Nach seinem Besuch bei Lucius war für Severus Snape nichts mehr wie vorher. Sein alter Freund erschien ihm in einem völlig neuen Licht. Es war als hätte er eine Zwiebel vor sich und einige Schalen entfernt. Jede Schale offenbarte etwas Neues, war nur ein Teil eines gigantischen Puzzels.

Nach dem Krieg war ihr Kontakt zueinander sporadischer geworden und sie hielten Dinge voreinander zurück. Lucius hatte ebenso wie Severus einen nicht unwesentlichen Haufen Geheimnisse angesammelt. Dinge, die er vor der Welt verborgen hielt. Er spielte seine Rolle, aber sein wirkliches Wesen kannte nur er. In Lucius' Familie gehörten Geheimnisse dazu. Ohne sie konnte man nicht überleben in dieser Welt der Intrigen in die er hineingeboren wurde.

Es war noch nicht einmal die Tatsache, dass Lucius mit illegalen, schwarzmagischen Artefakten handelte, die Severus beunruhigte, sondern die Art und Weise wie er es tat. Er grübelte nach über den seltsamen Magier, den er gesehen hatte. Es war kein normaler Schwarzmagier wie man sie überall antraf, wo es derartige Geschäfte zu machen galt. Kein alter Todesser oder Ganove, der sich mit illegalen Dingen sein Brot verdiente, sondern einer der wenigen Magier, die sich den Titel Meister der dunklen Künste verdient hatten. So wie einst Lord Voldemort oder Gellert Grindelwald vor ihm.

Auch wenn die ganze Aufmerksamkeit Voldemort galt so gab es noch einige dunkle Magier auf der Welt, die sich mit Leichtigkeit mit ihm messen konnten. Sie agierten jedoch oft subtiler. Erreichten ihre Ziele weniger mit Gewalt als mit List und Tücke.

Dieser Fremde da bei Lucius sah genau nach so einem Kaliber aus. Wenn sein Freund mit sojemanden einließ, um dieses Buch und seinen Besitzer zu finden, dann war es ernst. Sehr ernst, sogar. Und die Vorfälle in Hogwarts bestätigten das. Dennoch hatte Severus Dumbledore und Minerva nicht eingeweiht über das, was er gehört hatte. Dafür wusste er zu wenig.

In Gedanken lief er die dunklen Flure von Hogwarts ab. Schnee wehte gegen das alte Buntglas der Fenster. Der Winter kam schneller als sonst, doch die düstere Stimmung, die das rege Schneetreiben unterstrich passte perfekt zu der im Schloss. Seit Potters Parselausfall war überall nur noch die Rede davon, dass er der Erbe Slytherins sei. Natürlich war das kompletter Blödsinn.

Severus' Patroullie durch die abendlichen Gänge nahm ein jähes Ende als er den Poltergeist Peeves wie am Spies schreien hörte.

„ANGRIFF! ANGRIFF! KEIN STERBLICHER ODER GEIST IST SICHER! RENNT UM EUER LEBEN!"

Selbst für Peeves war das deutlich eine Spur zu hysterisch. Severus eilte der schrillen Stimme des Geistes hinterher. Innerlich schrie er auf. Potter stand völlig verängstigt vor dem versteinerten Körper eines Hufflepuffs.

„Potter, wie machst du das nur immer?", fragte Severus entnervt.

„Ich war das nicht!", entgegnete der Junge.

Ohne viel federlesen packte Severus Potter am Arm.

„Sir, Sie müssen mir glauben!", sagte Potter energisch.

„Oh, das tue ich.", sagte Severus. „Ändert nur leider nichts."

Potter sah ihn überrascht an, sagte aber nichts. Severus führte den Jungen zu seiner Hauslehrerin. Er erläuterte Minerva, was geschehen war und übergab ihn ihr. Sollte sie entscheiden, was sie mit ihm machte. Severus hingegen eilte zurück zum versteinerten Körper des Hufflepuff-Schülers.

