ihn zur Seite, beide verloren das Gleichgewicht und fielen zu Boden.
Rose landete weich – auf Malfoy.
Sie lag in seinen Armen und konnte nicht umhin festzustellen, dass er ausgesprochen gut gebaut war.
Im nächsten Moment wurde sie sich der Situation und ihrer Gedanken bewusst. Das Blut schoss ihr in den Kopf und sie lief tiefrot an.
Hastig sprang sie auf.
„Es tut mir leid!", beteuerte sie. „War keine Absicht, echt nicht. O Gott, wie peinlich."
Mussten ihr immer in seiner Gegenwart Missgeschicke passieren? Und warum lief sie ständig rot an!
Malfoy lachte leise und stand ebenfalls auf.
„Kein Problem."
Sie schwiegen sich einige Sekunden an.
„Woher kannst du tanzen?", fragte sie neugierig.
„Mein Vater hat mich dazu gezwungen, er meint, das gehört sich für einen Mann meines Standes.", meinte er mit einer Grimasse, die darauf schließen ließ, dass er nicht ganz damit einverstanden war.
„Du tanzt gut?", fragte sie und sah ihn abschätzend an.
„Soll ich's dir beweisen?" Er lächelte sie herausfordernd an, und bevor sie darauf antworten konnte, hatte er eine Hand auf ihr Schulterblatt gelegt und ihre freie Hand in seine andere genommen; er zog sie zu sich.
Sein Griff war fest, aber nicht unangenehm. Rose sah überrascht zu ihm auf. Einen Moment lang blickten sie sich in die Augen und Rose fühlte ein seltsames Kribbeln im Bauch. Dann begann er zu tanzen. Und wie er tanzte!
Er wirbelte sie durch das Klassenzimmer, es war mehr schweben als tanzen, eine einzige fließende Bewegung. Sie brauchte keine Musik zu hören, sie fühlte sie. Sie warf ihm einen Seitenblick zu, und bemerkte, dass er sie beobachtete. Er lächelte. Ihr Herz begann leicht zu klopfen. Wieso sah er sie so an?
Jemand klatschte.
Die beiden blieben abrupt stehen und drehten sich zur Türe. Ella stand dort und strahlte sie an.
„Fantastisch, das war fantastisch!", rief sie. „Entschuldige meine Verspätung Rose, meine Schwester hat gerade ihr drittes Kind bekommen! Ein unglaublich süßes, kleines Ding."
Sie blickte verzückt drein.
„Wie auch immer! Wieso hast du mir nie gesagt, dass dein Freund so großartig tanzen kann!", sagte sie und blickte Rose mit gespielter Empörung an.
Rose lief wieder rot an und sprang sofort einen Meter zurück, dann meinte sie schnell: „Er ist nicht mein Freund!"
„Ja, wir kennen uns kaum.", bestätigte Malfoy eilig.
Ella sah sie zweifelnd an, aber sagte nichts weiter dazu. Stattdessen wandte sie sich an Malfoy.
„Möchtest du nicht mit Rose zusammen tanzen? Ich wusste irgendetwas fehlt an dem Tanz! Ihr seid das perfekte Tanzpaar, ich sehe es genau vor mir ...", sie begann gedankenverloren und mit verträumten Augen vor sich hinzumurmeln.
Nach einigen Sekunden unterbrach sie sich selbst und sagte: „Und? Machst du mit?"
„Äh ...", machte Malfoy, etwas überrumpelt. „Ich weiß nicht ..."
Er sah Rose unsicher an.
„Wunderbar!", rief Ella erfreut. „Jeden Mittwoch und Sonntag um halb acht in diesem Klassenzimmer! Entschuldigt, wenn ich so unhöflich bin und gleich wieder gehe, aber ich habe meine Schwester versprochen auf ihre anderen Kinder aufzupassen. Bis Mittwoch ihr beiden!"
Und sie fing mit federnden Schritten aus dem Klassenraum.
Rose und Malfoy starrten sich an.
„Tut mir leid, dass sie dich so überrumpelt hat.", sagte Rose.
„Nein, das ... also, stört es dich?", fragte er.
„Oh, ähm, nein, ich denke nicht. Nein."
