John erwachte bereits zeitig an diesem Tag. Er lag da und musste an die letzten Tage mit Mary denken. John war seit diesem ersten Mal in diesem Lagerraum wie besessen von ihr. Er hatte keine Ahnung wie er mit diesen Hormonschüben in Hogwarts einen klaren Kopf behalten sollte. Dass seine Eltern dahinter gekommen waren überraschte ihn nicht. Er hatte es ja auch kaum vor ihnen verheimlicht. Nur wollte er halt nicht darüber reden. Schon gar nicht mit seinem Vater. John fand das extrem peinlich. Dabei wusste er nicht, ob er sich für seine intensiven Gefühle schämte oder eher vor dem Angst hatte, was ausgerechnet Severus dazu sagen könnte.
John drehte sich in seinem Bett auf die Seite. Mit einem jähen Impuls glitt seine Hand in seine Unterhose. Es war nicht zu fassen, dass er schon wieder daran dachte. John fragte sich immer wieder wie das in einer Schule voller pupertierender Teenager, die nichts als Sex im Kopf hatten, all die Jahre so reibungslos klappen konnte. Okay, manchmal nicht ganz so reibungslos, wenn er an manche Nächte im Jungenschlaafsaal dachte oder daran wofür die Toiletten noch so alles genutzt wurden.
John konnte seinem Drang nicht wiederstehen. Und anders als in der Schule musste er hier wenigstens keine Geräusche unterdrücken. Er massierte seinen Penis und dachte an Mary. An ihre Lippen, ihre Brüste, an die erregende Feuchte zwischen ihren Beinen. Daran wie er in sie drang, mit ihr Sex hatte. Ja, das war ein gutes Gefühl.
John kniff die Augen zusammen, stöhnte, flüsterte Marys Namen und spürte schließlich wie sich sein Samen auf das Laken ergoss. Er musste sich wirklich unter Kontrolle kriegen, sonst würde Hogwarts die Hölle. John konnte sich ja schließlich nicht ständig auf dem Klo einen runterholen. Er fragte sich einen Augenblick, ob sich das für andere Jungs in seinem Alter auch so schlimm anfühlte. Verdammt, diese Gefühle. Die machten ihn noch total fertig.
John erhob sich aus dem Bett und zog sich eine frische Unterhose an. Anschließend ging er ins Bad, um sich zu waschen. Auf dem Flur begegneten ihn seine Eltern. Sie bemerkten ihn zunächst gar nicht, sondern standen nur da und küssten sich. Nicht so wie es Erwachsene manchmal in der Öffentlichkeit taten. Kein kurzer Kuss, sondern ein langer, leidenschaftlicher. Es befremdete ihn zu sehen wie seine Eltern da im Flur verweilten und Severus seiner Mutter die Zunge in den Hals steckte.
Als sie ihn bemerkten machte sein Vater ein Gesicht wie ein kleiner Junge, den man dabei erwischt hatte wie er die Kirschen vom Kuchen klaute. John wollte lieber nicht darüber nachdenken. Obendrein weil die beiden zerknüllt aussahen als hätten sie erst kürzlich miteinander geschlafen. Urgs! Dabei sollte John doch derjenige sein dessen Hormone verrückt spielten.
„Guten Morgen.", sagte seine Mutter.
John sah sie beide nur mit unangemessen großen Augen an und ging zurück in sein Zimmer. Er zog sich T-Shirt und Jeans an und warf sich noch ein schwarzes Sweatshirt über, ehe er wieder nach unten ging. Seine Eltern saßen in der Küche am Tisch, jeweils mit einer Tasse Kaffee und Toast auf dem Teller. Schweigend machte John sich etwas zu essen und setzte sich zu ihnen. Stille. Es war eine peinliche Ruhe. Als lägen seinen Eltern ein paar Dinge auf der Zunge, aber niemand wollte den ersten Schritt machen.
John starrte auf sein Essen, um nicht sie beide ansehen zu müssen. Vor seinem inneren Auge sah er immer noch wie sie sich küssten. Er wusste nicht, was ihn gerade an diesem Bild so störte. Vielleicht weil Severus in Hogwarts immer den schlecht gelaunten Meister der Zaubertränkte spielte, ohne Emotionen oder menschliche Regungen. Der Severus Snape, der hier am Tisch saß war ein anderer als der, der jeden Morgen in der großen Halle saß und Schüler anblickte als wolle er sie töten. Und irgendwie bekam John dieses Bild nicht mehr aus seinen Kopf. Mal davon abgesehen, dass es ihn verstörte, sich seine Eltern - allen vorran Severus - beim Sex miteinander vorzustellen.
„Ich spüre hier so eine gewisse Anspannung? Hab ich was verpasst?", fragte Jennifer.
