Disclaimer: Alle bekannten Personen gehören Stephenie Meyer. Wir verdienen auch kein Geld damit, wir haben einfach nur Spaß am Schreiben.

Und was war mit Maria?

Ich hatte Alice den Spaß gelassen das Auto zu fahren, auch wenn sie mich höflich gefragt hatte, ob ich nicht fahren wollte. Ich hatte es mir auf dem Beifahrersitz gemütlich gemacht. Die Beine so gut es ging ausgestreckt und bequem in den Sitz zurück gelehnt.

Ich sah Alice von der Seite an. Ein Lächeln lag auf meinen Lippen.

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Mein Blick glitt zur Seite, wo Jasper saß und mich anlächelte. Die letzte Nacht war zu schön gewesen. Jasper mit seinen sanften Küssen...

Wir waren seit einem Tag unterwegs. Doch viel Weg lag nicht hinter uns.

Gestern ging alles sehr schnell. Ich hatte meine Sachen zusammen gepackt. Es waren immerhin nur 4 Koffer. Jasper war trotzdem von der Anzahl der Koffer geschockt gewesen. Als hätte er so viele Koffer auf einmal noch nie gesehen.

Bei dem Gedanken musste ich schmunzeln. Es war manchmal einfach zu komisch und er war älter als ich!

Das Auschecken ging schnell, in der Empfangshalle sahen uns aber wieder alle an. Manche dieser Menschen tuschelten hinter unserem Rücken, wie wir es nur wagen konnten Händchenhaltend durch die Halle zu spazieren.

Die waren mir aber alle heute Morgen egal, nach letzter Nacht. Ich verstand jetzt, warum mich Jasper unbedingt ruhig halten wollte.

Später als wir auf mein Auto warteten und die Koffer neben uns standen, schenkten uns die Menschen noch mehr Aufmerksamkeit. Die Koffer wollten einfach nicht in den Kofferraum. Nach längeren Bemühungen von den Portiers war dann alles verstaut.

Der erste Tag im Auto schien nicht enden zu wollen. Jasper schwieg mich an. Und ich hatte keine Lust die Alleinunterhalterin zu spielen.

Heute konnte ich, nachdem wir getankt hatten, es nicht mehr aushalten so ruhig zu bleiben.

, Jasper, erzähl mir doch mal etwas von deiner Vergangenheit. Ich mein, dass du ein Soldat warst sehe ich. Aber wie bist du zum Vampir geworden?´´, fragte ich ihn.

Jasper starrte mich kurz an. Er blieb aber ruhig.

Nach einigen Stunden hörte ich ihn ein , später´´ murmeln.

Dieses später dauerte.

Doch jetzt begann er mir plötzlich zu erzählen.

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Ich hatte während der Fahrt meine Gedanken sortieren müssen. Auf Alice Gesprächanfänge ging ich meist nur knapp ein, auch wenn ich merkte, dass es ihr nicht sonderlich gefiel. Auf die meisten ihrer Fragen kannte sie bereits die Antworten. Zumindest ging ich davon aus, nachdem sie mir so ausführlich von ihren Zukunftsvisionen erzählt hatte.

Ich hatte die Beine ausgestreckt, zumindest so gut es ging und mich im Sitz zurück gelehnt. Alice warf mir mittlerweile schon fast vorwurfsvolle Blicke zu, nachdem ich sie jetzt schon einige Tage auf meine Antwort warten ließ.

Ich wollte mich nicht an die Zeit zurück erinnern. An Maria... An die Kämpfe...

Ich räusperte mich, um zu sehen, ob Alice mir jetzt noch Aufmerksamkeit schenken würde.

Als sie mich kurz ansah, musste ich erneut kurz Lächeln.

"Willst du immer noch alles wissen?"

Sie nickte kurz. Immerhin hatte ich genug Zeit mir zu überlegen, was genau ich sagen wollte.

Ganz von vorne musste ich wohl nicht beginnen, wobei ich mich fragte, was genau Alice alles über mich wusste. Vermutlich nur die Dinge, die ab ihrer "Geburt" geschehen sind. Auch wenn ich nicht daran glaubte, dass sie ständig nur mein Bild vor Augen hatte.