Erst jetzt fiel ihm der mit schwarzen Rauch gefüllte Spektralkörper des Kopflosen Nick auf, der wie am Galgen von der Decke hing. Ein Angreifer der Stark genug war einen Geist so außer gefecht zu setzen? Es gab nicht viele Kreaturen, die das vermochten. Geister waren im Grunde an den Ort ihres Todes gebundenes Ektoplasma mit den Resten der Seele des Toten. Er war zwar kein Geisterjäger, aber es brauchte starke magische Energie, um diese Materie zu beschädigen. Man konnte Geister nicht töten, aber ihre in der Welt der Lebenden hängen gebliebene Form deutlich beschädigen. Sie regenerierten sich irgendwann wieder. Das war wie wenn man im Herbst durch heruntergefallene Blätter rauschte. Irgendwann war wieder alles beim alten.

Severus untersuchte den Tatort genauer. Er fand nichts außergewöhnliches außer eine Reihe von Spinnen, die sich wie auf der Flucht durch die Fensterritzen quetschen wollten und schon richtige Trauben bildeten. Da fiel es Severus wie ein Schatten von den Augen. Die Kreatur war ein Basilisk. Er fasste sich an den Kopf. Natürlich! Die Versteinerungen, das Ausknocken des Kopflosen Nick, die flüchtenden Spinnen ... da hätte er aber auch eher drauf kommen können!

Der Gedanke, dass eine Riesenschlange mit Giftzähnen und einem tödlichen Blick sich durch die Schule bewegte war alles andere als beruhigend. Severus war noch nie einem echten Basilisken begegnet, allerdings waren Teile der Kreaturen auf dem Schwarzmarkt beliebt. Ihre Giftdrüsen etwa.

Eine Schlange, ja, das passte auch wesentlich besser zu Salazar Slytherin als eine Akromantula.

Severus wartete bis Mitarbeiter des Krankenflügels kamen und den versteinerten Jungen auf eine Trage hievten, dann rannte er wie von der Tarantel gestochen los. Er musste unbedingt zu Dumbledore. Auf dem Weg zu seinem Büro rannte er fast einen beunruhigten Harry Potter um, der gerade von dort kam. Sicher hatte er eine ordentliche Standpauke bekommen wieso immer er bei den Tatorten auftauchte. In der Tat hatte Potter ein Talent für schlechtes Timing. Ganz wie der Vater.

Severus riss die Tür zu Dumbledores Büro auf, wo ebenjener gerade seinen Phönix fütterte. Gott, wie konnte der nur so ruhig bleiben?

„Severus?", fragte er irritiert.

„Es ist ein Basilisk!", sagte Severus außer Atem.

„Wie bitte?"

„Das Monster Slytherins ist ein Basilisk! Deshalb die Versteinerungen!"

„Ich habe es geahnt.", antwortete Albus ruhig. „Salazar Slytherins hatte eben eine Schwäche für alles, was sich schlängelt, nicht wahr?"

„Da gibt es noch etwas." Severus hatte entschieden, dass es Zeit war seinen Chef über das zu informieren, was er gehört hatte. „Ich habe über ... Umwege ... herausbekommen, dass eines von Voldemorts Artefakten hier im Schloss ist. Ein Buch. Vielleicht hängt es mit dem Zusammen, was hier geschieht."

Albus hörte auf seinen Vogel zu füttern und wandte sich zu ihm um.

„Wie lange wissen Sie schon davon?", wollte er wissen.

„Noch nicht lange.", antwortete Severus. Es war erst reichlich zwei Wochen her, dass er Lucius einen Besuch abgestattet hatte. In der Zwischenzeit hatte er nachgedacht.

„Wo haben Sie diese Information her?"

„Lucius Malfoy.", antwortete Severus. Es hatte keinen Sinn zu lügen. Zudem stand ihm nicht der Sinn danach Lucius zu decken.

„Das bleibt unter uns.", sagte Albus und ging zu seinem Schreibtisch. „Sie haben nicht zufällig eine Idee wo wir mit suchen anfangen können?"

„Nicht die Leiseste.", antwortete Severus. Genau das war das Problem. Es war ein Buch. Zum Glück gab es in Hogwarts ja kaum Bücher.