Sie sahen sich wieder an und gingen dann beide gleichzeitig zur Türe. Am Gang sagte Malfoy:
„Also dann ... bis Mittwoch", und ging nach rechts.
Rose bemerkte, dass sie leicht enttäuscht war, ihn fort gehen zu sehen. Sie wandte sich nach links und ging zurück in ihren Schlafsaal.
In der Nacht hatte Rose denselben Traum wie so oft in letzter Zeit gehabt: Der See, dunkles, trübes Wasser, dann dieses Mädchen – war sie tot? – und die Hand, die nach ihm griff. Rose versuchte die Ereignisse in der Kammer zu vergessen, aber die Bilder drängten sich ihr bei jedem unaufmerksamen Moment auf. Sie war während den Stunden unkonzentriert und sogar Slughorn mahnte sie zur Aufmerksamkeit.
In der Mittagspause wurde sie von ihren Freunden belagert und sie gab sich beste Mühe, sich nichts anmerken zu lassen.
Am Dienstag bekam sie einen Brief von ihren Eltern, dass sie ein Auge auf Hugo behalten sollte.
Dienstag vor dem Mittagessen wurde es ihr zu viel und sie beschloss das Mittagessen ausfallen zu lassen und stattdessen zu ihrem Lieblingsplatz am See zu gehen.
Die Luft roch nach Kälte, obwohl die Sonne schien. Rose ging durch das feuchte Gras und sog sie tief ein. Sofort fühlte sie sich ein bisschen besser. Kein Mensch weit und breit, alle waren in der Großen Halle. Sie schob ein paar Zweige zur Seite und zwängte sich durch das Gestrüpp – und da war sie. Es war wie ein kleines Versteck: Über ihr eine Trauerweide, deren Äste weit vor bis in den See ragten und ein Blätterdach bildeten. Die Sonne schien durch die Äste und obwohl sie selbst hier nicht gesehen werden konnte, sah sie über den See bis zum Eingang vom Schloss. Sie setzte sich auf ein sonniges Plätzchen und schloss die Augen. Sofort erschienen die Bilder aus ihrem letzten Traum doch sie zwang sich diesmal, nicht weg zu sehen. Dieses Mädchen – es sah ihr so ähnlich. Es konnte unmöglich eine Vision sein, oder nicht? Alles war verschwommen und düster in dem See. Ein leichter Wind wehte ihr ins Gesicht und sie fröstelte.
„Hallo."
Sie erschrak und riss ihre Augen auf.
Malfoy trat neben sie. Er sah von oben zu ihr herab, seine blonden Haare glitzerten im Sonnenlicht und seine dunkelblauen Augen schienen zu leuchten. Er erschien ihr unwirklich in ihrem kleinen Versteck.
Verlegen sagte sie:
„Oh. Hallo. Was ... machst du hier?"
Er zuckte die Schultern.
„Bist du mir gefolgt?", fragte sie und runzelte ärgerlich die Stirn.
„Vielleicht", sagte er und lächelte ohne die geringste Spur von Verlegenheit.
Rose wusste nicht, was sie darauf sagen sollte und wandte ihren Blick ab.
Malfoy ließ sich neben ihr auf den Boden gleiten.
„Was machst du hier?", stellte er ihr dieselbe Frage.
Jetzt war es an Rose die Schultern zu zucken ihren Blick auf den Boden gerichtet murmelte sie: „Nachdenken. Bisschen Abstand von ... allem."
Er nickte nur und sagte nichts darauf. Rose betrachtete ihn von der Seite. Wieso war er so nett zu ihr? Sie waren nie direkt Feinde gewesen, so wie ihre Eltern, aber gut ausgekommen waren sie nicht miteinander. Die Ansichten der Malfoys über Muggelgeborene oder ‚Blutsverräter', wie sie sie nannten, waren kein Geheimnis. Wieso also war er so nett zu ihr?
Er sah sie fragend an.
Rose lief leicht rosa an, als sie merkte, dass sie ihn angestarrt hatte.
„Ich ... finde es nur seltsam dass ... du so bist. Ich meine, ich bin eine Weasley. Und du ... ein Malfoy."
Er lächelte gequält. „Ich weiß, was deine Familie über uns denkt. Es ist wohl auch wahr. Meine Eltern halten nicht viel von Muggelgeborenen oder Halbblütern."
