Nondum omnium dierum solem occidisse…
Es ist noch nicht aller Tage Abend… - Titus Livius, Ab urbe condita 39, 26,9
Alice POV (zur selben Zeit im Haus der Cullens):
„Alice…? Creme oder eher Elfenbeinfarben?" fragte mich Rose bezüglich der Farbe der Vorhänge, die in dem neuen Haus von Bella und Edward angebracht werden sollten. Weiß wäre nicht so schön, es musste einfach alles zusammen passen. Die Vorhänge waren diesmal für das Schlafzimmer. Gestern hatten wir die für das Wohnzimmer ausgesucht. Eigentlich wäre es ja nur richtig gewesen, die beiden die Mühe machen zu lassen, aber Erstens durfte Bella davon noch nichts erfahren, weil es ein Geschenk für sie darstellen sollte… und Edward? Jaja, Männer und ihr Geschmack von Vorhängen! Pff! Hat mal jemand einen Mann freiwillig dazu bringen können, sich für die Farbe von Stoffen in einem Haus zu interessieren? Das einzige, was sie interessiert, war die Größe des Fernsehers und… des Bettes. Ich hatte Edward gestern noch gefragt, wie groß das Bett in ihrem Schlafzimmer denn sein sollte und er: „Keine Ahnung! Sollte es denn groß sein? Es ist doch eh nur eine Requisite!"
Männer! Schlimm sowas! Nur eine Requisite? Ja okay, ich musste jetzt innerlich schmunzeln, gestern war mein Bruder noch etwas-unschuldiger-in-Sachen-körperlicher-Liebe, heute, glaub ich, würde er mir eine gänzlich andere Antwort geben… Jaja, meine beste Freundin und zugleich Schwägerin in Spe hatte es faustdick hinter den Ohren. Ehrlich gesagt hätte ich mich selbst nicht so lange zurückhalten können. Knapp zwei Jahre sind die beiden Schnuckel schon zusammen und noch nicht einmal einen richtigen Kuss gab es… jedenfalls bisher. Ich persönlich hätte Jasper schon längst angefallen. Edward ist sexy, ganz klar und auf irgendeine Art bedauere ich Bella zutiefst, das er einfach nicht über seinen Schatten springt… Er würde ihr nicht wehtun, im Gegenteil, es tut ja fast schon innerlich weh, wenn er sie immer und immer wieder wegstößt! Der Kerl ist aber um keine Ausrede verlegen. Ich glaube, spätestens nach der Hochzeitsnacht muss er sich ein neues Hobby suchen, anstatt sich ständig neue Ausreden für den Schutz ihrer beiden, ach so heiligen Tugenden einfallen zu lassen…
Allerdings schien es ihm gestern Abend nicht viel ausgemacht zu haben. Ich schmunzelte erneut und grinste süffisant in mich hinein. Meine Schuhe blieben wohl Edwards Launen gegenüber verschont. Irgendwie glaube ich, das er gerne die Mahnolos durch den Wald hätte fliegen sehen. Naja, Brüderchen! Sag ich doch, deine kleine, süße und ja ach so unschuldige Bella ist ziemlich raffiniert, muss ich ja schon eingestehen. Und merke dir eines, wette niemals gegen mich!
