Ein Strolch zum Verlieben

Fanfiction von Slytherene

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Liebe Lesende!

Vielen Dank für Eure lieben Reviews an Pete, Lina, MissMoony, Nicole, Bersekgorilla, Moons, Spätzünder, Nutellamädchen, Moonlight und Ewjena. Ich freue mich, dass Euch auch das letzte Kapitel wieder gefallen hat.

Heute geht es weiter, und alle fragen sich natürlich: Wird unser allerliebster Werwolf die Gabelstaplerprüfung bestehen?

Thalias Geheimnis übrigens wird noch nicht gelüftet, sondern erst am Ende der Geschichte…Ihr erinnert Euch, zwanzig Kapitel (werden wohl 21 oder 22). Aber natürlich wird es weiterhin mysteriöse Hinweise geben… Viel Spaß beim Rätselraten und viel Freunde beim Lesen!


16. Schuldgefühle

Der folgende Tag verging wie in einem Nebel. Remus war so müde, dass die Morgenstunden einem farblosen Traum gleich an ihm vorbei zogen. Er war dankbar, dass seine Arbeit nur ein Mindestmaß an Konzentration verlangte. Trotzdem musste er zweimal nach vorne zum Verteilerband laufen und Pakete wieder zurückschleppen, die er falsch aufgelegt hatte.
Er sehnte sich nach dem bisschen Ruhe in der Mittagspause, nach seinem Sandwich, ein paar Äpfeln und fünfzehn Minuten mit geschlossenen Augen, an die Wand gelehnt. Danach würde er die letzten Fragen wiederholen…
Doch er benötigte länger als sonst, um die anfallende Arbeit zu erledigen, oder vielleicht waren es auch ausgerechnet heute mehr Pakete als gewöhnlich, denn er bemerkte, dass auch einige seiner Kollegen länger an ihren Plätzen blieben. Niemand ging hier nachhause, bevor er nicht alles abgearbeitet hatte. Genauso gut hätte man sich gleich beim Captain seine Papiere holen können.
Als Remus um kurz vor eins endlich fertig war, kam Ed um die Ecke geschlurft.

„Hey Lupin. Kannst gleich mit in die andere Halle kommen, der Prüfer ist schon da."

„Ich denke, er kommt erst am Nachmittag", sagte Remus und spürte, wie ihm die Knie weich wurden. Er war erschöpft, mehr als alles andere brauchte er eine Pause.

„Hast hier nicht zu denken", erwiderte Ed. „Sie waren bei der Konkurrenz schneller fertig, müssen Idioten gewesen sein. Zwei von drei sind durchgefallen. Blamier' uns bloß nicht!"

Remus stöhnte. „Verschaff' mir zehn Minuten, bitte. Ich muss etwas essen."

Ed nickte und schlurfte wieder davon.

‚Dynamik sieht auch anders aus', konstatierte Remus still. Er setzte sich direkt ans Band und holte einen Apfel aus der Tasche. Der süßsaure Geschmack auf der Zunge war jetzt genau das Richtige, und der Fruchtzucker im Obst würde ihn über die nächste Stunde bringen – irgendwie.
Als er fertig war, atmete er tief durch, nahm seine Tasche und machte sich auf den Weg ins Staplerlager. Der Prüfer stand bei Ed und dem neuen Stapler, einem wahren Wunderwerk der Technik. An das Prachtstück – die Firma besaß es erst seit zwei Wochen – hatte Ed Remus natürlich nicht heran gelassen. Er hatte mit dem zwanzig Jahre alten Modell eines anderen Herstellers geübt.
Der Prüfer war ein kleiner Mann mit schütterem Haar und dicker Hornbrille, der Remus an einen der Beamten aus der Abteilung zur Aufsicht und Führung Magischer Geschöpfe erinnerte. Keine gute Erinnerung.

„Guten Tag", grüßte Remus zurückhaltend.

