Die nächsten Wochen blieb es für Severus' Geschmack fast schon etwas zu ruhig. Die Aufregung über die Kammer des Schreckens hatte sich langsam gelegt. Zwar war es immer noch Thema, aber die Hysterie der ersten Tage war verflogen.

So kam mal wieder eines dieser Wochenenden an denen gezwungen wurde beim Quiddisch anwesend zu sein. Er konnte dieses herumgetobe auf dem Besen nicht leiden. Genauso wenig wie Fußball. Weder unter Muggeln noch Magiern kam er dahinter, was denn die Faszination an organisierter Massenhysterie ausmachte, aber gut, als Hauslehrer war es eine lästige Pflicht. Zum Glück besaß er noch genügend Bücher, die er nicht ausgelesen hatte.

Auf dem Weg zum Station traf er jedoch jemanden, den er hier nicht erwartet hätte: Lucius Malfoy. Wie immer trug er Anzug, Hemd und Krawatte. Darüber einen dickten Mantel für den Herbst. Sein blondes, kurzes Haar elegant zur Seite gekämmt. Auf der Nase seine Brille. Um den Hals hatte er sich einen Schal gewickelt.

„Na, Professor Snape.", begrüßte er ihn.

„Was tust du hier?", fragte Severus.

„Ich wollte mir das erste Spiel meines Sohnes ansehen."

„Ach was?", gab Severus zurück.

Lucius hielt ihm am Arm fest und sein Blick wurde kühl.

„Was denkst du eigentlich, wer du bist?"

Severus Blickte ihn fragend an.

„Der Einzige, der Draco eine scheuert bin immer noch ich."

„Dein Junge ist eine elende Petze.", gab Severus zurück. „Davon abgesehen bin ich sein Hauslehrer."

„Nicht das er es nicht ab und zu verdient hätte.", sagte Lucius und ließ ihn los.

Severus runzelte die Stirn und ging weiter. Das mit Draco war purer Reflex gewesen. Es gab Dinge, die konnte er einfach nicht ausstehen. Aus pädagogischer Sicht war es natürlich ein kompletter Fehlschlag. Jeden anderen hätte er vermutlich auch keine verpasst, wenn er sich in seinen rassistischen Ergüssen hingab. Bei Draco war das anders. Er war sein Patensohn und irgendwie fühlte sich Severus verantwortlich, wenn er den Schwachsinn nachplapperte, den sein Vater und seine Freunde so von sich gaben. Sicher, Lucius war nie fester Überzeugung gewesen. Nach allem, was sie beide mit seinem Vater durchgemacht hatten, aber wie Severus war auch Lucius an eine Rolle gebunden, die er nach außen spielen musste. Das Dumme war nur, dass sein Sohn noch zu jung war, um den Unterschied zu erkennen.

Wortlos gingen Severus und Lucius hinauf zur Stadiontribühne. Sie setzten sich und sahen sich das Spiel an. Lucius feuerte seinen Sohn lautstark an, während dieser sich mit Potter um den Schnatz rangelte. Doch dann passierte etwas Seltsames. Einer der Klatscher hatte es auf Potter abgesehen und mähte dabei fast jeden anderen Spieler aus dem Weg. Potter und Draco hielten sich an der Spitze dieser irren Verfogungsjagd.

Severus zog instinktiv seinen Zauberstab. Er versuchte zu zielen, doch keine Chance. Auf die Entfernung würde er nur einen von beiden vom Besen holen.

Der irre Klatscher flog einen Bogen und zerschmetterte Potters Arm. Severus verzog mit dem Rest des Publikums schmerzerfüllt das Gesicht. Ja, genau deshalb war Quiddisch idiotisch. Er sah Draco, der von dem Klatscher vom Besen geholt wurde und hart auf dem Boden aufschlug, während Potter sich trotz seines gebrochenen Armes noch hielt und mit der anderen Hand tatsächlich in letzter Sekunde noch den Schnatz fing ehe er ebenfalls zu Boden stürzte.

„Harry Potter hat den Schnatz gefangen!", ertönte die Stimme des Kommentators.

Das war ja nun wirklich überflüssig.

Severus, Lucius und die anderen Lehrer eilte die Treppe nach unten. Zusammen mit einigen Dutzend Schülern. Das irre Sportgerät hatte es jedoch weiterhin auf Potter abgesehen und raste auf ihn zu, während er am Boden lag. Severus zielte, doch ausgerechnet die kleine Granger kam ihm zuvor und feuerte einen Fluch ab, dass der Klatscher in tausend Stücke zerflog. Eines musste man ihr ja lassen, sie hatte es drauf für ihr Alter.

