Hallo an alle, die noch mitlesen.
Hier wieder ein neues Kapitel. Leider klappt es im Moment mit dem Posten nicht mehr ganz so schnell, aber es geht weiter.
Vielen , vielen Dank an Mimaya, kiki, Josephine und carol für eure lieben reviews. Es ist einfach wunderbar, wenn man weiß, jemand kann etwas mit dem Geschreibsel anfangen
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Die Stunden in der Wohnung der Weasleys vergingen schleppend. Die vier jungen Zauberer arbeiteten sich durch Berge von Büchern, die Hermine nicht nur aus der Bibliothek in Spinners End entnommen hatte, sondern am Nachmittag noch aus anderen Quellen besorgte.
Doch allmählich hatten sie ein klares Bild vor sich, wie ein Yogi vorging, um sich von der Außenwelt abzuschotten.
Es folgten erste Versuche Harry's und Hermines, um das angelesene Wissen auch praktisch anzuwenden. Hermine schaffte auf Anhieb eine einigermaßen brauchbare Meditation, wurde aber von Fred, der angesichts ihres selbstvergessenen Gesichtsausdrucks in Gelächter ausbrach, schnell wieder ins Bewusstsein zurückgeholt. "So wird das nichts", brach Hermine wütend den Versuch ab. "Fred, ich schreibe dir eine Liste von magischen Objekten, die ich noch benötige. Du kannst das alles mit ziemlicher Sicherheit in der Nockturnstraße bekommen. Lauf aber nicht Molly über den Weg. Die wäre sicher nicht begeistert. Ron, du kannst Fred gern helfen!".
Fred's und Ron's Mienen hellten sich auf und sie hatten keinerlei Einwände gegen eine Einkaufstour. Hermine schrieb eine lange Liste von komplizierten Namen und die beiden Brüder beeilten sich, aus der Wohnung zu kommen.
"Was hast du ihnen auf die Liste geschrieben?", wollte Ginny wissen. "Oh, es gibt noch einiges, was wir brauchen, bevor wir tatsächlich etwas bewirken können", erklärte Hermine vielsagend. "Ja, was meinst du damit?", fragte Harry, der nach den Stunden des Lesens und der Konzentration müde war. "Nun ja", Hermine wirkte unsicher, "wir sind zwar theoretisch schon weit vorgedrungen in das Thema. Aber selbst wenn es gelingt, ein Stadium der Versenkung zu erreichen, das nicht mehr durch Störungen von außen zerstört werden kann. Wie sollen wir in der fremden Spähre Kontakt zu Snape aufnehmen? Wird er überhaupt zu finden sein? Und wie können wir uns untereinander austauschen, wenn einer allein nicht mehr klar kommt? Wir können uns da nicht nur auf die Brahmanen-Weisheit verlassen. Ich brauche da die Verlässlichkeit von Zaubertränken und erprobten Flüchen."
"Du meinst, du willst vorsichthalber zweigleisig vorgehen", lachte Harry, "und du hast wohl auch schon konkretere Konzepte?"
"Ja natürlich, sonst hätte ich ja Ron und Fred wohl kaum schon losgeschickt."
"Na ja, so wie die gestört haben, wäre jedes Mittel Recht gewesen", warf Ginny ein.
"Es wird Zeit, mal wieder nach Snape zu sehen", meinte dann Hermine und sie unterbrachen ihre Überlegungen und gingen ins Wohnzimmer.
Der Tränkemeister lag unverändert, wie er am Morgen gebettet worden war. Hermine fühlte den Puls am kalten Handgelenk des Armes, den sie erst selbst vor einer Weile neben dem Körper auf der Couch abgelegt hatte. Sie musste einige Augenblicke die Vene gegen die Knochen pressen, bis sie wiederum den leisen Pulsschlag spüren konnte. Behutsam ließ sie den Unterarm wieder zurück auf das Lager gleiten und tupfte etwas Wasser mit einem bereitliegenden Tuch auf die bleichen Lippen ihres einstigen Lehrers.
"Es wird Zeit, dass etwas geschieht", meinte sie mehr zu sich selbst, "es ist entwürdigend für ihn, hier hilflos herumzuliegen."
