Hallo Leute!
Ja, ich weiß, ich habe schon länger nichts mehr von mir hören lassen, vor allem habe ich schon länger keine Hermine/Draco Geschichte erneuert und vor allem nicht diese Geschichte hier... 'puh' Ihr habt also alles recht der Welt mir böse zu sein... aber bitte nicht zu sehr, ja?
Danke erstmal an die lieben Reviewer Gwendolyne, jasdarling, My Sin und angelus azrael... DANKE! 'knuddelknutsch' Ich hoffe ihr lest die Geschichte immer noch und euch gefällt sie!
Wenn es noch jemanden interessieren sollte, ich schreibe gerade (mal wieder) an dem letzten Kapitel von "Wenn Engel fallen" und hoffe das er bald fertig ist, danke für eure Geduld...
Ich würde ja jetzt sagen, ich gelobe Besserung, aber wie ihr schon gemerkt habt, schaffe ich das leider nicht...
Viel Spaß und schreibt mir bitte trotzdem Reviews, ja? Bütte!
Kapitel 9 - Klärende Gespräche
Moody räusperte sich kurz: „So, jetzt, wo wir alle da sind, kann ich ja beginnen. Da der Krieg nun schon sehr lange herrscht, hat das Ministerium beschlossen, schon in der sechsten Klasse die Unverzeihlichen zu erklären. Ich werde sie Ihnen nicht beibringen, aber ich werde versuchen, sie Ihnen so nahe wie möglich zu bringen. Schließlich müssen Sie wissen, was passieren kann, wenn Sie auf den Straßen sind und Sie müssen wissen, wie Ihre Angehörigen umgebracht wurden. Ich weiß, viele von Ihnen wollen es nicht wissen, aber die Wahrheit hat noch niemandem geschadet. Sie müssen verstehen, dass Ihr Wohl für das Wissen auch mal zurückstecken muss, denn der Krieg ist nun mal kein Zuckerschlecken! Sie können sich nicht vor den Tatsachen verschließen, nur weil Sie in Trauer sind."
Der darauf folgende Blick blieb Harry nicht verborgen. Sein Kopf schnellte zu seinem besten Freund und für einen kleinen Moment sah Ron wieder wie tot aus. Schatten lagen unter seinen Augen und sein Gesicht hatte einen Grauton angenommen, der kein Leben zuließ. Harry schloss für einen Moment seine Augen und schüttelte sich. Als er sich dann wieder seinem Freund zuwand, war der Tod aus seinem Gesicht wieder verschwunden, aber besser sah er nicht aus. Doch Harry war erst mal erleichtert und flüsterte ihm vertrauensvolle Worte zu.
„Das wird schon wieder Ron. Wir werden gleich zu Hagrid gehen und er wird uns einige Fragen beantworten können. Denk daran: Das ist nicht unsere Welt. Wenn wir wieder zu Hause sind, ist alles wieder im Lot. Du wirst sehen!"
Ron nickte leicht, aber besser schien er sich nicht zu fühlen.
Ist ja auch kein Wunder... Er tut mir so leid! Hoffentlich bringt das was mit Hagrid. Hoffentlich!
Auch ihn hatte der Blick erst einmal die Fassung genommen, die er den Tag mühselig um sich aufgebaut hatte, um nicht unnötig nachzudenken und seinen Kopf und seinen Geist zu belasten. Er war zufrieden damit, alles genauestens zu betrachten und aufzunehmen. Er wusste nicht, ob es was nutzte, aber Gedanken über seine Eltern und seinen Paten oder um Hermine wollte er, so gut es ging, vermeiden.
Die Stunde ging schnell vorbei, doch Harry hörte nicht sonderlich zu. Er war zu aufgeregt was die Sache mit Hagrid bringen würde, wenn sie denn etwas bringen würde. Außerdem kannte er den Unterricht wahrscheinlich sowieso schon, schließlich hatten sie die unverzeihlichen Flüche auch schon im Unterricht.
