6. Kapitel: Entscheidung für die Ewigkeit
In meinem Zimmer ließen wir uns auf mein Bett fallen.
"So, dann fang mal an.", sagte Edward und sah mich neugierig an.
"Also.", begann ich. "Als ich vorhin unter der Dusche stand, hab ich mir einige Gedanken über dich und über uns gemacht."
Edward nickte.
"Ich habe zum Beispiel daran gedacht, was passieren würde, wenn ich in 60, 70, 80 Jahren sterbe, während du für immer lebst, jung und schön bist.", fuhr ich fort.
Edward schluckte, offenbar hatte er begriffen, worauf ich hinaus wollte.
"Nun möchte ich für immer mit dir zusammen sein. Und damit das sein kann, gibt es nur eine Möglichkeit: Du musst mich in einen Vampir verwandeln." Während ich das sagte, achtete ich darauf, das Wort "Vampir" nicht so sehr zu betonen.
Ich sah ihn an.
"Bella.", meinte er. "Erstmal finde ich es schön, dass du für immer mit mir zusammen sein willst, aber ich kann das nicht so einfach machen."
"Wieso nicht? Du musst mich doch einfach nur beißen, oder?", fragte ich.
"Na ja, ganz so einfach ist es nicht. Ich muss zum Beispiel darauf achten, während ich dein Blut trinke, dich nicht umzubringen. Und das ist für mich nicht so einfach, denn wenn ich erstmal von deinem Blut gekostet habe, ist es fast unmöglich, aufzuhören. Und manchmal ist es unmöglich. Du weißt ja nicht, wie unglaublich gut du riechst. Ich will dich ja nicht erschrecken, aber bei deinem Geruch läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Nur wenn ich daran denke, wie es wäre dein Blut zu trinken, bekomme ich Durst. Und zum anderen tut das ganze ja auch noch weh. Es ist ein schrecklicher, ja fürchterlicher, grausamer Schmerz der 3 Tage lang anhält, bevor das Herz aufhört zu schlagen und die Verwandlung vollendet ist. Der Schmerz ist schlimmer, als jeder Schmerz, den ihr Menschen auf natürlichem oder medizinischem Wege je erleben würdet. Wir Vampire haben Gift in den Zähnen, welches zur Verwandlung nötig ist, und dieses Gift ist zu vergleichen mit Schlangengift. Es enthält Peptid-Toxine und verursacht Zuckungen, Blutdruckabfall, halt ähnliche Symptome, die auch Tuberkulose-Patienten haben (Quelle: "Alles über Edward und Bella" von Lois H. Gresh, Seite 59). Ich kann gar nicht beschreiben, wie schrecklich es ist. Meine persönliche Meinung kommt ja auch noch dazu. Ich glaube, Vampire sind seelenlose Monster die nur zum Töten geschaffen wurden. Falls wir je sterben, so glaube ich, kommen wir in die Hölle. Als Mensch hast du den Platz im Himmel sicher. Ich will dir nicht deine Seele rauben, das kann ich nicht machen. Dafür liebe ich dich zu sehr, als dass ich dich zur ewigen Nacht verdammen könnte. Du weißt ja nicht, um wie viel du mich bittest. Ich würde dir alles geben, nur das nicht.", versuchte er mir zu erklären.
Während er das tat hörte ich genau und gespannt zu, zeitgleich versuchte mein Gehirn aber schon, die Informationen zu verarbeiten.
"Mmh, gut. Das mit den Schmerzen mag ja tatsächlich fürchterlich sein, wenn du es so sagst, denn du musst es ja wissen. Das macht mir auch Angst, aber - ehrlich! 3 Tage hast du gesagt, ja?"
Er nickte.
"Mein Gott, es gibt sicher schlimmeres. Wie zum Beispiel je ohne dich leben zu müssen. Außerdem will ich nicht an deiner Seite alt werden. Die Leute würden mich für deine Mutter, oder sogar Großmutter halten, und was ist denn schlimmer? Sticheleien ertragen zu müssen, dazu kommt ja noch, dass du so schön bist und ich dann nicht mehr, oder mich zu beißen und zu verwandeln. Und ich bin sicher, deine Geschwister würden dir helfen, wenn du sie darum bittest. Sie könnten dich zum Beispiel einfach von mir weg ziehen, wenn du es wirklich nicht alleine schaffst, von mir los zu kommen. Ich vertraue dir, Edward! Des weiteren habe ich Angst vor dem Tod. Große Angst. Und ich bin sicher, ich bin nicht die einzige, die Angst davor hat. Und durch dich ist mir jetzt eine Möglichkeit geboten, dem Tod zu entkommen und dazu noch mit der Liebe meines Lebens zusammen zu sein. Bitte!", bat ich ihn.
Er schüttelte den Kopf. "Deine Seele ist mir zu viel wert. Ich werde nicht derjenige sein, der sie zerstört."