John spürte wie sein Herz begann zu rasen. Hatte Severus ihr nichts von ihrer kleinen Begegnung gestern Abend erzählt? Er wollte dieses peinliche Gespräch ganz bestimmt nicht noch einmal führen.
„Nichts, was der Rede wert wäre.", sagte Severus.
„Absolut nichts.", schloss sich John an.
Er hatte keine Ahnung warum sein Vater das tat. Warum er seiner Frau nichts davon erzählte, dass sein Sohn sexuelle Abenteuer betrieb. Vielleicht bildete John sich das alles auch nur ein und seine Eltern akzeptieren es einfach, dass ihr vierzehnjähriger Sohn mit seiner Freundin schlief. So ganz ohne Moralpredigt.
Nach dem Essen packte John seine Sachen für Hogwarts zusammen. Seine Mutter fuhr ihn wie immer mit dem Auto nach Kings Cross. Während der Fahrt herrschte ein ähnlich peinliches Schweigen wie zuvor in der Küche.
„John?", fragte ihn seine Mutter plötzlich.
„Mhm.", machte er.
„Du und dieses Mädchen, seid ihr richtig zusammen?"
„Wie, zusammen?", stellte John sich dumm.
„So wie Jungs und Mädchen.", antwortete sie. Seine Mutter atmete tief. „Du brauchst dich nicht zu verstellen. Für eine Schulfreundschaft seid ein bisschen zu oft zusammen, findest du nicht?"
John sagte nichts. Er fühlte sich wie beim Verhör.
„Keine Sorge, Severus, hat's mir erzählt."
„Was, erzählt?"
„Na ja, ich konnte es mir so schon denken, aber ..."
John hätte sich am Liebsten die Finger in die Ohren gesteckt und laut gesummt, so peinlich war ihm dieses Gespräch.
„Es ist nichts Falsches daran mit einem Mädchen zu schlafen."
„Wie kommt ihr denn darauf?", entfuhr es John.
„Es braucht dir nicht peinlich zu sein."
Immer wenn Erwachsene das sagten war es ihm gerade peinlich.
„Weißt du als dein Vater und ich ..."
„Oh nein, das will ich ganz bestimmt nicht hören!", sagte John mit leichter Panik in der Stimme. Nein, bitte keine Liebesgeschichten von ihr und Severus. Ihm ging so schon das Bild von heute Morgen die ganze Zeit nicht aus dem Kopf.
„Warum nicht? Weil er Severus ist?", bohrte seine Mutter geflisslich weiter.
„Weil es total peinlich ist darüber nachzudenken, deshalb!", sagte John.
„Ich wette mit deiner Freundin ist es nicht so peinlich."
John verschränkte die Arme. Er sah wie sie vor sich hin grinste. Seine Mutter versuchte ihn nur aus der Fassung zu bringen.
„Ich will nur, dass du weißt, dass wir nichts dagegen haben, aber du solltest aufpassen. Du weißt schon warum."
John atmete tief und sah aus dem Fenster. Er schwieg die restliche Fahrt über. Als sie endlich Kings Cross erreichten verabschiedete sich John mit einer Umarmung und nahm den Koffer aus dem Kofferraum mit. Wie immer fuhr der Zug von Gleis 9 3/4 ab. Am Bahnsteig entdeckte er Mary. Sie warfen sich verstohlene Blicke zu.
„Alles klar bei dir.", fragte sie.
„Ja.", sagte John knapp.
Sie stiegen zusammen in den Zug und suchten sich ein Abteil. Dort verstauten sie ihr Gepäck und setzten sich nebeneinander. Sie schwiegen sich eine ganze Zeit lang an ehe Mary seine Hand in die Ihre nahm. John blickte sie an, sagte aber nichts. Mary gab ihn einen Kuss auf die Wange.
„Nicht hier.", grummelte John.
„Du machst dir viel zu viele Gedanken.", entgegnete sie.
„Das bestimmt. Ich muss die ganze Zeit an dich denken und an unsere Abende."
Mary lehnte sich an ihn und fuhr mit der Hand über seinen Schenkel. John zuckte leicht mit dem Kopf. Sobald er sie sah oder sie ihn berührte hatte er sofort diese sexuellen Gedanken. Diese Phantasien. So wie morgends im Bett, wenn er sich selbst befriedigte. Es war auf der einen Seite schrecklich, weil er an nichts anderes denken konnte und auf der anderen Seite wollte er diese Gedanken auch. Und nicht nur die.
„Kann ich dir was sagen?", fragte John.
„Klar."
„Ich glaube ich liebe dich."
Mary setzte sich auf und sah ihn einen Augenblick an.
„Und nicht nur das.", fuhr John fort als sie nichts sagte. „Ich glaube, ich explodiere, wenn ich diese Gefühle nicht teilen kann. Mary, ich will mit dir schlafen und ich will bei dir sein."