Albus lehnte sich seinem Stuhl zurück und schloss für einen Augenblick die Augen. Er runzelte die Stirn und rieb sich die Nasenwurzel. Selten ließ Dumbledore so ein erschöpftes Zeichen von Schwäche nach außen dringen. Die Sache mit der Kammer des Schreckens bereitete ihm jedoch sichtlich kopfzerbrechen.

„Dann warten wir ab.", sagte Albus schließlich.

„Abwarten? Wie lange? Bis es den ersten Toten gibt? Bisher hatten wir vor allem Glück.", fragte Severus.

„Haben Sie eine bessere Idee?", fragte Albus sichtlich gereizt.

Nein, hatte er nicht, aber er hasste diese Warterei. Noch dazu, wenn die Gefahr so schwer fassbar war. Als letztes Jahr Quirell und die Vampire ihr unwesen trieben da hatte er ein Ziel. Er konnte sich auf Potter und den Stein der Weisen konzentrieren. Das hier war jedoch das komplette Gegenteil. Sie wussten alle nicht so genau, was zutun war. Selbst Dumblledore mit seiner ach so unendlichen Weisheit schien am Ende seines Lateins angekommen.

„Was machen Sie über die Feiertage?", wollte Albus plötzlich wissen.

Severus blickte ihn nur verdutzt an. Der aprupte Themenwechsel verwirrte ihn vollends.

„Ich schlage vor, Sie entspannen sich einwenig. Wir können ohnehin nicht viel tun.", sagte Albus.

Moment mal, schickte Albus ihn etwa nach Hause? Einfach so? Kein „Wir müssen Potter schützen!" oder „Finden Sie bitte die Kammer des Schreckens, Severus!"? Sicher hatte Albus wieder einen seiner zahlreichen Hintergedanken dabei, doch er beschwerte sich nicht. Severus nickte bloß.

Er verließ das Büro und ging in seine Räumlichkeiten in den Kerkern. Seine Hündin lag wie immer vor dem Kamin. Sie blickte ihn aufmerksam an als er eintrat.

Severus zog seine Robe aus und hängte sie über die Lehne des kleinen Sofas, dass etwas weiter entfernt stand. Er setzte sich und rieb sich die Augen. Auf einmal spührte er wie müde und geschafft er eigentlich war. Als hätte Dumbledores Erlaubnis sich ins Private zurückzuziehen einen großen Knoten gelöst.

Leia erhob ihre alten Hundeknochen und trabte auf ihr Herrchen zu. Sie hatte einen zerkauten Plüschhasen im Mund. Ein altes Spielzeug, dass Severus ihr gegeben hatte als sie noch jünger war. Sie legte ihm das Kuscheltier in den Schoß und schmiegte ihren Kopf an sein Bein. Mit ihrem treuherzigsten Hundeblick sah sie ihn an. Severus kraulte sie hinter den Ohren. Ja, sie wusste immer wann er ihre Gesellschaft brauchte.

Die letzten Wochen und Monate hatten an seinen Kräften gezerrt und das obwohl es augenscheinlich weniger gefährlich war als die Hatz auf Quirell letztes Jahr. Nein, die Ungewissheit über den Angreifer machte ihn mehr zu schaffen als zu wissen mit wem oder was er es zutun hatte. Und selbst sein Ausflug nach Malfoy Manor hatte am Ende nur weitere Fragen aufgeworfen. Dumbledore hatte in der Beziehung Recht, dass er hier ohnehin kaum von Nutzen sein konnte. Potter schien nicht weiter in Gefahr zu sein. Er war schließlich ein Reinblüter. Der Basilisk hatte es jedoch auf Muggelstämmige abgesehen - und derjenige, der über ihn gebietete. Das Einzige worum sich Severus bezüglich Potter sorgen musste war, dass er ständig an den Tatorten aufkreuzte. So ein schlechtes Timing konnte doch niemand haben!

Severus lehnte sich zurück und schloss die Augen. Eine Pause von alldem würde ihm wahrlich gut tun.

