Ein Strolch zum Verlieben

Fanfiction von Slytherene

Liebe Lesende!

Hier die Fortsetzung für Karfreitag! Ich hätte heute anfangen sollen zu posten, dann hättet Ihr an jedem Ostertag ein Update gehabt.

So, dann wollen wir mal sehen, ob die Vampire Remus töten, und ob das Kapitel mit „Ritz, ratz, Wolf kaputt" und ein paar Blutflecken auf dem Asphalt beendet ist, oder ob Remus gen Wolfs-Himmel fährt und am Ende aufersteht. Der klassische Oster-Plot, 2000 Jahre alt.

Oder vielleicht kommt es ja ganz anders, als man denkt ? ;-))

Viel Vergnügen!


3. Nosferatu italiano

Unsicher sah Remus zu den nunmehr vier Gestalten hoch. Die drei Vampire waren gefolgt von – Frankensteins Monster. Und es war so verflixt knapp gewesen. Hätte Lucius den vierten Mann früher bemerkt – und das hätte er zweifelsohne, wenn der Patronus ihn nicht abgelenkt hätte – dann wäre auch ihm sofort klar gewesen, was Remus bereits seit einer Minute wusste: Nämlich, dass es sich bei den mächtigen Vampiren vom Alten Blut Rumäniens um nichts mehr als kostümierte Muggel handelte. Zugegeben, die drei hatten sich ungewöhnlich viel Mühe gegeben mit ihrer Maskerade. Blass geschminkt, schlank und mit roten Kontaktlinsen, dazu ein falscher osteuropäischer Akzent… Letztlich war es einfach gewesen, den zukünftigen Minister zu täuschen, lächerlich einfach.

Trotz allem war Remus nicht sicher, ob er völlig außer Gefahr war. Lucius hatte seinen Stab mitgenommen beim disapparieren, und die drei Männer waren immer noch in der Lage, einen missliebigen Stadtstreicher deftig zu verprügeln.

„Was für ein Arschloch", sagte der dritte Vampir zu Frankenstein, während sie über Strolch kauerten.

„Ist das deiner?" fragte Frankenstein zu Remus gewandt.

„Äh…ja. Er ist mir vor ein paar Tagen zugelaufen." Remus kroch zu Strolch hinüber und strich ihm über sein filziges Fell. Dass ihm Tränen über das Gesicht liefen und auf seine Hände fielen, erstaunte ihn mehr als es ihn genierte.

„Er hat Ihnen geholfen", sagte Vampirella, jetzt akzentfrei. „Ohne ihn hätte der irre Blonde Sie mit seinem Spazierstock erwürgt. Deswegen bin ich runter gelaufen, als ich es vom Fenster oben aus sah. Als ich aus der Tür kam, hat er gerade den armen Hund getreten. So ein Schwein."

„Dieser Ausdruck charakterisiert ihn treffend", stimmte Remus zu.

„Sie kennen ihn? Wollen Sie Anzeige erstatten? Ich kann die Polizei rufen, oder Sie tun es gleich selbst." Sie reichte Remus ihr Handy, dass sie unter dem schwarzen Brokatrock hervor kramte. Es war warm von ihrer Haut und duftete schwach nach ihrem Parfüm. Remus ertappte sich dabei, dass er sich vorstellte, wie sich diese Haut an seiner anfühlen würde, und wie ihr Haar wohl aussah, wenn es nicht hochgesteckt war. Er verscheuchte die unwillkommenen Gedanken und konzentrierte sich.