„Kommt, wir bringen ihn in den Krankenflügel.", hörte er Granger sagen.

In diesem Augenblick drängte sich Lockhart durch die Menge.

„Keine Sorge, ich kuriere den Arm auf der Stelle."

„Nein, nicht Sie!", sagte Potter panisch.

„Ach, der Junge weiß ja nicht, was er da redet!"

Lockhart holte den Zauberstab heraus. Severus schrie innerlich auf und war drauf und dran dazwischen zu gehen, doch Lockhart war schneller. Der Arm Potters begann wie ein gummiartiges Etwas herunterzuhängen.

„Nun ja, das kann schon mal passieren.", bermerkte Lockhart fröhlich. „Entscheident ist doch, dass der Arm nicht mehr gebrochen ist."

„Ganz genau, ist nämlich kein Knochen mehr da!", rief Hagrid, der hinter Potter stand.

„Ach, ist doch viel flexiebler.", sagte Lockhart.

Severus war kurz davor sich Lockhart zu schnappen und ihm den Hals umzudrehen. Das konnte doch alles nicht wahr sein!

Die Gryffindor-Spieler schnappten sich ihren Sucher und brachten ihn hoch in den Krankenflügel, was sie am besten hätten gleich getan. Die Menschentraube auf dem Quiddischfeld verstreute sich.

„Ich will ja nicht neugierig sein ...", hörte Severus Lucius hinter sich sagen. „... aber irgendetwas stimmt mit dem nicht, oder?"

„Ich weiß auch nicht, wo Dumbledore immer diese Leute herbekommt.", entgegnete Severus und schüttelte den Kopf.

Wie an so vielen Abenden saß Severus Snape auch an diesem einmal mehr bei einem Glas Whisky an der Theke des Eberkopfes. Nach den Ereignissen heute litt er mehr denn je an Lockhartophobie. Dieser Typ trieb ihn noch ernsthaft in den Wahnsinn.

„Du siehst heute gar nicht gut aus.", sagte Aberforth, der Wirt.

„Hör mir auf.", sagte Severus und trank noch einen Schluck Whisky.

„Geht dir mein Bruder wieder auf den Sack?", fragte Aberforth.

„Ich wünschte es wäre so. Nein, Lockhart, dieser Schwachsinnige."

„Ist das nicht dieser Frauenschwarm?"

„Urgmpf.", machte Severus.

„Immerhin ist er ein berühmter Autor.", sagte Aberforth.

„Und ich bin berühmt dafür Schülern die Ohren lang zu ziehen.", entgegnete Severus. „Ich will gar nicht wissen, was dieser Vollidiot noch alles anstellt."

„Sieh es gelassen. Mit etwas Glück sprengt er sich selbst in die Luft."

„Mit ganz viel Pech stehe ich währendessen neben ihm.", antwortete Severus gereizt.

Er sah auf die Uhr und trank den Rest seines Whiskys, ehe er sich von Aberforth verabschiedete und zum Schloss hinauf ging. In der Eingangshalle wartete bereits Minerva. Sie kam schnellen Schrittes auf ihn zu.

„Wo waren Sie?", fragte sie ihn.

„Meine Freizeit kann ich gestalten wie ich will.", entgegenete er ihr gereizt.

Minerva stand vor ihm und richtete ihm den Kragen seines Mantel. Severus zog verwirrt die Augenbraue hoch. Was sollte das denn werden? Sie sog die Luft ein als würde sie an ihm riechen.

„Haben Sie sich wieder gehen lassen?", fragte Minerva streng.

„Ich bin nicht einmal betrunken.", gab Severus zurück. „Außerdem haben sie Aluminiumrückstände unter den Fingernägeln. Waren Sie wieder bei Mr Walters Rubbellose kaufen? Wir wissen doch wie das jedes Mal endet."

Minerva ließ sofort von ihm ab.

„Es gab einen erneuten Angriff. Kommen Sie mit."

Severus folgte ihr ins Schulleiterbüro, wo bereits die anderen Lehrer warteten.

„Severus, auch endlich da.", sagte Dumbledore scharf.

Er reagierte nicht darauf, sondern steckte die Hände in die Manteltaschen und sah den Schulleiter abwartend an.

„Nun denn. Heute gab es einen erneuten Angriff. Auf einen Erstklässler. Colin Creevy.", erklärte Albus.