Währenddessen versuchte er lieber etwas zu zaubern. Wenn Ron es konnte, warum sollte er es denn dann nicht auch können? Er versuchte kleine Gegenstände schweben zu lassen und zeigte mit seinem Zauberstab abwechselnd auf die Feder oder den Knut, die er unter seinem Tisch hatte fallen lassen. Natürlich so unauffällig wie möglich. Professor Moody hatte zwei normale Augen, also hatte er gute Chancen, nicht erwischt zu werden. Als dann aber der Knut einfach verschwand und von oberhalb wieder herunterfiel, hörte Harry lieber auf zu zaubern. Schließlich wollte er nicht für etwaige Unfälle verantwortlich sein. Die Zeit strich zäh an ihm vorbei und der Gong erlöste ihn aus dem Dämmerzustand der wirbelnden Gedanken, der Müdigkeit und letztendlich auch der Langeweile.
Er ging mit Ron, das heißt, er musste ihn andauernd schubsen, da Ron sich nicht bewegen wollte, in die große Halle und hielt Ausschau. Zuerst sah er Hagrid, was auch sehr einfach war, bei dieser beeindruckenden Größe, dann sah er Malfoy, wie er mit einem sehr verbitterten Ausdruck am Slytherintisch saß, aber leider sah er keinen Dumbledore.
Wo kann er nur stecken? Er würde doch den Schulanfang nicht verpassen wollen, wenn er das überhaupt jemals mal verpasst hat... Vielleicht ist ihm etwas passiert oder er ist auf einer wichtigen Mission oder er ist schon tot... Das kann nicht sein, wir würden es merken, wenn er tot wäre... Dann muss etwas anderes Wichtiges dazwischen gekommen sein... Vielleicht ist er im Ministerium und muss dort beraten oder so was... Hoffentlich... Hoffentlich weiß Voldemort nichts davon. Sind wir denn ohne ihn nicht schutzlos?
Er bekam kaum ein Bissen von dem vorzüglichen Abendessen runter und war mehr als aufgeregt, als er mit den anderen Dreien aus der Halle hinausging. Natürlich erst nachdem Hagrid den Saal verlassen hatte. Er merkte, wie Blicke sie von hinten aufspießten und allein das leichte Säuseln im Nacken verriet ihm, dass es Schlangenaugen waren, die mehr als überrascht diesem, doch sehr ungewöhnlichem, Trio hinterher sahen.
Ein Umstand, der ihnen in Zukunft vielleicht noch Probleme bereiten würde, aber da war jetzt nicht dran zu denken. Keiner der Anderen brachte ein Wort heraus. Nur ihre dumpfen Schritte waren erst auf Stein, dann auf Erdboden zu hören. Von weitem konnte Harry die kleine Hütte des Riesen sehen. Sie war erleuchtet und kleine Rauschschwaden pufften aus dem Schornstein.
Was ist, wenn er nichts weiß. Was ist, wenn er nichts sagen wird und was ist, wenn er etwas sagt?
Doch Harrys Gedanken wurden jäh durch das Klopfen an der Tür unterbrochen und als er aufsah, sah er schon in ein bärtiges und erstauntes Gesicht. Kleine schwarze Augen guckten auf ihn und seine zwei oder besser gesagt drei Gefährten nieder. Ein leichtes Flackern verriet Harry, dass er sich mehr als nur wunderte.
„Was wolln Sie ´n hier? Ist schon spät. Sie sollten nicht um diese Zeit hier draußen sein!" Hagrids Stimme klang wie immer dunkel und krächzend und erinnerte an sich bewegendes Holz, aber das er sie so förmlich ansprach, klang sehr fremd.
„Dürfen wir reinkommen? Wir haben Fragen an di... ähm... an Sie", fragte Harry.
Sie betraten die klapprige Hütte, die anscheinend nur dank Magie zusammenhielt und Harry konnte aus dem Augenwinkel erkennen, was Malfoy wohl über dieses Gebäude dachte. Alle vier versammelten sich um den großen Tisch, auf dem ein großer Krug und eine Flasche standen, die verdächtig nach Alkohol aussah. Harry suchte skeptisch das Gesicht des Riesen ab, fand aber keine Anzeichen dafür, dass er zu betrunken für ihre kleine Befragung war und atmete unbewusst tief durch. Er wusste, dass es schon schwierig genug war, den Riesen davon zu überzeugen, dass sie nicht ganz Banane waren.