Der Prüfer sah auf. „Ah, Mister…" Er blickte auf sein Klemmbrett. „Lupin." Er reichte Remus die Hand. „Price, Diplomingenieur, mein .Name. Da wir schon hier sind, beginnen wir gleich mit dem praktischen Teil. Sie haben ja das Glück, jetzt dieses fantastische technische Wunderwerk bedienen zu dürfen. Zuvor erklären sie mir jedoch bitte Funktionsweise und die vor Betriebsbeginn des Fahrzeugs notwendigen Sicherheitsvorkehrungen."

Remus erschrak. Er hatte den neuen Stapler bisher nur von weitem gesehen. Ed betrachtete die Maschine als sein persönliches Heiligtum, er ließ niemanden an sie heran, schon gar nicht einen aus der ‚Packmannschaft'. Außerdem hatte Remus sich auf ein paar Multiple Choice-Fragen eingestellt, nicht auf komplexe Prüfungsgespräche.

„Na?"

Besonders geduldig schien Mr. Price, Diplomingenieur, nicht zu sein.

Remus holte tief Luft. Er hatte Arithmantik und alte Runen studiert, er war Lehrer und wenn jemand frei sprechen konnte, dann er. ‚Fang mit den Grundlagen an', sagte er sich. Und dann erklärte er zunächst die Funktionsweise einer Hydraulik, wechselte zu Basisinformationen über den Motor und die Handhabung der Technik. Der Ingenieur nickte nur ein paar Male, warf gelegentlich eine tiefer gehende Frage ein und bekritzelte das Formular auf seinem Klemmbrett. Als Remus bei der Aufzählung der Sicherheitsregularien und rechtlichen Grundlagen ins Schlingern kam, fragte der Ingenieur erst Ed, der jedoch wenig bis nichts beitragen konnte. Mr. Price entschied sich daraufhin dafür, Remus ein bisschen gezielter auszuquetschen, half ihm mit seiner Art der Fragestellung jedoch geschickt weiter.
Am Ende nickte er zufrieden.
„Und jetzt stellen Sie bitte die Kisten dahinten auf das Hochregal Nummer vier."

Das war der Moment, vor dem sich Remus gefürchtet hatte. Er wusste nicht, wie er das Ungetüm vor sich zu bedienen hatte.

„Ich habe auf dem FJ 02 gelernt", sagte er. „Den Linde E 30 Ex habe ich noch nicht bedient."

„Der FJ 02 war heute morgen plötzlich kaputt", murmelte Ed.

„Interessant", meinte der Prüfer und machte sich eine Notiz. „Dann sehen wir mal, wie Sie sich mit unbekannter Technik schlagen. Hopp, hinauf."

Remus zog sich mit weichen Knien auf den Stapler. Merlin, er hatte schon ganz andere Prüfungen bestanden, in seinem Zeugnis standen nicht weniger als acht UTZs. 'Und was haben sie dir gebracht?' fragte eine höhnische Stimme in seinem Kopf. Nur die Gegenwart zählte, nur diese Prüfung hier und jetzt.

Er ließ den Blick über die Anzeigen und Hebel schweifen. Links waren die Schalter für die Bedienung des Hebemechanismus, rechts die Steuerung des Fahrzeugs. Der deutsche Hersteller hatte alles minutiös beschriftet – allerdings in seiner Muttersprache. Remus dankte im Geiste seinem Vater, der ein Liebhaber klassischer Dichtung gewesen war und seine Söhne mit Goethe und Schiller bis zum Überdruss gefüttert und auf Familienurlaub in Weimar und Frankfurt bestanden hatte. Nachdem er sich einen Überblick verschafft hatte, startete Remus den Motor.
Zehn Minuten später waren die von Mr. Price bezeichneten Kisten auf ihren Paletten im Hochregal vier verstaut, und Remus ließ sich erschöpft vom Stapler gleiten.

Mr. Price sah zufrieden aus.
„Gut", sagte er, „dann wollen wir uns mal den FJ 02 ansehen." Zielstrebig schritt er auf seinen kurzen Beinen durch die Halle auf die alte Maschine zu.