"Seele.", schnaubte ich verächtlich. "Von Himmel und Hölle und dem ganzen Scheiß halte ich sowieso nichts. Und wenn du ernsthaft glaubst, du hättest keine Seele, bist du - entschuldige bitte - wirklich blöd. Ich meine - jeder hat eine Seele. Auch jeder Vampir. Auch du. Gerade du. Und du bist auch kein Monster, denn wenn du eins wärst, würdest du mich ja ohne Mitleid töten. Monster töten. Du tötest nicht. Also bist du kein Monster. Und selbst wenn es mit der Seele so wäre, du kannst sie haben. Ich gebe sie für ein ewiges Leben an deiner Seite her! Ich kanns auch so ausdrücken: Ich bin bereit, meine Seele zu verschachern um bis in alle Ewigkeit mein Dasein als Vampir an deiner Seite zu fristen!" Zum Ende meiner Arumentation wurde ich immer lauter.
Edward seufzte. Er dachte kurz darüber nach.
"Du bist ernsthaft dafür bereit?"
"Ja.", sagte ich mit sicherer, fester Stimme. Meine Stimme war auch deshalb so sicher und fest, weil ich wütend war. Sehr wütend. Ich war richtig zornig.
Edward war überrascht von meinem Zorn.
"Bist du sauer, weil ich mich weigere?", fragte er nach.
"Das fragst du noch!", schrie ich schon fast. "Natürlich bin ich deshalb sauer!"
Und wieder war er überrascht, als sie mein Zorn in den 2 Sätzen entlud.
"Bella.", versuchte er mich zu besänftigen. "Bleib mal ruhig. Atme mal tief ein und aus. Denk nochmal darüber nach und sag mir dann nochmal, ob du wirklich bereit bist, deine Seele für ein ewiges Leben zu opfern."
Ich gab nach. Tief atmete ich ein und aus. Das tat ich ein paar mal. Dann dachte ich darüber nach. Doch ich war mir sicher.
"Ja.", sagte ich. "Ich bin bereit, meine Seele zu opfern."
"Du meinst es wirklich ernst.", stellte er fest.
"Natürlich.", sagte ich. "Oder dachtest du, dass ich nur Spaß mache?"
"Nein, aber ich dachte, dass dich die Vorstellung, deine Seele zu verlieren, abschreckt."
"Das tut sie nicht. Gibst du nun nach? Ich will es so sehr. Bitte!", flehte ich und sah ihn beschwörend an. Ich faltete die Hände, als würde ich ihn anbeten.
"Es bedeutet ihr viel.", überlegte Edward laut. "Sehr viel. Sie würde ihre Seele aufgeben, um als Vampir zu leben. Sie ist für die Schmerzen bereit und sie vertraut mir. Sie glaubt, dass ich es schaffe, mich rechtzeitig von ihr zu lösen und wenn nicht könnten mir meine Geschwister helfen. Das stimmt ja, sie könnten mir helfen und ich bin auch davon überzeugt, dass sie es machen würden. Und Bella hat Angst vor dem Tod. Sie sieht es praktisch als eine Erlösung vor dem Tod, vor dem Alt werden. Mmh, ich verstehe sie ja in diesem Punkt. Verdammt ist das kompliziert." Er überlegte weiter. Dann sah er mich an.
"Bitte.", flehte ich leise. "Bitte, Edward, sag ja."
Er seufzte. "Okay."
Schnell hob er eine Hand, bevor ich mich vor Freude auf ihn stürzen konnte.
"Aber bitte lass mir etwas Zeit. Es bedarf einiger Vorbereitung. Gib mir ...", er dachte nach. "Gib mir ein bis zwei Monate.
"Okay.", willigte ich ein. Wenn er schon zustimmte, konnte ich mich nicht auch noch dagegen sträuben. "Dann kann ich ja Charlie Bescheid sagen."
"NEIN!", schrie er.
Erschrocken hielt ich mir die Ohren zu und zuckte zusammen. Ich äugte ängstlich zu ihm.
Edward fasste mich an den Schultern. "Bella, das darfst du nicht. Niemand darf wissen, was wir sind. Bitte, du darfst es nicht verraten oder du wirst umgebracht. Da kann ich dir dann auch nicht mehr helfen."
"Wieso?", piepste ich.
Edward holte tief Luft. "Wir Vampire haben Herrscher, die Volturi. Sie regieren in Volterra, Italien. Sie haben sich Gesetze ausgedacht um Chaos zu verhindern und das Überleben unserer Art zu sichern. Jeder Vampir muss sich an diese Gesetzte halten, sonst wird er als Strafe umgebracht. Man darf sich ihren Entscheidungen nicht widersetzen. Kein Mensch darf es wissen, Bella. Versprich, dass du niemandem etwas sagen wirst!", forderte er.
"Versprochen.", sagte ich.
"Hab ich dir Angst gemacht?", fragte er plötzlich.
"Ja.", gab ich kleinlaut zu. "Das hast du."
"Tut mir Leid, wirklich.", entschuldigte er sich prompt - und meinte es ernst.