Creevy? War das nicht dieser Bengel, der den ganzen Tag mit einer Kamera rumrannte?

„Er wurde versteinert, genau wie die Katze von Mr Filch. Wir müssen vom Schlimmsten ausgehen. Es sieht so aus als wäre die Kammer des Schreckens tatsächlich wieder geöffnet worden. Die Sicherheitsmaßnahmen werden verschärft. Die Schüler sollen nur noch auf dem Weg zum Unterricht durchs Schloss laufen und dann auch nur in Begleitung ihrer Lehrer. Severus, Sie und Professor Sprout setzen sich an den Alraunentrank.", sagte Albus.

Alraunentrank, natürlich. Er war das Gegenmittel für Versteinerungen. Das Problem war, dass es ewig dauerte ihn herzustellen. Er wusste, dass Sprout gerade junge Alraunen zog, aber man brauchte erwachsene Pflanzen für den Trank. Dann musste man die Biester zerhaken und einkochen, ohne dass sie einen umbrachten und ihn dann noch einige Wochen gären lassen.

„Mir kommt da gerade so ein ganz wundervoller Gedanke.", gab Lockhart zu bedenken.

„Oh nein, Lockhart, denken Sie bitte nicht. Das senkt den IQ des gesamten Schlosses!", konnte es sich Severus nicht verkneifen. Das Goldlöckchen ignorierte ihn jedoch.

„Wenn da draußen solche Gefahren lauern, dann wäre es vielleicht von Vorteil, wenn wir eine Art kleinen Duellierclub gründen, den selbstverständlich Ich leiten werde. Allerdings bräuchte ich dazu einen Assisstenten."

„Hervorragende Idee, Gilderoy.", pflichtete Dumbledore ihm bei. Allerdings mit etwas in der Stimme von dem Severus nicht sagen konnte, ob es Ironie war oder er das tatsächlich ernst meinte.

„Freiwillige vor!", sagte Lockhart voller Vorfreude.

Severus versuchte sich unauffällig hinter Minerva zu stehlen damit Lockhart ihn nicht sehen konnte.

„Ah, Professor Snape, hervorragend.", ertönte Lockharts Stimme und er legte wieder sein dämliches Grinsen auf.

Verdammt! Er hatte sich nicht schnell genug aus der Affäre gezogen.

„Solange Ihnen Knochenbrüche nichts ausmachen.", bermerkte Severus.

„Ha, Sie belieben zu Scherzen, Severus. Manchmal haben Sie aber schon einen eigenartigen Humor, nicht?", sagte Lockhart fröhlich grinsend und Schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter.

Severus warf ihm einen tödlichen Blick zu und schlug Lockharts Hand von seiner Schulter. Lockhart ging überschwänglich aus dem Büro und ließ die anderen Lehrer zurück. Schweigen.

„Was ist, wenn er eines Tages einfach einen Unfall hat?", fragte Severus in die Runde.

Minerva warf ihn einen strengen Blick zu. Ohne weitere Wort verließ Severus das Schulleiterbüro. Er machte sich jedoch nicht auf den Weg in die Kerker, sondern in die Bibliothek. Nach Lockharts Auftritt hätte ersowieso nicht schlafen können.

Die Bibliothek bestand aus zwei Bereichen. Einem für Schüler zugänglichen und einem für Lehrer und Personal, der so theatralisch als „verbotene Bibliothek" bekannt war. Im Grunde handelte es sich Werksammlungen und Archive von Material, dass nicht für Kinder und Jugendliche geeignet war. Teilweise mit der Beschreibung von Zaubern und Tränken, die sich stark der schwarzen Magie annährten.

Severus suchte hier jedoch nach etwas anderen. Es gab ein hogwartsinternes Verzeichnis über sonderbare Vorfälle. Es wurde irgendwann im 18. Jahrhundert angelegt. Eine bürokratische Liste von seltsamen Todesfällen oder morbiden Erscheinungen. Alles das worum sich normaler Weise das Ministerium gekümmert hätte. Es war ein Archivband, der in die dunkle Vergangenheit von Hogwarts fuhrte.

Severus nahm das in schwarzes Leder gebundene Buch und schlug es auf. Er suchte die Jahrgänge ab bis er schließlich fand worauf er es abgesehen hatte.