Remus sah Ed fragend an, der zuckte die Schultern und beide folgten dem Ingenieur.

„Dann klappen Sie mal auf", forderte er Remus auf, als dieser den Stapler erreichte. Ed reichte Remus wortlos einen blechernen Werkzeugkoffer.

„Wie nennt man denn diesen Schraubenschlüssel?" frage Price.
Remus dachte nach, Thalias konzentriertes Gesicht vor Augen. Dieselbe Frage hatte sie ihm am Vorabend gestellt. Tatsächlich erinnerte er sich an die Buchstaben-Zahlen-Kombination.
Price nickte zustimmend.
Remus warf einen Blick auf die Hebevorrichtung, klopfte an ein paar Teilen herum und rüttelte an anderen. „Das sieht auf den ersten Blick alles normal aus", sagte er.

„Is' ja auch der Motor, der nicht tut", knurrte Ed.

„Das hätten Sie aber auch früher sagen können", wies Price den Mechaniker zurecht. „Dann wollen wir mal einen Blick in den Motorenraum werfen, Mr. Lupin."

Remus entfernte das Schutzblech und beantwortete Prices Fragen, soweit es ihm möglich war. Ein paar Mal musste er passen.

Merlin sei Dank hatte er in den letzten Wochen so viele Stunden mit Gianni unter und neben dessen ‚Dnepr' verbracht, dass er sich jetzt in dem etwa gleichaltrigen Motor des Staplers einigermaßen zurecht fand. Tatsächlich hatte sich eine Kabelverbindung abgelöst und die Antriebswelle war gebrochen.
„Ohne das Ersatzteil kann ich es nicht richten", erklärte Remus schließlich.

„Das ist auch nicht nötig", sagte der Prüfer. „Vielen Dank, Mr. Lupin. Sie haben bestanden. Geben Sie mir bitte ihren alten Staplerführerschein, damit ich ich den Technikereintrag hinzufügen kann."

Remus stutzte. „Ich habe gar keinen…"

„Hat er nicht. Schuldigung, Mr. Price, aber unser Chef meinte, dass er gleich die Technikprüfung machen soll. Er sagte, das hätte er bei Ihrer Dienststelle auch so angemeldet", schnodderte Ed dazwischen. „Deswegen musste ich auch heute Morgen den FJ lahm legen." Er schnaubte. Offensichtlich betrachtete er das als eine Zumutung.

Price sah verwirrt aus. „Das ist aber ungewöhnlich", sagte er schließlich. Er kratzte sich am Kinn, aber dann sagte er: „Nachdem wir schon einmal hier sind, ich alle Stempel und natürlich auch alle Befugnisse habe…Nun gut, Sie waren ein ordentlicher Prüfling, Mr. Lupin. Ich hab' zwar schon schnellere Mechaniker gesehen und weitaus bessere Stapelfahrer, aber die theoretische Vorstellung war wirklich gut."

Er zog ein weiteres Formular aus der Tasche und trug Remus' Namen ein. Der Ingenieur unterschrieb in zwei Spalten und machte sich dann mit wichtigtuerischer Miene daran, seine Stempel aus einer verschlossenen Metallkassette zu holen.
Schließlich händigte er Remus die gelbe Bescheinigung aus.
„Herzlichen Glückwunsch", sagte er und schüttelte ihm die Hand.

Eine Bewegung im Augenwinkel veranlasste Remus, sich umzusehen. Jimmy lehnte lässig an einem der Regale und reckte grinsend den Daumen nach oben. Hoch auf der Stahlbalustrade stand Bruchmueller. Er sah äußerst zufrieden aus, nickte Remus zu und verschwand wieder in seinem Büro.
Jimmy schlenderte jetzt betont gelassen auf Remus zu und schlug in die dargebotene Hand ein. Er versicherte sich, dass Ed und der Prüfer bereits weit genug entfernt waren, um sie nicht mehr zu hören, dann sagte er laut zu Remus:
„Gut gemacht, Mann!" und setzte leise hinzu: „Die fälligen Umarmungen gibt's später."