„Also... ähm... es ist schwierig...", fing Ron an zu stottern, als sie sich setzten „aber wir haben Fragen... die Ihnen vielleicht etwas komisch vorkommen... Aber es ist uns sehr wichtig... ähm... wo soll ich nur anfangen..."
Hagrid sah mit fragenden Blicken in die eher ungewöhnliche Runde von Schülern, wartete aber geduldig, bis schließlich Malfoy das Wort ergriff.
„Das ist ja kaum auszuhalten! Also, Sie kennen doch meine Eltern oder?" Ein Nicken von Hagrid „Erzählen Sie mir etwas von ihnen. Alles, was ihnen einfällt, egal wie unwichtig es erscheint."
Hagrid runzelte die Stirn: „Warum sollte ich? Ich mein, Sie kenn´ se doch besser als ich, oder nich?"
„Tun Sie es doch einfach... bitte!" Harry zog seine Augenbrauen hoch und betrachtete Malfoy ungläubig. Wahrscheinlich hat das Hermine gesagt... Nein, sie muss es gesagt haben!
Etwas misstrauisch fuhr Hagrid weiter: „Also... Malfoy is ´n hohes Tier im Schulrat, hat gute Verbindungen im Ministerium, is reich... mit Narcissa Black verheiratet... Aber warum wolln Sie das wissen?"
„Ist er wohl ein... Todesser?" fragte Malfoy mit seiner üblichen schnarrenden Stimme, auch wenn Harry die Unsicherheit heraushören konnte.
„Das musst du doch wohl am besten wissen, mein Junge oder?" Hagrid verzog das Gesicht vor Unbehagen, Wut und Ratlosigkeit.
„Also ist er es! Was ist mit Hermine Granger?" Es war nur eine rein rhetorische Frage, denn jeder konnte sich die Antwort eigentlich denken.
„Granger?" Hagrid überlegte lange und antwortete dann etwas grübelnd „Ihr meint dieses Mädchen? Ich glaub, sie war in Gryffindor... oder?"
„Was heißt hier war... Hagrid bitte sag, was ist mit mir... ich meine ihr passiert?", fragte Hermine nun in einem etwas panischen Ton, der vor allem Ron verduzt ausschauen ließ, da es ja immer noch die Stimme von Malfoy war, der gleich danach missbilligend mit den Augen rollte.
„Nun... ja... armes Mädchen... sie wurde bei ´nem Überfall von Todessern in ihrer Gegend getötet... Soviel ich weiß... Pech gehabt, die Kleine... War noch sehr jung... Muggelgeborene, wisst ihr... deswegen musste sie wahrscheinlich auch sterben... So wie auch alle andren. Es is ein wahres Wunder, dass überhaupt noch muggelgeborene Schüler zur Schule gehen." Hagrid schüttelte betrübt den Kopf. Harry schielte kurz zu dem Slytherin rüber, aber er schaute wie immer kalt, distanziert und arrogant. Von Hermine war nichts mehr zu sehen.
„Was ist mit meiner Familie, Hagrid? Steht es schlimm um sie?", fragte Ron nun zögernd und bleich im Gesicht.
„Warum soll ich Ihnen das sagen? Es hört sich fast so an, als wüsstn Sie nix darüber... Was is ´n los?" Hagrid kratzte sich fragend am Kopf.
„Bitte Hagrid, sagen Sie uns alles... Es ist schwierig zu erklären... aber es wirklich wichtig!", sagte Harry nun, der fast schon flehend zu Hagrid aufsah.
„Nun gut... also, ähm... na ja... Arthur und Bill wurden letztens erst getötet... ich denk, so vor einem Monat oder so... Sie waren unterwegs um etwas Wichtiges... na ja auch egal... Charlie is nun schon etwas länger tot, ich denk, so ein halbes Jahr und Percy... hmm... ich weiß nich, das sind schon Jahre her... Tut mir wirklich Leid für Sie... Waren gute Männer, wirklich gute Männer. Wir werden sie vermissen...", sagte Hagrid zu Ron gewand, der aussah, als würde er hier und jetzt zusammenklappen.
