Kapitel 7: Der Anruf

Im Fernseher lief nur Mist. Also Sport und Volksmusik. Beides nicht mein Fall, doch ich entschied mich für eine langweilige Baseballpartie.

„Du interessierst dich für Baseball?", fragte Edward erstaunt, als ich meinen Blick auf den Bildschirm heftete, den Kopf an Edwards Brust gelehnt, in der rechten Hand die Fernbedienung, meinen linken Arm um Edwards Hüften geschlungen.

„Nein, eigentlich nicht, aber es kommt nichts besseres.", antwortete ich.

„Wundert mich auch nicht sonderlich. Die Partie ist echt langweilig. Aber du müsstet mal sehen, wie wir Cullens Baseball spielen. Da gehen dir die Augen auf!", triumphierte er und tat eingebildet.

„Eingebildeter Volvofahrer.", murrte ich.

Edward lachte.

„Aber – ihr spielt Baseball? Wieso? Weshalb spielen Vampire Baseball?", fragte ich neugierig.

Edward gab mir einen Kuss auf die Stirn.

„Es macht Spaß.", sagte er. „Außerdem ist es eine amerikanische Freizeitbeschäftigung. Soll ich dich mal mitnehmen?"

„Ja, gerne. Wann spielt ihr denn das nächste Mal? Ich hab gehört am Wochenende soll die Sonne scheinen – das ist doch optimal.", schlug ich ihm vor.

„Sonne!", schnaubte er verächtlich. „Hast du vergessen, was ich dir erzählt habe?"

„Ach so.", ich ließ demonstrativ den Kopf hängen. „Na wann denn dann?"

„Beim nächsten Gewitter plus Regen.", versprach er mir.

„Regen? Gewitter? Sicher?", fragte ich leicht misstrauisch.

„Ja, Bella, Regen und Gewitter. Nur dann können wir spielen. Du wirst sehen wieso.", meinte er.

„Du spannst mich aber ziemlich auf die Folter.", stellte ich fest.

„Tut mir Leid, Süße, aber ich kann ja mal Alice anrufen und sie fragen, wann es soweit ist.", bot er mir an.

„Weiß sie das?", ich wandte ihm meinen Kopf zu.

„Ach so, das weißt du ja noch gar nicht.", kicherte er. „Sie kann in die Zukunft sehen. Alice ist der beste Wetterbericht."

„Ehrlich? Kannst du das auch?", gespannt schaute ich ihn an.

„Nein, ich kann Gedanken lesen. Jasper kann Gefühle beeinflussen, Emmett ist sehr stark, Rosalie besonders Hartnäckig, Esme kann von ganzem Herzen lieben und Carlisle hat das Mitgefühl als besondere Fähigkeit. Allerdings gibt es bei mir seit neuestem eine Ausnahme.", erklärte er.

„Und welche?", erkundigte ich mich.

„Du.", ergab mir einen zweiten Kuss auf die Stirn. „Deine Gedanken kann ich nicht lesen. Woran das liegt, weiß ich nicht."

Er schaute betrübt.

„Meinst du, ich könnte dir helfen?", fragte ich.

„Ich glaube nicht. Aber wenn es dich nicht stört, würde ich dich ab und zu mal fragen, was du denkst.", bat er.

„Klar.", stimmte ich zu.

In dem Moment vibrierte Edwards Handy in seiner Hosentasche. Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie er sein Handy aus der Tasche gezogen und den Anruf angenommen hatte.

„Alice?", fragte er und lauschte dann.

Plötzlich versteinerten seine Geschichtszüge.

„Sicher?", erkundigte er sich besorgt und sagte dann: „Und – was kann ich da machen? Ich meine, wenn du es so deutlich gesehen hast – wie kann ich es verhindern? Ich meine, wenn ich morgen jagen muss, weil ich es nicht mehr aushalten werde – wie soll ich es verhindern?"

„Mann, Alice, das wird verdammt schwer werden.", beschwerte er sich und raufte sich die Haare.

„Okay. Also bis dann.", seufzend legte er auf und steckte das Handy wieder in die Hosentasche.

„Was ist denn?", wollte ich wissen.