Wie eigentlich immer spürte mein Geliebter die sarkastische und lustige Stimmung, in der ich mich befand. Er spielte gerade mit Emmett Schach. Mit Edward zu spielen ist definitiv unlustig, er konnte ja schließlich nicht einfach seine Gabe abstellen. Er ist der Meinung, das er eh schon zu viel mitkriegt, mehr, als er eigentlich wissen wollte! Und mit mir Schach zu spielen ist auch irgendwie unmöglich, also zockten die beiden Männer gegeneinander. Ab und zu gab ich mit meinem Gesichtsausdruck meinen Jasper zu verstehen, welchen Zug Emmett wohl als nächstes machen würde. Jasper kannte zwar meine Gedanken nicht, wie Edward es gewiss jetzt wissen würde, aber er deutete meine Mimik so, wie ich sie innerlich fühlte. „Edward?" fragte er. Irgendwie war ich trotzdem sehr überrascht, als mein Ehemann direkt auf unseren Bruder zu sprechen kam. „Was ist mit Edward?" fragte Emmett, mit sehr anzüglichen Grinsen im Gesicht. „Macht er wieder einen auf-ich-bin-ja-so-unschuldig-und-traue-mich-nicht-meine-süße-zu-berühren-da-ich-so-schreckliche-Angst-habe-sie-kaputt-zu-machen..?" Er sagte das mit so purer Ernsthaftigkeit und perfekter Imitation von Edwards Stimme, das alle, inklusive mir, anfingen zu lachen. Normalerweise hätte er mit mehr als 100% Wahrscheinlichkeit den Nagel auf den Kopf getroffen, aber nach gestern Nacht war ich mir nicht mehr so sicher. Bella ist gewitzt, mehr als raffiniert in der L´Art de la Seduction…
„Also Emmett, mein großer-ich-mein-alles-zu-wissen-Bruder! Diesmal hast du wohl mal daneben geschossen!" Und im selben Moment wurde mir klar, was ich gesagt hatte. DAS ließ Emmett natürlich nicht auf sich beruhen… Er hob seine linke Augenbraue, schaute mich mit völliger Ernsthaftigkeit, gepaart mit überraschender Skepsis, an und fragte mich, süffisant grinsend: „Ne, oder? … Edward hat geschossen, huh? Mensch, das ist ja DER Brüller! Gut so, ich LIEBE Bella einfach!" und plötzlich konnte er nicht mehr. Er hielt sich fast den Bauch vor lauter Lachen und wir anderen konnten uns das Grinsen auch nicht mehr verkneifen. Tja, Eddy wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht mehr zu sorgen, nicht wahr?
Und dabei war ich es gewesen, die Bella überhaupt dazu gebracht hatte, das mein Bruder jetzt den „Schaden" hatte… Was bin ich aber auch eine „böse" Freundin, … denke aber, die zwei werden mir verzeihen!
Flashback ( etwa eine Stunde zuvor, vor dem Haus der Cullens):
Ich hörte Bellas Transporter schon bevor sie in unsere Einfahrt einbogen. Bella und Edward wollten „seine" Schwimmsachen holen und ich wusste, dass das heutige Schwimmen für Edward eine gänzlich neue Erfahrung darstellen würde. Er war so süß leichtgläubig und naiv, was seine kleine Bella anging. Nie wäre er auf die Idee gekommen, das sie irgendwas im Schilde führen könnte, was ihn mehr als nur in einer Hinsicht überraschen würde. Aber eigentlich nach gestern Abend, wo es Bella immerhin gelang, meinen naiven Bruder, den ersten richtigen Kuss seines Lebens zu entlocken.. Aber Moment, DAS war ja noch nicht alles… Versuchte, mir das Grinsen zu unterdrücken, die anderen wussten selbstverständlich nichts davon, wozu Bella Edward „gezwungen" hat… Mmmh, die Aktion, die er machte, während Bella schlief, auch nicht schlecht, Brüderchen! Ganz neue Erfahrung, nicht wahr? Ich hätte fast darauf gewettet, das er es nicht tut, aber 90 Jahre alte männliche Hormone so lange unter Verschluss zu halten, nicht gerade vorteilhaft… Vor allem, wenn… (mir schoben sich gerade Bilder von ihr und Edward beim Schwimmen vor mein inneres Auge)… BELLA, hast du das wirklich vor? Oh mein Gott! Einfallslosigkeit kann man dir jedenfalls nicht vorwerfen!
Okay, okay, ich hätte auch so gehandelt… Wie gesagt, hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, wie sie es, zum Teufel, schafft ihn nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit anzuspringen… Wie kann er aber auch nur? Sieht er nicht, wie weh es ihr tut, ständig von ihm abgewiesen zu werden?
Aber alleine der Kompromiss bei seinem Heiratsantrag! Tja, stille Wasser sind tief(gründig) und vor allem schmutzig… „Das Ziel jeder Ausbildung ist die Kunst, Krieg zu führen ohne Soldaten…!" Und ja, wie heißt es so schön: Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt… Bella führt definitiv eine Art Krieg und die Fähigkeit des Taktierens hat sie erstaunlicherweise relativ schnell herausgehabt, obwohl sie sich immer und immer wieder mit innerlichen Zweifeln herumplagt. … Es ist doch ganz einfach, okay bei Edward nicht so sehr, aber trotzdem, beim Antrag hat sie doch ein taktisches Meisterwerk hingelegt: Gezieltes Herumschleichen, den Schwachpunkt des Feindes ausmachen, den Edward definitiv besitzt… und gezielt mit voller Breitseite zuschlagen… Ja, DAS ist meine Freundin… Und ja, sie hat bekommen, was sie wollte! HA!