Sein Gesicht war aschfahl, die Müdigkeit von den letzten Tagen zeigte sich noch deutlicher ab. Vor allem die dunklen Ringe unter seinen Augen waren wie aufgemalt. Er sah alt aus, alt und müde und Tränen sammelten sich in den hellen Augen, die stumm die Wangen herunter liefen.
„Und was ist mit Ginny? Ginny Weasley?", fragte Harry schnell.
„Gin... Ginny? Kenn ich nich…Ist das eine Cousine von Molly?" Ein leichtes Wimmern entfuhr Ron, der nun starr zu Boden blickte.
„Und was ist mit meiner Familie?", fragte Harry zügig, um Hagrids Augenmerk auf sich zu lenken. Hagrid schaute ein wenig dumm aus der Wäsche. Man konnte die Zahnräder in seinem Gehirn schon fast rattern sehen, so sehr dachte er nach, warum das hier alles mit ihm passierte. Er schob seine buschigen Augenbrauen zusammen und sah misstrauisch auf Harry herab.
„Hmm... na ja, Ihre Mutter wurde auch erst vor kurzem getötet. Sogar vom dunklen Lord persönlich... Tut mir echt Leid, Mr. Potter!"
Harry musste kurz schlucken, aber richtige Trauer wollte nicht ihn ihm aufsteigen. Wahrscheinlich war er es einfach zu gewöhnt, dass seine Mutter tot war, als dass es ihn hätte wirklich noch aus der Bahn werfen können. Schließlich war es ja schon immer so in seinem Leben. Aber er hatte doch irgendwie gehofft, dass sie am Leben sei. Er wusste, es war dumm so zu denken oder zumindest naiv, aber Hoffnung starb ja immer zuletzt.
„Und was ist mit meinem Vater?"
„Is er immer noch im St. Mungos... Wie geht´s ihm denn?"
„Das heißt, mein Vater lebt? James Potter lebt... Ist das Ihr ernst?"
Hagrid zog die Augenbrauen wieder kraus und guckte Harry misstrauisch an.
Mein Vater... Er lebt... lebt... Einfach so... Mein Vater! Wie kann das sein? Mein Vater, er lebt... Bei Merlin, wie sehr habe ich mir das immer gewünscht... Aber meine Mutter... sie ist tot... und er lebt...
„Und was ist mit Sirius Black?", fragte Harry.
„Was soll mit ihm sein?"
„Lebt er?"
„Ja, klar..."
Stille verschluckte die Runde, die an einem übergroßen Tisch saß und jeder seine Gedanken zu fassen versuchte.
„Ich glaub, ihr solltet in die Krankenstation... Ich werd euch schnell hinbringen..."
„Nein... noch nicht... bitte... Was ist mit... Du-weißt-schon-wem? Wie lange treibt er sich schon herum?", fragte Harry und Hagrid schaute wieder ungläubig, beantworte die Frage aber.
„Ich denk, das müssten schon mehr als zwanzig Jahre sein. Ich weiß nich so genau..."
„Und war er zwischenzeitlich mal... ähm.. verschwunden?"
„Tz... wie kommen Sie denn darauf, Mr. Potter? Wie unsinnig... Leider nicht." Er schüttelte den Kopf.
„Das heißt, er war die ganze Zeit über hier... Er wurde nicht besiegt?", schaltete sich Malfoy nun ein. Harry guckte zu ihm hinüber und sah einen kurzen, nur einen kurzen Moment Angst in seinen Augen aufflackern.
Malfoy hat Angst? Angst vor dem dunklen Lord? Aber wieso? Er braucht sich doch keine Sorgen zu machen... Er ist doch der Sohn von Lucius Malfoy... Aber er ist tot... Lucius Malfoy ist tot... Hmm... oder ist es doch Hermine gewesen? Aber Hermine hört sich anders an... Weiblicher, schriller und doch sehr sanft... Anders halt... Aber Malfoy und Angst!