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Es gab sie kurze Zeit später, Umarmungen von Jimmy, überschwängliche Liebesbezeugungen von Gianni und Strolch, die in Remus' Küche bereits gewartet hatten.

„Ich habe erst heute Morgen erfahren, dass du nicht nur den ersten Staplerschein für die Bedienung machen sollst, sondern gleich den Technik-Eins-Schein", erklärte Jimmy. „Sonst hätte ich dir natürlich was gesagt."

„Ich verstehe nur nicht, warum der Captain das so organisiert hat", sagte Remus kopfschüttelnd. „Er musste doch damit rechnen, dass ich mich bis auf die Knochen blamiere."

„Du hast vor zwei Wochen mit Morris zusammen das Band repariert, in der Frühstückspause, weißt du noch? Und mit Thomas hast du über Hydraulische Pressen gesprochen. Das weiß ich von Redd, der's mir erzählt hat und wissen wollte, ob du wohl mal Nachhilfe in Physik geben würdest. Sein Sohn geht auf die Mittelschule und hat es da wohl nicht so leicht. Seine Eltern können ihm ja kaum helfen bei dem komplizierten Kram."

„Er hat mich nicht gefragt", sagte Remus.

„Sein Junge hatte einen Fahrradunfall und liegt mit gebrochenem Arm in Krankenhaus, da hat er's wohl einfach vergessen in der Aufregung."

Remus erinnerte sich jetzt, dass Redd von dem Unfall erzählt hatte.

Gianni holte eine Flasche Sekt aus dem kleinen Kühlschrank. „Wollen wir anstoßen? Der dürfte jetzt kalt genug sein."

„Vielleicht sollten wir die Feier in Thalias Laden verlegen?" schlug Remus vor. „Immerhin hat sie sich die halbe Nacht um die Ohren gehauen, um mir beim Lernen zu helfen. - Was ist?"

Er sah in die Gesichter seiner Freunde, die einen merkwürdig gequälten Ausdruck angenommen hatten.

„Was ist los?" fragte er noch einmal, jetzt alarmiert. Hatte Thalia ihnen von seinem gestrigen Blackout erzählt? Ihm wurde kalt und schlecht bei dem Gedanken.

Gianni räusperte sich. „Wir wollten es dir eigentlich erst morgen sagen. Thalia ist heute Morgen im Lager hinten von der Leiter gerutscht. Sie hat sich das Handgelenk angebrochen, und sie wollten sie noch einen Tag im Krankenhaus behalten, wegen der Gehirnerschütterung."

Eine Viertelstunde später waren sie auf dem Weg ins Krankenhaus. Remus, obwohl ihm die Müdigkeit jetzt schwer auf den Gliedern lag, hatte keine Ruhe gegeben. Zwar hatten ihm die anderen versichert, Thalia sei soweit in Ordnung und auch gut versorgt, Leo sei bei ihr, und vermutlich würde sie jetzt auch schlafen. Doch Remus hatte darauf bestanden, sofort loszufahren.
Was er den beiden anderen Männern verschwieg, waren die Selbstvorwürfe, die ihn quälten. Sie war seinetwegen die halbe Nacht auf gewesen. Merlin allein wusste, ob sie überhaupt noch Schlaf gefunden hatte nach dem, was er vor dem Friedhof gesagt hatte. Verdammt, sie hatte sich darauf verlassen, dass er ihr Freund war, und er war dumm und egoistisch genug gewesen, alles zu zerstören.

In der Eingangshalle besorgte er zu Giannis Erstaunen einen bunten Frühlingsstrauß.

„He, was hat sie, das ich nicht habe? Mir hast du noch nie Blumen mitgebracht!"

„Sie hat ein gebrochenes Handgelenk", erklärte Jimmy grinsend und tätschelte Gianni in ironischer Geste tröstend die Schulter.

„Ich brech' mir auch was. Reicht der Fuß?" platzte Gianni heraus.

