A/N: Wer zart besaitet ist, sollte von diesem Kaptitel Abstand nehmen!
Der Schmerz in seiner Hand explodierte und ließ Nick heiser aufschreien. Leider ging ihm viel zu schnell die Luft aus, hätte er doch liebendgern noch weiter gebrüllt, bis er irgendwann an seinen Schreien ersticken würde. Doch dazu … fehlte ihm mittlerweile die Kraft.
Starks Schritte entfernten sich wieder.
Nick lehnte keuchend seinen Kopf gegen seinen Arm und hielt die Augen geschlossen.
Sich vorzustellen zu Hause zu sein und mit Juliette gemeinsam zu kochen half vielleicht, die Schmerzen in seiner linken Hand zu ignorieren. Vielleicht …
Nick hörte, wie Stark in der Kiste kramte und spürte, wie er begann, am ganzen Leib zu zittern.
Er hatte wirklich geglaubt, schlimmer als Prügel würde es nicht werden? Manchmal war er einfach zu blauäugig!
Was Stark jetzt mit ihm tat, das war echte Folter. Drei Finger waren bisher gebrochen, und den beiden noch heilen waren ihrer Nägel beraubt. Blut rann noch immer seinen Arm hinunter und tränkte den Ärmel seines Kapuzenshirts.
Wenn es doch nur irgendeinen Sinn hätte, was hier mit ihm geschah! Wenn es einen echten Grund dafür gäbe, daß Stark ihn folterte. Vielleicht könnte er dann mit dem ganzen besser umgehen. Aber es gab keinen anderen Grund als den, daß Stark sich an Hank rächen wollte und sich dafür ihn statt seines Partners gegriffen hatte. Hank war auf dem Revier gewesen, unter Hausarrest sozusagen. Niemand, weder Renard noch Nick selbst, hatte damit gerechnet, daß Stark sich Hanks Partner greifen würde, nicht nachdem, was er bisher auf seinem Rachefeldzug abgeliefert hatte.
Nick öffnete die Augen einen spaltbreit, als der Was-auch-immer zurückkehrte, dieses Mal einen Hammer in der Hand.
Der Grimm kniff die Lippen fest aufeinander in Erwartung dessen, was als nächstes passieren würde, mehr tun konnte er nicht. Wieder hing er mehr in der Luft, die Zehenspitzen gerade noch den Boden berührend, die Händgelenke in seinen eigenen Handschellen, die an dem, über den Dachbalken angebrachten Seil festgemacht waren. Seine immer noch lädierte Schulter protestierte, die Prellungen und vielleicht gebrochenen Knochen von gestern hatten schon vor einer Weile in den Protest eingestimmt. Und jetzt noch seine Hand.
Nick fühlte, wie sich eine Träne aus seinem Augenwinkel löste. Das Flehen um Gnade steckte in seiner Kehle und würgte ihn zusätzlich, während Stark um ihn herumtrat.
Flehen würde nichts bringen, nichts würde etwas bringen, gar nichts.
Nick fühlte, wie der Ärmel des Kapuzenshirts zu seinem Ellenbogen heruntergezogen wurden und kniff die Augen zusammen.
Offensichtlich hatte Stark sich einen besonderen Plan zurechtgelegt, jedes einzelne seiner Körperteile und Glieder zu malträtieren, ausgehend von den Fingern. Dann war jetzt wohl …
Im nächsten Moment riß Nick die Augen auf vor Schmerz. Der Schrei kam deutlich noch krächzender und heiserer hervor als vorher.
Stark benutzte den Hammer, ja. Aber nicht um, wie Nick angenommen hatte, auf seine Unterarmknochen einzuschlagen, sondern ...um ihm einen Nagel durch die Knochen zu hämmern!
Der Schrei ging in ein Wimmern über, als ihm wieder die Luft zum Atmen ausging.
Wieviel konnte er noch ertragen, ehe er das Bewußtsein verlor? Nick sehnte sich nach der erlösenden Ohnmacht, danach, keine Schmerzen mehr zu spüren und einige Zeit seine Ruhe zu haben, um vielleicht etwas ausruhen zu können. Aber Starks Folter war perfide genug, um ihn bei Bewußtsein zu halten, um ihm noch stärkere Schmerzen zufügen zu können.
„Bist'n tapferer kleiner Mann, Cop", lobte Stark ihn. „Andere haben schnon viel früher schlapp gemacht als du. Macht die Arbeit mit dir interessanter ..."