"Ach, schon gut. Geht schon wieder.", beschwichtigte ich ihn.
Dann fragte ich: "Was sind das denn für Gesetze?"
"Es gibt 8.", antwortete er. "Ich zähle sie dir mal auf.
1. Menschen sind Nahrung, so brutal das auch klingt. Doch du darfst nur jagen, um deinen Durst zu stillen, nicht aus purer Lust! Sonst würden die "Vorräte" - also die Menschen mit ihrem Blut - zu schnell zur Neige gehen.
2. Zeig den Menschen niemals deine Eigenschaften oder Fähigkeiten - wie zum Beispiel deine funkelnde Haut - unsere Haut funkelt wie Diamanten, wenn wir in die Sonne gehen - oder besondere Stärke. Als Vampir, Bella, wärst du nämlich besonders schnell, stark und noch einiges mehr, sodass du aufpassen musst, andere Menschen nicht zu verletzen. Im ersten Jahr als Vampir bist du auch stärker als ich jetzt. Das heißt, du müsstest vorsichtig sein, mich nicht zu verletzen."
Ich nickte gespannt und wartete, dass er weiter sprach. Es war sehr interessant, mehr über das Vampirreich zu erfahren.
"Dann 3.", fuhr er fort. "Wenn ein Mensche dein Vampir-Geheimnis kennt, musst du ihn sofort töten - oder durch einen Biss ebenfalls in einen Vampir verwandeln. Deshalb habe ich hauptsächlich nachgegeben, dich zu verwandeln, weil früher oder später hätten die Volturi mitbekommen, dass ich dich nicht verwandle - töten würde ich dich nie! - und sie hätten mich getötet." Er seufzte. "4. Du darfst keine Kinder verwandeln! Denn Vampir-Kinder werden ihren Instinkten folgen und niemals die Gesetze achten. Sie werden wild jagen und nicht darauf achten, unerkannt zu bleiben. 5.", sagte er. "Ist, dass du niemals ein Mitglied der Volturi-Familie angreifen darfst. Weder die Herrscher, Aro, Marcus und Caius, noch ihre Wachen! 6. Schließe kein Bündnis mit unseren Feinden, den Werwölfen. Das gilt als Hochverrat. Werwölfe gibt es wirklich, Bella, nur sind auch sie ein wenig anders als ihr Menschen sie aus Filmen kennt. Sie können sich auf Wunsch, und wenn sie wütend sie verwandeln. Sie brauchen keinen Mond. Des weiteren töten sie auch keine Menschen, jedenfalls ist das nicht ihr Instinkt. Es kann natürlich passieren, wenn ihnen ein Mensch zu nahe kommt. Deshalb möchte ich dich ab heute nicht mehr bei Jacob Black in La Push sehen. Die Jungs dort sind Werwölfe - sie dürfen nicht auf unser Land, wir nicht auf ihres und wir dürfen keine Menschen beißen und töten. Das ist ein Vertrag, den wir mit ihnen geschlossen haben, als wir zum ersten Mal 1940 nach Forks kamen. Ansonsten gibt es Krieg, und das wollen wir ja vermeiden. Es tut mir Leid für dich, weil ich weiß, dass Jacob dein Freund ist, aber wenn du bei mir bist, musst du auf ihn verzichten können."
Edward sah mich an.
"Okay. Erzähl bitte weiter. Ich höre dir gerne zu.", bat ich neugierig.
Er lächelte. "Das 7. Gesetz ist, dass du nicht in den Städten der Menschen jagen darfst, weil das zu viel Aufmerksamkeit erregt. Erst recht ist es verboten, in Volterra, dem Hauptwohnsitz der Volturi, zu jagen. Nicht mal Tiere dürfen dort getötet werden! Und das letzte, das 8. Gesetz ist, dass du keine Armee aus Neugeborenen Vampiren erschaffen darfst, also einfach wahllos Menschen beißen und sie zum Vampir machen, sodass eine Armee daraus wird. Als Neugeborener bist du wild, ungebändigt und willst du Blut trinken. Du denkst an nichts anderes. Das wird auch auf dich zukommen Bella, nur dass du es weißt." Er sah mir tief in die Augen und kam dann zum Thema zurück. "Als Vampir darfst du dich mit anderen Vampiren zusammenschließen, aber du darfst keine eigene Armee gründen."
"Gut das ich jetzt Bescheid weiß.", ich holte tief Luft.
"Ja.", stimmte Edward mir zu.
"Das war jetzt ziemlich viel, hättest du was dagegen, wenn ich mich einfach mal vor den Fernseher setze und alles verarbeite?", fragte ich.
"Nein, natürlich nicht. Ich hab dich ja total zugetextet." Er lächelte verschmitzt und drückte mir einen Kuss auf die Wange.
Ich lächelte glücklich zurück. Dann stand ich auf und ging an Edwards Seite hinunter in die Wohnstube, um den Fernseher anzuschalten.
