Washington
Bevor John Hogwarts verließ, ging er in sein Quartier, um seine Waffe wegzubringen und seinen Ausweis zu holen. Bevor er das Schlafzimmer verließ, schrieb er Rodney noch eine weitere Notiz, in der er erläuterte, warum er nach Washington musste, und platzierte sie auf dessen Schreibtisch.
Als er das Schloss verließ, ärgerte er sich, dass er nur eine dünne Jacke angezogen hatte, denn es regnete immer noch. Aber mit seinem Staubmantel würde er in Washington zu sehr auffallen. Warum musste Hogwarts auch so abgesichert sein, dass er zehn Minuten laufen musste, um die Schutzbanne zu verlassen?
Er war ziemlich nass, als er endlich weit genug weg war.
John zückte seinen Zauberstab und konzentrierte sich. Er wollte direkt nach Washington apparieren. Er kannte einen Platz, der nur wenige Blocks vom Pentagon entfernt und nicht videoüberwacht war. Das hatte er bei seinem letzten Besuch überprüfen können.
Er apparierte nicht gerne, doch er wollte Rodney nicht lange allein lassen. Und deswegen war es die einzige Möglichkeit.
Wie üblich dauerte es einen Moment, bis John mit einem leisen ‚Plopp' verschwand, um in Washington zu rematerialisieren. Dort brach er, nach Luft ringend, zusammen. Es war eng gewesen, beinahe wäre er zersplintert.
Es dauerte mehrere Minuten, bis er sich soweit erholt hatte, dass er aufstehen konnte. John blickte sich um, er konnte zwar einige Passanten sehen, die recht weit weg waren, doch niemand schien auf ihn zu achten. Keiner wollte sich die Mühe machen, ihm einen Krankenwagen zu holen. Jetzt wusste John, warum Zauberer gewöhnlich in mehreren Etappen nach Amerika reisten.
Die ersten Schritte waren wackelig und er musste sich an einer Wand abstützen, dann ging es besser. In Washington war es im Gegensatz zu Schottland warm und sonnig. Mit einem Zauber trocknete John seine Kleidung, um nicht weiter aufzufallen. Dann straffte er sich, ging zur nächsten Querstraße und winkte ein Taxi heran, das ihn zum Pentagon bringen sollte.
Auf dem Rückweg würde er garantiert nicht apparieren. Notfalls würde er General O'Neill bitten, ihn mit Zwischenstopp über die Daedalus nach Schottland zurückkehren zu lassen.
Eine halbe Stunde später ließen ihn die Wachen am Pentagon nach kurzer und intensiver Kontrolle durch. Es hatte Vorteile, eine hohe Sicherheitsstufe zu haben.
Aber dann verließ John das Glück. General O'Neill war in einer Besprechung, die laut Aussage des Adjutanten bis tief in die Nacht dauern würde. Stattdessen musste er sich bei General Hammond melden.
Dieser sah sich Hermines Unterlagen an und äußerte sich sehr skeptisch, ob sie sich tatsächlich für das Atlanatisprojekt eignete. John kannte ihn nicht gut genug, um ihm zu vertrauen. O'Neill gegenüber hätte er Andeutungen gemacht, aber bei Hammond wollte er nichts riskieren.
Statt ihn aber nach wenigen Minuten zu entlassen, stand Hammond auf, verließ den Platz hinter seinem Schreibtisch und bat John, ihm zu einer gemütlichen Sitzecke zu folgen und nötigte ihn sich hinzusetzen.
Den Kaffee nahm er gern an, aber der wohlwollende doch prüfende Blick von Hammond behagte John gar nicht. Diesen Blick kannte er von Carson, der mit etwas sehr unzufrieden war.
Der General wandte aber eine andere Taktik an als der Arzt. Er plauderte mit ihm ganz unverbindlich über den Urlaub, das Wetter in Schottland und berichtete über den Stand des Kampfes gegen die Ori.
John war auf der Hut und wog jedes seiner Worte ab. Er hatte den Eindruck, geprüft zu werden.
Nach etwa fünfzehn Minuten klopfte es an der Tür und ein anderer Adjutant brachte General Hammond einen Umschlag. Dieser entschuldigte sich, öffnete den Brief und las den Inhalt. Dann schickte er den Adjutanten weg und ging zum Angriff über.