"Zum Glück hat er ja keine Ahnung, was mit ihm passiert, geschweige denn, wo er sich befindet", grinste Ginny.
"Meinst du, er wäre erfreut, wenn er wüßte, wer sich um ihn kümmert?", fragte Harry nachdenklich, "Hermine, was denkst du, wer soll den Versuch unternehmen, die Versenkung zu durchbrechen? Bisher bist du am weitesten gekommen, bei unseren Selbstversuchen."
Ginny schaute ihren Freund entrüstet an. "Harry, du vergisst, dass es meine Idee war, die uns bis hierher geführt hat. Also will ich auch daran beteiligt werden, unser Wissen auszuprobieren."
Hermine schüttelte gedankenverloren den Kopf. "Nein Ginny, ich denke, keine von uns sollte es versuchen. Der Einzige, der sich jemals Snape genähert hat, ist nunmal Harry." Sie sah Harry direkt in die Augen. "Ja Harry, ich denke, auch wenn ihr zuletzt nichts füreinander übrig hattet, bist du der Einzige , der eine Chance hat, dass Snape es zulässt, dass er in sein Unterbewusstsein eindringt. Immerhin hast du es schon einmal geschafft, dorthin zu gelangen, auch wenn es nicht seine Absicht war!"
Harry nickte, "du meinst die Legimilentik-Abende. Das hat er allerdings wirklich nicht gewollt." Harry warf einen Seitenblick auf Snape, der, so hoffte Harry, ihr Gespräch nicht hören konnte.
"Und er hat dir seine Gedanken geschenkt, Harry. Mehr als du hättest wissen müssen, um Voldemort zu besiegen. Er wollte, dass du ihn siehst, wie er wirklich war. Ist das nicht Beweis genug, dass nur du in Frage kommst, ihn wieder zurückzuholen?"
Harry presste die Lippen zusammen, schien mit sich zu ringen. "Nein, Hermine, ich fürchte, du siehst etwas, das so nicht stattgefunden hat. Er war in größter Not. Er sah seine letzte Chance, mir die notwendigen Informationen zu geben, bevor sein Geist ihn verlassen würde. Es war ihm nicht mehr möglich, seine Gedanken so zu filtern, dass ich nur die wichtigen Dinge sehen würde. Er hatte keine Kraft mehr, deshalb habe ich die ganze Wahrheit erfahren, davon bin ich überzeugt. Nicht weil er wollte, dass ich einen gefallenen, einen schwachen Snape kennenlerne. Ich glaube kaum, dass er mein Mitleid wollte."
Alle drei schwiegen für einen Moment und Harry schaute wieder hinüber zu dem bleichen Mann, der leblos auf den Polstern ruhte.
"Aber dennoch Hermine, du hast Recht. Es verbindet uns einiges, ich bin willens, ihn, wo auch immer er sein mag, wieder in die Welt zurückzuholen. Und ich hoffe, ihr unterstützt mich dabei. Allein werde ich es niemals schaffen können."
Er nahm Ginny in den Arm.
"Wir werden dich nicht allein lassen", lächelte Hermine, "mit Hilfe der Zauber, die ich benutzen will, wirst du, egal in welchem fernen Land der Meditation, unsere Hilfe in Anspruch nehmen können. Ich hoffe nur, Ron und Fred bringen bald die richtigen Zutaten. Wo bleiben sie denn nur?"
