Severus Snape stand vor dem hohen Fenster des Salons und sein Blick schweifte über die Ländereien von Malfoy Manor. In seiner Hand ruhte ein Glas Scotch und er zog an seiner Zigarette. Eher widerwillig war er der Einladung von Lucius zu diesem Treffen gefolgt. Kein Wunder, der Saal des Salons war gefüllt mit Leuten, die er selbst für Abschaum hielt. Ehemalige Todesser für die der Wegfalls ihres großen Führers kaum etwas änderte. Sie saßen heute noch an den gleichen Stellen im Ministerium und verbreiteten dort nach wie vor ihr Gift. Er hatte nie verstanden wie sich Lucius nach alldem, was sie während des Krieges durchgemacht hatten weiter mit ihnen abgeben konnte. Vielleicht war es auch nur ein Schauspiel, was er abhielt. Severus war ja selbst ein recht guter Schauspieler, wenn es darum ging, was er der Welt zeigte und was nicht.
Jemand stupste ihn von hinten an. Severus wandte sich um und erblickte sein ein Kopf kürzeren Patensohn. Draco.
„Du wirst am Tisch vermisst.", sagte er.
„Das kann ich mir kaum vorstellen.", entgegnete Severus grimmig.
„Ich bin nur der Überbringer der Nachrricht.", antwortete Draco und zuckte mit den Schultern.
„Na schön, sag deinem Vater, dass ich gleich komme."
Severus leerte sein Glas mit einem Schluck und ging mit der Zigarette im Mund zu dem großen Tisch in der Mitte des Salons. An ihm saßen ein Dutzend anderes Männer und Frauen, die ausgelasen miteinander feierten. Nur Severus war überhaupt nicht danach zumute.
Er setzte sich auf den freien Stuhl neben Lucius.
„Weißt du, es ist durchaus unhöflich den Gastgeber warten zu lassen.", sagte sein alter Freund, während er an seinem Wein nippte.
„Ich habe halt ein Talent dafür unhöflich zu sein.", entgegnete Severus.
Er ließ gelangweilt den Blick durch die Runde schweifen.
„Warum bin ich eigentlich hier?", fragte Severus gerade heraus.
„Weil wir befreundet sind und weil du mir helfen kannst einige hartnäckige Gerüchte aus der Welt zu schaffen."
Ah, darum ging es also. Severus drückte seine Zigarette auf dem Teller aus und erntete einen strengen Blick von Lucius' Frau Narzissa. Etikette war ja noch nie seine Stärke gewesen.
Lucius erhob sich und klopfte mit der Gabel an sein Weinglas, um um Ruhe zu bitten.
„Werte Freunde, werte Kollegen, ich habe diese heitere Versammlung heute nicht nur aus reiner Freundlichkeit einberufen, sondern auch, weil die Gerüchteküche dieser Tage brodelt. Da hört man Dinge, die einem das blut in den Adern gefrieren lassen. Der Dunkle Lord sei gesichtet worden. Er sei sogar hier und würde wieder unter uns wandeln. Die Ereignisse in Hogwarts seien schlicht und ergreifend sein Werk. All die wilden Spekulationen. Aber zum Glück bin ich jemand, der nicht so viel auf Gerüchte gibt, sondern lieber bei den Fakten bleibt. Und ich schätze mich glücklich jemanden zu kennen, der jemanden kennt." Einige Lacher erschallten vom anderen Ende des Tisches. „Severus Snape zum Beispiel. Mein wohl ältester Freund hier, der noch dazu das Glück hat fast das ganze Jahr über in Hogwarts zu sein. Wen wenn nicht ihn sollten wir in so einer Angelegenheit befragen?"
Severus hätte Lucius am liebsten eine gescheuert. Das wäre schließlich nicht das erste Mal gewesen, aber dem Schein zuliebe unterdrückte er den Implus.
Er machte sich nicht die Mühe aufzustehen, sondern sprach gerade heraus.
„Dann werde ich mal die Neugierde befriedigen. Nichts ist geschehen. Es gab keinen Dunklen Lord, der aus dem Grab auferstanden ist. Alles nur Panikmache von einigen Schmierblättern, die nicht wissen, was sie sonst drucken sollen. Lord Voldemort ist so tot wie er nur sein kann."
Einige der Leute am Tisch zucken zusammen als sie den Namen hörten.
„Ach bitte!", stöhnte Severus genervt. „Das ist fast 12 Jahre her und ihr zuckt immer noch zusammen wie kleine Kinder."
„Seht ihr, meine Freunde, kein Grund zur Besorgnis.", fuhr Lucius dazwischen ehe sein Freund die Bermerkungen äußern konnte, die ihm gerade auf der Zunge lagen. Irgendetwas unschickliches über ehemalige Todesser und Kindermärchen.
Severus wusste, dass Lucius hier eine Show abzog, aber ihm war nicht klar warum. Ging es wirklich darum Gerüchte einzudämmen, die den ehemaligen Todessern Kopfzerbrechen bereiteten. Mal davon abgesehen, dass Severus sie angelogen hatte. Er würde jedoch nicht derjenige sein, der diesen Nichtsnutzen erklärte, dass ihr geliebter und gefürchtete Voldemort da draußen als Seelenfresser umherstreifte, auf der Suche nach einem Körper, den er in Besitz nehmen konnte. Davon abgesehen hätte Dumbledore ihm den Kopf abgerissen.
Severus erhob sich.
„Wenn es also keine weiteren, dringenden Fragen gibt, dann verabschiede ich mich.", sagte er. Ihm war diese ganze Veranstaltung zuwider.
Lucius warf ihn einen warnenden Blick zu, doch er ignorierte ihn. Sollte er seine Spielchen doch alleine spielen.
Severus ging ohne ein Wort aus dem Saal. Auf dem Weg nach draußen wäre er fast mit einem Hauselfen zusammengestoßen, der seltsam abwesend erschien.
„Dobby, verzeiht, edler Herr. Es war nicht Dobbys Absicht.", murmelte der Elf.
Severus winkte ab. Er wollte jetzt keine unterwürfigen Entschuldigungen hören.
„Onkel Sev.", hörte er Draco hinter sich rufen als er schon fast an der Tür nach draußen war.
„Sag deinem Vater, er soll mich das nächste Mal nicht so vorführen, sonst tret ich ihm in den Arsch!", grollte Severus.
„Du hast etwas vergessen." Draco reichte ihm sein Päckchen Marlbaro-Zigaretten, dass er offensichtlich auf dem Fensterbrett vergessen hatte.
„Danke."
„Ich weiß doch, dass du es ohne nicht aushälst.", entgegnete Draco.
Severus nahm die Schachtel entgegen und steckte sie in die Innentasche seines Mantels.
„Du hast sie angelogen, oder?", fragte der Junge.
Severus antwortete nichts, sondern struppelte ihm durch das blonde Haar.
„Oh Mann, Severus!", regte sich Draco auf.
„Als Patenonkel darf ich das.", entgegnete Severus trocken und erntete einen bösen Blick.
Ohne ein weiteres Wort ging er aus der Tür und disapperierte.
