Danke liebe reni für deine review. Wie im profil schon erklärt, bitte schreibt mir, was ihr von der story haltet. Dann macht das Weitertexten einfach mehr Spaß.

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Im Untergeschoss fanden sie sich vor einer verschlossenen Tür ein. Harry und Hermine sahen sich kurz an. Harry nickte und ließ Hermine den Vortritt. Es kostete die Hexe keine Mühe, die Pforte zu öffnen. Harry lugte mit dem Zauberstab vor seiner Nase vorsichtig in den Raum.

Unrat bedeckte den Boden. Essensreste lagen überall verstreut zusammen mit leeren Flaschen. Der Geruch von Fäulnis, Schimmel und Nagerexkrementen drang Harry in die Nase. Links im Zimmer sah er ein zerwühltes Bett. Ansonsten schien der Raum ohne Möbel zu sein.

Harry steckte den Kopf ein bisschen weiter durch die Pforte. Er sah nun im rechten Winkel des Schlafraums eine Matraze auf dem Boden liegen. Eine bleiche Hand mit schmalen Fingern hing auf den dreckigen Fußboden. Harry wollte sich eben weiter durch die Tür schieben, als er gerade noch rechtzeitig etwas aufblitzen sah. Er konnte den Fluch mit knapper Not abblocken und warf sich zurück in den Korridor.

"Wir sind nicht willkommen!", kommentierte er keuchend. Die drei sprachen ihre Angriffstaktik genau ab, warteten noch einen Moment, in dem jedoch alles ruhig blieb und stürmten dann gemeinsam in den Raum. Es war jedoch kein Mensch im Halbdunkel des Kellerraums erkennbar.

Ein schrilles Quiken ließ sie herumfahren. Eine räudige fette Ratte huschte durch die Tür in den Korridor. Hermine jagte ihr einen Fluch hinterher. Aber es war zu spät. Die Ratte war schon die Treppe empor geflüchtet.

"Wurmschwanz", bemerkte Hermine. "Leider entkommen. Der wird uns keine Auskunft mehr geben."

Dann drehte sich Hermine wieder zu den anderen und bekam vor Erstaunen kaum den Mund wieder zu. Auf einer schäbigen Matraze, bedeckt mit einer zerschlissenen Filzdecke lag vor ihnen der Meister der Tränke, der Spion Dumbledore's, Severus Snape.

Er sah aus, wie Harry ihn zuletzt gesehen hatte: Leblos, mit fahler Haut. Allerdings wirkte er jetzt noch zerbrechlicher, dünnhäutiger. Seine Augen waren geschlossen.

"Das kann ich nicht glauben", Hermines Stimme überschlug sich fast, "du hast Recht gehabt, Harry, es ist wirklich Snape, der da vor uns liegt!" Die drei standen minutenlang bewegungslos in dem Kellerraum und starrten auf den Totgeglaubten.

Neben der Matraze standen und lagen zahlreiche halbvolle Phiolen. Hermine hob einige auf. "Stärkungstränke, billige Heilmittel".

"Lebt er?", flüsterte Ginny. Harry hockte sich neben das Lager. Er suchte den Pulsschlag am Hals des blassen Mannes, hob eines der Lider. Eine leere Pupille in einem stumpfen schwarzen Auge. Er schüttelte hilflos den Kopf.

Hermine beugte sich herunter. "Pettigrew hätte den Aufwand nicht betrieben, wenn da nicht noch etwas wäre!" Sie hielt einen kleinen Taschenspiegel direkt unter Snapes Nasenlöcher. Es dauerte einen Moment, dann sah auch Harry, wie das Glas für Sekundenbruchteile anlief. Er entspannte sich.

Ginny hatte die ganze Zeit sprachlos auf das erbärmliche Lager geschaut. Jetzt kam auch sie näher. "Harry, weißt du was das bedeutet: Du hast Snape gefunden! Den Mann, der deine Mutter liebte. Der auch mitverantwortlich war, für dein Schicksal....... Es ist wie in einem Traum, dass er hier, jetzt, vor uns liegt. Dass er atmet...."