„Natürlich nicht... Wie kommen Sie denn darauf?" Wieder ungläubiges Kopfschütteln „Es gibt nur einen Mann, der ihn stoppen kann: Albus Dumbledore! Aber wir wissen grade nich, wo er..." Hagrid biss sich auf die Lippen und schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn. Seine vom Alkohol betrübten Augen verzogen sich ärgerlich. „Aber der kommt bestimmt schnell wieder..."
„Er wird vermisst? Oh nein... Oh nein... Das darf nicht sein... Dann sind wir schutzlos... Warum sind wir denn noch hier in der Schule? Warum nicht woanders, wo es sicher ist?", meldete sich wieder Hermine zu Wort, klar erkennbar an dem Tonfall.
„Diese Schule is bis jetz einer der sichersten Orte hier in England. Ich denk, Du-weißt-schon-wer weiß das... Schließlich sind hier noch Ordensmitglieder..."
„Der Phönixorden, nicht war! Und wer gehört alles zum Orden?"
„Das sind vertrauliche Informationen..."
„Hagrid, bitte... Ich könnte es sowieso herauskriegen, also sagen Sie uns es einfach... Bitte!", verriet ihm Harry mit einem strengen Blick. Er wusste nicht, ob es klappte, aber einen Versuch war es alle Mal wert.
Hagrid verdrehte kurz die Augen, bevor er wieder zu sprechen anfing: „Also da wären natürlich ich, Professor Moody und Professor Snape und wir können die anderen schnell herbeirufen, wenn´s sein muss...ähm ja..."
„War Professor Snape jemals ein Deatheater?", fragte Harry kleinlaut.
„Nee! Natürlich nicht! Wie kommse bloß auf so was? Er ist schließlich hier Professor! Okay, Sie sollten schnell gehen... Am besten, ich bring sie wirklich zur Krankenstation... Sie hör´n sich nich gut an... Is bestimmt der Stress oder die letzten Ereignisse..." Er blickte dabei auf Ron, der immer noch ein kleines Häufchen Elend war und verbissen versuchte, die Fassung zu wahren.
„Haben Sie schon mal was von einem Weltentor gehört?", fragte Malfoy schnell „Beantworten Sie uns nur noch diese Frage, dann fragen wir auch nicht weiter..."
„Ähm..." Man sah, wie er nachdachte, „Nein... noch nie was von gehört... Was soll das denn sein...?"
„Wie wäre es mit einer Tasse Tee?", fragte Malfoy schnell, besser gesagt Hermine und versuchte aufzustehen, doch irgendwie wollte nur die eine Hälfte.
„Ich werde für diesen Bauerntrottel keine Tasse Tee kochen. Niemals!", zischte die kalte Stimme von Malfoy leise.
„Ich werde Tee machen... Kein Thema..." Harry sprang auf und ging zum Herd hinüber, setzte Wasser auf und stellte Tassen heraus. Er kümmerte sich nicht um den belämmerten Blick den Hagrid ihm zuwarf, denn normalerweise dürfte er sich hier nicht so gut auskennen, aber gleich hatte Hagrid das alles sowieso vergessen. Dann setzte er sich wieder hin und warf Malfoy einen bedeutungsschweren Blick zu. Der kramte auch sofort in seinem Umhang und drückte ihm eine kleine Phiole unter dem Tisch in die Hand.
Nach dem Tee stolperten die drei wieder in die nächtliche Kälte und bedankten sich bei dem Halbriesen über die Auskünfte über das nächste Thema des Unterrichts. Der Trank wirkte anscheinend ganz gut, denn Hagrid schien sich an nichts zu erinnern und verabschiedete die Drei ziemlich verwirrt und nur mit einem leichten Nicken und Winken.
Es war endlich geschafft. Sie wussten nun mehr, aber wollten sie das wirklich alles wissen? Sie schritten schnell, aber sehr ruhig nebeneinander her und erreichten in kürzesteter Zeit das große Portal des Schlosses, aber die unangenehme Stille zwischen ihnen wollte einfach nicht weichen und wurde nur durch die Geräusche des Waldes und dem Wind unterbrochen.