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Die Wasser glitzerten im Licht. Woge um Woge, Welle für Welle bewegte sich der Strom vor seinen Augen. Ein mächtiger, breiter Strom, kein Ufer war auf der anderen Seite auszumachen. Voller Lebensgeist tanzten Schaumkronen verstohlen über Stromschnellen. Der Fluss grummelte tief in seinem Grund. Ab und zu wisperte er aber auch oder es erhoben sich tausende feiner Stimmen. Sie erzählten von den hohen Gletschern, den tiefen Quellen, den klaren Gebirgsbächen. Von den Wolken über warmen Ozeanen, von den Winden, die das Wasser wieder zurück zu den Bergen brachten. Der Strom hatte dies alles zu verkünden, immer wieder, seit Anbeginn der Zeit. Aber er wusste auch von den Menschen, den Tieren , zu berichten, die von ihm lebten, die ihn mitnahmen in ihre Behausungen. Der Strom hatte sie alle durchdrungen, abertausende von Generationen. Hatte ihr Leben begleitet, ihre Tränen geweint, war ihr Blut gewesen, hatte in ihren Zellen gewohnt. Und doch war er immer wieder zurückgekehrt in sein Bett, hatte ihre Asche getragen, hatte sich mit dem Ozean vereint. Und kam wieder zu den heiligen Ufern und sang sein tiefes Lied von den Herzen der Menschen, von ihren Träumen, ihren Sehnsüchten. Sang von den vergangenen Königreichen, den erleuchteten Führern und dem ewigen Weg der Erkenntnis, dem zu folgen, den Menschen Bestimmung ist.
Es war wohltuend, dem Strom zu lauschen. Der Fluss des Lebens strömte unaufhörlich und man musste nur zusehen, lauschen, sich den Schwingungen vollkommen hingeben. Nichts musste mehr getan werden, kein Körper verlangte seine Aufmerksamkeit. Vollkommenes Loslassen, Einswerden mit den Elementen, keine Gefühle, kein Schmerz. Noch nicht einmal Gedanken, die verfolgt werden mussten. Nur Licht, Wogen, das ruhige Flüstern des ehrwürdigen Stromes. Er wusste nicht, ob er wachte, ob er schlief; er spürte keine Wünsche mehr. Endlich war er angekommen. Das musste vollkommene Glückseligkeit sein. Treiben auf den Wogen des glitzernden Wassers. Ohne Bedürfnisse. Kein Anfang, kein Ende.
Alles sollte gut sein. Doch etwas zog an ihm. Ließ ihn tief in seinem verschütteten Bewusstsein nicht los. Doch er hatte keine Erinnerung. Gedanken, die sich ihm entzogen, wie Fische in den kalten Stromschnellen der gurgelnden Wasser.
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Molly war am frühen Abend zurückgekehrt. Niemand hatte sie vermisst. Sie wunderte sich, wie sehr ihre Kinder und deren Freunde beschäftigt waren. Und sie schienen sehr zufrieden, mit dem was sie erreicht hatten. Auch Molly war erfolgreich gewesen. Es war keine Zeit mehr zu verlieren. Sofort lag ihre Aufmerksamkeit wieder bei dem unfreiwilligen Gast.
Sie prüfte mit sorgenvoller Miene Puls und Atemfrequenz und zeigte sich nicht sehr glücklich mit dem Ergebnis.
"Arthur, ich werde sofort mit der Behandlung beginnen", sprach sie über Snape gebeugt, "du musst mir helfen, ihn umzudrehen." Arthur tat, was Molly verlangte und gemeinsam rollten die beiden den Bewusstlosen herum.
Harry, Hermine und Ginny kamen hinzu und waren interessiert, was Molly zu bieten hatte.
Die Bisswunden, die jetzt gut sichtbar vor ihnen lagen, sahen noch immer frisch und grotesk tief aus. Zu tief für jeden normalen Menschen, um noch am Leben zu sein. Molly zog ein mit feinem Papier umwickeltes Päckchen aus ihrem Umhang und breitete es neben sich aus. Zwei polierte, silbrig bleiche Steine, jeweils nicht größer als eine Daumenkuppe, kamen zum Vorschein, sowie eine Phiole, gefüllt mit wenigen Centilitern einer rostroten Flüssigkeit.
"Was für Steine sind das?", fragte Hermine neugierig. "Das mein Kind, sind chinesische musste all meine Überredungskünste aufbieten, um sie meiner alten Freundin Griselda Grimmbeard abzuschwatzen. Sie ist die Einzige, die ich kenne, die noch ein paar davon hat."
