Ein Strolch zum Verlieben

Fanfiction von Slytherene

Liebe Lesende!

Wie versprochen, hier das Montags-Update. Es wird vermutlich zu noch mehr Verwirrung beitragen, als ohnehin zum Teil besteht, aber tröstet Euch, es kann jetzt nur besser werden.
Für die lieben Reviews bedanke ich mich bei Lina, Missy, Nutellamädchen, Ewjena, Spätzünder und Nuya, für das Korrekturlesen bei TheVirginian.

Heute empfehle ich zur Abwechslung etwas Musik der unklassischen Art, düster und sehr schön:

Deep Purple „The Gipsy"


8. Feuer und Eis

Ein Intermezzo

Als Remus am nächsten Nachmittag nach London zurückkehrte, geschah dies mehr in Trance als in wachem Zustand. Ohne die U-Bahn nutzen zu können, war der Weg weit ins West-End, wo er noch eine letzte Pflicht zu erfüllen hatte, einem kleinen Streuner gegenüber. Danach würde es für ihn kein Morgen mehr geben. Die Welt, in der er lebte, war eine, in der zu leben sich nicht nur nicht mehr lohnte, sondern die einen Grad der Perversität erreicht hatte, der allen Schmerz nur noch in dumpfe Agonie verwandelte. Es war keine Welt mehr für Remus Lupin.

Später hätte er nicht mehr sagen können, wie seine Füße ihn bis zu Thalias Tür getragen hatten, aber sie taten es. Strolch begrüßte ihn überschwänglich, doch von Jimmys und Thalias Gesichtern konnte er ablesen, wie sehr die vergangene Nacht ihn gezeichnet hatte.

„Ich nehme den Hund gleich mit", sagte er zu ihnen.

„Du willst gleich wieder weg?" fragte Jimmy erstaunt.

„Ja, ich kann nicht bleiben", antwortete Remus.

„Willst du nicht wenigstens etwas essen?" Jimmy sah besorgt drein. „Thalia hat gekocht…etwas, ich meine, ohne Fleisch und so." Er verzog das Gesicht. „Schmeckt aber bestimmt prima", beeilte er sich dann zu sagen.

„Nein, vielen Dank." Das Sprechen bereitete ihm Mühe, als sei ein Teil seines Verstandes in dem moorigen Wald verloren gegangen. „Ich muss weg."

Er wandte sich um, ohne sich auch nur für Strolchs Betreuung zu bedanken, und öffnete die Tür.

„Remus!" Thalias Stimme hatte etwas Zwingendes, Eindringliches in sich, und er drehte sich um. Ihr Gesicht wirkte so entschlossen, wie es in der ersten Nacht gewesen war, als sie Malfoy Einhalt geboten hatte.

Mit wenigen Schritten war sie bei ihm, legte ihre Arme um seinen Hals, und ihr Parfüm, nur ein zarter Hauch von Zimt und Orange, zusammen mit dem Duft ihrer Haare, umfing ihn. Er konnte ihre Brust an seiner spüren, und er hörte sie an seinem Ohr wispern: „Ich weiß nicht, was dir geschehen ist, aber mir wird eiskalt bei dem Gedanken, dass du so gehen willst. Bleib."

Ihre Lippen glitten von seinem Ohr über seine Wange auf die seinen, und sie küsste ihn mit geschlossenen Lippen beinahe hart auf den Mund.

Das Blut schoss ihm ohne Vorwarnung in den Unterleib, und seine Hände packten sie, ohne dass er Gewalt darüber gehabt hätte und zogen sie näher an sich, so dass sie seine Erektion spüren musste. Er vergrub seine Hände in der roten Flut ihrer Haare und zweifelte nicht eine Sekunde daran, dass sich ihr warmer Körper perfekt unter seinem anfühlen würde. Er war innerlich tot, und sie war das pure Leben, und zum ersten Mal verstand er den Hunger, der einen Vampir immer wieder zum Töten trieb.