„Nichts.", antwortete er kurz.

„Doch! Irgendwas ist doch, sonst würdest du dir nichts solche Sorgen machen. Für wie blöd hältst du mich denn? Ich merke doch, dass etwas los ist.", protestierte ich.
„Bella, Liebste, es ist besser, wenn du es nicht weißt. Ich will nicht, dass du Angst bekommst oder einen Schock kriegst.", versuchte er es zu beschreiben.

Ich seufzte. „Edward, du kannst mir alles sagen. Ich verkrafte das schon. Bitte – wenigstens ein bisschen."

Er stöhnte. „Na – es wird, es soll morgen passieren, während ich nachmittags auf Jagd bin. Du bist dabei die Zielscheibe. Es ist etwas grausames und schreckliches und ich weiß nicht, ob ich mich morgen zusammenreißen kann, wenn ich ihnen begegne."

„Wer macht denn was mit mir?", fragte ich weiter.

„Tyler und Connor.", schnaubte er.

„Was? Aber, was wollen sie mir antun, ich meine – sie haben mir bisher nie etwas getan und waren auch immer freundlich.", sagte ich entsetzt.

„Tesoro, ich weiß. Aber sie sind inzwischen nicht mehr ganz dicht im Kopf, nehmen Drogen bis zum get no. Ich will dich nur schützen, aber ich weiß nicht, ob ich es schaffen werde, 1. morgen in der Schule nicht über die beiden herzufallen und 2. nachmittags über dich, weil ich durstig sein werde und dich nur durch meine Anwesenheit schützen kann.", verzweifelt blickte er zu mir.

Zärtlich sah ich ihn an und nahm seinen Kopf in meine Hände.

„Edward.", flüsterte ich. „Wenn du durstig sein wirst, kannst du doch in aller Ruhe jagen gehen – jemand aus deiner Familie könnte doch aufpassen, z.B. Alice. Wenn sie es gesehen hat, kann sie mich doch auch beschützen, wenn du jagen bist."

„Das geht nicht. Ich bin der einzigste, der morgen von uns in die Schule kommt. Sie sind alle jagen. Nur ich bleibe – wegen dir. Um aufzupassen, dass meinem kleinen Küken nichts widerfährt. Und das!", sein Körper zitterte vor Wut. „Das ist mit Abstand das abscheulichste was ich je in einer Zukunftsvision von Alice gehört habe. Ausgerechnet dich betrifft es! Bei anderen wäre es mir ja noch egal, aber du! Dich liebe ich! Ich wüsste nicht, wie ich danach mit dir umgehen sollte. Du wärst völlig verzweifelt, geschockt, hättest Angst. Du wärst verletzt. Ich weiß ja nicht mal, ob du mich noch wollen würdest, wenn du wüsstest, dass ich es wusste und nichts dagegen unternommen habe. Bella, ich ..."

Ich legte ihm die Finger auf den Mund. „Beruhige dich erstmal. Atme tief ein und aus und dann werden wir eine Lösung finden."

Tatsächlich tat er, was ich ihm gesagt hatte.
„Wieso nennst du mich tesoro? Was bedeutet das?", fragte ich ihn nachdem er sich beruhigt hatte.

„Tesoro ist italienisch und bedeutet „Schatz" oder „Liebling". Und du bist mein Liebling."

Er lächelte. Ich lächelte zurück.
„Aber Edward, wegen dem Problem von dem ich immer noch nicht weiß, was es genau ist, du könntest doch einfach jetzt jagen gehen.", schlug ich ihm vor.

„Und was machst du dann?", erkundigte er sich.

„Ich mache mir Mittagessen. Es ist schon 13 Uhr und ich habe noch kein Mittag bekommen. Das muss ich sofort ändern!"

Tatendurstig stand ich auf und ging in die Küche. Ich hörte wie Edward den Fernseher ausschaltet und dann mir nach kam.
„Okay. Aber gib acht, dass du dir nicht weh tust.", befahl er.

„Versprochen." Ich hob zwei Finger.

Dann verließ Edward die Küche. Einen Augenblick später viel die Tür ins Schloss.