Harry konnte sich den ganzen Vormittag über überhaupt nicht auf den Unterricht konzentrieren. Immer wieder musste er daran denken wie er seinem Vater gegenüber gestanden war. Nie hätte er damit gerechnet ihn lebendig zu sehen, geschweige denn in dem Alter von 16 Jahren. Er hatte sich seinen Vater immer etwas anders vorgestellt. Zwar wusste er, dass er ein Draufgänger war, aber dass er so einer war, hätte er nicht gedacht. Kein Wunder, dass seine Mutter nichts von ihm wollte. War ihr ja auch nicht übel zu nehmen. Nur warum alle anderen Mädchen auf ihn flogen war fraglich. Klar, er sah gut aus, war beliebt, super Quidditchspieler, aber seine Art war einfach nur kindisch.
Harrys Blick glitt zu James hinüber, der über seiner Bank im Zauberkunst Unterricht hing. Seine Arme ließ er locker baumeln und sein Kopf hing fast auf der Tischplatte. Zauberkunst war langweilig, aber wenn er so wie sein Vater da sitzen würde, hätte er sich schon lange einen Rippenstoß von Hermine oder Ron eingefangen. Sirius saß zwar aufrichtig da und hatte seine Augen geöffnet, aber auch er schien in andere Welten abgetauscht zu sein. Schon komisch seinen Paten und seinen Vater vor sich zu haben. Was der ältere Sirius dazu sagen würde? Sicherlich würde er gerne mit seinem Jüngeren-Ich ein Wörtchen reden, was er so alles zu unterlassen hätte etc. Die beiden Sirius die er kannte, unterschieden sich meilenweit von einander. Der jüngere war abenteuerlustig, frech ... der ältere dagegen eher besorgt. Ein Wandel um mehr als 90°. Was Askaban so alles aus gemacht hat? Wie sein Vater wohl wäre wenn er noch leben würde? Wäre er genauso ein Draufgänger wie mit 16? Meine Remus nicht, dass James sich verändert hätte und ein guter Familienvater geworden war.
Seufzend griff Harry nach seiner Feder und notierte ein paar wichtige Daten, die der Lehrer an die Tafel gezaubert hatte.
Lily saß nachdenklich auf ihrem Platz neben Hermine Granger. Sie hatte in der Zukunft einen Sohn mit Potter? Kaum zu fassen. Wie konnte das passieren, wie konnte sie so nachgeben? Das war doch nicht ihre Art, aber vielleicht hatte er doch etwas liebevolles an sich. Seufzend warf Lily einen Blick zu James hinüber, der fast von seinem Stuhl kippte. Die Zukunft hatte ihn auf jeden fall nicht verändert und sie würde es nicht wundern, wenn er und Sirius bald den ersten Streich spielen würden. Entweder gegen die Slytherins oder gegen Snape. Ihr Blick glitt zu Harry. Seine Augen waren eindeutig ihre, aber sonst rein vom äußeren sah er wie James aus, aber so weit wie sie es mitbekommen hatte, hatte er seinen Charakter größtenteils von ihr geerbt. Sie müsste sich mal umhören. Es war sicherlich nicht so schwer etwas über ihn und seine Freunde herauszukriegen. Hatte er eigentlich eine feste Freundin? „Hermine.", flüsterte Lily leise und das rothaarige Mädchen warf einen kurzen Blick zu ihr. Sie schüttelte kurz ihren Kopf, bevor sie sich wieder dem Unterricht widmete.
Normalerweise hätte Lily genauso reagiert, aber die Sache mit der Zukunft hatte sie verstört. Sie konnte sich zum ersten Mal nicht richtig konzentrieren. Viel zu viele Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Würden sie je zurückkommen in ihre Zeit? Was würde sich alles ändern? Vielleicht waren sie hier hergekommen um irgendeine Lehre zu lernen? Etwas was in der Zukunft nicht passieren dürfte.
Das Klingeln der Schulglocke ließ James aufschrecken. War Zauberkunst schon vorbei? Er ließ seinen Blick umher schweifen und sah wie seine Klassenkameraden die Sachen zusammenpackten. Schnell packte er seine sieben Sachen unter den Arm, schnappte Sirius seinen Arm und zusammen verließen die das Klassenzimmer. „Also hör zu, ich bin dafür, dass wir Snapes Haar nass machen und das wird dann mit Shampoo eingerieben."