„Das glaub' ich jetzt nicht", sagte eine kalte Stimme hinter ihm, Remus fuhr herum und starrte in Leos Krötenaugen. Eisige Wut lag darin und abgrundtiefer Hass. Mit einer Kraft, die Remus dem dünnen Mann niemals zugetraut hätte, zerrte Leo Thalia von ihm weg.

„Wie kannst du es nur wagen?" zischte er sie an und drückte sie hart gegen die Wand. „Reicht es dir nicht mehr, deine schwulen Freunde zu knutschen? Müssen es jetzt Vagabunden sein, um deine perversen Gelüste zu befriedigen?"

„Hör auf!" sagte sie tonlos, und Tränen liefen über ihre Wangen.

„Lass sie los", knurrte Remus, und tatsächlich gab Leo sie sofort frei.

Doch fertig war er noch nicht mit ihr.

„Du glaubst doch nicht, dass nur einer von ihnen dich auch nur anrühren würde, wenn sie wüssten, wie du wirklich bist. Was du wirklich bist. Wenn sie dich jemals so gesehen hätten, wie ich dich kenne?"

Sie schüttelte den Kopf, immer noch weinend.

Leos Stimme wurde auf einmal samtweich. „Du weißt doch genau, dass kein anderer als ich dich jemals lieben kann. Niemand kann dich ansehen, außer mir. Keiner könnte die Wahrheit ertragen, nur ich. Ist es nicht so?"

Sie reagierte kaum.

Leo sprach weiter auf sie ein wie auf ein bockiges Kind. „Du bist doch meine einzige weiße Rose auf dem Klavier. Ich würde nie eine andere ansehen, das weißt du. Aber ohne Wasser wird meine kleine Rose vertrocknen, und du willst doch nicht, dass ich dir das Wasser entziehe, mein Herz."

Remus hatte das Gefühl, als würde Leo eine Art Kokon aus schrecklichen, bösen Worten, aus getarnten Drohungen und klebrigen, ekelhaft süßen Zuckerstricken um Thalia weben. Doch die perfide Magie schien zu wirken, denn er konnte sehen, wie ihr Gesichtausdruck weich und ihr Blick willenlos wurde.

„Pass auf den Laden auf", sagte Leo nüchtern zu Jimmy. „Und du, verschwinde", wandte er sich beinahe unbeteiligt an Remus.

Dann zog er Thalia an der Hand hinter sich her, über die Straße, und sie verschwanden hinter dem breiten Tor, das den Innenhof von den Arkaden trennte.

oooOOOooo

„Heiliger Klabautermann", entfuhr es Jimmy, der regungslos in der Tür zum Hinterraum gestanden hatte.

„Was tut er da mit ihr?" fragte Remus.

„Das wüssten wir alle gerne", antwortete Jimmy. „Ich verstehe das nicht, sie ist so stark, aber wenn Leo auftaucht, frisst sie ihm aus der Hand. Aber das, was da eben zwischen euch abgegangen ist, habe ich so auch noch nie von ihr gesehen. Ich dachte, ihr verschwindet gleich hinten auf der Couch. Ich meine, manchmal küsst sie Gianni, aber das ist eher…" Er suchte nach Worten.

„…platonisches Knutschen", vollendete Remus den Satz des Hünen.

„Das trifft es ungefähr", gab Jimmy zu.

Sie standen schweigend zwischen Kaffee und Schokolade, und Strolch blickte ratlos von seinem Herrn zu seinem Lieblingshundesitter.

Jimmy räusperte sich schließlich. „Ich würde mich besser fühlen, wenn du hier wärest, falls sie doch zurückkommt. Zumindest solange Gianni nicht da ist. Vielleicht solltest du dann doch etwas essen, Remus. Du wirkst nicht besonders stabil."