„Du wirst gleich eine gebrochene Nase haben und als einzige Blume ein Veilchen", orakelte Remus dunkel und bezahlte die hoffnungslos überteuerten Blumen. „Erstens bringt man Blumen mit, wenn jemand nicht gerade wegen eines Heuschnupfens im Krankenhaus liegt und zweitens hat sie mir beim Lernen geholfen. Ohne sie hätte ich es nie geschafft."

„Ich hätte dir auch geholfen, wenn ich nicht im Theater gewesen wäre. Ich musste arbeiten."

„Gianni." Remus atmete tief durch. „Es geht doch nicht darum, ob du geholfen hast oder nicht. Ich weiß, dass du es getan hättest, also hör doch bitte auf, dich so zu echauffieren. Ich bringe ihr ein paar… Lilien, Margeriten und diese Blauen hier mit, ich werde nicht um ihre Hand anhalten."

„Na was für ein Glück für Leo", grinste Jimmy. „Wer weiß, ob sie nicht ‚ja' sagen würde."

Remus boxte ihm auf den Oberarm und floh dann in Richtung der Information.

Thalias Zimmer lag im vierten Stock, und als die drei Freunde nach einem Klopfen die Tür öffneten, blickte Leo auf.

„Dürfen wir stören?" fragte Jimmy.

„Ja, aber seid leise. Sie schläft."

Leo sah blass und müde aus, seine Kleidung war zerknittert, heller Flaum schimmerte auf seinem unrasierten Kinn und unter den Augen hatte er dunkle Schatten. Über den Knien hatte er eine Zeitung, die in keinem besseren Zustand war als der Rest von ihm.

Thalia lag mit leicht geröteten Wangen zwischen den weißen Laken, ihr rotes Haar fiel offen über Kissen und Decken und bildete einen flammenden Kontrast zu dem blütenweiß bezogenen Bett.

‚Oh Merlin, so habe ich es nicht gewollt', dachte Remus.

Gianni half ihm, eine Vase für die Blumen zu finden und stellte sie auf den Nachttisch.

„Das ist echt nett von euch dreien", sagte Leo und gähnte ausgiebig. „Wenn ihr hier seid, geh' ich mir mal einen Kaffee holen."

Er stand auf, und Gianni ließ sich wie selbstverständlich auf den Stuhl fallen, auf dem Leo eben noch gesessen hatte und nahm Thalias Hand.

„Armes Mädchen", sagte er leise. „Bist so müde, dass du von der Leiter fällst. Und an all dem ist nur dieser karrieregeile Supertechniker Schuld." Er zwinkerte in Remus' Richtung.

„Oh, bitte", sagte Jimmy, dem Remus' gequälter Ausdruck nicht entgangen war.

„War doch nur ein Scherz", erwiderte Gianni.

„Kein guter", meinte Jimmy. Dann wandte er sich Remus zu. „Mach dir bloß keine Vorwürfe. Es hätte auch an jedem anderen Tag passieren können, und so ärgerlich es ist, sie wird wieder völlig gesund werden."

Sie schwiegen eine Weile, dann begannen Gianni und Jimmy sich leise über das Für und Wider der Segelschule auszutauschen. Wie es schien, hatte Jimmy den Plan immer noch nicht ganz aufgeben können, auch wenn er am Ende jedes dritten Satzes immer wieder zu der Erkenntnis gelangte, dass sein Traum derzeit nicht zu verwirklichen war. Er hatte inzwischen mit seiner Bank gesprochen, aber da er keine Sicherheit außer seinem festen Job vorweisen konnte und er diesen für die Schule natürlich aufgeben musste, war der Kreditrahmen, den man ihm angeboten hatte, enttäuschend gering gewesen.
Als Leo nach einer Weile wiederkam und kurze Zeit danach auch ein Arzt mit einer Schwester, beschlossen die Männer zu gehen. Gianni schlug vor, noch in einem Pub auf Remus' bestandene Prüfung anzustoßen, aber weder Jimmy noch Remus selbst hatten dazu Lust.