„Hihi, das hatten wir doch vor paar Wochen mal angefangen zu planen oder Jamie?"
James nickte. „Und da wir die Chance haben, können wir das in der Zukunft ausüben. Ich glaube nicht, dass Schieffelus uns verdächtigen wird."
„Wohl eher deinen Sohn oder?" Sirius grinste.
„Ja, aber dass geschieht ihm Recht. Nachsitzen muss ich doch auch immer. Das liegt in der Potter Familie und Harry muss das weiterführen. Was soll ich denn sonst sagen wenn ich erfahre dass mein Sohn ein total lieber Bursche ist und keiner Fliege etwas zu leide tut. Das passt doch nicht zu mir."
„Eindeutig Evans Blut James. Ihre Gene haben sich wohl mehr auf ihn übertragen was sein Verhalten angeht. Äußerlich kommt er ja total nach dir."
„Schon, nachher haben wir Zaubertränke beim Schnieffi, bis dahin schaffen wir unseren Streich?"
Sirius nickte. „Ja, das wird ein Spaß. Zum Glück sind wir nicht eingerostet... zumindest hoffe ich das."
„Harry, ich bin mir sicher, dass James und Sirius irgendetwas aushecken. Schau mal in ihre Augen. Die funkeln so verdächtig... so sehen sie nämlich immer aus, wenn die beiden einen Streich planten. Die beiden werden sich nie verändern." Seufzend ließ sich Lily neben Harry an den Gryffindor Haustisch nieder und sie legte eine Hand auf Harrys Schulter.
„Mom, siehst du das rothaarige Mädchen, dass die ganze Zeit uns schon beobachtet?" Harry deutete mit einem Nicken zu dem Mädchen hin, dass nur ein paar Plätze von ihnen wegsaß.
„Ist das deine Freundin?"
„Nein, ist sie nicht. Noch nicht."
„Du willst was von ihr oder?"
Harry nickte. „Sie ist mir schon an ihrem ersten Tag aufgefallen. Aber ich dachte immer, dass ich so etwas wie Geschwisterliebe für sie empfinde. Sie heißt Ginny und ist die jüngere Schwester von Ron, aber jedes Mal wenn ich sie sehe bzw. mit ihr rede, schlägt mein Herz höher und ich bin total nervös. Ich weiß nicht wie ich mich dann verhalten soll"
„Harry, du bist eindeutig verliebt. Geh zu ihr hin und rede mit ihr." Lily zwinkerte ihm zu und nahm ihre Hand von seiner Schulter. „Zur Not kannst du ihr auch sicherlich sagen wer ich bin. Dann muss sie nicht eifersüchtig auf mich sein."
Den Mittag über hatte man James und Sirius nicht mehr gesehen. Sie waren wie vom Erdboden verschluckt und Lily konnte sich deutlich vorstellen was die beiden gerade trieben. Seit 6 Jahren kannte sie die beiden nun und wenn sie mal weg waren, hatte das ganze nichts gutes zu bedeuten. Wenn Remus dabei gewesen war, konnte man davon ausgehen, dass es nichts ernstes werden würde. Nur was die Beiden nun ohne Remus planten war fraglich. Inzwischen war sich Lily auch sicher wem der Streich gespielt werden sollen würde. Snape. Es war schon verwirrend einen tag zuvor noch in seiner Zeit gewesen zu sein und Severus war ein Schüler, aber ihr war er Lehrkraft. Wenn er je rausbekommen würde, dass James und Sirius hier waren, dann würde der Teufel höchstpersönlich los sein. Der Krieg zwischen ihnen würde weitergehen.
Seufzend schritt Lily neben Harry, Hermine und Ron in die Kerker. Hier hatte sich nichts verändert. Immer noch genauso düster wie zuvor, vielleicht etwas mehr mitgenommener. Die Kerker fand sie noch nie toll. Sie bevorzugte lieber die hellen Räume weiter oben. Wer weiß was für Kreaturen hier unten ihr Unwesen trieben.
Die junge Frau hörte leises Getuschel und sah, wie neben ihnen Sirius und James aufgetaucht waren. „So, da wären wir. Was steht jetzt an? Oh Zaubertränke bei Schnieffi... Sirius, dass ist doch toll oder?"
„Ja Krone, total! Ich kann es kaum erwarten."