„Colonel Sheppard. Ich weiß, dass Sie ein vertrauenswürdiger Mann sind und dass sowohl General O'Neill als auch Dr. Weir viel von Ihnen halten. Doch wie erklären Sie mir die Tatsache, dass Sie keine Grenzkontrolle durchlaufen haben und trotzdem jetzt vor mir sitzen? Die Sicherheit hat schon Alarm geschlagen, bevor Sie mein Büro betreten haben. Um ganz sicher zu gehen, habe ich angefragt, ob Sie einen Transporter der Antiker benutzt haben, doch auch das ist nicht der Fall. Sie können nur illegal eingereist sein. Ich verlange eine Erklärung!"
John war überrascht. Er hatte nicht gewusst, dass die Amerikaner ihr Sicherheitssystem so ausgedehnt hatten. Trotz des wöchentlichen Datenstroms nach Atlantis waren solche Informationen nicht zu ihnen durchgedrungen.
Prüfend blickte er General Hammond an. Und entschloss sich, ihm zumindest teilweise die Wahrheit zu sagen.
„Sie wissen, dass ich das Antikergen habe, Sir."
Es war eine Feststellung und Hammond nickte zustimmend.
„Ihnen ist auch bekannt, dass meine Fähigkeiten, mit den Artefakten der Antiker zu interagieren, ausgeprägter sind als bei allen anderen, Sir?"
Wieder nickte der General.
„Ich habe in den letzten Monaten viel mit dieser Fähigkeit experimentiert und herausgefunden, dass ich in der Lage bin, mich innerhalb weniger Sekunde von einem Ort zum nächsten zu bewegen, ohne einen Transporter zu benutzen, Sir."
Er versuchte, überzeugend zu sein, und blickte Hammond ernst an.
„Und warum steht das nicht in Ihrer Akte?"
Das war eine berechtigte Frage.
„Weil niemand weiß, dass ich es kann. Ich befürchte, zum Spielball der Mediziner zu werden, Sir. Es reicht mir schon, dass Doktor McKay mich ständig ruft, wenn er ein neues Artefakt gefunden hat. Ich will nicht wie eines von McKays Spielzeugen behandelt werden, Sir."
„Und wie weit ist Ihre Reichweite?"
John überlegte, dann lächelte er.
„Nicht halb so weit, wie ich es gerne möchte. Um hierhin zu kommen, musste ich sowohl auf Island als auch auf Grönland einen Zwischenstopp einlegen. Trotzdem war ich sehr erschöpft, als ich hier ankam. Ich habe meine Fähigkeit überschätzt und werde wohl zurückfliegen müssen."
Er fühlte Hammonds prüfenden Blick und wusste, dass jetzt die Entscheidung fiel, ob seine Geschichte glaubhaft war. John zwang sich, ganz normal weiterzuatmen und den General offen anzusehen.
„Und warum haben Sie diese anstrengende Transportart auf sich genommen? Nur um mir die Bewerbung von Mrs. Snape zu geben? Und jetzt erzählen Sie mir nicht, dass Sie Dr. McKay nicht so lange allein lassen wollen. Ich habe mir den Bericht über seine mysteriöse Krankheit durchgelesen und weiß nicht, was ich davon halten soll."
„Weil ich wissen wollte, ob ich es schaffe, von Schottland nach Amerika zu kommen. Nicht mehr und nicht weniger. Und ihre Bewerbung war nicht ganz so wichtig, Sir."
„Und das soll ich Ihnen glauben?"
Hammond lehnte sich in seinem Stuhl zurück und sah John skeptisch an. Er grinste zurück.
„Ich liebe Herausforderungen. Sonst wäre ich nicht Pilot geworden oder hätte mich breitschlagen lassen, nach Atlantis zu gehen. Der Aufenthalt in Schottland ist sehr erholsam. Zu erholsam", setzte John nach. „Dr. McKay forscht und hat mich komplett vergessen, so dass ich die meiste Zeit in einer Bibliothek sitze und alte Bücher wälze. Da kam mir die Möglichkeit, für einige Stunden nach Washington zu fliehen, gerade recht."