Jahrgang 1942

Öffnung der Kammer des Schreckens

Mehrere Angriffe durch das „Monster Slytherins"

1 Schülerin tot

Opfer: Myrthe Elizabeth Warren, 14 Jahre alt, Ravenclaw

Verdächtiger: Rubeus Hagrid

Erteilung von Zauberverbot und Hafterlass auf Bewährung.

Es bürgte Albus Dumbledore, Professor für Verwandlung, Hauslehrer Gryffindor

Severus runzelte die Stirn. Er wusste, dass Hagrid im dritten Schuljahr der Schule verwießen wurde, aber nicht warum. Allerdings störte ihn etwas daran. Hagrid war einfach nicht der Typ dafür. Zudem hatte Dumbledore für Hagrid gebürgt. War er deshalb so nervös gewesen? Weil er das Ganze schon einmal erlebt hatte?

Severus schlug das Buch zu und stellte es zurück. Irgendetwas stimmte hier nicht.

Die Weisungen Dumbledores wurden wie gewünscht befolgt. Das bedeudete für Severus, dass er jede seiner Klassen auf dem Weg zum Klassenzimmer und zurück begleiten musste. Eine lästige Aufgabe. Zumal das vermeintliche Monster ja vor allem nachts zugeschlagen hatte, wenn die Opfer allein waren. Dennoch schien diese unnötige Sicherheitsmaßnahme die Gemüter einwenig zu beruhigen.

In der gleichen Woche hielt Lockhart den Duellierclub ab. Er hatte eine Art Bühne in der großen Halle installieren lassen. Die Schüler aller Häuser standen darum herum. Lockhart, in einen grässlichen trükisfarbenen Mantel gehüllt über den er einen grünen Umhang trug, stand auf ebendieser.

„Nun, Professor Dumbledore hat mir die Erlaubnis erteilt, diesen kleinen Duellierclub zu gründen und euch auszubilden für den Fall, dass ihr euch verteidigen müsst, wie ich es in zahllosen Fällen bereits getan habe - nachzulesen in meinen Veröffentlichungen."

Lockhart grinste blöd und Severus hörte wie einige Mädchen aus Slytherin ihn anschmachteten. Severus hätte am liebsten ein Würgegeräusch von sich gegeben. Wie konnten die nur alle auf diesen Schleimer abfahren? Auf dieses furchtbar gekleidete, ewig dämlich grinsende Goldlöckchen, bei dem einen schon der Brechreiz überkam, wenn er bloß den Mund öffnete?

„Darf ich vorstellen, mein Assisstent, Professor Snape.", sagte Lockhart überschwenglich und deudete auf Severus.

Er verdrehte die Augen und betrat widerwillig die Bühne. Minerva hatte ihm ja leider verboten diesen Trottel zu pulverisieren. Schade, dabei hätte er ein oder zwei schöne Sprüche gekannt.

„Euer Meister der Zaubertränke hat mir anvertraut, dass er selbst ein wenig vom Duellieren versteht und sich freundlicher Weise bereit erklärt mir zur Verfügung zu stehen."

Wann sollte das gewesen sein?, schoss es Severus noch durch den Kopf.

„Aber keine Angst, ich werde eurem Zaubertranklehrer kein Haar krümmen. Ich zähle bis drei, dann werden wir aufeinander feuern, aber natürlich niemanden töten."

Darauf hätte Severus ja lieber nicht gewettet.

Sie gingen in Kampf Aufstellung und zogen ihre Zauberstäbe.

„Eins. Zwei. Dre-", zählte Lockhart, kam aber nicht mehr zum Ende.

Locker aus dem Handgelenkt feuerte Severus einen Expilliarmus ab, der den elenden Schleimer von den Füßen riss und durch den halben Raum katapultierte.

Hoppla. Bei Entwaffnungszaubern entluden sich solche spektakulären Energien nur, wenn das Ziel eine emotional starke Bindung zu einem hatte - na ja, oder Abscheu.

Lockhart rappelte sich am anderen Ende des Raumes wieder auf und richtete sich das loclige Haar. Er trabte auf der Bühne zu ihm. Den Zauberstab hatte er verloren. Vielleicht hätte Severus ihm ein Bein stellen sollen?

„Vortrefflich, Professor Snape, aber verzeihen Sie, wenn ich Ihnen das sage, es war schon ziemlich offensichtlich, was sie vorhatten."

„Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal etwas phantasievoller sein?", fragte Severus. „Ich finde so ein paar Knochenbrüche ständen Ihnen ausgezeichnet."