Das war alles nicht gut. Die Weasleys fast ausgelöscht, die Grangers waren wahrscheinlich ganz ausgelöscht und die Malfoys anscheinend so mächtig wie nie zuvor. Tja, und die Potters? Immer noch da, zumindest Teile davon. Er wusste nicht, ob er sich darüber freuen sollte oder nicht. Durfte er das überhaupt? Schließlich waren seine Freunde alles andere als begeistert und würde er sich nicht noch mehr verletzen, wenn er sich auch noch über diese Situation freuen würde? Würde er sich darüber nicht auch ärgern? Und seine Mutter hatte es auch nicht geschafft, aber sein Vater... Und Sirius lebte auch noch. Ob er jemals in Askaban war? Vielleicht hatte er auch schon Familie? Und was war mit Remus?
Er konnte nichts dagegen tun. Ein leichter Schauer von Erleichterung und Freude wärmte seinen Körper und ließen ihn kurz die Augen schließen. Er konnte sich gerade eben noch ein leichtes Lächeln verkneifen, als er sich die Gesamtsituation wieder vor Augen führte.
Voldemort lebt immer noch... Nicht schon wieder, sondern immer noch, deswegen habe ich keine Narbe. Er hat mich und meine Familie anscheinend nie angegriffen... und deswegen ist er nie ‚gestorben'... Das heißt, er war die ganze Zeit über mit seiner vollen Macht am Leben?
Kalter Schweiß verteilte sich ungleichmäßig über seinen Körper und sein Herz pochte schnell gegen seine Rippen. In seinem Kopf spürte er ein schmerzvolles Puckern, das immer stärker wurde.
Sogar Malfoy scheint ein wenig Angst zu haben. Aber warum? Er ist doch ein Malfoy. Er hat hier doch nichts zu befürchten... Ich würde zu gern wissen, was in ihm vorgeht... Er muss mehr über Voldemort oder zumindest über die anderen Deatheater Bescheid wissen. Auch, wenn sein Vater ihm nichts erzählt, kann er doch nicht alles verbergen oder?
Aus den Augenwinkeln betrachtete Harry den Slytherin näher, allerdings ohne Hoffnung, wirklich etwas in dem Profil von ihm lesen zu können, was ihnen weiterhelfen würde. Malfoy wirkte wie immer kalt und distanziert und doch konnte er öfters seine beste Freundin in ihm wieder erkennen. Es waren nur zarte Gesten oder kleine Gesichtsausdrücke, aber sie war da, in diesem Körper.
In der großen Eintrittshalle trennten sich ihre Wege und am liebsten hätte Harry Hermine einmal kräftig umarmt, denn in so einer Situation ließ er sie nicht gerne bei diesem blasierten Eisblock zurück. Doch es half alles nichts. Er konnte ja schlecht den Slytherin in eine feste Umarmung ziehen, er hätte sich lieber die Arme abgerissen.
Er stieg mit Ron die Stufen zu ihrem Dormitorium hoch und dann in den rötlichen Gemeinschaftsraum. Überall saßen mehr oder weniger bekannte Gesichter, unterhielten sich, spielten oder machten Hausaufgaben. Harry stellte mit Überraschung fest, wie still es doch war und fragte sich, ob es die an der Menge der Leute oder an ihrem Gemütszustand lag. Wahrscheinlich lag es an beidem. Es war nicht so, dass die Leute nicht fröhlich waren, aber sie waren nicht einmal annähernd so ausgelassen, wie die Gryffindors in seiner Welt.
Er schaute kurz zu Ron und er blickte genauso fragend und verständnislos in die Runde, wie wahrscheinlich auch er selbst kurz zuvor. Sie gingen auf die Treppe zu und versuchten so unauffällig wie möglich den Raum zu durchqueren, doch zu spät. Das schwarzhaarige Mädchen, welches die beiden schon heute und den Tag zuvor gegrüßt hatte, sprang auf sie zu und strahlte sie erneut an.