„Ha! Hahaha!" lachte Remus bitter. „Nicht besonders stabil – ich mag dich, Jimmy. Du bist fast so ein Könner in Untertreibungen wie ich. Hilf mir, denn ich werde es nicht mal mehr bis zum Tisch hinten schaffen." Remus hatte gespürt, wie ihm jetzt, da sich das Adrenalin langsam aus seinem Blut verabschiedete, die Knie weich wurden. Jimmy grinste und war sofort an seiner Seite. Er schälte Remus aus dem Mantel, meckerte über die Kiefernnadeln, die in Mengen auf den Boden fielen und bugsierte Remus ins Hinterzimmer. Am Tisch lud er ihn ab, stellte das Radio an und einen Oldiesender ein, und begann das gemüselastige Gericht zu erwärmen, das in einer Pfanne auf dem Herd stand.

„Geh' nicht weg!" befahl er Remus und verschwand kurz nach draußen. Als ob Remus noch hätte gehen können, selbst wenn er gewollt hätte. Er war jetzt restlos fertig, physisch und psychisch, und die Wärme und Entspannung ließen ihn einfach zusammenklappen. Jimmy trat über beide Backen strahlend wieder ins Zimmer zurück, in der Hand eine länglichrunde Dose.

„Würstchen", grinste er. „Damit steigt die kulinarische Qualität dieses Pflanzenzeugs auf über hundert Prozent.

Remus wollte protestieren, dass hundert Prozent schon rein mathematisch in jedem Fall die Obergrenze seien, aber er brachte den Mund nicht mehr auf. Seine Hände zitterten unkontrolliert, als Jimmy einen Teller mit veganer Gemüsepfanne mit Würstchen vor ihm auf den Tisch stellte. Der Ex-Matrose sah ihn mitleidig an und begann dann kurzerhand, ihm die warme Mahlzeit Bissen für Bissen mit der Gabel in den Mund zu schieben.

„Durst", sagte Remus zwischen zwei Bissen, und Jimmy entschied, dass Vitamine her mussten und Proteine auch, also schüttete er einen Achtel Liter Milch in ein halbvolles Glas mit Orangensaft, und flößte Remus die Flüssigkeit ein, die sofort gerann.

Als der Teller vor ihm dreiviertel leer war, gab Remus auf. „Kann nicht mehr", sagte er knapp.

„Willst du noch duschen?" erkundigte sich Jimmy fürsorglich.

Remus schüttelte müde den Kopf. „Nur schlafen, nicht mehr denken."

Jimmy überlegte. „Ich könnte dich k.o. schlagen, ansonsten müsstest du einfach von selbst aufhören zu denken. Aber ich kann dich ins Bett packen."

Er hantierte Remus, als wäre dieser eine Spielzeugpuppe, doch gleichzeitig hatte er eine Sanftmut und Sorgfalt an sich, die Remus durch die Wellen der Erschöpfung, die jetzt über ihn hinweg rollten, noch erreichte.

‚Die haben alle keinen Grund, mir zu helfen', dachte Remus. ‚Jeder von denen muss ein manifestes Helfersyndrom haben. Leo ist der Einzige, der hier normal reagiert.'
Nach diesem letzten Gedanken schlug die Dunkelheit über ihm zusammen.


TBC

Ha, was meint Leo nur mit diesen finsteren Andeutungen? Ist Thalia nicht das, was sie zu sein vorgibt? Tragen hier alle eine Maske? Und wer ist für den Mummenschanz verantwortlich? (Wer hat da "Severus" gerufen von den billigen Plätzen? Was? Zwei Stimmen für Lucius. Ja, und...eine für Dumbledore... Wie, Sirius? Ich sehe schon, die üblichen Verdächtigen.) Wird Remus das jemals rausfinden? (Diese Frage ist vermutlich die einfachste, denn sollte ich die Geschichte zuende schreiben, wird er das schon irgendwie hinbekommen, unser kluger Remus.)