John Franco saß auf der Fensterbank eines der Nebenkorridore zum Ravenclawturm. Neben ihm ein Mädchen aus Gryffindor. Sie war einen Jahrgang über ihm, aber das störte ihn nicht. Sie hatte ihr bunt gefärbtes Haar zu mehreren Zöpfen geflochten. Sie trug eine mit Punkaufnähern versehene Lederjacke, dicke Hosen und Stiefel mit bunten Schnürsenkeln. Obwohl es im Schloss verboten war hielten sie beide eine Flasche Bier in der Hand. Um diese Zeit tauchte hier ohnehin niemand auf. Und sie würde sowieso Ärger bekommen, weil sie nicht in ihren Betten lagen. Das war ihnen aber egal.

John war für seine vierzehn Jahre schon recht reif und bekam sogar schon erste Haare am Kinn. Er saß mit ihr hier und sie redeten über allen möglichen Kram, tranken dabei ein Bier und nährten sich an. John wusste nicht, ob es richtige Liebe war oder einfach nur Teenager-Verliebtheit, die er für sie empfand. Allerdings wusste er, dass er ihr nah sein wollte. Nach allem was er letztes Jahr mit seinem Vater durchgemacht hatte wollte er jemanden um sich haben, der ihn vertstand und akzeptierte, so wie er war. Er hatte zwar auch Freunde in Ravenclaw, aber das war nicht das Selbe wie mit einem Mädchen zusammen zu sein. Mit ihr konnte er über Dinge sprechen, die er vor seinen Kumpels niemals gesagt hätte.

Dann, mit einem Mal, küsste sie ihn. John sah sie an. Er sagte nichts. Es kam so überraschend. Sie nahm seine Hand. Ihre Blicke trafen sich und John erwiderte ihren Kuss. Sie umarmte ihn und zog ihn näher zu sich heran. Er hatte eine Ahnung, was das werden sollte, doch er war sich unsicher, ob das der richtige Ort und Zeitpunkt war.

„Mary, ich weiß nicht, ob wir das tun sollten.", sagte John.

„Hast du Angst?", fragte sie ihn.

„Nein, ich bin mir nur unsicher. Ich mag dich sehr, aber sollten wir das nicht langsamer nagehen lassen?"

Sie nahm seine Hand und führte sie unter ihr Shirt. John hinderte sie nicht. Ja, sie war älter und in einigen Dingen etwas weiter als er und doch wollte er unbedingt erfahren wie es war mit ihr zu schlafen. Es wäre eine willkommene Abwechslung zu der ständigen Anspannung gewesen, die jeden Tag in der Luft lag.

„Lass uns woanders hingehen.", sagte John. Der Flur schien ihm wenig geeignet für sein erstes Mal mit einem Mädchen.

Mary nickte. Sie nahm ihn an der Hand und sie gingen den Flur entlang. Sie stoppte an der Tür zu einem Lagerraum und öffnete ihn mit ihrem Zauberstab. Der Raum war klein. Es lagerten Kisten voller Ramsch darin. Sie gingen hinein. Mary verschloss wieder die Tür hinter ihnen. John konnte für einen Augenblick nicht fassen, dass er das wirklich tat. Es wirkte seltsam, vielleicht auch einwenig albern.

Mary zog ihre Lederjacke aus und legte sie auf einem der Regale ab. Sie sahen sich an. John überkam eine seltsame Sehnsucht nach ihr. Er küsste sie. Ihre Lippen berührten einander. Sie erwiderten ihre gegenseitigen Küsse, umarmten einander, glitten mit ihren Händen durch ihr Haar.

Johns wahre Gefühle für Mary waren nicht klar. Er war unsicher und verwirrt, doch während sie sich küssten schien ihm alles mit einem Mal verständlich. Sein Begehren wurde deutlicher. In den Augenblicken, die sie miteinander körperlich wurden konnte er genau sagen, was er von ihr wollte. Danach wurde es immer wieder diffus. Trotzdem wollte ein Teil von ihm mit ihr Sex. Ungeachtet der verwirrten Gefühle des Teenagers in ihm.