„Nein, danke." Er legte das Handy zurück in ihre milchweiße Hand und bewunderte die kunstvoll verzierten Fingernägel. Sie waren zweifarbig lackiert und mit Sternchen besetzt. Malfoy war ein Idiot. Kein Vampir der Welt würde seine schwarzen Nägel so anmalen. Er selbst hatte geahnt, dass sie keine echten Vampire waren, als Malfoys Zauber wirkungslos von ihnen abprallte. Er hatte es gewusst, als sie ihn, Remus, nicht angriffen, nachdem Lucius ihn als Werwolf demaskiert hatte. Wären sie Vampire gewesen, wäre er jetzt bereits tot und in handliche Fetzen gerissen.
„Ich habe nur ungern mit der Polizei zu tun. Und sie interessiert sich nicht sonderlich für die Belange von…solchen wie mir und meinem Hund."

„Dein Hund lebt", sagte Frankenstein in diesem Moment. „Aber er sollte besser zum Tierarzt."

„Keine Angst, wir kümmern uns um die Rechnung", sagte der dritte Vampir und legte Remus eine Hand auf die Schulter. „Wir bringen ihn auch hin. Wartet hier, ich hole mein Motorrad." Dracula verschwand im Dunkel unter den Arkaden.

„Ich kenne Sie doch", stellte die vermeintliche Vampirin plötzlich fest und blinzelte Remus an. Sie hatte offenbar Probleme mit ihrer linken Kontaktlinse. Sie nahm sie heraus und betrachtete Remus nun mit einem roten und einem blauen Auge. „Sie sind früher manchmal zu mir zum Tee gekommen. Drüben, in meinem Laden." Sie wies auf die andere Straßenseite. „Meine Güte, Sie sind ganz schön…" Sie suchte nach Worten.

…runter gekommen?" schlug Remus freundlich vor. „Bedauerlicherweise, ja."

In diesem Moment erklang der Knall einer Fehlzündung, dann begann ein Zweitakter laut zu knattern, und Dracula fuhr standesgemäß in einem schwarzen Motorradgespann vor. „Dnepr", las Remus auf der Maschine. Der Vampir hatte sich von Gehrock und Schnallenschuhen getrennt, stattdessen trug er jetzt Stiefel, Lederjacke und einen Helm.

Er hieß Remus einsteigen und Frankenstein legte dem Werwolf den verletzten Hund in den Arm. „Im Fußraum liegt eine alte Decke. Wickel ihn am besten ein", schlug Dracula vor, winkte den anderen Horrorgestalten zu und reichte Remus einen zweiten Helm.

Nach kurzer Fahrt durch eine zunehmend eisiger werdende Nacht erreichten sie die Tierarztpraxis, die in einem unscheinbaren Hinterhaus untergebracht war. Remus kletterte mit Strolch aus dem Seitenwagen, und Dracula drückte indes die Nachtglocke. Hinter der Glastür war noch Licht, und eine junge Frau mit kinnlangem schwarzem Haar öffnete.

„Ich wollte gerade gehen", sagte sie. „Den Nachtdienst hatte diese Woche Dr. Quincy."

„Bitte, es ist ein Notfall", sagte Dracula und wies auf das Bündel auf Remus' Arm. „Er ist zusammengetreten worden."

„Welcher von beiden?" fragte die Tierärztin mit Blick auf Remus' verbranntes Kinn.

„Strolch,…mein Hund", entgegnete Remus jetzt.

Die junge Frau seufzte und gab den Weg frei. „Zweite Tür rechts, ich komme gleich. Legen Sie ihn schon einmal auf den Tisch."

Eine gute Stunde später standen sie mit Strolch, inzwischen wieder auf allen Vieren und schüchtern mit eingekniffenem Schwanz wedelnd, vor der Tür. Die Tierärztin hatte den Hund abgetastet, geröntgt und mit Ultraschall untersucht. Die Diagnose lautete auf Prellungen, Parasitenbefall und Unterernährung. Nach der Behandlung von Strolch musste Remus sich ein paar schlimme Vorwürfe gefallen lassen, bis Dracula ihm beisprang. „Er hat ihn erst seit ein paar Tagen. Und dass er keine Kohle für den Hundesalon hat, kann man doch wirklich sehen, Doc."