Aber trotzdem sie plagen immer wieder diese imaginären Zweifel, ob sie überhaupt alles richtig macht, oder ob sie die Geschichte mit dem Entdecken der körperlichen Liebe in die Hochzeitsnacht verschieben soll…. Aber was bitte schön, soll das denn wieder? Sie kann das doch nicht machen, vor allem jetzt nicht, wo Edward anfängt, seine tollen männlichen Seiten in sich zu entdecken…
Höre den Transporter jetzt ganz nah, sie dürften in einer halben Minute circa hier sein.. Ich sause schnell nach oben, um die Schwimmtasche für Edward zu holen, die ich vorher schon gepackt hatte und renne wieder an die Tür, um auf die beiden zu warten. Irgendwie überkommt mich die seltsame Stimmung, als müsste ich Bella gleich noch den ein oder anderen Frauenrat geben… Armer Edward, er hätte sich definitiv nicht auf die Sache einlassen sollen… Aber wie konnte er auch der Macht der unschuldigen schokoladenbraunen Augen wiederstehen?
Sie biegen in die Ecke zu unserer Auffahrt und ich stelle mit Genugtuung fest, das mein Bruder einen sehr gequälten Gesichtsausdruck inne hat. Einerseits kann ich ihn verstehen.. Wer fährt auch schon gerne mit diesem Piece of Crack, wie es Emmet mal so schön formulierte… Als Beifahrer? Es wird Zeit, das die beiden heiraten und Edward seiner Frau einen neuen fahrbaren Untersatz besorgen darf… So in Schwarz, schnell und sportlich… Hui, Edward, schönes Auto, genau meine Wahl, aber meinst du nicht, das es trotzdem ein wenig übertrieben ist? Naja egal…
Andererseits habe ich es im Gefühl, das die übermäßig gequälte Mimik meines Bruder nicht nur von Bellas Transporter herrührt, vor allem, wenn Bella ein so dermaßen gewinnendes Lächeln auf den Lippen hat… Ah, so läuft der Hase… Bella, Bella, Bella... ich muss gleich noch mit reden!
Ich hörte und das war gewiss nicht für menschliche Ohren bestimmt wie Edward leicht aufseufzte und einmal kurz „durchatmete" (ich verstand ihn vollkommen…), dann ausstieg, schnell um das Auto herum lief und seiner Liebsten die Autotür zu öffnen… Ach, der perfekte Gentlemen. Hält Autotüren auf, bezahlt im Restaurant (obwohl er nie etwas isst), immer nett, immer freundlich und betont uneigennützig... Was wohl Bella dafür geben würde, wenn er es einmal NICHT wäre?
„Bella, hi!" Ich umarmte sie und hauchte ihr ins Ohr, das ich kurz mit ihr sprechen wollte… Sie nickte kaum merklich, da Edward sie immer noch beobachtete… Als aber eben dieser sich Emmett zuwandte, bzw. Emmett sich Edward mit sarkastischen, vor versauten Dingen strotzenden Kommentare zuwandte, war meine halbe Minute gekommen… „Bella,…" begann ich „… das von gestern Abend.. stelle dir das heute nicht so einfach vor! Aber glaub mir, er wird darauf anspringen, egal was du vorhast und glaube mir, wenn ich es sage: Klasse Idee! Aber überfordere ihn nicht… Wiege ihn in Sicherheit und dann: na los, do it.. do it well!" und bei dem Satz spielte ich auf den Gegenstand an, den Bella noch zuvor aus dem Haus geholt hatte….
Ihre Augen begannen aufzuleuchten, wie sollte es auch anders sein?
Hatte er es gemerkt? Hoffentlich nicht, sonst wäre ihrer (unser) toller Plan zunichte… Aber wie gesagt, er sollte zunächst in Sicherheit gewiegt werden, bevor seine kleine unschuldige Bella zum halbwegs entscheidenden Schlag ausholen würde… Ach, ja, Bella und das „militärische Taktieren!" Nichts ist spannender, … naja außer: Kleidung, Vorhänge und Stoffe! Ich sauste zurück ins Haus, in dem wunderbaren Glauben, das alles heute seinen so ausgedachten Gang gehen würde… Hörte nur noch, wie Bella zu Edward sagte, das er sie gerne mal auf den Rücken legen könne… Oh mein Gott, dieser Mann ist unweigerlich und unwiderruflich verloren!
…. (Flashback Ende)
Edwards POV:
Ende letztes Kapitel: …. bis ich hörte, das sie etwas aus ihrer Tasche nahm- meine Augen waren immer noch geschlossen- und plötzlich sie mir: „Lass dich einfach fallen, nicht bewegen!" zuflüsterte….