Nachdem ich meinen Kopf zurück gelegt hatte, erzählte ich ihr grob von den Vampirkämpfen, die sich langsam im Süden ausbreiteten, damit sie eine kleine Grundlage hatte. Ich merkte schnell, dass sie daran nicht viel Interesse hatte.

"Ich wollte der Armee beitreten...", fing ich schließlich an von meiner Vergangenheit zu erzählen.

"Mein Vater war natürlich stolz auf mich. Für die damalige Zeit war es fast selbstverständlich, dass alle jungen Männer das taten. Meine Mutter dagegen machte sich große Sorgen, als ich kurz bevor ich 17 wurde bereits der konföderierten Armee beitreten wollte. Ich sei zu jung... Zunächst sah ich auch ein Problem darin, aber als ich, vermutlich auch durch meine Größe, für 20 gehalten wurde, stand mir alles offen."

Ich sah kurz zu Alice.

"Jetzt glaube ich, dass es wirklich unglaublich naiv war so wie alle anderen in die Armee zu wollen. Kämpfe, Blutvergießen und ständige Angst nicht mehr nach Hause zu kommen..."

Ich schüttelte kurz den Kopf um die Gedanken von meiner Familie wieder auf die eigentliche Geschichte zurück zu lenken. Meine Eltern hatten nichts mit der Sache zu tun und sie konnten auch nichts dafür, auch wenn es mir noch immer weh tat, dass sie vermutlich nie erfahren hatten, was mit mir passiert war. Wie Recht meine Mutter doch hatte.

"Die Leute mochten mich und taten das, was ich ihnen sagte, so dass es nicht schwer war aufzusteigen. Mein Vater nannte es Charisma. Naja... Mochte vielleicht eine Rolle spielen, aber ich hatte eben schon immer ein Talent die Gefühle der anderen zu spüren. Eine besondere Menschenkenntnis eben. Die Tatsache, dass ich sie jetzt auch beeinflussen kann, würde ich nicht unbedingt als negativ werten."

Ich sah erneut zu Alice und grinste breit. Ich wollte nur sicher sein, dass ich sie nicht langweilte. Ich hatte vor das ganze ein wenig abzukürzen. Ich schweifte vermutlich schon vom Thema ab.

"Nachdem ich eine Gruppe von Zivilisten nach Houston begleiten sollte", führte ich meine Erzählung fort, nachdem ich Alice erneut über die Kriegssituation aufgeklärt hatte, "und diese in der Stadt alle untergebracht wurden, ritt ich mit einem Pferd zurück, um die nächste Gruppe zu begleiten."

Schließlich näherte ich mich dem Punkt, den Alice wohl interessierte.

"Ich hatte gelernt anderen zu helfen, so war es auch ein natürlicher Reflex, dass ich zu den 3 Frauen ritt, die kurz hinter der Stadt umherstreiften. Ich stieg ab. Erst jetzt erkannte ich, dass sie alle 3 sehr blass waren."

Alle waren sie schön gewesen in meinen Augen, aber das musste Alice so nicht erfahren.

"Alle 3 noch Mädchen, aber mit einer Haut wie Porzellan. Ich war natürlich verwundert, aber es hielt mich nicht davon ab, mich ihnen zu nähern. Was hätten mir auch 3 junge Frauen tun können? Ich dachte schließlich auch, dass sie meine Hilfe brauchen würden."

Ich strich Alice zärtlich über die Wange.

"Die 3 redeten über mich, obwohl ich dabei stand. Ihre Stimmen klangen wie ein Windspiel. Ich hörte einfach zu, was sie sagten, auch wenn einiges für mich zu diesem Zeitpunkt noch keinen Sinn ergab. Ich merkte, dass Maria wohl die war, die das sagen über die beiden anderen hatte. Sie war die kleinste und hatte im Gegensatz zu Nettie und Lucy schwarze Haare, während die beiden anderen engelsblonde Haare hatten. Maria hielt mich für genau richtig... jung, stark, Offizier... Dazu kam, dass sie mich für unwiderstehlich hielt."

Ihre Worte klangen damals wie süßer Honig. Mein Blick wanderte zu Alice. Ich nutzte meine Gabe, um sie ein wenig zu beruhigen. Ich merkte, dass ich wohl etwas zu Detailgenau war.

