Edwards POV

Ganz langsam, fast schon sachte und doch mit voller Leidenschaft, wie ich spürte, öffnete sie die Knöpfe meines dunkelblauen Hemdes…

Als sie beim vierten Knopf angekommen war, schaute sie mir erneut tief in meine Augen und wieder versank ich in ihren. Welche Macht sie über mich hatte? War sie sich dessen bewusst?

Ich glaube sogar, ein Teil von mir wusste es…

Sie hatte es faktisch ausgenutzt, diese Textstelle als Vorwand benutzt. Und das alles von meiner kleinen, unschuldigen, zerbrechlichen, zarten Bella, die ich um nichts vorher in der Welt anfassen, gar streicheln oder küssen wollte, um sie nicht zu verletzen, zu ängstigen. Ich wollte nicht, dass sie das Monster in mir sieht, wollte, dass sie mich menschlich und auch ein wenig männlich sieht, nicht animalisch.

Andererseits wäre männlich genau DAS falsche Stichwort. Deswegen hatte sie ja diese Bedingung aufgestellt. Ich war bereit, innerlich bereit, ihr meine Tugend zu opfern, genauso so bereit wie sie mir ihre zu opfern. Aber es war falsch, nicht recht, moralisch verwerflich…

Doch ein Teil von mir wollte diese Moral nicht mehr, wollte sie vorbeischieben, wegdrücken. Auf einmal wollte ich nicht mehr der altmodische, unschuldige Mann sein, den sie in mir sieht, ich will für sie menschlich und auch männlich sein…

Ich will es aber auch für mich, denn in diesen Moment, als sie mein Hemd aufknöpfte und schon ihre Finger ein klein wenig meine eiskalte Haut in der Höhe meiner Rippen berührten, durchzuckten mich Stöße, wie elektrische Schläge.

Aber da gab es auch etwas anderes. Das war definitiv etwas, womit ich nicht gerechnet hatte, dachte, ich hätte mich unter Kontrolle. Dieser Kuss so intensiv, als sie ihre Zunge langsam über meine Lippen tanzen ließ, anschließend diese in meinen Mund eindrang und gegen meine stupste… genau DAS brachte mich dazu, alle Prinzipien, die ich bis dahin noch gehabt hatte, zu vergessen.

Wollte nur noch sieIhren Kuss, ihr Streicheln, das sie weiter geht… Nun, mach schon, mach die letzten zwei Knöpfe auf, schrie ich sie in Gedanken an. Es wäre garantiert mehr als unangenehm für mich geworden, wenn sie jetzt auf einmal hören konnte, was mich beschäftigt.

Einerseits sind da Zweifel, die einfach nicht verschwinden und die ich nicht haben wollte, ich war darauf gefasst, hatte mich vorbereitet, geistig, körperlich… Aber es war zu viel, wieso war es denn so intensiv? Gott, was machte sie den nur mit mir?

Andererseits sind dort in meinem Kopf diese Gedanken, die mich mehr alles andere wie ein Mann wirken lassen. Dieser Glanz in ihren Augen, dieses leichte Keuchen und Stöhnen, dass aus ihrem Mund drang, die Macht, die sie über mich hatte, dieses wunderbare Kribbeln, das sie in mir verursachte, nicht unfähig es zu beschreiben…

All das ließ mich alles andere vergessen. Es war zu spät, die männliche Seite hatte gegenüber der Seite eines Monstrums gewonnen. Ich war endgültig verloren, nichts konnte mich mehr aufhalten. Wenn sie ES jetzt gewollt hätte, ich wäre ohne zu zögern darauf eingegangen!

Wie es sich wohl anfühlt? Ist es vergleichbar mit einem Kuss, diesem Kuss, diesem Glanz in ihren Augen? Stärker? Schwächer?

Theoretisch gesehen wusste ich wie es ging, doch genauso wie auf den Kuss wird mich wohl niemand auf die emotionale Seite vorbereiten.

Seltsamerweise verwünschte ich es grad, dass ich vorher nicht Emmett oder so gefragt hatte, WIE es sich anfühlt. Carlisle wäre zwar auch ein netter, verständnisvoller Partner zum Reden gewesen, aber ich glaube, für diese, meine Problematik wäre es nicht so ganz gut geeignet. Da wäre doch Emmett viel besser…

Oh mein Gott! Sie war beim letzten Knopf meines Hemdes angekommen…

… Sie schaute mich kurz an, ich nickte, da ich genau wusste, worauf sie hinauswollte und schob das Hemd erst rechts und dann links meinen Körper hinab. Es fiel leise und sanft herab.

Instinktiv durchfuhr mich Panik. Was wäre, wenn ich nicht genug für sie wäre? Sie von meinem Aussehen enttäuscht sein würde?

Doch als ich hörte, wie sie sehr scharf die Luft einsog, ihre Augen sich verdunkelten, mich anstarrten, begierig? waren meine Ängste wie weggefegt. Sie war genauso „hungrig" wie ich, hoffte ich oder versuchte es aus ihrer Reaktion auf meinen nackten Oberkörper abzuleiten.