Sollte ich auf sie hören? Mich einfach nur fallen lassen und ihrer Führung obliegen? Sie brachte mich schon gerade eben im See dazu, fast meine gesamte Selbstbeherrschung über den Haufen zu werfen… aber nein, ich konnte einfach nicht! Es soll mir einfach nicht vergönnt sein, dass ich mich einfach so gehen lasse.. In dem Maße, wie sie es augenscheinlich, doch so sehr ersehnt! Was erwägt sie eigentlich und wohin sollte das ganze führen?
Noch nie, abgesehen von gestern Abend, war ich so dermaßen verwirrt, was ich jetzt tun sollte… Es ist doch zum Verrücktwerden! Sie versucht mich zu verführen, das spüre ich und ein sehr großer Teil von mir, der Teil, der immer noch den Teufel als dominante Persönlichkeit auf meiner Schulter sitzen hat, erwünscht sich diese Tatsache um nichts mehr auf dieser Welt… Ihre Haut zu spüren, zu riechen, ihren Duft bis in die letzte Zelle meines Körpers aufnehmen. Meine persönliche Droge in mir zu spüren… wie sie sich langsam den Weg durch meine Venen und Adern gräbt, jedesmal, wie ein Feuer, ein nicht zu löschender Großbrand… sich den Weg entlang brennt… Und andererseits ist dort die Begierde, die immer mehr und stärker in mir versucht, die Oberhand zu gewinnen. Das Verlangen nach ihren Berührungen, nach Streicheleinheiten und nach dieser wunderbar sanften, warmen Haut, die sich auf die meinige presst. So anschmiegsam und perfekt zusammenpassend, wie zwei Teile eines Puzzles… Die Begierde nach mehr, mehr Intensität, als ich jemals geträumt hatte, zu empfinden, nach mehr Ektase und Leidenschaft… Die Begierde, einfach nicht mehr genug von ihr zu bekommen. Egal, was sie macht, spricht und wie sie sich bewegt… sie verzaubert mich. Verzaubert in dem Sinne, das sie mich definitiv zu etwas bringt, was ich nie gedacht hätte… Sie bringt mich dazu, männliche Gefühle zu entwickeln und das ist auch verdammt noch mal gut so, haucht der kleine Teufel auf meiner Schulter in mein Ohr… Verzaubert, in dem Sinne, das sie mich willenlos macht, mich wie Wachs in ihrem wunderschönen, samtweichen Händen zu fühlen… Sie macht meinen Blick unfokussiert, sie bringt mich dazu, zu versuchen, ihr nicht ständig zu zeigen, wie sehr sie mich doch anmacht… Ja, Bella hatte mich schon bei unseren Kuss gestern Abend in der Hand und weiß definitiv, wie sie mich zu händeln hatte… Bella dominiert und ja, ich musste es unweigerlich zugeben… ich genoss es…
Aber es gab immer noch diese Gedanken, diese Angst in mir, nicht mehr aufhören zu können, wenn ich einmal zu weit ging… Ihr Geruch, mein „personal brand of heroin" fraß sich nicht nur durch meine Adern und Venen, sondern es erweckt auch jedesmal das Monster in mir… Das unter der Oberfläche nur darauf wartet, die Gelegenheit wahrnehmen zu können und endlich zu triumphieren…
Aber was, in Gottes Namen, hatte sie aus dem Haus geholt… kurz bevor wir losgefahren waren? Sie versteckte es immer noch und ich verfluchte immer wieder die Tatsache, das ihre Gedanken für mich nicht erkennbar waren… Sie flüsterte mir zu, ich sollte mich auf den Bauch legen und die Augen schließen… Der Tonfall, in der sie diese Anweisung gab, ließ keinen Widerspruch zu… Sie konnte so liebevoll, zart und so wunderbar unschuldig sein, aber auch, und das bekam ich in dieser Situation zum ersten Mal richtig zu spüren… sie konnte dominant sein… Ich ergab mich in mein Schicksal und dreht mich auf den Bauch und schloss meine Augen!
Ich hörte ein undefiniertes Geräusch, ein Drehen einer Verschlusskappe, etwas tropfte… und sie verrieb etwas zwischen ihren Händen… Mich in dem Moment perplex, durcheinander und absolut verwirrt zu nennen wäre wohl eine Untertreibung… Ich hörte ebenfalls, wie sie sich auf mich setzte und ihre Beine rechts und links neben mich legte. Bella beugte sich vor und flüsterte mir mit unglaublich geheimnisvoller und zutiefst sehnsuchtsvoller Stimme in mein Ohr: „Bitte, lass dich fallen… denk an nichts… genieß einfach, ja?" Wie konnte ich ihr bei diesem Bitten wiederstehen? Wer hätte das gekonnt?