Nick japste nach Atemluft und wußte nicht, ob das ein Kompliment gewesen war oder nicht.
Der nächste Nagel wurde durch Haut und Fleisch getrieben.
Wenn es doch endlich vorbei wäre! Wenn er endlich die Besinnung verlieren könnte.
Dunkle Flecken tanzten vor seinen Augen, ein Zeichen für die beginnende Ohnmacht. Doch kaum wollte er sie umarmen und hereinbitten, da verschwanden sie wieder.
Nick stöhnte leise, nachdem auch der zweite Nagel offensichtlich so saß, wie er sitzen sollte. Er sah nicht seinen Arm hoch. Er wollte das nicht sehen, er wußte, er würde es nicht ertragen können.
Wenn das hier nur der Anfang war, wie würde es weitergehen? Was würde Stark als nächstes tun mit ihm?
Es gab Steigerungen, ganz sicher gab es die! Nick hatte in seinem Leben schon genug gelesen und gehört, um das zu wissen. Und bisher hatte er sich glücklich geschätzt, daß er eben nicht direkt involviert gewesen war. Bisher.
Ein drittes Mal spürte er die Spitze eines Nagels an seiner Haut.
Alles in ihm schrie um Gnade, um Erlösung, oder doch zumindest eine Pause. Doch …
Er konnte beinahe hören, wie der Hammer auf den Nagelkopf hinabsauste. Seine heile Rechte ballte sich in Erwartung des nächsten Schmerzes zur Faust. Doch dann …
Packte Stark ihn statt dessen von hinten und hielt ihm den Mund zu, daß er kaum atmen konnte.
Nick bäumte sich hilflos auf, halb erschrocken, halb weiterhin um Luft kämpfend.
„Ein Laut und das nächste, was dran glaubt, ist deine Zunge, Cop!" knurrte Stark an seinem Ohr.
Nick versuchte sich aus seiner Welt des Schmerzes zu befreien und herauszufinden, warum die Folter so plötzlich unterbrochen wurde. Und dann …
Undeutliche Stimmen!
Nick riß die Augen auf und lauschte. Er konnte nicht verstehen, was gesprochen wurde, doch es war klar, daß dort draußen jemand war. Jemand, der Hilfe holen konnte! Jemand, der Bescheid wissen mußte, daß er hier drin war.
Der stählerne Hammerkopf wurde gegen seine Schläfe gepreßt als sei er der Lauf einer Schußwaffe. Und Nick zweifelte nicht eine Sekunde, daß Stark ihm den Schädel einschlagen würde, würde er sich rühren.
„Hast du das verstanden, kleiner Cop?" wiederholte der Was-auch-immer an seinem Ohr.
Nick nickte stumm und lauschte weiter.
Zwei Stimmen, noch jung klingend. Noch immer konnte er nicht verstehen, worüber gesprochen wurde, aber er hörte die Stimmen, so wie gestern!
Wo auch immer die Hütte stand, mindestens einmal am Tag kamen Menschen vorbei. Menschen, das bedeutete Rettung, Sicherheit, einen Arzt! Und all das war nur einen risikofreudigen Ruf entfernt …
Das spitze Ende des Hammers bohrte sich weiterhin in seine Haut.
Er würde nicht schreien, selbst wenn Stark ihn losließ, er würde nicht schreien. Das war Nick mehr als klar. Nicht, weil er nicht konnte, er würde nicht lebend aus dieser Hütte herauskommen und das wußte er, sondern um diejenigen dort draußen vor Stark zu schützen. Nick wollte sich selbst verfluchen dafür, daß er es nicht zumindest versuchte. Was hatte er denn noch zu verlieren? Stark tötete ihn Stückchenweise unter Schmerzen. Wenn er schrie und die Leute auf sich aufmerksam machte, würde der Was-auch-immer ihm den Schädel einschlagen und das wars. Er würde sich selbst nur ein langsames, qualvolles Ende ersparen.
Aber er konnte es nicht. Er war noch immer Polizist, dazu da, die Bevölkerung vor solchen Psychopathen wie Stark zu schützen, sie nicht auf die wehr- und ahnungslosen Menschen zu hetzen. Also würde er schweigen, während er sich selbst dafür verfluchte und einen Feigling schimpfte.