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„Ich glaube, ich weiß, was du brauchst", sagte Gianni, als Strolch sie beide voller Begeisterung begrüßte. „Strolchi, mein süßer Streuner, du musst dich ein Stündchen gedulden, Papa Gianni muss erst einmal Mama Remus wieder fit machen. Ich verspreche danach einen schönen Spaziergang und Stöckchenwerfen bis zum Abwinken…Abwedeln, aber danach eben."

Der kleine Hund bellte, als habe er verstanden und kringelte sich wohlerzogen in sein Körbchen.

„Was hast du vor?" fragte Remus müde. Jetzt, da alle Anspannung von ihm abfiel, spürte er die Erschöpfung überdeutlich. Der Vollmond in der Abtei, die mühsame Reise dorthin, danach eine normale und dann schon wieder eine Nacht ohne Schlaf – es war einfach zu viel.

„Wirst du schon sehen", erklärte Gianni grinsend. Er knotete sein Halstuch ab und verband Remus die Augen.

„Bitte, nicht heute", jammerte Remus, als Giannis Hände ihm vorsichtig das Hemd aufknöpften. „Ich bin müde."

So müde bist du nicht", widersprach Gianni sanft und drückte seinen nun bereits ebenfalls schon nackten Oberkörper an Remus' Brust.

„Ich werde eine Enttäuschung für dich sein", prophezeite Remus finster.

„Aber nein", versicherte ihm Gianni. „Du wirst mein passiver, entspannter Gefährte sein, und wir werden beide viel Freude daran haben."

Remus wehrte sich nicht, als Gianni ihm zum Bett führte und ihm auch die restlichen Kleidungsstücke auszog. Gianni liebte ihn, er tat es mit Zärtlichkeit und Hingabe, und er machte seine Sache verdammt gut. Nichts sehen zu können war ein Reiz, dem sich auch Remus' erschöpfter Körper nicht entziehen konnte. Remus hatte sich früher lange gegen die Triebhaftigkeit des Wolfes gewehrt, aber jetzt war er froh, nur die Schilde ein bisschen herunter nehmen und sich treiben lassen zu können. Er spürte Giannis warme, geschickte Hände und ließ sich in die Geborgenheit fallen, die ihm der andere Mann schenkte. Er hob sich dem sanften Druck entgegen, lauschte auf den sich beschleunigenden Atem seines Liebhabers und fühlte die feuchte Wärme, als Gianni sich zuckend in ihm verströmte.

„Ich liebe dich", keuchte dieser und strich sich eine lange nachtschwarze Strähne aus der schweißnassen Stirn. „Bei Gott, der Jungfrau Maria und der heiligen Mutter Kirche, ich liebe dich."

Remus' Erwiderung, dass gerade die letztgenannte ihrer beider Tun wohl eher als Sünde denn als Akt der Liebe zur Schöpfung betrachtete, ging in Giannis leidenschaftlichen Küssen unter.

Remus war dankbar, dass Gianni offenbar nicht erwartete, dass er etwas auf diese Liebeserklärung erwiderte. Er hätte nicht gewusst, was er antworten sollte.

Er liebte Gianni, aber wenn Thalia am Abend zuvor nicht für sie beide einen kühlen Kopf behalten hätte, hätte er ihn hintergangen, ohne nur einen Gedanken an Schuld zu verschwenden.


TBC

P.S. Die Gabelstapler gibt es wirklich, sowohl den FJ (und es ist nicht die alte Yamaha gemeint…) als auch den Linde. Deutschland ist führend in der Gabelstaplerproduktion, kein Witz, aus diesem Grund verwenden sie die Produkte „Made in Germany" tatsächlich in England. Jeder 2. Gabelstapler geht in den Export. Das wolltet Ihr doch jetzt unbedingt wissen, oder? ;-))

Übrigens, Werder Bremen hat gestern grandios verloren :o((
Miro und der Schiri waren Schuld. Die sollten jetzt mal Schuldgefühle haben!

Und weil dieses Kapitel so kurz war, verspreche ich für morgen noch ein Update.
Lob? Irgendwer?

LG Eure Slytherene