„Endlich erwisch ich dich mal, Harry! Hallo, Ron!" war auch zugleich die überschwängliche Begrüßung „Ich wollte schon den ganzen Tag mit euch reden. Wisst ihr etwas von Dumbledore? Ist ihm irgendetwas passiert? Sind wir wohl in Gefahr? Ich habe es Dad schon geschrieben, aber noch keine Antwort erhalten... Ich frage mich, ob er es schon vorher wusste..."
Harry war erstaunt über den Redefluss und musste erst einmal angestrengt nachdenken, was er ihr jetzt erzählen sollte. Er kannte sie ja nicht wirklich und obwohl sie ihm irgendwie bekannt war und sie sehr vertraut mit ihm redete, wusste er nicht, was er ihr antworten sollte, also sagte er etwas Ausweichendes.
„Ich weiß es nicht... Woher auch...?"
„Ach komm schon, Harry... Du kannst es mir doch sagen... Ich weiß, dass du etwas weißt. Du weißt immer über solche Sachen Bescheid..."
Er sah kurz zu Ron. Er wusste, er konnte mehr schlecht als recht lügen, vor allem bei den Leuten, die ihn gut kannten, aber Ron zuckte nur leicht mit den Schultern.
„Ich weiß nichts, ganz ehrlich, aber wenn ich etwas weiß, dann werde ich es dir sagen, okay?" war dann seine behelfsmäßige Antwort, auf die sie nur ein wenig komisch guckte.
„Ha, dass ich nicht lache. Du sagst mir doch nie was... Ich muss dir immer alles aus der Nase ziehen. Du bist wie Dad! Er hatte wirklich schlechten Einfluss auf dich, du hättest den Sommer nicht bei uns verbringen sollen..."
Jetzt war Harry noch mehr verblüfft. Er kannte sie und ihre Familie anscheinend nicht nur flüchtig, sondern ziemlich gut. Er musste schnell weg, sonst würde sie noch denken, er sei geisteskrank. Er musste sich schnell zu seinem Bett flüchten und suchte fieberhaft nach einer angemessenen Ausrede.
„Hör zu, ich bin sehr müde. Es war wirklich sehr anstrengend heute." Ron nickte schnell bestätigend „Und morgen müssen wir wieder früh raus... Du weißt ja wie das ist: In den Ferien die ganze Zeit schlafen und hier immer früh raus und so..."
Sie legte den Kopf schief und runzelte mit der Stirn „Du hast doch so gut wie nie geschlafen..."
Harry biss sich auf die Lippen. Das musste ja passieren, wenn man mit jemandem redete, der anscheinend mehr Ahnung von seinem eigenen Leben hatte, als er selbst. Er durfte jetzt nur nichts falsch machen, doch diesmal rettete ihn Ron aus seiner Misere, mehr oder weniger.
„Ach, du weißt doch wie er ist... Er meinte das doch nur ironisch... So ist er halt, unser Harry... Echt witzig." Mit einem zittrigen Lachen, welches deutlich auf seine Nervosität hinwies, übersah Ron das leichte Kopfschütteln von Harry, der den letzten Kommentar doch ein wenig übertrieben fand.
„Ich weiß zwar nicht, was mit euch heute los ist, aber ich hoffe, ihr seid nicht auf den Kopf gefallen oder so...", fragte sie dann gespielt fürsorglich. Aber bevor sie dazu noch etwas sagen konnte und sich dadurch vielleicht noch mehr zum Affen machen konnten, kam ihnen der Zufall zur Hilfe.
„Phina, komm schon... Wir müssen weiter machen, sonst kapiere ich das hier nie", rief eine scheinbar verzweifelte Freundin von ihr. Sie blickte kurz genervt über ihre Schulter und zeigte ihr mit einem Nicken, dass sie gleich kommen würde.
„Also, Nacht Jungs." Sie umarmte zuerst kurz Ron und dann Harry, welchen sie sogar flüchtig auf die Wange küsste und schien Harry kurz streng in die Augen zu schauen, „und schlaft schön!"
Schnell stiegen sie die Treppen zu ihrem Zimmer hoch und atmete erleichtert auf, als sich die Tür hinter ihnen schloss. Jetzt waren sie erst mal sicher.