Die Stimmen wanderten langsam, Nick folgte ihnen, so gut es ging, mit dem Auge, soweit es ihm eben möglich war. Noch immer war unverständlich, WORUM das Gespräch sich drehte, aber dort draußen waren definitiv zwei Personen, die sich miteinander unterhielten.
Stark grummelte etwas unverständliches, ließ seinen Gefangenen aber nicht los. Dafür, das hörte Nick, begann er zu schnüffeln.
Hatte das Wolfbane nachgelassen? Waren Starks Sinne überhaupt so fein wie die von Monroe?
Nick fühlte, wie eine Gänsehaut auf seinem Rücken wuchs.
Nicht jetzt, nicht so! Nicht daß Stark ihn ausgerechnet jetzt erkannt hatte als das, was er war.
Bisher war es Spaß gewesen, zumindest irgendwo, der neue Grimm in der Stadt zu sein. Das letzte aber, was er jetzt in dieser Situation brauchte war ein Oleg Stark, der begriff, WAS er da entführt hatte. Denn dann, davon war Nick überezeugt, würde sein Tod noch qualvoller sein als der, mit dem er ohnehin rechnete.
„Was riecht hier so?" brummte Stark.
Nick schloß das Auge und begann, zu niemand im besonderen, zu beten.
Vielleicht sollte er Monroe einmal nach dieser Wesen-Kirche fragen, der der Blutbad angehörte. Er hätte fragen sollen, korrigierte er sich selbst.
Die Stimmen waren noch immer da, noch immer unverständlich aber nahe genug, um sie unterscheiden zu können.
„Macht hinne!" knurrte Stark und gluckste leise. „Wir beide sind doch noch beschäftigt, was, kleiner Cop?"
Nick kämpfte mit sich und seiner Selbstbeherrschung. Er wünschte sich nichts mehr als hier herauszukommen. Aber er war auch Realist genug um zu begreifen, daß es ans Unmögliche grenzte, daß er wirklich entkommen konnte. Er selbst war nicht mehr in der Lage zu fliehen, dazu war er viel zu kraftlos inzwischen. Und Hank würde ihn nicht finden können. Wie denn auch? Er selbst hatte der Information über die Jagdhütte keine nähere Beachtung geschenkt. Dabei war es hier gewesen, wo Stark eine ganze Familie auslöschte – in nur zwei Tagen!
Nick nickte langsam, auch wenn er sich selbst dafür am liebsten in den Allerwertesten getreten hätte.
„Braver kleiner Cop", kicherte Stark an seinem Ohr. „Du bist wirklich tapfer und stark. Stärker als ich angenommen hätte."
Das freute Nick so gar nicht. Lieber wäre es ihm gewesen, bei der ersten Sicht auf Blut umzukippen. Denn dann hätte man vermutlich sehr schnell das Interesse an ihm verloren.
Und dann … entfernten die Stimmen sich schließlich.
Die Pause war vorbei, wie Nick kurz darauf feststellen mußte, als ein dritter Nagel durch seinen Ellenknochen getrieben wurde …
Hank ging noch einmal die alten Berichte durch in der vagen Hoffnung, doch irgendetwas zu finden. Noch immer war das gesamte Department damit beschäftigt, eine Spur von Nick oder Oleg Stark zu finden, doch der Enthusiasmus war deutlich gesunken, seit die ersten vierundzwanzig Stunden verstrichen waren.
Je länger Nick sich in der Gewalt des Ausbrechers befand, desto geringer waren seine Überlebenschancen. Zudem kamen die regelmäßigen Anrufe und MMS, die Hank erhielt. Solche Dinge sprachen sich leider viel zu schnell herum.
Nick war trotzdem noch immer Nick, ein beliebter Kollege, den keiner missen wollte. Ebensowenig wie irgendjemand Juliette im Unklaren lassen wollte. Dennoch aber …
Hank seufzte schwer, noch immer mit seinen Erinnerungen und Gefühlen kämpfend.
Juliette, die ihm im Stillen Vorwürfe machte, Nicks letzter Anruf, das Flehen in seiner Stimme, das letzte Foto seines Partners.
Hank fühlte sich einfach nur schlecht.
„Hey!" winkte in diesem Moment Sergeant Wu und eilte zu ihm hinüber. „Nick und du, ihr wart doch bei diesem komischen Kauz, oder?" Er wies über die Schulter zurück zum Eingang.