Es schien zu funktionieren. Hammond nickte. Bevor er jedoch etwas sagen konnte, wurde die Tür aufgerissen und zwei Männer in schwarzen Anzügen stürmten hinein.
„Expelliarmus!"
Es geschah so schnell, dass John keinen Abwehrzauber aufbauen konnte. Er hatte einfach nicht damit gerechnet, dass Zauberer im Pentagon auftauchten.
Wie von Geisterhand bewegt, flog sein Zauberstab aus seiner Hosentasche und landete in der ausgestreckten Hand des einen Zauberers. Der steckte ihn ein und salutierte dann vor General Hammond.
„Entschuldigen Sie, Sir! Wir sind für die Sicherheit zuständig und beauftragt, uns um ihn zu kümmern, da er unregistriert in die Vereinigten Staaten eingereist ist. Sind Sie verletzt worden, Sir?"
Gleichzeitig packte der andere Auror John, zerrte ihn hoch und stellte ihn an die Wand. Natürlich so, dass er Hammond den Rücken zudrehte und nichts sehen konnte. Als er seinen Kopf drehen wollte, machte seine Nase Bekanntschaft mit der Wand. Nicht hart genug, um den Knochen zu brechen, doch fest genug, um es nicht noch einmal zu versuchen.
Dann fühlte er Hände, die brutal seinen Körper nach Waffen absuchten. John wusste, dass er es auch ohne Zauberstab mit den beiden Auroren aufnehmen konnte, hielt aber still. Er musste herauszufinden, was hier wirklich los war und was man von ihm wollte. Nur die Tatsache, dass er nach Washington appariert war, rechtfertigte nicht dieses Verhalten.
„Nein, mir geht es gut. Bitte lassen Sie Colonel Sheppard los, er ist auf meine Anweisung so gereist."
„Es tut mir leid, Sir, aber Sie haben keinen Einfluss auf den weiteren Fortgang. Der Vorfall wird untersucht werden und dann wird entschieden, was mit Colonel Sheppard passiert."
In Johns Ohren hörte es sich seltsam falsch an, konnte aber nicht fassen, woran es lag.
„Kann ich bitte Ihre Ausweise sehen."
Auch Hammond schien misstrauisch zu sein und John hörte, wie er aufstand.
„Bitte sehr, Sir."
Es raschelte und John konnte sich gut vorstellen, wie Hammond kritisch die Ausweise betrachtete.
„Sie sind also vom NID."
Eine Feststellung, keine Frage, aber die Zauberer nahmen es persönlich.
„Bezweifeln Sie die Echtheit unserer Ausweise?"
„Die bezweifle ich nicht. Nur Ihr Recht, so in mein Büro einzufallen und ohne schriftlichen Befehl einen meinen Untergebenen mitzunehmen. So weit sind wir noch nicht. Lassen Sie ihn los und verlassen Sie mein Büro. Sofort."
Hammonds Stimme war nicht laut, aber sehr bestimmt.
Doch die Zauberer lachten nur.
„Sie verkennen die Situation, Sir." Dabei hatte der eine, John beschloss, ihn Smith zu nennen, einen sehr spöttischen Unterton. „Sie sind alt, unbewaffnet und weit weg von Ihrem Schreibtisch, so dass Sie keine Hilfe rufen können. Und wenn wir gleich mit Ihnen fertig sind, werden Sie sich noch nicht einmal daran erinnern können, dass John Sheppard hier war. Er ist illegal eingereist und wir haben bereits den Zentralcomputer manipuliert, so dass er nie hier war. Mein Kollege Mr. Jones wird sich gleich Ihres Geistes annehmen."
Soweit durfte es nicht kommen. John wusste, dass Muggel sehr oft mit einem Amnesia belegt wurden, wenn sie Zeuge von magischen Aktivitäten wurden. Dabei passierte es häufiger, dass die Muggel nicht nur die kritische Erinnerung vergaßen, sondern einen wesentlich größeren Zeitraum, der mehrere Tage umfassen konnte.
Angesichts der aktuellen interstellaren Entwicklung mit den Ori durfte Hammond aber nicht einen Tag seiner Erinnerung verlieren.
„Wer hat Sie geschickt? Kinsey? Er sollte es besser wissen."