Auf einmal spürte ich warme und ein wenig feuchte Hände an meinen Schulterblättern… Was tat sie? Ich habe absolut keinen blassen Schimmer, was sie genau tat und wohin es sie, uns, führen sollte… Allerdings wusste ich eines: Es fühlte sich fantastisch an… und da ich ja faktisch gesehen unter ihr lag und ich ihr „schutzlos" ausgeliefert war, entschloss ich mich dazu, etwas zu tun, was ich bisher im meiner gesamten Existenz noch zu tun nicht gewagt hatte…. Ich ließ mich fallen und übergab die Kontrolle an Bella…
Sie knetete mit ihren Finger und speziell mit ihren Daumen meine Schulterblätter… ich entspannte sichtlich. Es war, als würde eine riesengroße Last von mir genommen…
In dem selbigen Moment ging mir auch auf, was Bella aus dem Haus geholt hatte- Öl für eine Massage.
Ich wusste, wenn ich sie jetzt ansehen würde... ein sehr ausgeprägtes Rot würde ihre niedlichen Wangen zieren. Ach, wie ich das vermissen würde, wenn sie einmal zu meiner Art gehören würde… Nie wieder ihren Herzschlag hören zu können- das Schönste Geräusch der Welt, sogar noch vor dem ihrer Stimme… aber auch das Blut rauschen zu hören, wenn sich ihre Wangen leicht rosa färben, wenn ihr irgendetwas peinlich ist… Sie ist einfach zu süß für diese Welt! Womit verdiente ich dieses zauberhafte Wesen nur? Und womit verdiene ich diese Gefühle nur, die mein zauberhaftes Wesen gerade in diesem Moment in mir erzeugt?
Eine Wärme breitete sich aus, beginnend von dem Punkt, wo Bella ihre Hände hatte, die jetzt langsam, aber mit kräftigen Bewegungen nach unten wanderten… Sie drückte jetzt die Stelle an meiner Wirbelsäule unter meinen Schulterblättern und massierte mich mit einer Mischung aus kräftigen Druck und leichten, sanften Berührungen, so unheimlich zierlich und unschuldig, als wären sie der Flügelschlag eines Schmetterlings…
Die Berührungen allerdings brannten sich in meine Haut rein, ich spürte sie hinunter bis zu meinen Knochen. Sie zog sozusagen eine Brandspur mit sich, jede einzelne Pore in mir glühte vor Entspannung, vor Sehnsucht und auch vor Begierde… Ich stöhnte leicht auf, als sie mit den Fingerspitzen meine Seiten entlang fuhr… immer und immer näher zu meinen Shorts kam. Sie wusste definitiv was sie machte, aber ich hatte es mir selbst versprochen- ich habe ihr die Kontrolle gegeben, einfach nur fallen lassen, an nichts denken… Es war das erste Mal, abgesehen von gestern Abend natürlich, wo ich nicht wusste, wie das alles hier enden sollte… Keine Ahnung zu haben, ihre Gedanken nicht zu lesen… Und das ich die Augen geschlossen hatte, konnte ich noch nicht einmal in ihren Augen ausmachen, was sie bewegte… Ich war ihr unweigerlich ausgeliefert und ich musste es, wie gerade schon einmal, mit voller Wucht zugeben- Es machte mich an….