Hank runzelte die Stirn und beugte sich vor, um eine bessere Sicht auf den unangekündigten Gast zu haben. Ohne Zweifel, das war der Uhrmacher Monroe, den sie vorgestern morgen wegen der Uhr aufgesucht hatten.
„Was will der hier?" fragte der Afroamerikaner.
„Er sagt, er habe möglicherweise Informationen, die uns helfen. Er will aber nur mit dir reden", antwortete Wu. „Ist das der Typ? War der nicht schon mal hier?"
Hank runzelte die Stirn. „Das ist der Typ, den Nick erst im Verdacht hatte bei der Entführung der kleinen Robin", antwortete er, „und dann die Sache mit der Familie Lasser. Er war ein Freund dieses komischen Hap. Du weißt schon, dem das Haus explodiert ist."
Wu grinste, und Hank konnte nicht anders, er grinste zurück.
Hap Lasser war eine Marke für sich gewesen. Eine Schande, daß er erschossen worden war, eine noch größere, daß es ein Kollege gewesen war, der den armen Kerl ins Jenseits beförderte aus Rache an den Morden an seinen Brüdern, die Lassers Schwester Angelina begangen hatte.
Hatte Nick nicht erzählt, daß Monroe mit Angelina zusammen gewesen war eine Zeitlang?
„Monroe", setzte er dann hinzu und nickte. „Bring ihn her. Mal sehen, was er zu sagen hat."
Hoffentlich irgendetwas, womit er etwas anfangen konnte …
Wu nickte und drehte sich um, um Monroe hereinzuwinken.
Der große Mann mit den ungepflegten Bart trat zögernd in das Büro hinein und sah sich um, ehe er eiligen Schrittes zu den drei zusammengeschobenen Schreibtischen kam, die zum Team Burkhardt/Griffin gehörten.
„Detective Griffin, ich hab von der Sache mit Nick gehört", erklärte der Uhrmacher sich und hielt Hank die Hand hin.
„Guten Tag, Mister Monoe", lächelte Hank müde und nickte. „Ja, die Sache mit Nick ist … nicht gut", erklärte er dann.
„Nicht gut?" Monroe blinzelte und zog sich Nicks Schreibtischstuhl heran. „Das ist eine Katastrophe! Jemanden wie Nick gibt's nicht allzu oft."
Wohl wahr, mußte Hank zustimmend nicken.
Wu dagegen, der noch immer dabei stand, hob die Brauen.
„Kann ich Ihnen vielleicht behilflich sein mit irgendetwas?" erkundigte Hank sich, nachdem sich Schweigen über ihre kleine Runde gebreitet hatte. „Ich denke, für Kondolenzbesuche ist es noch etwas früh. Noch sieht es aus, als würde Nick leben."
Monroe seufzte erleichtert und schüttelte den Kopf. „Nein, nein, das ist kein Kondolenzbesuch. Ich wollte meine Hilfe anbieten", erklärte er.
„Hilfe?" Hank und Wu tauschten einen langen Blick. „Wobei?"
„Bei der Suche nach Nick", antwortete Monroe verwirrt und blickte von einem zum anderen. „Sucht ihr denn gar nicht nach ihm?"
„Wir versuche sein Handy zu orten", erklärte Wu.
Monroe hob die leeren Hände. „Dann wissen Sie, wo Nick ist?" fragte er hoffnungsvoll.
Hank schüttelte den Kopf. „Leider nicht. Sein Entführer ist klever genug, das Handy nach jedem Anruf zu deaktiviern."
Monroe runzelte die Stirn. „Aber … kann man die Dinger nicht fremdstarten? Hab ich mal irgendwo gehört."
„Nicht, wenn kein Saft drauf ist", gab Wu zu bedenken, „müßte eigentlich auch einem Uhrmacher klar sein."
Der blickte zu dem Asiaten auf und musterte ihn einige Sekunden lang, ehe er sich vorbeugte und auf Hank konzentrierte. „Hören Sie, Detective, ich möchte helfen, wirklich helfen. Und daher … könnte ich Sie unter vier Augen sprechen?"
Hank wußte wirklich nicht, ob er jetzt amüsiert oder verärgert sein sollte.
Inwieweit sollte ein Uhrmacher ihnen bei der Entführung eines der ihren behilflich sein können? Das war allein eine lächerliche Vorstellung!