John fühlte wie ihm das Blut in die Lenden schoss. Seine Hände glitten unter ihr Shirt. Er strich ihr über den warmen Bauch. Mary zog ihn an sich, küsste ihn drängend. John spürte wie das steife Glied in seiner Hose gegen sie drückte. Er kannte diese Triebe. Wie jeder Junge in seinem Alter, doch hier wurden die Phantasien, die er sonst heimlich hegte plötzlich real. Und er wusste nicht, ob er aufhören oder weitermachen sollte.

Mary küsste seinen Hals und er spürte wie ihre Hände in seine Hose glitten. Er schloss die Augen und genoss es einfach als ihre Hände seinen Penis umschlossen. Johns Atem wurde schneller während Mary ihm fordernd das Glied rieb.

„Ich will dich.", sagte John. Er zog ihr Shirt hoch und fuhr mit den Fingern über ihre Brüste. Wie oft hatte er sich das vorgestellt? Wie oft diese Phantasie in seinem Kopf rekapituliert, während er sich auf dem Klo einen heruntergeholt hatte?

Mary setzte sich auf eine der größen Kisten und ließ ihre Hose herunter. Sie zog ihn an sich heran. John tat es ihr nach. Erneut küssten sie sich voller Begierde während sein geschwollener Penis gegen ihre heißen Schamlippen drückte.

Mary nahm sein Glied, in die Hand, öffnete sich ihm vollends und er glitt in sie. Beide dachten sie nicht nach, sondern gaben sich einfach nur in heftigen Bewegungen einander hin. Stöhnten. Genossen die Augenblicke in denen sich sich einander ansahen, während ihre Körper aneinander rieben. John umfasste sie, presste sie an sich. Er spührte wie sich in seinem Inneren eine gewaltige Explosion anbahnte. Er hörte Marys Atem an seinem Ohr. Seine Bewegungen wurden schneller und fordernder. Schließlich ergaben sie sich ihrer beiden Empfindungen. John spürte wie auf seinen emotionalen Ausbruch ein körperlicher folgte und sich sein Samen tief in Marys Schoß ergoss.

John sah in Marys Gesicht. Sie küssten einander und lachten zufrieden. Sein erstes Mal, ganz anders als er gedacht hatte. Es war ihm seltsam egal, dass es in einem Lagerraum passiert war. Vorsichtig zog er sich aus ihr zurück. Sie umarmten sich. Hielten sich gegenseitig, während sie beide mit heruntergelassener Hose einfach nur so dastanden.

So verweilten sie einige Minuten, ehe John sich die Hose wieder hochzog. Mary tat es ihm gleich. Sie ging zu ihrer Jacke und holte ein Päckchen Zigaretten heraus. Sie nahmen sich jeder eine. Mary zündete sie mit einem Feuerzeug an und sie ließen sich von ihren Hormonen immer noch beflügelt auf dem Boden nieder.

Sie rauchten schweigend vor sich hin. Sicher hätte irgendeiner der Erwachsenen eingewandt, dass das so gar nicht ging. Dass sie zu jung zum Rauchen und erst recht zum miteinander schlafen seien. John sah das jedoch gar nicht so. Er schloss die Augen und lehnte sich an Marys Schulter. Sie legte den Arm um ihn. Im Grunde war es ein Armutszeugnis, dass sie sich in eine Lagerkammer zurückziehen mussten, um miteinander Sex haben zu können. Die Schule mit all ihren Regeln machte John schon immer Probleme. Umso mehr, wenn er daran dachte wie schwierig es war hier jemanden nah zu sein.

Sie saßen noch eine ganze Weile beieinander ehe sie sich aufrappelten, um sich wieder auf den Weg in ihre Häuser zu machen. John und Mary hatten noch nicht einmal den halben Flur hinter als Filch vor ihnen auftauchte. Er hatte sie noch nicht bemerkt. Sie drückten sich in eine dunkle Nische und warteten bis der Hausmeister grummelnd an ihnen vorbeigezogen war. Nochmal Glück gehabt.

Die Luft schien wieder rein zu sein. Sie stahlen sich aus ihrer Ecke und gingen zum Ende des Flurs. Eine Umarmung zum Abschied. John küsste Mary noch einmal, nahm ihre Hand und trennte sich schließlich wortlos von ihr. Mit dem Kopf voller Empfindungen der letzten Stunden achtete er beim Weg zum Gemeinschaftsraum nicht auf seinen Weg und lief direkt seinem Vater in die Arme, der offenbar auf nächtlicher Patroullie war. Ungewöhnlicher Weise hatte er Leia bei sich.