Als ich noch sterblich war, hatte ich eifrig trainiert. Wollte Soldat werden. Mich beweisen. In den Kampf ziehen. Aber hatte es nicht getan, um jemanden außer mir etwas zu beweisen. Schon gar nicht einer Frau. Doch in diesem Moment war ich froh, dass ich es genauso so gemacht habe. Es gibt mir einen gewissen prickelnden Reiz, dass sie die erste Frau ist, abgesehen von meinen Schwestern und Esme, die mich halbnackt sieht. Teilweise entblößt vor ihr zu liegen ist irgendwie… wahnsinnig erregend. War es denn möglich, dass dies alles existiert? Sie existiert? Es ist einfach so wahnsinnig schön. „Ich liebe dich!" sagte ich zu ihr. „Ich dich auch, mein Engel… Du?", „Ja" antwortete ich begierig zu wissen, was sie jetzt von mir wollte.

Darf ich etwas versuchen, du kannst mich auch wegstoßen, wenn es dir zu viel wird, aber bitte nur noch eine Sache und ich werde auch sofort aufhören!" Ich wusste das sie log, sie konnte nicht mehr aufhören, genauso wenig wie ich. Himmel, was Gefühle aus einem machen. „Äh, was hast du denn jetzt wieder vor?" antwortete ich ihr verlegen wie erwartend. „Das wirst du jetzt gleich herausfinden! Bitte lasse dich einfach nur fallen, wie grad eben, das war so traumhaft schön, bitte tue es noch einmal, für mich…!"

Jetzt hatte sie mich, war ihr Gefangener. Sie könnte alles, wirklich, verdammt noch mal, alles machen und ich könnte mit meiner nicht mehr vorhandenen Selbstbeherrschung nichts mehr dagegen tun.

Ich nickte kurz als Zustimmung. Es war wirklich mehr als faszinierend, welche ungeheure Macht sie, ein zerbrechliches, kleines Menschlein über mich, ein blutrünstiges Monster hatte. Ich keuchte, als sie mich erneut, doch mit etwas mehr Leidenschaft wie vorhin, auf den Mund küsste.

Sie streichelte erneut mit ihrer Zunge über meine eiskalten Lippen, knapperte leicht daran, ich keuchte auf.

Öffnete sofort meinen Mund, wollte noch mehr von dieser wunderbaren Intensität. Ich war definitiv selbstsüchtig geworden, nicht mehr aufhören, nie mehr enden, zu viel einfach… unsere Zungen fochten einen intensiven Kampf aus, der so alt, wie die Menschheit selbst schien.

Doch plötzlich löste sie sich von mir und begann mein Gesicht mit kleinen, süßen Küssen zu überdecken, erkundete meinen Hals, meinen Geruch in sich aufsaugend… Ich schloss genießerisch die Augen und ließ mich fallen, war wieder ihrer „Führung" überlassen, aber wollte auch nichts anderes. Sie knapperte leicht an meinem Ohr, was ich mit einem kaum hörbaren Knurren bekundete, da es mir über alle Maßen hinweg gefiel.

Sie wanderte weiter meinen Hals hinab. Und nun wusste ich, was sie vorhatte, doch ich würde sie nicht aufhalten. Mit plötzlicher Intensität stellte ich fest…

ich war zu schwach. Zu schwach, so egoistisch, ausnehmend selbstsüchtig, um mich von ihr fernzuhalten, habe es nicht geschafft hatte, sie endgültig zu verlassen, obwohl es das Beste wäre und ich wusste dass in jenem vergangenen Moment zwei Herzen brachen. Blutend hatte ich uns beide zurückgelassen.

Aber desweiteren war ich so egoistisch gewesen, hatte diese wunderbaren Gefühle, diese Momente, die sie mit mir teilte, nicht zugelassen. War zu schwach, um mir wirklich einzugestehen, dass ich sie mehr wollte, als alles andere auf dieser Welt, mit allem, was dazu gehörte… Hatte den Grund, dass ich sie verletzen könnte, vielmehr häufig als Grund angegeben, um ihr nicht näher kommen zu müssen, obwohl ich es ihr, uns, schuldig war.

Und jetzt, genau in diesem Augenblick war ich zu selbstsüchtig und egoistisch, um aufzuhören, obwohl es gewiss genau jetzt DAS Beste wäre…

Aber diese Barriere, die meine Gefühle mir stellten, ließ sich nicht überwinden. Es war einfach zu schön, um jetzt das zu beenden, was sie begonnen hatte.