„Ha, ihr Meister der Tränke, immer für ein paar Scherzchen aufgelegt.", sagte Lockhart und grinste ihn mal wieder blöd an. „Ich frag mich immer wo er diesen Sinn für Humor her hat."

Severus bekam einmal mehr Lust ihn zu schlagen. Vielleicht sollte er ihm die Nase brechen? Er hatte schon lange niemanden mehr die Nase gebrochen.

„Na schön." Lockhart klatschte in die Hände. „Wer möchte es mal versuchen? Wie wäre mit Mr Potter und Mr Weasley?"

„Weasley? Wollen Sie uns alle töten, Lockhart?", bemerkte Severus laut. Seit dem Crash mit der Peitschenden Weide war Weasleys Zauberstab ein einziger Flickenteppisch, der bei Benutzung drohte sie alle in die Luft zu sprengen. „Wie wäre es, wenn ich jemanden vorschlage?"

Severus sah in die Reihen der Slytherins. Draco meldete sich.

„Na schön, Mr Malfoy, aber ich wische hinterher nicht zusammen.", sagte Severus und machte Draco Platz.

„Schön, dann eben so. Ich zähle bis drei und dann entwaffnen Sie ihr Gegenüber.", sagte Lockhart.

„Eins. Zwe-"

„Rictumsempra!", rief Draco und Potter flog in einem ähnlich hohen Bogen davon wie vorher Lockhart.

„Ich sagte, nur entwaffnen!", rief Lockhart.

Potter rappelte sich auf, hatte seinen Zauberstab allerdings noch.

„Expillarmus!", rief der und traf Draco unvorbereitet, der sich schon vorschnell über ein Aus von Potter gefreut hatte. Es schleuderte ihn hart zurück und er landete direkt vor Severus' Füßen.

Severus beugte sich zu Draco herunter.

„Du musst dich schon anstrengen.", sagte Severus.

Draco rappelte sich auf und zielte mit dem Zauberstab auf Potter.

„Serpensortia!", rief er und eine Schlange schoss aus der Spitze seines Zauberstabs. Sie klatschte in der Mitte der Bühne auf. Schlängelte vor sich hin und fauchte wahllos die umliegenden schüler an.

„Das wäre nicht nötig gewesen.", sagte Severus an Draco gewandt. Wo er den Spruch wohl her hatte?

„Nicht bewegen, ich schaffe sie fort.", sagte Severus und ging auf die Schlange zu.

„Entschuldigen Sie, Professor.", sagte Lockhart und richtete seinen Zauberstab auf die Schlange. Er murmelte etwas und die Schlange flog hoch in die Luft, verdoppelte ihre Größe und landete wieder auf der Bühne.

Welcher Idiot hatte ihm den Zauberstab wiedergegeben?

Severus schüttelte genervt den Kopf und wollte gerade einen Schritt auf die Schlange zumachen als ein säuselndes, schlangenartiges Sprechen die Luft durchschnitt. Er erstarrte. Er hatte das schon einmal gehört. Es dauerte einen Augenblick bis Severus bemerkte, dass es Potter war. Der Junge ging auf die gewachsene Schlange zu und sprach Parsel.

Potter ein Parselmund? Das konnte nicht sein! Was kam denn als Nächstes? Lord Voldemort, der Seelensplitter in Alltagsgegenständen versteckte? So eine irrsinnige Theorie hatte er tatsächlich einmal gelesen.

Die Schlange bäumte sich auf und fauchte. Was zum Teufel tat Potter da? Hetzte er sie auf?

Severus zog seinen Zauberstab und feuerte einen Fluch auf das Tier ab, woraufhin sich die Schlange in einen Haufen Asche verwandelte.

Potter schreckte zurück und blickte Severus an und er erwiderte diesen. Für einen Augenblick trafen sich ihre Blicke. Potter wirkte ängstlich. Eine Angst, die sich noch verstärkte als das Murmeln im Raum immer lauter wurde. Potter sprang von der Bühne und verschwand zusammen mit Granger und Weasley aus dem Raum.

Severus war nicht sicher, was hier gerade geschehen war. Warum zum Teufel beherrschte Potter die Parselsprache? Wie war das möglich? Der letzte lebende Parselmund verschwand vor 12 Jahren in einem Haus in Godrics Hollow.

„Das war außergewöhnlich.", bemerkte Lockhart.

Severus ging an ihm vorbei. Er musste ein Wort mit Dumbledore wechseln. Hier ging etwas vor, was er nicht vertsand.