„Bitte", Monroes Stimme klang eindringlich. „Hören Sie, ich wäre nicht hergekommen, wenn ich nicht glauben würde, ich kann vielleicht etwas beitragen bei der Suche nach Nick. Immerhin sind er und ich befreundet."
„Und darum geht es", entgegnete Hank sofort. „Sehen Sie, Mister Monroe, manchmal ist es nicht gut, einem anderen zu nahe zu stehen. Dieser Fall ..."
In diesem Moment sprang Hanks Handy einmal mehr an und ließ ihn aufspringen.
„Was ist los?" fragte Monroe.
„Warte noch. Ich sag der Technik Bescheid." Damit spurtete Wu los in Richtung der Labors.
Hank dagegen holte sein Handy aus der Tasche und starrte einmal mehr auf den Namen seines Partners, ehe er die Augen schloß und bis zehn zählte. Als er die Augen wieder öffnete hatte Monroe sich weiter vorgebeugt und sah ihn jetzt mit einer Mischung aus hilfloser Wut und blankem Zorn an.
Er hatte gesehen, von wem der Anruf kam.
Hank akzeptierte den Anruf und stellte sein Handy auf Mithören, so daß Monroe ebenfalls hören würde, was am anderen Ende gesprochen werden würde.
„Nick?" fragte er dann in die Luft über dem Handy.
„... Hank ..." krächzte die heisere Stimme seines jüngeren Partners. „Hank, das hier … Hank, ich ..."
„Nick?" fragte nun Monroe. „Kumpel, wie geht's dir? Du hörst dich schlimm an."
Einen Moment lang Schweigen, bis Hank glaubte, wer auch immer das Handy am anderen Ende der Leitung bediente, habe den Anruf abgebrochen.
„Monroe … ?" flüsterte die heisere Stimme. "Was ... was tust du da? Wo bist du?"
„Ja, hey, ich bins. Ich bin auf dem Revier, will helfen, nach dir zu suchen", Monroe beugte sich über das Handy. „Du hörst dich nicht gut an, Kumpel. Was gibt's?"
„Ich …" Ein Schmerzenslaut folgte, dann ein deutlich leiseres, resigniertes: „Drei Tage, Hank."
Mit einem vernehmlichen Klicken wurde das Gespräch unterbrochen.
Monroe sah Hank verständnislos an. „Was soll das heißen, drei Tage noch?" fragte er verwirrt.
Hank kniff die Lippen aufeinander und legte sein Handy bewußt ruhig auf den Schreibtisch. „Drei Tage bis Stark Nick tötet", antwortete er dann, sorgsam darauf achtend, daß seine Stimme nicht zuviel seiner Emotionen verriet.
Monroe wurde blaß und das Handy erwachte einmal mehr zum Leben.
Hank schloß die Augen. Er wollte die MMS nicht öffnen, er wollte nicht! Und doch …
„Soll ich?" fragte Monroe mitfühlend.
„Das ist Polizeiangelegenheit", entgegnete Hank sofort und griff nach seinem Mobiltelefon.
„Manchmal ist aber ein Privatmann die bessere Wahl", sagte Monroe, dessen Hand bereits über dem Handy schwebte. Jetzt sammelte er es ein und aktivierte die MMS.
„Nicht!" Hanks Warnung kam zu spät.
Monroes Augen weiteten sich vor Entsetzen, als er das Foto sah, das Stark ihnen dieses Mal geschickt hatte. „Großer Gott!"
Hank schloß die Augen wieder und wandte sich ab. Es genügte, wenn einer sich ansehen mußte, wie Nick langsam zu Tode gefoltert wurde.
Ein tiefes, kaum menschliches Knurren entrang sich Monroes Kehle, als er das Mobiltelefon zurücklegte auf den Schreibtisch. „Ich werde helfen, Detective Griffin. Ob es Ihnen nun gefällt oder nicht. Ich lasse nicht zu, daß jemand so mit meinen Freunden umgeht!"
Hank fühlte sich nur müde an Körper und Geist.
„Leute", meldete sich Wu in diesem Moment aufgeregt von der hinteren Tür, die zu den Laboren führte, „der Anruf war lang genug, um sagen zu können, daß er sich Luftlinie mehr oder weniger genau zwischen Portland und Seattle befindet."
Hank öffnete die Augen nun doch wieder.
Sie hatten eine Richtung!
Und in das gesamte Department kam Leben …