„Es geht nicht um Sie oder Ihr Projekt, Sir", antwortete Jones. „Wir wollen ihn haben. Wir sind schon seit über zehn Jahren auf der Jagd und erst jetzt haben wir endlich Erfolg. Vor über zwei Jahren hatten wir endlich herausgefunden, wo er sich versteckt, aber als wir in Antarktika ankamen, war er wie vom Erdboden verschwunden. Ein Geheimauftrag und erst als er letzten Monat hier im Pentagon auftauchte, konnten wir seine Spur wieder aufnehmen. Leider hatten wir sie auch sofort wieder verloren. Die Chancen, dass er früher oder später wieder hier auftauchen würde, waren groß. Deswegen haben wir hier auf ihn gewartet. Sein Pech, dass er appariert ist und niemand eine Spur aufnehmen kann."
Als John zum ersten Mal mit Rodney einen Bond-Film angesehen hatte, erklärte dieser ihm die Evil-Overlord Regeln. Jetzt wurde er zum ersten Mal Zeuge, dass es so etwas Verrücktes wirklich gab. Unwillkürlich musste er grinsen, wurde aber sofort wieder ernst und wartete auf seinen Einsatz.
„Hör auf, so zu reden, Jones. Wir müssen hier weg."
Smith, der direkt hinter John stand, hörte sich sehr genervt an und gab somit das Zeichen für Johns Einsatz.
Er ließ sich fallen und trat gleichzeitig Smith die Beine weg. Er sprang auf und blickte zu Jones. Der zückte gerade seinen Zauberstab und richtete ihn auf Hammond.
Ohne nachzudenken zerrte John Jones herum und verpasste ihm einen Kinnhaken, der ihn nach hinten taumeln ließ.
„Aus dem Weg!"
Smiths Ausruf warnte auch John. Er erwischte Jones am Arm, riss ihn herum und stieß ihn in Smiths Richtung. Dann sprang er über den Tisch, riss ihn um, packte Hammond, zerrte ihn hinter diesen provisorischen Schutzwall und baute einen Schutzschild auf. Er hoffte, dass die beiden nicht wussten, dass er trotzdem hilflos gegen ein Adava Kedavra war.
Aber statt einen grünen Blitz zu sehen, hörte er gedämpft durch den Schutzschild das Klappern der Tür. Doch das konnte auch eine Finte sein.
„Colonel--"
„Pssst!"
John horchte, ob er eine verräterische Bewegung hörte, aber alles war ruhig. Wenn er in Atlantis wäre, würde die Stadt ihm mitteilen, wo seine Gegner waren, aber hier musste er sich auf seine Instinkte verlassen. Er gab mit Hammond mit einer Geste zu verstehen, dass er hinter dem Tisch bleiben sollte.
In dem Moment, wo er den Schutzschirm senkte, hechtete John zur Seite. Er bewegte sich schnell, um kein Ziel zu bieten, doch er hatte sich gerade abgerollt, als er wesentlich langsamer aufstand. Es war niemand mehr da, den er angreifen konnte.
Er ging zu Hammond und reichte ihm eine Hand.
„Sie können jetzt aufstehen, Sir. Die anderen sind weg."
Mühsam stand der General auf. Als er wieder stand, ging er zu einem Schrank, nahm eine Flasche und zwei Gläser heraus und ging zum Tisch, den John wieder aufgerichtet hatte. Hammond setzte sich schwerfällig hin.
„Auch etwas, Colonel?"
„Nein, danke. Ich muss jetzt weg, denn die beiden haben noch etwas, was mir gehört."
Und ohne sich weiter um ihn zu kümmern, apparierte John. Die beiden hatten seinen Zauberstab.
Er hoffte, dass sie noch auschecken mussten, bevor sie das Pentagon verließen. Es war seine einzige Chance, sie zu erwischen, ansonsten war sein Zauberstab weg.
Er rematerialisierte direkt vor den Wachen, die ihn vor nicht allzu langer Zeit in das Pentagon hineingelassen hatten. Sie hatten seinen Besucherausweis ausgefüllt und wussten, wo er zu finden war, deswegen mussten die Zauberer auch hier Halt gemacht haben.
„Wer…"
Die fassungslosen Blicke sagten John, dass sein Auftritt spektakulär war.