„Ihr solltet euch vielleicht angewöhnen euch in der Öffentlichkeit mit den Namen die Dumbledore euch gegeben hat, anzusprechen. Sonst fliegt ihr schneller auf als ihr denkt.", meinte Harry leise. „Also Tom und Adam."
,,Mir gefällt aber Adam nicht!", maulte Sirius los.
„Und mir Tom nicht..."
„Beschwert euch nicht bei uns sondern bei dem, der euch diese Namen verpasst hat!"
„Hmpf.", maulend betraten die Rumtreiber das Klassenzimmer im Kerker. „Aber wenigstens wird es jetzt lustig." James ließ sich neben Sirius, Harry und Ron nieder. Vor ihnen standen bereits schwarze Kessel. „Ich hasse Zaubertränke."
„Ja..eh Tom, mir geht es da nicht anders. Die können doch andere brauen."
„Die einzigste Freude des Tages kommt gleich. Ich bin mal gespannt was Snapi und die Klasse davon hält."
„Aber echt."
Inzwischen hatten alle von Gryffindor und Slytherin ihre Plätze eingenommen, die Tür krachte und mit schnellen Schrittes betrat Snape den Kerker. „Wie ich sehe, haben alle bereits ihre Plätze eingenommen und wie ich von Dumbledore mitgeteilt bekam, haben wir dreineue Schüler unter uns. Adam Blackford, Tom Pettew und Alexandra Zester. Nun ja, dann wollen wir mal sehen, was sie so alles auf ihrer vorherigen Schule gelernt habt. Heute brauen wir einen Vergessenstrank, der einen Sachen machen lässt, die einem danach nicht mehr einfallen. Sozusagen einen Black Out. Wir werden den Trank aber nicht anwenden und wehe wenn ich einen sehe, der versucht jemanden den Trank unterzujubeln." Snapes Blick lag auf Harry. „Schlagen sie allesamt die Seite 462 in eurem Zaubertrankbuch auf. Lesen sie gründlich die Anleitung durch und dann können sie hier vorne Zutaten holen gehen."
Bücher wurden aufgeschlagen und kurz darauf war es still im Klassenzimmer. Keiner sprach, alle hingen über ihren Büchern und lasen die angegebene Seite. Wirklich alle?
James hatte Sirius angestupst und deutete mit einer Kopfbewegung auf Snape, der sich umgedreht hatte und zum Vorratsschrank ging. Auf Sirius Gesicht erhellte sich ein Lächeln. „Du das Wasser und ich das Shampoo! Auf drei... eins...zwei...drei"
Wasser platschte zu Boden,, Snape war total durchnässt und auf seinem Haar prangte rosa Schaum. Die Schüler hoben ihre Köpfe und sofort brachen allesamt in Lachen aus.
„Wer war das?", fauchte Snape. Sein Blick war auf Harry gerichtet, der sich bemühte nicht loszuweinen. Das sah zu komisch aus. „Potter..."
„Professor, ich war das nicht."
„Natürlich, immer alles abstreiten. Wer soll es denn sonst gewesen sein?"
Harry wusste wer es war, aber er zuckte nur mit den Schultern. „Keine Ahnung, aber ich habe damit nichts zu tun."
„50 Punkte von Gryffindor und eine Woche lang Nachsitzen bei mir." Snape versuchte vergeblich den Schaum von seinem Haar wegzubekommen, aber das einzige was geschah war, dass der Schaum sich verdoppelte.
Seufzend warf Harry einen Blick zu seinem Vater, der grinsend auf seinem Stuhl saß und ihm frech zuwinkte. Wieso musste Snape ausgerechnet ihn für schuldig halten? Es hätte doch auch ein Slytherin sein können, ach nee, er vergaß: Slytherins waren seine Lieblinge. Harry schüttelte seinen Kopf und seine Augen funkelten leicht vor Zorn. Nachsitzen bei Snape... das war Höchststrafe.
Es klingelte und ein immer noch grinsender James verließ neben Sirius den Kerker. „TOM, ADAM!" Oh oh, dass klang nicht gut. Lächelnd drehte sich James um und blickte in ein vor Zorn funkelndes Gesicht.
„Sag mal spinnt ihr? War euch nicht klar, dass die ganze Aktion Harry angehängt wird? Du kennst doch Snape und seine Zuneigung zu dir. Dachtest du etwa, dass er Harry vergöttern würde?", fauchte Lily, griff nach James Umhang und zog ihn mit sich.