Harry nahm Ginny's Hand, blickte hinunter auf das bleiche, magere Gesicht. Die blutleeren Lippen, die so oft in Harry's Erinnerung, Worte ausgestoßen hatten, die nur den Zweck erfüllen sollten, Harry zu erniedrigen, ihn in seinem Innersten zu verletzen. Ein Gesicht, dass sich bei seinem Anblick so oft darin geübt hatte, Hohn und Verachtung auszudrücken. Die nun geschlossenen Augen hatten stets nur Kälte und Hass widergespiegelt. Die Leiden seines Feindes, seine Verzweiflung, seine Opfer, hatte Harry in den vergangenen Jahren und Monaten zwar erfahren, gegen dieses Wissen hatte er sich jedoch in seinem Herzen stets abgeschottet. Es hatte ihm einfach gut getan, Snape hassen zu können.

Nun lag der Mann vor ihm, leichenblass, still, dem Tode nahe. Harry hatte nichts gefühlt, als er ihn vor einer Woche, vermeintlich tot, zurückgelassen hatte.

Jetzt war er verwirrt, sich seiner Gefühle in keinster Weise sicher. Er hatte großes Mitleid mit Snape empfunden, in der letzten Woche, als er endlich zur Ruhe gekommen war. Was er aus den Gedanken des düsteren Tränkemeisters im Denkarium erfahren hatte, war kein gutes Leben gewesen. Harry hatte verstehen können, warum dieser Mann sich so abweisend, so zynisch, benommen hatte. Manches, was er, Harry, jemals über Snape gedacht, was er getan hatte, bedauerte er nunmehr aus tiefstem Herzen.

Aber dennoch, der Zauberer zu seinen Füßen, hatte ihm mit seinem ganzen Wesen stets Respekt eingeflößt, hatte oft eine Bedrohung für ihn dargestellt. Niemals hatten sich Harry und Snape ohne Feindseligkeit einander zugewandt.

Es war nicht ein Freund, den Harry hier zu retten versuchen wollte. Es war ein Fremder, dem er sich schuldig fühlte.

Ihn vorhin zu berühren, hatte Harry Überwindung gekostet. Snape hatte sich stets Respekt ausgebeten, auch jetzt noch, blickte Harry auf die eigentlich hilflose Gestalt mit einem Gefühl von Ehrfurcht.

Hermine war in dieser Hinsicht durchaus pragmatischer. Sie untersuchte unterdessen den ehemaligen Professor ohne Attitüden. Mit Blick auf ihre Uhr maß sie den Puls und die Atemfrequenz. Konzentriert blickte sie in die starren Pupillen , während sie Snapes Gesicht mit ihrem Zauberstab beleuchtete. Sie drehte sich zu Harry um, der noch immer an Ginny's Hand versunken, unschlüssig vor dem Lager stand. "Harry, was ist los? Willst du nur hier herumstehen und Snape anglotzen? Wir müssen etwas tun. Hilf mir, ihn umzudrehen. Ich muss mir die Wunden ansehen, die ihm Nagini zugefügt hat."

Harry erwachte aus seinen Gedanken. "Na los, mach schon", forderte ihn Hermine ungeduldig erneut auf.

Harry stellte sich auf die Matraze über Snape. Er wagte kaum, sich zu ihm herunterzubeugen. Jeden Moment, so erwartete er, würde wieder ein Arm zu seinem Hals emporschießen und ihn fest am Kragen packen. Harry schüttelte sich, verjagte die surrealen Vorstellungen aus seinem Kopf. Hermine schaute ihn fragend an.

Vorsichtig legte Harry seine Hände um Snapes Schultern und drehte ihn leicht auf die Seite. Hermines Blick verfinsterte sich. Sie schob die strähnigen schwarzen Haare beiseite und auch Harry hatte freien Blick auf den blutverkrusteten Nacken Snapes, wo noch immer die tiefen Wunden von Naginis Fangzähnen prangten. Die Einstiche schienen trocken zu sein, aber irgendeine Form von Heilung war offensichtlich nicht in Gang. Langsam drehten die beiden den leblosen Körper wieder zurück.