„Wo finde ich die beiden Männer vom NID, die Sie hinter mir hergeschickt haben? Sie haben etwas mitgenommen, was mir gehört."
„Kommen Sie von der Daedalus, Sir?"
Scheinbar hatten sie Bekanntschaft mit dem Transporter der Antiker gemacht.
„Ja, und wenn ich nicht bald eine Antwort bekomme, schickt Colonel Caldwell meine Freunde hinterher."
„Das erklärt, wie Sie die Grenze überschritten haben, Sir."
Keiner der beiden schien daran zu denken, dass Johns Auftreten eine eigenmächtige Aktion war.
„Sie haben das Gebäude noch nicht verlassen. Da sie Besucher sind, müssen sie sich noch abmelden, Sir."
Einer der beiden grinste.
„Haben Sie rein zufällig vor, diesen beiden Herren in ihre Schranken zu weisen, Sir?"
„Das kann man so sagen."
„Das ist gut. Sie sind so arrogant, dass es nicht mehr feierlich ist. Setzen Sie sich hin, Sir, damit Sie nicht gesehen werden. Ich gebe Ihnen ein Zeichen, wenn sie auftauchen, Sir."
„Danke, Jungs, das weiß ich zu schätzen. Ich hoffe nur, dass es nicht zu lange dauert."
Grinsend setzte John sich auf den Boden. Er fragte sich, wie die beiden Zauberer es geschafft hatten, den Wachdienst derart zu verärgern.
Es dauerte einige Minuten, dann bekam John von der Wache unter dem Tresen ein Zeichen, dass die Zauberer nah waren.
Die Wachstube war mit Panzerglas gesichert, selbst Flüche würden an der leicht spiegelnden Fläche abprallen, deswegen apparierte John wenige Meter. Sein Timing war so gut, dass er direkt hinter Jones und Smith auftauchte. Sein Körper dankte es ihm mit heftigen Kopfschmerzen, aber er ignorierte es. Trotz der Tatsache, dass John ohne Zauberstab einen Schutzschild aufgebaut hatte, hatten sie nicht daran gedacht, dass er apparieren könnte. Sie zuckten zusammen, als sie das charakteristische Plopp hörten.
Wie auf Kommando verließ einer der Wachen das Häuschen und kam ihnen mit gezückter Waffe entgegen.
„Sie haben noch etwas, was dem Herrn hinter Ihnen gehört. Ich bitte Sie höflich, es auszuhändigen, sonst muss ich Sie daran hindern, das Gebäude zu verlassen und zu warten, bis unser kommandierender Offizier eintrifft, der klärt, wer im Recht ist."
Fliehen konnten die Zauberer nicht, denn eine M-9 konnte wesentlich schneller abgeschossen werden, als man apparieren konnte. Und John war sich ziemlich sicher, dass die beiden nicht wollten, dass man ihre Identität näher überprüfte.
Smith seufzte, zog den Zauberstab ganz langsam und vorsichtig aus seiner Jacke und reichte ihn John.
„Wo auch immer Sie die letzten zwei Jahre waren: Wir werden dafür sorgen, dass Sie sich nicht wieder in Ihr Loch verkriechen werden. Voldemorts Tod wird gerächt werden."
Spöttisch grinsend nahm John den Zauberstab an sich.
„Wie wollen Sie mich hindern? Noch einmal wird man mich nicht überraschen. Schönen Tag noch."
Lässig deutete John einen Salut an, drehte sich um und ging durch die endlosen Flure zurück zu Hammonds Büro.
Der General saß noch genau dort, wo er ihn verlassen hatte. Das Glas hielt er in der Hand, hatte aber noch keinen Schluck getrunken. Er starrte John an.
„Können Sie mir sagen, was das jetzt sollte?"
„Man wollte sie blitzdingsen. Und das konnte ich nicht zulassen."
„Setzen Sie sich. Ich verlange Erklärungen."
John hatte nach diesem Vorfall keine andere Wahl, er musste General Hammond einweihen. Es ging leichter als erwartet, da Hammond bereit war, ihm zu glauben.
Inzwischen kam ihm seine Lebensgeschichte recht leicht über die Lippen und nach noch nicht einmal einer halben Stunde war er fertig und wartete auf einen Kommentar des Generals.