„Lily... natürlich war es mir klar, aber ich kann es nicht sehen wie brav mein Sohn ist. Er hat bis aufs Aussehen nichts von mir..."
„Zum Glück muss ich sagen. Harry ist im Gegensatz zu dir vernünftig. Er ist erwachsener als du eigentlich sein solltest. Du sollest ein Vorbild sein, aber nein, du bist ein Kindskopf und ich kann es mir nicht vorstellen wie ich mich je auf dich einlassen sollte. Du bist unmöglich." Soviel Hass lag in ihrer Stimme. Hatte ihr der kleine Streich mit Schnieffi etwa nicht gefallen?
„Lily..."
„Nichts Lily... James, trete mir aus den Augen. Ich will dich heute nicht mehr sehen und ich bestehe darauf, dass du das Nachsitzen mit Harry absitzt..."
„Aber... das würde doch meine Tarnung auffliegen lassen..."
„Da bist du selbst Schuld und ach Sirius, du kannst dich James gleich mit anschließen." Lily drehte auf ihren Absätzen um und schritt wütend davon.
Das hatte James ja mal wieder prima hinbekommen. Er hatte sie mal wieder vergrault. Seufzend strich sich James durch sein Haar und sein Blick lag auf Sirius. „Wir sitzen in der Falle... wenn ich nicht mit Nachsitzen gehe, tritt sie mir nie wieder unter die Augen."
„Ach Krone, bisher ist noch nichts verloren. Kopf hoch. Lass uns erst mal in die Küche gehen und etwas zum Essen besorgen. Nervennahrung."
James nickte und ging zusammen mit Sirius in Richtung Küche. Hoffentlich waren die Hauselfen immer noch genauso nett und gaben ihnen etwas zu essen.
„Du willst doch nicht wirklich dafür nachsitzen was dein Vater getan hat?" Entgeistert blickte Ron seinen besten Freund an, der sich auf seinem Bett niedergelassen hatte. Seine Beine waren angewinkelt und sein Blick war auf die Bettdecke gerichtet.
„Das werde ich Ron, auch wenn es mir nicht wirklich passt, aber stell dir mal vor es würde rauskommen wer sie sind und woher sie kommen."
„An deiner Stelle würde ich zu Dumbledore gehen und ihm die Sache erklären und ihn bitten dir das Nachsitzen zu erlassen. Schließlich musst du doch auch mit uns Quidditch trainieren. Irgendwas muss doch zu machen sein..."
„Ron, eine Woche Nachsitzen bringt es mich nicht um. Solange ich keine Feder in die Hand bekomme, die ‚Ich soll keine Lügen erzählen' in meinen Handrücken ritzt. Und wegen dieser Sache renne ich nicht gleich zu Dumbledore. Was soll den mein Vater von mir denken?"
Ron zuckte mit den Schultern. „Wenn du meinst... ich glaube Fred und George hätten das gerne mitbekommen. So ein Pech, dass sie die Schule verlassen haben. Beide waren immer so Fans von den Rumtreibern und zwei nun hier zu haben... wow."
„Jamie, schau mal, dein Sohn ist Quidditch Kapitän von Gryffindor und er ist der jüngste Spieler seit einem Jahrhundert. Omg und da ist sogar eine von dir. Er hat doch ne Menge von dir. Wenn nicht die Art, dann das Talent für Quidditch. Nur dass er kein Jäger wie du bist sondern Sucher." James und Sirius waren an einer Vitrine angelangt, wo besondere Auszeichnungen ausgestellt waren.
„Bestimmt liegt mir Sucher auch... ansonsten weiß ich nicht wo Harry das her hat."
„Aber echt, aber ich denke, so langsam sollten wir in den Gemeinschaftsraum zurückkehren. Da wartet bestimmt wer auf dich..."
„Aber auch auf dich Tatze... schließlich waren wir zwei es, aber es hat sich gelohnt. Ich bin mir sicher, dass ihm schon lange keiner mehr so einen Streich gespielt hat. Hihi..."
„Recht hast du, so auf ins Schlachtfeld und hoffen wir mal, dass wir danach nicht einen Kopf kürzer sind!"
Die beiden machten sich auf den Weg zum Gemeinschaftsraum. Was würde sie dort erwarten? Ein wütender Harry, eine Furie namens Lily...?