"Maria wollte mich sozusagen also behalten und die anderen beide verzogen sich in die Stadt. Ich wusste, dass ich besser selbst davon gelaufen wäre. Ich hätte wissen sollen, dass solch eine Stimme und Schönheit nicht hätten menschlich sein konnten. Mein Gefühl sagte das gleiche. Sie fragte wie mein Name sei und erzählte mir, dass sie hoffen würde, dass ich überlebe. Spätestens jetzt hätte ich verschwinden sollen, auch wenn ich wohl kaum noch Chancen gehabt hätte. Und als ich laufen wollte, wollte mein Körper nicht mehr. Ich dachte im ersten Moment daran, dass sie mich küssen wollte... So sah es zumindest zunächst aus, als ich dann nur noch einen stechenden Schmerz spürte. Ob ich schrie oder nicht, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ich mich wehren wollte, aber mein Körper nicht reagierte. Ich wusste, dass mein Leben nun vorbei war..."

Ich schloss die Augen. Die Bilder meiner Familie blitzten vor meinem inneren Auge auf. Das es nach so langer Zeit noch so weh tun konnte...

"Nach einer fast endlosen Zeit schließlich hatte ich die "Ehre" in mein neues Leben eingeführt zu werden..."

Ich erzählte Alice knapp die Geschichte wie Lucy, Nettie und Maria zusammen gefunden hatten und wie es nun weiter gehen sollte und was sie vor hatten.

"Maria zeigte uns in ihrer gründlichen Ausbildung wie man kämpfte und für Menschen unsichtbar blieb... Machten wir unsere Sache gut... gab es sozusagen eine Belohnung..."

Ich brach ab. Ich hatte den Stimmungsumschwung von Alices Seite aus bemerkt. Ich legte ihr meine Hand auf den Arm und versuchte sie zu beruhigen. Vielleicht hätte ich doch einfach grob antworten sollten.

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Nach Jaspers Schilderung war ich perplex. Ich hatte ja gewusst, dass er älter war. Aber doch nicht fast 100 Jahre!

Er hatte so viel miterlebt und war bestimmt nicht nur einmal dem Tod entronnen. Mir wurde ganz komisch bei dem Gedanken.

Er hatte danach nie mehr seine Eltern gesehen, der Schmerz in seiner Stimme war unüberhörbar gewesen, als er von ihnen erzählt hatte. Ich hätte mich auch gern an meine Eltern erinnert. Was war aus ihnen geworden? Hatte ich welche, bei denen ich aufgewachsen war?

Ein trauriges Gefühl breitete sich in mir aus. Ich fühlte mich so einsam bei dem Gedanken an meine nicht existente Vergangenheit. Es war als würde ich in ein Loch der Leere gezogen.

Plötzlich hielt das Auto und ich schreckte aus meiner Starre. Jasper hatte mich anscheinend auf den Beifahrersitz verfrachtet. Er sah mich aus seinen fast wieder schwarzen Augen an.

Er hatte gemerkt, was mit mir los war, zog mich in seine Arme und hielt mich fest. Diese Umarmung tat so gut nach den letzten Tagen des Schweigens. Ich klammerte mich an ihn.

, Du bist nicht allein...´´, sagte er.

Ja, ich war nicht allein, ich hatte ihn.

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Ich bemerkte Alices Schweigen und wünschte ich wüsste, was sie jetzt dachte. Hatte ich sie so geschockt mit meiner Erzählung? Vielleicht hätte ich doch einiges auslassen sollen?

Ich spürte plötzlich ihre Trauer. Woher der Stimmungswandel? Ich sah sie an. Alices Blick war starr nach vorne gerichtet. Vielleicht brauchte sie einfach mal eine Pause. Sie schien mit ihren Gedanken wohl gerade ganz wo anders zu sein.

Mühelos tauschte ich mit Alice den Platz. Sie schien wirklich gerade nicht anwesend zu sein. Vielleicht eine ihrer Visionen?

Ich behielt sie in meinen Armen und drückte sie an mich. Ich wollte nicht, dass sie traurig war. Ich war mir nicht sicher, warum sie diese Gefühle hatte.

"Du bist nicht allein..."

Nein, das war sie nicht. Und ich nun auch nicht mehr. Ich spürte, wie sich Alice in meinen Armen entspannte und lächelte.

Schließlich ließ ich sie los.

"Entspann dich ein wenig..."