Normalerweise, bzw. ich bin es immer zu exakt 100%, der die Kontrolle hat, niemals sich irgendetwas erlaubt, was gegen meine (blöden, verdammten) Regeln war… und jetzt? Jetzt hatte sie mich in der Hand. Bella hatte theoretisch gesehen die Macht über mich und auch über meinen Körper… Und ja, sie nutzte diese Macht, als ihre Massage ein klein wenig intimer wurde, als die vorhergehenden Berührungen erahnen ließen…
Sie fuhr weiter meinen Rücken hinab und ein unglaubliches Kribbeln durchfuhr meinen Körper. Gepaart mit der Hitze, die sogar meine Knochen erreichte, eine fast unmenschlich erotische Mischung. Meine Muskeln lockerten sich unter ihren Berührungen, aber EIN Muskel wurde verdammt hart und es war nicht gerade von Vorteil, das ich auf genau jenem lag und Bella breitbeinig auf mir saß. Es fühlte sich fantastisch an, als wüsste sie genau, was sie da tat. Aber wie ich meine liebste kannte, kostete es sie genauso viel Mut das zu tun, wie mich, hier vor ihr zu liegen. Nach einer Weile wurden ihre Berührungen sanfter und ich stöhnte, ich wollte nicht, dass sie aufhört. Eigentlich sollte ich ihre Hände genau jetzt wegziehen, konnte es aber nicht mehr. Ich wollte mehr. Eine ihre Hände wanderte meine Wirbelsäule hoch, strich sanft über jeden Muskel und massierte sanft meine rechte Schulter, bevor sie meinen Nacken etwas fester drückte und schließlich sich triumphierend in meinen Haaren verankerte. Es war wie ein innerlicher Wirbelsturm, als sie mit ihren Fingernägeln über meine Kopfhaut kratzte… und ihre andere Hand sich um meine Seite kümmerte. Ich legte meinen Kopf noch ein wenig zur Seite, um ihr zu zeigen, wie sehr ich ihre Berührungen im Nacken und an meinen Kopf genoss, ja fast schon ersehnte.
Zu meinen leichten Bedauern (und ich könnte schwören, das ich sie grinsen sehen würde, wenn ich die Augen auf mache…) nahm sie ihre Hand aus meinen Nacken und ließ sie erneut, gepaart mit der anderen, linken Hand über meine Seiten gleiten. Es war nicht nur erotisch, es war verdammt intim und genau DAS machte mich schrecklich an. Ich keuchte auf. Die Berührungen, das innere Feuer, das sie verursachten waren einfach zu göttlich… Wollte, das sie nie wieder damit aufgehört! Wieso hatte ich mir auch verboten, diese Art von körperlicher Zuneigung bisher so gut zu unterdrücken… Die Intimitäten waren eine Offenbarung für mich und jetzt damit aufzuhören, wäre pure Blasphemie….
Es wäre definitiv besser jetzt aufzuhören, aber es fühlte sich so richtig an… So richtig, das die Zeit, in der wir diese Gefühle nicht miteinander geteilt hatten, mir augenblicklich wie eine Verschwendung vorkamen. Ich zitterte innerlich bei dem Gedanken, WIE richtig es sich anfühlte, WIE sehr ich mich eigentlich nach ihrer Berührung verzehrte, es mich danach verlangt, das sie weiter geht, mich mehr berührt, mehr streichelt… Meine Selbstbeherrschung ist auch nicht mehr das, was sie einmal gewesen war… Buhh, Verräter!
Ihre beiden Hände packten meine Seiten mit leichten Druck und wanderten immer tiefer… Oje, wo sollte das alles hier nur enden? Nun war sie unter meinen Rippenbögen angelangt und ich bekam die Gewissheit, das sie definitiv nicht vorhatte, dort zu stoppen. Aber wer wollte das auch?
Aber wenn sie wüsste, das es eine Stelle an meinem Körper gibt, an der ich verdammt kitzelig bin… ich glaub, das würde sie ausnutzen! Oja, DAS würde sie ganz bestimmt.
Immer wenn mir jemand (zumeist war es Emmett, wer hätte DAS gedacht?) „böse" wollte, dann werde ich an dieser einen kleinen Stelle an der rechten Seite meiner Hüfte gekitzelt. Ich krieg mich dann kaum noch ein vor lauter Lachen. Ja man glaubt es kaum, aber Vampire sind auch kitzelig, erstaunlich nicht wahr? Und ich wundere mich gerade über alle Maßen, das Emmett das meiner kleiner Süßen nicht als „Geheimwaffe" gegen mich schon längst gesteckt hatte…
…Oder doch? Nein, Bella, nicht, bitte… Nein… Prust… Okay, er hatte es ihr gesteckt…Emmett, du ahhhh… du, du… nein, hör auf Bella… Emmett, du…., NEIN, nein, bitte aufhören, stopp Bella… Egal, was es ist, du kriegst es… aber aufhören, bitte…. Emmett, du Hund! Ich kille dich.. deine Playstation, ahhh, nicht… Bitte Bella!
„Ich krieg ALLES, was ich will, sagst du?" „Jajajaja, bitte aufhören, alles, ja, aufhören… stopp, hör auf mich zu kitzeln… bitte, Bella!" Augenblicklich hörte sie auf und ich ahnte nichts Gutes… Im Gegenteil, irgendwie hatte ich mir gerade ein Eigentor geschossen, nicht wahr?