„Was tust du hier?", zichte Severus.

John antwortete nicht. Er würde ihm das ganz sicher nicht erzählen. Ihr Verhältnis war so schon angespannt genug. Davon abgesehen war nichts peinlicher als mit seinen Eltern über sowas zu reden. Ganz besonders mit Severus.

Severus packte ihn am Arm.

„Lass mich los!", sagte John.

„Es ist gefährlich um diese Zeit.", antwortete er.

John gähnte demonstrativ.

„Das Monster frisst doch eh nur Muggelgeborene. Als Halbblüter schmeck ich ihm wahrscheinlich nicht einmal."

Severus schnaufte und verdrehte die Augen. Seinem Gesicht nach zu urteilen lag ihm gerade etwas auf der Zunge, was er jedoch herunter schlückte.

„Mach, dass du in deinen Schlafsaal kommst!", entgegnete Severus schließlich.

„Jawohl, Professor.", sagte John und machte sich auf den Weg in Richtung Ravenclawturm.

Das Verhältnis mit seinem Vater war immer angespannt gewesen. Letztes Schuljahr hatte es zwischen ihnen ordentlich gekracht. Seitdem hielt sich John ihm gegenüber zurück. Er hatte von der Vergangenheit seines Vaters erfahren. Davon, was er während des Krieges getan hatte. John konnte es nach wie vor nicht richtig einordnen. Aus Liebe zu ihm hatten Severus und seine Mutter das alles zurückgehalten. Seitdem und der Geschichte mit Potter hatten sie nur wenig Worte gewechselt. Auch dieses Schuljahr hatte er ihn fast nur im Unterricht gesehen. John rang mit sich und seinen Gefühlen Severus gegenüber. Aufgrund seiner distanzierten Art hatte er lange geglaubt, dass er ihn als Kind nicht wollte. Ein Irrtum wie sich herausstellte, dennoch konnte John es nicht einfach abschütteln. Der Sohn von Severus Snape zu sein war nicht gerade einfach. All die Lügen und verschiedenen Auslegungen der Wahrheit mit denen er aufgewachsen war, das alles machte ihn oft zornig, aber auch traurig. Für John hatte es nie ein Familienleben gegeben wie bei anderen in seinem Alter. So sehr sich seine Mutter auch bemüht hatte einen Anschein von Normalität zu wahren.

Mit dem Kopf voller Gedanken kam John schließlich im Turm der Ravenclaws an. Er trabte zu seinem Bett und legte sich hin.

Die wenigen Wochen bis zu den Feiertagen vergingen für Severus Snape ermüdend langsam. Seit dem Gespräch mit Dumbledore schlief er kaum noch. Er wusste nicht woran es lag, aber dass Albus ihn so einfach gehen ließ beunruhigte ihn mehr als wenn er ihn einfach wie üblich mit Aufgaben überhäuft hätte. Diesen abwartenden, stillen Dumbledore kannte er nicht. Es war ihm auf die eine oder andere Art unheimlich. Die Nächte verbrachte er entsprechend mit Wanderungen durch das Schloss.

Als die Ferien endlich anbrachen kehrte ein extrem erschöpfter Severus in den londoner Vorort zurück. Er war seit Jahren nicht mehr zu Weihnachten und Neujahr daheim gewesen. Immer hatte Dumbledore ihn irgendwie beansprucht. Er wusste nicht, ob ihn das freuen sollte. Das Fest mit seiner aufgesetzten Glückseeligkeit war ihm immer ein Graus gewesen. Sein Glück bestand darin, dass Jenny es mit den Festivitäten auch nicht so genau nahm.

Am Abend saßen sie beieinander und aßen. Es war selten genug, dass sie alle zusammen an einem Tisch saßen. Severus trank in Ruhe seinen Rotwein. John hingegen war schon wieder auf den Weg nach draußen.