"Den Namen habe ich noch nie gehört", überlegte Hermine laut. "Oh, sie war meine Lehrmeisterin in der Heilkunst. Jetzt ist sie schon alt und überaus launisch. Sie gibt nur noch ungern etwas von ihrem Wissen preis. Aber ich konnte sie überreden, ein paar Steine ihrer Bestimmung zuzuführen. Bei ihr liegen sie nur nutzlos in Vitrinen und verstauben. Das hat sie letztlich überzeugt. Und ich habe ihr versprochen, ihr alles genau zu berichten.... Aber jetzt ans Werk!"
Molly nahm einen der hübschen Steine und drehte ihn zwischen ihren Fingern. "Was hast du vor Mum?", flüsterte Ginny. Molly schüttelte unwillig den Kopf. Sie war unsicher, hatte diese Form der Heilung noch nie erprobt. Mit klammen Fingern legte sie den Stein auf Snapes Nacken, direkt auf eine der klaffenden Einschnitte. Sie atmete noch einmal seufzend durch und drückte den Stein dann, so tief sie konnte, in die Wunde. Sie wagte dabei kaum, zuzusehen, wandte das Gesicht so weit es ging ab. Schnell wischte sie den Finger an ihrem Ärmel ab und griff sich den zweiten Stein. Obwohl sich alles in ihr dagegen sträubte, wiederholte sie die Prozedur.
Die drei jungen Magier sahen sprachlos zu. Gefangen zwischen Faszination und Abscheu verfolgen sie jede Bewegung.
Molly entkorkte die Phiole und tropfte das Elixier ebenfalls in die Wunden. Noch geschah nichts. Molly zog den Zauberstab, berührte damit Snapes Nacken und murmelte Beschwörungsformeln, die sie von einem zerknitterten Zettel ablas.
Ein leises Knistern setzte ein. Molly las weiter die magischen Worte. Kleine Flammen züngelten von den Wundrändern. Molly blieb unbeeindruckt und las weiter. Plötzlich drang mit einem Zischen eine grüne Stichflamme aus den Wunden und Molly hatte das Gefühl, in die gelben Augen einer Schlange zu blicken, die ihr Maul aufgerissen hatte. Doch abwohl die Flamme hoch über Molly's Kopf reichte, spürte sie keine Hitze.
Harry, Hermine und Ginny waren zurückgewichen, waren jedoch nicht fähig, sich zu bewegen.
Molly blieb standhaft und sprach die letzten Worte der Formel. Die Flamme zerstob in zahllosen Funken, die im Fallen erloschen und sich in Nichts auflösten.
Molly war einen Moment geblendet und rieb sich die Augen. Als sich ihr Blick aufklärte, beugte sie sich zu Snape herunter. Die Wunden waren verschwunden, als wären sie nie da gewesen. Ungläubig strich sie mit den Fingern über die Stelle, die eben noch in Flammen gestanden hatte. Die Haut war glatt und ohne die geringste Narbe. Nur noch immer ohne jegliche Lebenswärme, kalt und blass.
"Wow Mum", prustete Ginny los, "du hast es geschafft! Du bist unglaublich, die reinste Wunderheilerin!" Auch Hermine war fassungslos und wollte am liebsten sofort alle Zutaten und Beschwörungen aufschreiben. Aber Molly bremste die Euphorie. "So Kinder, ich habe getan, was ich versprochen habe. Mehr kann ich allerdings nicht vollbringen. Es ist an euch, seinen Geist zu befreien. Und ihr solltet es bald schaffen. Seht ihn euch an. Ich glaube nicht, dass er den morgigen Tag noch erlebt."
Sie drehte den leblosen Körper wieder auf den Rücken. Harry half ihr und blickte in das stille Gesicht seines einstigen Feindes. "Seid ihr bereit?", fragte Molly.
"Ja", antwortete Harry. Seine Stimme war entschlossen und klar. "Wir werden es jetzt tun. Bis zum Morgengrauen sollten wir wissen, ob wir ihn zurückholen können oder nicht".
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So ihr Lieben. Jetzt heißt es für Harry, ab in die Versenkung und Snape überzeugen. Aber lasst mich nicht so hängen und gebt bitte zwischendurch mal Eure Reviews. Oder gibt es gar keine Leser mehr?