Der sah ihn nachdenklich an.
„Verstehe ich Sie richtig, dass Mrs. Snape eine ausgebildete Hexe ist und - genau wie Sie - das Antikergen hat?"
„Hat sie, Sir."
„Wie gut ist sie?"
„Wie meinen Sie das, Sir?" John wusste wirklich nicht, worauf Hammond anspielte.
„Nicht jeder, der West Point absolviert hat, ist auch ein guter Offizier. Noten sagen da gar nichts. Halten Sie sie für geeignet, Atlantis und die Pegasusgalaxie zu erforschen?"
John brauchte darüber gar nicht nachzudenken.
„Ja, Sir. Sie war die beste Schülerin, die Hogwarts seit langem hatte, und ihr Wissen hat mir damals mehr als ein Mal das Leben gerettet. Wenn sie und ihr Mann mitkommen, dann erhöhen sich unsere Chancen, die Wraith zu besiegen."
„Von ihrem Mann höre ich jetzt zum ersten Mal." Hammond blätterte in Hermines Unterlagen. „Hier steht auch nicht, dass sie verheiratet ist."
„Professor Snape ist der Wissenschaftler, der nach einem Heilmittel für Dr. McKays mysteriöse Krankheit forscht. Und er ist der einzige, der ihm helfen kann. Mrs. Snape ist in der nichtmagischen Welt geboren worden, aber er hat die magische Welt so gut wie nie verlassen und besitzt weder eine Geburtsurkunde noch Ausweispapiere, Sir."
„So, wie Sie mich ansehen, ist das aber noch nicht alles."
Hammond war ein alter Fuchs, der John erneut auffordernd ein Glas entgegenhielt. Und jetzt lehnte er nicht ab.
„Ich bin nachlässig geworden, Sir. Wieder zurück in der Pegasusgalaxie kann es gefährlich werden."
„Das liegt daran, dass ich schon viel zu lange junge Offiziere vor mir sitzen habe, die etwas vor mir verbergen wollen. Das liegt nicht an Ihnen."
John grinste verlegen und trank einen Schluck.
„Sie haben Recht, Sir. Severus Snape hat im Krieg als Spion gearbeitet und viele Opfer bringen müssen. Offiziell tut man so, als ob man ihn achtet, er hat sogar einen Orden bekommen, aber das Ministerium vertraut ihm nicht und lässt jeden seiner Schritte überwachen."
„Und was ist Ihre Meinung?"
„Er ist brillant und eine Herausforderung für Dr. McKay. Er wäre ein Gewinn für Atlantis."
„Vertrauen Sie ihm?"
Diese Frage hatte sich John noch nie gestellt. Er hatte eine persönliche Abneigung gegen die Fledermaus, die auch erwidert wurde. Doch Snape hatte ihm trotz dieser Abneigung mehrfach das Leben gerettet.
„Ja, das tue ich. Mehr als einigen anderen Wissenschaftler, die wir in Atlantis im Team hatten."
Hammond blätterte noch einmal durch Hermines Unterlagen und blickte dann wieder hoch.
„Ich werde mich Ihrer Empfehlung anschließen, Colonel. Doch bevor ich mein Okay geben kann, muss ich abwarten, ob zumindest Mrs. Snape die notwendige Sicherheitseinstufung erhält. Die Überprüfung wird bei ihrem Hintergrund mindestens drei Tage dauern."
„Danke, das ist mehr als ich erwartet habe."
John meinte es ehrlich.
„Sie können froh sein, dass Sie mir die Unterlagen gegeben haben. Denn Colonel O'Neill hätte bestimmt versucht, Mrs. Snape für das SGC zu gewinnen. Wirklich gute Wissenschaftler werden auch dort händeringend gesucht." Hammond blickte auf die Uhr. „Während sie weg waren, habe ich die Daedalus kontaktiert. Hermiod konnte zwar nicht die beiden Männer vom NID lokalisieren, aber ich bekam die Zusage, dass man Sie nach Schottland beamen würde. Sind Sie bereit?"
„Ja, Sir."
John stand auf und salutierte, doch Hammond winkte ab.
„Stehen Sie bequem. Ich erwarte Sie zurück, wenn Mrs. Snape ihren Vertrag unterschrieben hat, damit Sie sie einweisen können."