„Das wäre beinahe schief gegangen. Ich möchte gar nicht wissen, was die Leute denken, wenn wir uns mal so richtig versprechen. Die müssten uns ja für komplett bescheuert halten!", merkte Harry, nach ein kurzen Zeit der Stille, an.
Er beobachtete, wie Ron rüber zu seinem Bett stiefelte und sein Gesicht mit einem lauten Seufzer in seinen großen Händen vergrub. Er tat ihm leid. Er hatte sehr viel verloren und das auf einen Schlag und noch gab es keine Erfolgsgarantie, lediglich ein Hoffnungsschimmer. Aber war das genug?
Hoffentlich...
Wer ist diese Phina? Ist sie vielleicht meine Freundin? Aber sie hat sich auch nicht unbedingt wie eine Freundin verhalten... Na gut, ich weiß nicht, wie eine Freundin sich verhält. Ich habe ja nie wirklich eine gehabt... Vielleicht ist sie einfach nur eine gute Freundin meiner Familie, so was wie die Weasleys... Oder?
Ron legte sich schnell hin, aber Harry wusste, er würde jetzt nicht schlafen können, genauso wie Ron es wahrscheinlich auch nicht tat. Seine Gedanken kreisten um diesen Tag und versuchten alles Erfahrene zu verarbeiten. Wie sollte er da noch seinen Kopf frei bekommen für seine Okklumentikübungen?
Schließlich entschied er sich dafür, einen Brief zu schreiben. Einen Brief, den er wahrscheinlich nie wieder in seinem Leben schreiben würde und es auch noch nie getan hatte. Einen Brief an seinen Vater. An James Potter. Er setzte sich mit verschränkten Beinen auf sein Bett, balancierte mit einem Knie das Buch, auf dem ein Blatt Pergament lag und mit dem anderen das Tintenfässchen. Er atmete erst einmal tief durch und überlegte sich, was er überhaupt schreiben sollte und durfte.
Wie soll ich bloß anfangen? Was soll ich bloß schreiben? Vielleicht kann er mir gar nicht antworten, schließlich liegt er im St. Mungo. Was er wohl hat? Ich habe ganz vergessen, Hagrid danach zu fragen... Vielleicht war die Idee mit dem Brief doch nicht so gut... Was ist, wenn ich irgendetwas Dummes schreibe? Etwas schreibe, was ich nicht wissen dürfte oder etwas nicht schreibe, was ich eigentlich sollte? Was ist, wenn er mich für verrückt hält? Vielleicht schreibe ich ihm ja eigentlich nie? ... Harry, schreib ihm einfach, sonst findest du es nie heraus!
Dieser kleine Teil seines Verstandes, der immer nach seinem Paten klang, behielt immer die Ruhe und holte Harry schon oft auf den Boden der Tatsachen zurück. So schrieb er dann einfach drauf los. Vielleicht hatte er ja so was wie einen Sohninstinkt, der ihn führen konnte.
Hallo Dad,
ich hoffe, dir geht es besser? Ich bin gut in Hogwarts angekommen und der Unterricht ist so wie immer. Nur etwas ist komisch: Dumbledore ist nicht da! Ich frage mich warum...
Werde bitte schnell wieder gesund! Du weißt gar nicht, wie sehr ich dich vermisse.
Dein Harry.
Er überlegte kurz und entschloss sich kurzerhand ein PS darunter zu setzen. Ein Versuch konnte ja nicht schaden.
PS.: Ron und Phina lassen grüßen.
Vielleicht bekam er so etwas über dieses Mädchen heraus!
Er legte sich hin und seine Knochen dankten ihm mit erleichternden Knacken. Er war müde, aber er wollte einfach keinen Schlaf finden. Er hatte wirklich gerade seinem Vater einen Brief geschrieben und er wusste, wenn er ihn morgen abschicken würde, dann würde er ihn auf jeden Fall erreichen.
Hat es euch gefallen oder war es schei...benkleister... Lasst es mich bitte wissen! Bis demnächst!