Die Frau hatte Remus einem kritischen Blick unterzogen und ihn dann auf einen Stuhl beordert. Sorgfältig hatte sie sein Gesicht gereinigt, die Barthaare mit einer Pinzette aus der Wunde entfernt und die Brandverletzung versorgt. Ihre Frage danach, wie man sich denn selektiv am Kinn verbrennen könne, hatte Remus mit hartnäckigem Schweigen beantwortet. Dafür hatte die Tierärztin seine Frage nach einer Rechnung glasklar mit einer nicht unerheblichen Summe beantwortet.
„Nachttarif", sagte sie entschuldigend. „Ich krieg sonst Ärger mit dem Chef."
Remus' dunkelhaariger Begleiter bezahlte die Summe bar, ohne mit der Wimper zu zucken.

„Habt ihr beiden einen Platz zum schlafen?" fragte Dracula, als die kalte Nachtluft sie wieder empfing.

„Wir wollten in den Arkaden schlafen", sagte Remus. „Es ist trocken und windgeschützt."

„In den Klamotten?" fragte Dracula ungläubig und betrachtete abschätzig die zerschlissene Kluft, die an Remus wie Lumpen dreckstarrend herunter hing. „Da holst du dir den Tod. Ich dachte, für euch gibt es Unterkünfte für die Nächte."

„Sicher. Aber nicht mit Hund", entgegnete Remus lächelnd. „Aber das ist okay. Wir kommen klar."

Dracula schüttelte unwillig den Kopf. Ohne den Helm hatte Remus vorhin in der Praxis zum ersten Mal sein Gesicht betrachten können: Es war feingeschnitten und von schwarzem Haar wie von Rabengefieder umfangen. Die Haut unter der hellen Schminke, die nun langsam verlief, war von einem olivfarbenen Teint. Um die Augen lagen feine Fältchen, er musste älter sein, als die Vampirmaskerade mit den dunkel umrandeten Augen und sein federnder Gang es zunächst hatte vermuten lassen. Remus schätzte ihn auf Anfang dreißig. Das Herausragendste in Draculas Gesicht waren jedoch die lebhaften grünen Augen, die Remus jetzt neugierig musterten.

„Ihr könntet bestimmt auch bei Thalia hinten im Laden schlafen. Ich bin dort auch vorübergehend untergekrochen."

„Nein danke, wirklich, ich will euch nicht noch mehr Umstände machen", wehrte Remus ab.

„Quatsch nicht, ‚Umstände', wenn ich das schon höre. Du brauchst doch Hilfe, oder? Es gibt da drin eine heiße Dusche, die brauchst du definitiv, und ein paar Klamotten finden wir auch für dich. Komm schon. Ich hab' auch noch Spaghetti auf dem Herd, mit Tomatensoße. Italienisches Familienrezept." Er grinste und entblößte dabei die Reißzähne, die täuschend echt aussahen. Etwas in seinem Gesicht erinnerte Remus plötzlich mit Gewalt an Sirius, und er sog die Ähnlichkeit wie ein Ertrinkender in sich auf. Es war das Grinsen, das in seiner Offenheit und Unbefangenheit so sehr an Sirius erinnerte, dass es wehtat.

Zögernd nickte Remus, und kletterte mit Strolch wieder in den Beiwagen des Motorrads.

„Wie heißt du eigentlich?" fragte der falsche Vampir und setzte den Helm wieder auf.

„Remus. Remus Lupin."

„Gianni Nero", entgegnete Dracula, reichte Remus die Hand, kletterte auf die Sitzbank und startete die 'Dnepr'.

Ende


Dies ist das geplante Ende meines kleinen Three-Shots. Vielleicht mögt Ihr aber mehr von Gianni und Remus? Ich hätte da Ideen für eine Entflohungsaktion und Penne a la Arrabiata, eine Theateraufführung und eine wilde Jagd durchs Ministerium an der Seite des Tränkemeisters.