Er spielte mit einem kleinen Ast und malte Muster in die Erde.
„Aber es ist ... ich weiß nicht, kein großes Thema bei uns. Wir reden nicht viel darüber. Natürlich habe ich es mitbekommen. Kleine Bemerkungen und wie er mit ihnen umgeht ... aber dann bin ich hierher gekommen. Irgendwann beginnt man selbst zu denken, oder?"
Er blickte nachdenklich über den See. „Und man hinterfragt Dinge. Wieso sollten Muggelgeborene Hexen und Zauberer etwas schlechteres sein wenn sie doch offensichtlich genauso gut zaubern können wie Reinblüter? Mein Vater hat mich nie zu seinen Ansichten gezwungen. Seine Familie ist ihm wichtig, Politik und all das ist wohl mit dem Dunklen Lord für ihn gestorben."
Ein warmes Gefühl breitete sich in Rose aus. Er war nicht so kindisch wie früher. Beschämt bemerkte, dass sie nie darüber nachgedacht hatte, ob man Scorpius hassen sollte, nur weil er ein Malfoy war.
„Das heißt, du hast nichts gegen mich?", fragte Rose unsicher.
Er drehte seinen Kopf und sah ihr in die Augen. „Wonach sieht es aus?"
Einen Moment sagte keiner von beiden etwas, sie sahen sich nur an. Wieder bemerkte Rose, wie sehr man sich in seinen Augen verlieren konnte. Schließlich unterbrach er den Blickkontakt und sah auf den Boden vor seinen Füßen.
„Weasley, ich weiß, dass "
„Rose."
Sie hatte es gesagt, ohne darüber nachzudenken und war selbst überrascht. Malfoy wohl auch, er sah blitzschnell auf.
„Du ... kannst mich Rose nennen."
Er lächelte amüsiert. „Scip", sagte er und hielt ihr seine Hand hin.
Sie lächelte auch und nahm sie. Seine Haare fielen ihm ins Gesicht und er strich sie mit seiner anderen Hand aus den Augen. Da waren sie wieder, die Augen. Sie sahen sich an und Rose vergaß alles um sie herum, sah nur noch seine dunkelblauen Augen. Diesmal funkelten sie vergnügt.
„Kannst du hypnotisieren?", fragte sie flüsternd. Er lachte leise auf.
Ein plötzliches Donnern unterbrach sie. Beide sahen gleichzeitig zum Himmel. Graue Wolken hatten sich gebildet und in dem Moment fiel ein Regentropfen auf Roses Nase. Dann ein zweiter. Und dritter. Es wurden immer mehr und der Regen prasselte auf sie nieder. Scip sprang auf und zog sie hoch. Die eine Hand vor dem Gesicht, um sich vor dem Regen zu schützen rannten sie Hand in Hand durch das Gebüsch und Richtung Schloss.
Atemlos kamen sie in der Eingangshalle an und blickten sich lachend an. Das Tor zur großen Halle öffnete sich und blitzschnell ließen sie ihre Hände los und sprangen auseinander. Rose wusste nicht wieso sie es getan hatte. Mit ihm Hand in Hand in der Eingangshalle zu stehen war ihr vorgekommen wie etwas Verbotenes. Chang kam auf Scorpius zu und warf ihr im Vorbeigehen einen giftigen Blick zu. Rose nickte ihm kurz zu und ging dann die Stufen hoch.
Was war das eben gewesen? Nach so vielen Jahren in denen sie von allen Malfoys nur Schlechtes gedacht hatte bemerkte sie plötzlich dass sie alles andere als schrecklich waren. Zu mindest Scip war es nicht. Sie hatte sich sofort an den Namen gewöhnt. Vielleicht weil er ihr wie eine neue Person vorkam, nicht Malfoy, den sie jahrelang wenn möglich vermieden hatte. Sie seufzte verwirrt. Im ersten Stock ging sie an der Gedenktafel vorbei. Die war nach dem Kampf in Hogwarts für alle Gefallenen errichtet worden. Jeden Tag erschien ein Zitat von einem der Verstorbenen.
Versuch nie, dich zu durchschauen - Nymphadora Tonks
‚Wie wahr', dachte Rose und stieg die Treppe in den zweiten Stock hinauf.