„Den ganzen Tag nur auf dem Sprung, der Junge.", kommentierte Severus.

„Ich hab noch ne Verabredung.", hörte er es vom Flur rufen.

„Jemand den ich kenne?", fragte Severus an Jennifer gewandt.

„Ich zumindest nicht.", sagte sie. „Aber vielleicht haben wir so etwas Zeit um unter vier Augen zu reden."

Severus stellte sein Weinglas hin. Er kannte diesen „Du hast etwas ausgefressen"-Tonfall.

„Was ist mit dir los?", fragte sie gerade heraus. „Ist es wegen diesem Schulmonster?"

„Woher weißt du ...?"

„Anders als mein Mann redet mein Sohn noch mit mir.", entgegnete Jennifer.

Severus lehnte sich zurück und runzelte die Stirn.

„Seit der Sache mit Quirell fühle ich mich als würde ich in ein tiefes Loch fallen. Und immer wieder ist es Potter. Hört das denn nie auf?" Er sah sie an. „Ich weiß nicht, was das alles mit mir macht. Es ist als wäre ich nicht ich."

Severus hatte schon oft derartige Entfremdungen durchgemacht, aber lange war es nicht mehr so schlimm gewesen.

„Vielleicht hat Dumbledore dich deshalb nach Hause geschickt.", mutmaßte sie.

Ob Albus bemerkt hatte wie schlecht es ihm in Wirklichkeit ging? Das hielt er für eher unwahrscheinlich.

„Ich weiß nicht.", antwortete Severus und Trank den Rest seines Weins.

Ohne viele weitere Worte räumten sie den Tisch ab. Wenig später saß er mit ihr auf dem Sofa. Sein Kopf malträtierte ihn unablässig mit Gedanken. Er fühlte sich als würde er unablässig im Kreis laufen. Sie hatte vielleicht recht. Er konnte nicht mehr klar denken. Die permanente Sorge, dass etwas passieren konnte vernebelte ihn den Verstand.

Severus legte seinen Kopf auf ihre Schulter. Jennifer strich ihm über die Stoppeln auf seiner Wange.

„Du weißt, dass ich für dich da bin."

„Ja.", antwortete er ihr.

Manchmal wäre er lieber ein anderer Mensch, der ein einfaches Leben führte. Eines in dem er mit seiner Familie leben konnte und in dem es weder Monster noch Zauberer gab.

Severus nahm ihre Hand und küsste ihre Knöchel.

„Ich brauche dich.", sagte er und das war nichts als die Wahrheit.

Es gab nur wenige Gelegenheiten für ihn ihr nahe zu sein. Nicht nur rein körperlich, sondern auch im Geiste. Dennoch war auch er nicht frei von Trieben. Severus hatte zwar die Gerüchte über sich selbst schon gehört wonach er ein asexueller Bücherwurm war, der nichts lieber mochte als seine Schüler sadistisch zu quälen. Mittlerweile kannte er nahezu jede dieser Geschichten und nicht einmal die Hälfte war auch nur annährend wahr.

Severus legte die Arme um Jennifer und küsste sie zärtlich. Es war nicht der rein sexuelle Aspekt, der sie miteinander verband. Sie hatten viel miteinander durchgestanden. Selbst in solchen Phasen der Unbeständigkeit wie jetzt hatten sie immer wieder zueinander gefunden.

„Du machst es mir nicht einfach, Severus.", sagte Jennifer.

„Ich fürchte, ich bin nicht einfach."

Jennifer erhob sich. Er folgte ihr mit etwas abstand. Sie ging nach oben. Jennifer setzte sich im Schlafzimmer auf das Bett und sah ihn abwartend an. Severus erwiderte ihren Blick. Es war bei weitem nicht so einfach wie es aussah. Es war nicht nur die sexuelle Lust. Mit ihr zu schlafen war nur die eine Seite. Wenn er ihr nah war, dann machte das etwas mit ihm. Vielleicht weil es ihn an einfachere Tage erinnerte. Vor den Todessern. Bevor alles so unendlich kompliziert wurde.

Severus schloss die Tür hinter sich. Er nahm ihre Hände.

„Es tut mir leid.", sagte Severus.