„Wenn Doktor McKay bis dahin wieder gesund ist, sofort."
Hammond schaute John fragend an, doch er lächelte entschuldigend. Es war Rodneys Angelegenheit, wen er in die wahren Hintergründe einweihte und wen nicht.
„Gut, dann gebe ich Hermiod jetzt das Zeichen."
Der General stand auf, ging zu seinem Schreibtisch.
„Einverstanden, Sir."
John war froh, dass es vorbei war und er zurück nach Hogwarts konnte. Doch nachdem Hammond mit Caldwell gesprochen hatte und John jede Sekunde hochgebeamt werden konnte, fiel ihm ein, dass er das Antikerbuch immer noch in seiner Jackentasche hatte. Er hatte es total vergessen, weil er es für den Transport geschrumpft hatte und es gar nicht gestört hatte.
Bevor er etwas sagen konnte, verschwamm das Bild vor seinen Augen. Er blinzelte und stellte fest, dass er schon auf der Daedalus angekommen war – irgendwie schneller und nicht halb so unangenehm wie das apparieren. Schmerzen hatte er keine.
„Willkommen an Bord, Colonel."
Caldwell begrüßte ihn persönlich, aber die leichte Herablassung in seiner Stimmer zeigte wieder einmal deutlich, wie sehr er sich bewusst war, dass er im Rang über John stand.
„Danke sehr."
Mehr sagte John nicht. Alles andere würde Caldwell als Provokation empfinden und das wollte er nicht. Schließlich war er auf ihn angewiesen.
„Geben Sie Hermiod bitte die Koordinaten, dann wird er Sie direkt nach Schottland beamen."
„Wie lange sind Sie noch im Orbit? Ich habe noch etwas, was ich gerne den Linguisten zeigen würde."
Caldwell blickte auf seine Uhr.
„In zwei Stunden beamen wir das SG-1 Team hoch, um sie auf einer Mission zu begleiten. Seien Sie pünktlich, sonst nehmen wir Sie mit."
Unwillkürlich grinste John. Mitchell kannte er noch aus seiner Zeit in Afghanistan. Der Gedanke, mit dem SG-1 auf eine Mission zu gehen, war verführerisch. Doch dann schüttelte er den Kopf. Atlantis war seine Heimat. Und dort wurden er und Rodney gebraucht, um die Wraith in Schach zu halten.
Der Krieg gegen die Ori war nicht sein Krieg.
„Danke, ich werde pünktlich sein."
John begab sich in die Klauen der Wissenschaftler. In den letzten Jahren hatte er gelernt, mit diesem spleenigen Menschenschlag auszukommen, deswegen konnte er sie überzeugen, ihm das Original des Buches zurückzugeben und sich nur mit einer Kopie zufrieden zu geben.
Kurz bevor er nach Schottland gebeamt wurde, kam das SG-1 Team an Bord, doch John schaffte es nur, Mitchell grüßend zuzunicken, bevor er selbst entmaterialisierte.
Das Headset, das er sich im letzten Augenblick organisiert hatte, hielt er noch in der Hand, als er realisierte, dass er am Stadtrand von Hogsmeaden stand und es immer noch regnete. Hastig steckte er das Teil in seine Jackentasche, dann machte er sich auf den Weg nach Hogwarts.
Dort musste er feststellen, dass das Tor fest verschlossen war. Kein Wunder, es war zwei Uhr in der Früh, und wer auch immer ‚Drei Besen' einen Besuch abgestattet hatte, lag jetzt in seinem Bett, um am nächsten Tag fit für den Unterricht zu sein.
Nach einer kurzen Überprüfung war sich John sicher, die Schutzbanne knacken zu können, aber er war sich auch sicher, dass er dann viel Ärger mit Professor McGonagall bekommen würde.
Leise vor sich hin fluchend suchte er unter einem Baum Schutz vor dem Regen. Ein Zauber sorgte dafür, dass seine Kleidung trocknete und er keinen Tropfen mehr abbekam. Ein weiterer Spruch sorgte für Wärme und noch ein anderer für Licht.
Sich in sein Schicksal fügend nahm John das Buch aus seiner Jackentasche, vergrößerte es und versuchte, die technischen Details zu verstehen.