Dann fuhr ich weiter, während Alice neben mir saß und die Beine anzog. Ich hatte das Gefühl, dass bald die nächsten Fragen kommen würden, dafür musste ich nicht in die Zukunft sehen können.

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Jasper fuhr weiter, es tat gut nach den letzten Tagen mal nicht am Lenkrad sitzen zu müssen. Meine Kraft war zwar unerschöpflich, doch es tat gut sich umsorgt zu wissen.

Meine Gedanken schweiften wieder zu dem, was Jasper mir erzählt hatte. Was war genau mit dieser Maria gewesen? Welche Bedeutung hatte sie in seinem bisherigen Leben? War da mehr gewesen, wie nur Untergebenheit?

Diese Ungewissheit beängstigte mich, er verheimlichte mir etwas.

Wollte ich es überhaupt wissen, nach der Aktion gerade eben?

Hm besser ich wartete noch ein bisschen.

Aber nach wenigen Minuten hielt ich es schon nicht mehr aus.

, Jasper, was war zwischen dir und dieser Maria genau? Du kannst mir nicht sagen, dass es da nur deinen Respekt ihr gegenüber gegeben hat. Nicht in dieser Zeit.´´, ich konnte mich nicht beherrschen. Meine Gefühle waren schon zu aufgewühlt von dieser Sache mit den Eltern.

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Ich fuhr einfach weiter. Sah immer auf die Straße vor mir. Ich wusste nicht genau, was Alice jetzt von mir hören wollte. Beteuerungen, dass ich nur auf sie gewartet hatte? Ich Maria von Beginn an nur gehasst hatte?

Schließlich sah ich neben mich. Ich wollte sie nicht anlügen, aber ich wollte genau so wenig erneut ihre Trauer spüren oder sogar Wut.

Was sollte ich jetzt tun? Innerlich wusste sie die Antwort auf ihre Frage vermutlich schon, auch wenn ich es ihr nicht ansehen konnte. Neugier lag in ihrem Blick, der mich gerade förmlich durchlöcherte.

"Mhh..."

Was hatte ich zu verlieren? Nun, Alice würde vermutlich auch aus einem fahrenden Auto springen, wenn sie gerade in Stimmung war...

"Nun... Natürlich war ich für Maria anfangs nur ein Soldat, so wie alle anderen auch. Sie wollte immerhin nur starke Männer für ihre wachsende Armee. Dadurch, dass ich die Kämpfe, die wir untereinander führten, so gut wie immer gewann, wuchs auch Marias Interesse an mir. Ich wurde belohnt, wenn sie zufrieden mit mir war. Und befördert... Natürlich fühlte ich mich geehrt. Auch wenn ich nicht ständig kämpfen wollte. Vielleicht lag es auch daran, dass ich die Stimmung beeinflussen konnte..."

Ich sah noch immer auf die Straße und wendete meinen Blick nicht zu Alice.

"Maria verließ sich auf mich. Sie fand Gefallen an mir. Sie sah auch keinen Grund darin es nicht zu zeigen..."

Ich hatte das Bild des schwarzhaarigen Mädchens vor mir.

"Ich war ihr ergeben. Ich hätte nie an ihren Worten gezweifelt oder gar den Gedanken gefasst, dass ich mich von ihr abwenden könnte. Durch meine Fähigkeiten war Maria begeistert... Je mehr Neugeborene ich diszipliniert ausbildete und je mehr Kämpfe wir ohne große Verluste gewinnen konnten... Durch meine gute Arbeit hatte ich Maria auch noch auf die Idee gebracht das Gebiet zu vergrößern. Ich machte meine Arbeit so, wie sie es wollte nur damit sie zufrieden und stolz auf mich war."

Mein Blick war noch immer auf die Straße gerichtet.

"Ich war nicht besser als sie. Ich benutzte die Neugeborenen so wie sie nur mit einer anderen Absicht. Ich wollte eine zufriedene Maria und sie ein großes Gebiet an Macht. Lange bemerkte ich nicht, dass sie mich auch nur benutzte und ihre Worte nicht mehr als Luft waren. Ich verlor die Lust daran zu kämpfen. Überall Gewalt..."

Meine Hände verkrampften sich kurz am Lenkrad.

"Ich wollte auch nicht mehr die Neugeborenen töten, wenn sie an Kraft verloren. Doch ich tat es immer wieder..."