"Es sieht schlimm aus", fasste Hermine die Erkenntnis aller in Worte. "Wir müssen sofort etwas tun", stellte sie klar, "hier kann er nicht bleiben. Wir brauchen ein vernünftiges Krankenlager. Ein Wunder, dass die Verletzung nicht schon längst eitert oder er an Wundfieber gestorben ist. Wenn man bedenkt, dass die Sache schon vor einer Woche passiert ist. Und das alles bei dem Dreck hier!"

Ginny sah sich um und nickte. "Ja, das ist allerdings ein Wunder. Andererseits, wenn es wirklich so ist, wie bei den Sadus, den Fakiren, und er sich so weit verschlossen hat gegen die Außenwelt, sich so weit abgesenkt aus den Lebensfunktionen; vielleicht hat ihn das auch gegen Keimangriffe gerettet." "Du könntest Recht behalten", meinte Hermine, "er hat wirklich kaum Reaktionen. Ich habe mich vorhin wirklich gefragt, wie er noch leben kann. Die Atmung ist nur noch ein Drittel von dem, was normalerweise als Minimum angesehen wird. Und seine Pupillen zeigen überhaupt keine Reaktion mehr. Aber egal, wie er es auch immer schafft, wir müssen ihn jetzt hier wegbringen."

Nun schaltete sich auch Harry ein. "Diese Wunden von Nagini. Die müssen von Profis behandelt werden. Das können nur die Heiler im St. Mungo's wieder hinkriegen."

Hermine schien nicht begeistert von der Idee. "Mag sein. Aber dort werden sie sich wohl kaum für unsere Theorien zur Selbstversenkung nach Fakir-Kunst interessieren. Und wenn er einmal dort eingeliefert ist, werden wir keine Gelegenheit mehr haben, selbst etwas zu tun. Zumal wir ja bis jetzt auch noch nicht wissen, wie so etwas wieder von außen rückgängig zu machen wäre. Aber du hast Recht Harry, die Wunden müssen zuerst geheilt werden. Möglicherweise könnte er immer noch an ihnen verbluten, wenn er wieder zurückgeholt würde. Die Bisse sehen verdammt tief aus."

Ginny spitzte die Lippen, schien abzuwägen. "Ich sage, das St. Mungo's kommt nicht in Frage. Denkt doch mal nach. Snape war Todesser. Ist es für viele immer noch. Wer sollte auch das Gegenteil in der Öffentlichkeit beweisen. Dumbledore ermordet von Snape, Remus tot, das Ministerium geschlossen. Wenn wir ihn im St. Mungo's einliefern..... mit dem Mal auf dem Arm. Er wäre, ehe wir nur 'Pieps' sagen können, in der Sicherheitsabteilung. Und glaubt ihr, dass sich dann noch einer darum schert, was aus ihm wird. Ob er je wieder zu sich kommt. Und wir wären ausgesperrt.

Und außerdem ist das St. Mungo's für einen Zauberer mit seiner Vergangenheit einfach zu gefährlich. Die vielen Opfer der Todesser, die dort liegen. Jeden Tag gehen dort Angehörige ein und aus, die nicht wissen, wohin, mit ihren Rachebedürfnissen."

Harry und Hermine sahen betreten auf Snape hinab. Sie hatten ihn gefunden, lebend. Aber wie sollten sie ihn nur retten.

Wieder war es Ginny, die sprach. "Ich sehe nur eine Möglichkeit. Wir bringen ihn zu uns nach Hause, Harry. Mit deinem Wissen, Hermine, und mit der Erfahrung von Mum, werden wir die Wunden selbst in den Griff bekommen. Mum hat schon ganz ähnlich hässliche Geschichten wieder hingekriegt. Fred und......." Ginny brach ab, ihre Augen füllten sich. Harry nahm sie in den Arm. "Ich weiß, was du sagen wolltest. Deine Mum ist sicherlich die beste Heilerin, die wir im Moment kriegen können. Deine Brüder haben immer für genug Beschäftigung für Molly gesorgt."

Ginny fing sich wieder, machte sich frei von Harry's Umarmung. "Ich hoffe nur, Mum reißt uns dafür nicht den Kopf ab."

"Dann bleibt ja wenigstens für uns noch das St. Mungo's", grinste Hermine.

"Dann lasst uns mal apparieren. Am besten nehmen wir Snape in unsere Mitte. Okay", Ginny hatte wieder ihre feste Stimme zurückgewonnen.