„Vergiss es.", sagte Jennifer. „Ich weiß, dass du ein Idiot bist."

Das erste Mal seit einer Ewigkeit lächelte Severus. Er musste das manchmal einfach hören von ihr.

„Und jetzt komm her.", sagte Jennifer und zog ihn zu sich aufs Bett.

Er stieg auf sie, strich ihr die Strähne aus dem Gesicht und küsste sie innig. Sie umarmten sich gegenseitig und ließen sich auf das Bett fallen. Severus liebkoste ihren Hals und glitt mit den Händen unter ihre Shirt. Jennifer gab sich seinen Berührungen hin. Sie schloss die Augen während er ihr Oberteil auszog. Sie küssten sich immer wieder. Mal zart, mal leidenschaftlich. Sie spürten den erregten Atem des jeweils anderen. Jennifers Hände glitten unter sein Hemd und sie zog es ihm aus. Sie kosteten gegenseitig ihre Haut, während ihre Lust anschwoll. Severus spürte wie Jennifer ihre Beine um ihn schlang. Er zog ihr die Hose herunter und anschließend seine eigene. Severus nahm ihre Arme, hielt sie fest. Ihre Lippen berührten und erkundeten einander. Er umschlang ihre Schenkel und baute sich über ihr auf. Ihre Blicke trafen sich voller Verlangen. Langsam ließ er sich in sie gleiten. Er schloss die Augen und führte seine Bewegungen. Er hörte wie Jennifer seufzte. Sie umschlang ihn mit ihren Armen, zog ihn dichter an sich. Sie strich ihm durch den Bart, über das Kinn. Severus nahm ihre Hand und küsste ihre Handfläche während ihrer beider Bewegungen schneller wurden. Er sah ihr fest in die Augen, strich ihr durchs Haar. Er mochte es zu sehen wie sie unter ihm die Augen voller Lust zusammenkniff. Sie stöhnten beide. Gaben sich einander hin. Schließlich ergaben sie sich ihren Gefühlen. Ihre Arme verkrampften sich umeinander als sie auf dem Höhepunkt ihrer Begierde ankamen.

Severus ließ sich erschöpft auf Jennifer sinken ohne sich jedoch aus ihr zurückzuziehen. Still lagen sie beieinander. Berührten sich sanft und genossen den Augenblick.

„Manchmal wünschte ich, es könnte immer so sein.", sagte Severus.

Jennifer strich ihm über den Bart. Ihre Hand glitt in seinen Nacken. Severus schloss die Augen und genoss es.

„Hast du je daran gedacht Dumbledore die Wahrheit zu sagen?", fragte sie.

Severus glitt aus und legte sich auf die Seite neben sie.

„Nein.", antwortete er nach einer Minute des Schweigens. „Er hat genug Kontrolle über mein Leben. Ich will nicht, dass er auch noch welche übere eures hat."

„Genau das ist das Problem.", sagte Jennifer. „Du denkst immer du musst dir das alles alleine aufbürden."

„Ich war derjenige, der Schuld auf sich geladen hat. Ihr solltet damit nicht zutun haben.", sagte Severus und setzte sich auf.

Jennifer legte ihm die Hand auf den Schenkel. Er nahm sie und strich ihr mit dem Daumen über den Handrücken.

Diese Nächte mit Jennifer waren so ziemlich das normalste an seinem Leben. Das kleine Bisschen an Vertrauen und Güte, dass er in seinem Leben hatte. Severus kannte ihre Bedenken, doch er würde niemals zulassen, dass Dumbledore auch nur irgendetwas erfuhr. Tatsächlich war es seine Bürde mit sich und seiner Vergangenheit zu leben. Dumbledore war der Faktor, der seine Symptome je nach Bedarf verschlimmerte. Egal wie schlecht es ihm ging oder wie verlassen er sich in Hogwarts fühlte, Albus Dumbledore blieb ein rotes Tuch für ihn. Für ihn war er mindestens so gefährlich wie Voldemort.

Severus legte sich wieder hin. Er schmiegte sich an Jennifer und versuchte zu vergessen. Wenigstens für diese eine Nacht.