Ich registrierte mit Bedauern, das sie sich aufsetzte. Aber, aber, am Rücken hätte sie doch weitermachen können, oder? Nein, kitzeln… keine gute Idee! Mmmh, was ist das? Hörte erneut, wie die Verschlusskappe aufgedreht wurde, ein bisschen Öl auf ihre Handflächen tröpfelte und sie die Flasche wieder zumachte! Was hat sie jetzt vor? Voller Erstaunen und Peinlichkeit über mein selbst geschossenes Eigentor erwarte ich, was nun passierte… Eigentlich hatte ich erwartet, das sie sich erneut auf mich setzten würde, aber sie blieb dort neben mir sitzen und fing an, langsam und behutsam meine Beine zu massieren. Es fühlte sich einfach so wunderbar an… Es war keine richtigen erotischen Berührungen, jedenfalls nicht in dem Sinne, in dem sie mich vorher berührt hatte… sie waren jetzt eher, in diesem Moment, gefühlvoll, sanft und voller Liebe…
Es gibt einen Unterschied zwischen den Emotionen, die man empfindet, wenn die Berührungen einer geliebten Person liebevoll, zärtlich und ohne erotische Hintergedanken sind… und denjenigen, bei denen die Luft brannte vor lauter knisternder Erotik, Leidenschaft und gegenseitiger Begierde… Bei den einen durchzieht dich eine sehnsuchtsvolle Wärme, tiefe Befriedigung, das dich die Person, der du hoffnungslos verfallen bist, erstaunlicherweise genauso lieb hat und… auch tiefer Frieden… Ja, ich finde, so kann man Bellas Berührungen im Moment am besten beschreiben. Sie sind durchtrieben von tiefem Frieden…
… aber auch einer Art Sehnsucht nach mehr… Und genau DAS wären die anderen Gefühle, die andere Berührungen in dir erzeugen. Das ist keine Wärme, die sich in dir ausbreitet, es ist vielmehr ein Feuer… Ein alles verbrennendes… Das dich sogar deinen eigenen Namen vergessen lässt, wenn du es unwiderruflich und unabdingbar zulässt… Es zieht sich wie heißes Magma durch deinen Körper, auf der Suche nach Löschung, nach einem Hindernis, das es aufhält. Aber diese Berührungen lassen kein Hindernis aufkommen, sie haben keine Barrikade, kein Ziel… Und je mehr du es verhinderst, das dieses Feuer sich weiter ausbreitet, desto intensiver wird es… Du kannst es nicht mehr aufhalten, wenn es einmal ausgebrochen ist… Kannst du das Ausbrechen eines Vulkans verhindern… nur mit der bloßen Kraft deiner Gedanken? Verhindern, das sich das heiße Magma langsam den Weg nach unten suchst, alles vernichtend, was sich ihm in den Weg stellt…? NEIN!
Und genauso ergeht es mir jetzt gerade, als sich Bellas unglaublich warme, sanfte Hände den Weg nach oben suchten, meine Beine immer weiter hinauf wanderten… Meine Gefühle wirbelten durcheinander. Kann es eine Mischung aus Wärme und Feuer geben? Ist das denn überhaupt möglich? Spätestens seit Erreichen der Haut oberhalb meiner Knien wusste ich… ja, es ist möglich… langsam wird dieses unglaubliche Gefühl der Wärme durch die ekstatische Hitze ersetzt, die sich nun den Weg durch meinen Körper bahnt… Innerlich zu verbrennen, vor Lust nicht mehr zu wissen, wohin das alles steuern, wo es enden soll! Ja, mein innerlicher Konflikt ist fast mit Händen greifbar! Aber Bella, meine kleine süße, unschuldige Bella versucht gerade mit ihren sanften Berührungen meine Zweifel, Ängste und trügerischen Sorgen in alle Winde zu zerstreuen… Wenn ich vorher geglaubt hatte, das ich noch einen Funken Anstand besaß aufzuhören, es zu stoppen, bevor es für mich zu spät werden würde… nein, ich denke, als Bella an den Rand meiner Badehose ankam… hatte ich keinen Anstand mehr und ließ mich gehen… fallen. Ich tat also genau das, was sie immer so sehr von mir ersehnte! Die Badehose war nicht so knapp bemessen, aber sie ging auch nicht bis auf die Knien, d.h. Wenn meine Liebste es geschickt anstellen würde, hätte sie theoretisch gesehen freie Hand fast bis zu meinem Hintern… und auch an andere Regionen, bei dessen Gedanken daran, es mich schaudern ließ… Ihre Berührungen waren einfach zu intensiv geworden, fast schon unerträglich intensiv…