Allerdings bemerkte ich einen weiteren Punkt, wie ich zu meiner Schande gestehen musste: Mein Körper reagierte vollkommen auf ihre Berührungen. Wenn sie es bemerken würde, könnte es sehr peinlich für mich werden. Und wenn sie jetzt weiter machen sollte, was ich denke, dass sie es tun wird, würde ich mit jeder Faser meines Körpers nicht mehr wissen, wie ich weiter reagieren würde. Einfach nur noch Instinkten folgen… Es war einfach zu offensichtlich, dass es mir so sehr gefällt. Das fremde Gefühl, das mich befallen hatte, als sie mich zum ersten Mal küsste, breitete sich mehr denn je aus. Ausgehend von meinem Bauch, schon in meinen Rücken wanderte es schließlich in meine Lendengegend…

… ich merkte, dass ES, als sie über mein Schlüsselbein mit ihrer Zunge entlang leckte und schließlich meine Brust erreichte, eng in meiner Hose wurde. Oh mein Gott, verdammt, ja, etwas in mir schrie nach Erlösung

…aber ich wusste, das es nicht richtig wäre, nicht hier, nicht jetzt. Verdammt, oh ja… Sie küsste sich meine eiskalte Brust entlang und umfasste meine Seiten mit ihren Händen. Ich zappelte wie wild herum, immer und immer wieder entwich mir ein Stöhnen, lange konnte ich es nicht mehr aushalten, ertragen… Sie brachte mich um den letzten Funken Verstand, es war so unglaublich, dass ich dachte, es darf einfach nicht wahr sein…

Doch dann machte sie etwas, was mich an den Rand dieser unglaublich schönen, unendlichen Klippe brachte. Mit ihrer Zunge umkreiste sie meine Brustwarze, diese richtete sich auf, als sie sie mit ihrer warmen Zunge umschloss und schließlich mit ihren Lippen dran saugte…

Es war zu spät, ich fielfielfiel… sanft und doch so unglaublich heftig über diese Klippe. Und in dem Moment, wo ich eigentlich in diesen wunderbaren, tiefen See fallen sollte, wurde mir schwarz vor Augen….

Es war zu viel, zu spät. Sie hatte mich besiegt, ich habe mich ergeben.

….

Bellas POV

Oh mein Gott, oh Gott, was ist mit ihm? „Edward!" flüsterte ich leise. Keine Regung. Panik stieg in mir auf, er lag da, gleich einer Statue aus eiskaltem Stein. Kein Aufflackern seiner Augenlider, kein Zucken um seinen Mund…

Edward!" schrie ich fast, aber dennoch nicht so laut, dass Charlie aufwachen könnte. Rüttelte ihn, gab ihm eine Ohrfeige, von der ich wusste, dass sie mir selbst nur Rötungen und
Schmerzen einbringen würde. Hätte ich es nicht besser gewusst, VIEL besser, hätte ich gedacht, er wäre tot. Himmel, was war mit ihm? Mir begannen Tränen in die Augen zu steigen. „Edward!" panisch schrie ich ihn diesmal an. Die Tränen liefen mir meine Wange hinunter, konnte sie nicht mehr aufhalten, mein Körper wurde von einem Schluchzen erschüttert….

Was hatte ich getan? Seine aufgestellten Regeln überschritten und jetzt dämmerte es mir, er hatte Recht gehabt, verdammt noch mal, er hatte Recht gehabt…

Das ist nicht wahr, das kann nicht sein, mein Schatz, mein Verlobter lag neben mir auf dem Bett, regungslos. Wieso konnte ich mich auch nicht zurückhalten, wieso musste ICH diese verdammten Regeln brechen? Ich schluchzte erneut, lauter. NEIN, NEIN, NEIN…. WIESO? Was war ich denn auch für ein selbstsüchtiger Idiot?

Und dabei schien er grad eben noch so glücklich gewesen zu sein… ich hatte alles kaputt gemacht. Er hatte mich diesmal nicht weggestoßen, frage mich immer noch, wieso? Warum mussten auch, ausgerechnet heute, meine Hormone mit mir durchgehen?

Hatte ihn zu etwas zwingen wollen, was er gar nicht wollte, er hatte mir ja seinen Standpunkt mehr als nur einmal strikt klar gemacht….

Wollte doch nur diesen einen Kuss, aber ich habe gewusst in dem Moment, wo ich meine Lippen auf die seinigen senkte und er mich nicht wegstieß, dass ich es nicht mehr stoppen konnte, nicht mehr wollte

Er war alles in diesem Moment und ich habe es zerstört!

Mit meiner Selbstsucht, meinem Egoismus. Weitere Tränen traten mir aus den Augen, diesmal vor Reue und Scham. Was soll ich tun? Was hat er? Sollte ich Charlie aufwecken und ihm erzählen, was passiert ist?

Edward lag immer noch regungslos da, so friedlich und sanft…

Ja, genau, das wäre ja DIE Idee! „Charlie ich habe Edward verführt und als ich ihn an der Brustwarze saugte, ist er auf einmal in sich zusammengesackt, zusammengebrochen und liegt seitdem regungslos auf meinem Bett!" Ja genau, wirklich GANZ tolle Idee.

Sollte ich Alice anrufen? Oder besser gefragt, wieso hatte sie mich noch nicht angerufen, sie muss doch gesehen haben, was mit Edward passiert ist, oder? Vollends war ich verwirrt, rüttelte weiter an Edward, schrie seinen Namen, er reagierte immer noch nicht, Gott, was soll ich tun? Können Vampire einen Schock bekommen oder gar sterben? Unsinnige Gedanken rasten durch meinen Kopf, wusste nicht mehr ein, noch aus. Die Schuldgefühle drohten mich innerlich zu zerbersten, ich hatte doch das alles NICHT gewollt!

NEIINN… NICHTTT!