Langsam, als hätte ich Angst vor plötzlicher Zurückweisung ihrerseits, begann ich meine Hüften zu bewegen, um mir Erleichterung zu verschaffen… Ich wollte mehr… Aber irgendwie fühlte sich das Ganze hier so dermaßen falsch an, aber irgendwie auch richtig. Wann weiß man, ob man wirklich dazu bereit ist, weiter zu gehen? Wann weiß man, wenn etwas eigentlich grundsätzlich falsches sich so richtig anfühlt, das es nur noch das Richtige sein kann? In einem Sinne kann es nicht so falsch sein… Ich kann sie nicht verletzten, weil ich ja nur auf der Decke liege und mich von ihr berühren lasse… Also habe ich meine Kräfte faktisch gesehen unter Kontrolle und brauche mich nicht ständig von meiner Angst leiten zu lassen, sie zu verletzen, ihr Schmerzen zuzufügen oder was weiß ich noch alles…
… Es kann aber auch nicht falsch sein… das die Begierde, die bei ihr schon die ganze Zeit unter der Oberfläche brodelt und ich bei mir erst „kürzlich" zu meiner eigenen Schande voll und ganz entdeckt habe, endlich in einem gewissen Maße gestillt werden kann, indem wir Schritt für Schritt weiter vorgehen… Es ist sogar jetzt richtiger, als wenn wir mitten in der Hochzeitsnacht auf das Ganze gehen und es ein enttäuschendes Ende nehmen sollte, weil wir beide nicht genau wissen, was eigentlich zu tun ist… Wir den Körper, die Begierden, die Wünsche und die Abneigungen des Partners nicht kennen… und das Ganze eventuell in einer Katastrophe endet, weil vor allem ich vor dem riesigen Problem stehe, sie mit meiner Kraft verletzen zu können… Oder dass das Blut in der Hochzeitsnacht in mir die monströse Seite zum Vorschein bringen würde…
So sehr wünschte ich mir in diesem Moment Bellas Gedanken hören zu können, die immer noch unsichtbar für mich sind… Da aber macht dieses kleine, zerbrechliche Menschlein etwas, für das ich ihre Gedanken nicht lesen bräuchte, um herausfinden, was genau sie vorhat… Sie ist durchtrieben und berechnend… und sie weiß genau, mit mehr als 100% Sicherheit, das es mich schier in den Wahnsinn treibt, als sie ihre Hände langsam, sanft und doch bestimmend unter meine Badehose gleiten lässt…
Normalerweise ist es nicht ihr Stil, mich so wehrlos zu überraschen und zu verführen…Entweder steckt meine liebe Schwester dahinter, woran ich am meisten glaube, oder aber… und das finde ich persönlich am unwahrscheinlichsten… Bella will die ganze Zeit schon mehr, traute sich nur nie, da ich sie immer und immer wieder wegstieß… Was bin ich auch nur für ein riesengroßer Idiot?
Egal… was es ist, es interessiert mich nun gar nicht mehr… Ich war gefangen, gefangen in einem Strudel, der sich immer weiter zu drehen schien, je mehr ich meine Hüfte bewegte und je höher sie ihre Hand wandern ließ… Ich wusste nicht, wie weit sie vorhatte zu gehen, wie weit sie zu gehen bereit war, aber eines wusste ich: Wollte partout nicht, dass sie aufhört… Ihre Hände streichelten die empfindliche Haut an meinen Oberschenkeln hinauf… Sie trieb mich definitiv in den Wahnsinn… Oh mein Gott.. Ihre Fingerspitzen- so warm, ein wenig feucht von dem Öl, das immer noch an ihr haftete… zogen behutsam Kreise und feine Linien auf meinen Schenkel entlang… Natürlich versuchte sie mich in dem irrsinnigen Glauben zu lassen, das sie nicht weiter hoch gehen würde… Aber wie ich meine Süße nach allem, was gestern Abend und heute Nachmittag passiert war, kennengelernt hatte… Nein, sie wollte ihre und unsere Grenzen definitiv austesten… Und was eignet sich dafür besser, als ein wehrloser Freund, der nicht mehr fähig war, irgendetwas zu tun, außer zu keuchen, zu stöhnen und seine Hüfte im Takt ihrer Fingerspitzen zu bewegen?