Mary begann zu lächeln.
„Ich auch.", sagte sie.
Einmal mehr trafen sich ihre Blicke. Sie küssten sich. Erst zart, dann wesentlich gieriger. Umarmten sich, tauschten Küsse aus. Fuhren beim Küssen mit der Zunge in den Mund des jeweils anderen.
Nein, sie würden sich hier zusammenreisen, auch wenn John in Gedanken schon wieder viel mehr mit ihr tat. Dafür küssten sie sich unablässig während der Fahrt. Als der Zug schließlich in Hogsmead einfuhr kam es John vor als sei die Strecke seltsam kurz gewesen. Sie ließen voneinander ab, stiegen aus und brachten ihre Sachen hoch zum Schloss.
Im Gemeinschaftsraum der Ravenclaw warteten bereits Ben und George. Johns Kumpels.
„Na, gibt's dich auch noch?", fragte Ben.
„Na klar.", entgegnete John.
„Davon merkt man in letzter Zeit aber nichts.", meinte George.
„Ich war beschäftigt."
„Ja, ja, wir wissen schon womit.", kicherte Ben.
John verdrehte die Augen.
„Und?", wollte George wissen. „Hast du ihr deinen Zauberstab gezeigt?"
John gab George einen Klaps auf den Kopf. Er fand das gar nicht so witzig wie die beiden. Hörte diese ewige Fragerei denn nie auf?
„Ihr seid manchmal so bekloppt!", rief John. Er wusste gar nicht warum er so aufgebracht war. Schließlich hätte er sich denken können, dass ihn das hier erwarten würde.
„Wir sind weder taub noch blind musst du wissen.", entgegnete Ben.
„Ich geh jetzt schlafen.", sagte John und ging hoch in den Jungenschlafsaal, wo er seinen Koffer auspackte und sich dann in sein Bett zurückzog.
Warum hatte nur jeder was Schlaues zu seinem Liebesleben beizutragen? Das war doch nervig!
Vor sich hin grummelnd rollte er sich auf der Seite ein und versuchte sich weniger zu ärgern.
Die erste Woche Hogwarts nach den Ferien war für John wahnsinnig anstrengend. Es kostete ihn so ziemlich alle Kraft sich im Unterricht zu konzentrieren und nicht an Mary zu denken. Entsprechend war er auch nicht bei der Sache. Zumal er seine freie Zeit dazu nutzte mit ihr zusammen zu sein. Oft standen sie auf einfach nur in irgendeiner Nische im Schloss und küssten sich. So gerne er noch viel mehr mit ihr getan hätte, sie beschränkten sich aufs Knutschen und John darauf auffällig viel Zeit auf dem Klo zu verbringen. Seine Hormone machten ihn noch wahnsinnig.
Genau an so einem Tag stand er mit Mary auf dem Innenhof an die Wand gelehnt. Sie hatten die Arme umeinander geschlungen und küssten sich voller Leidenschaft als John jemand an der Schulter antippte. Er drehte sich um und sah einen Gryffindor vor sich, der ihn um mindestens einen Kopf überragte. Er hatte kurzes, braunes Haar und eine kräftige Statur.
„Sag mal, Kleiner, was glaubst du eigentlich, was du hier tust?"
„Ach Frank, hau ab!", antwortete Mary.
„Das ist meine Freundin.", sagte Frank.
„Frank, wir haben vor ner Ewigkeit schluss gemacht. Verpiss dich!", sagte Mary genervt.
Sie trat nun vor John, der immer noch mit halb offenen Mund dastand und nicht so recht wusste, was das hier werden sollte.
„Denkst du, du kannst einfach mit so nem kleinen Blödmann was anfangen und ich merk's nicht!?", beharrte Frank weiter.
„Frank, du bist ein widerlicher, blöder Vollidiot und ich kann mich rumtreiben mit wem ich will, klar?", antwortete Mary. „Du bist mir einfach zu bescheuert!"
Mit einem Mal hatte Mary Franks flache Hand im Gesicht.
„Dumme Schlampe!", schrie er sie an.
In diesem Augenblick knallte bei John irgendeine Sicherung durch. Er stürzte sich auf den großen Gryffindor, trat ihn ins Schienbein und rang ihn zu Boden. John schlug Frank mit der Faust auf die Nase. Es knackte widerlich und ein Schwall Blut quoll aus seinen Nasenlöchern.
„John, hör auf!", rief Mary, doch John hörte sie nicht.
Er hatte so eine Wut auf das Arschloch. Er schlug ihn weiter. Seine Fraust knallte auf Franks Wange und in seinen Bauch. Wie Besessen schlug er auf den Gryffindor ein. Erst als ihn jemand von hinten von Frank wegzog, hörte er auf. Der am Boden liegende Kerl stöhnte vor Schmerzen und spuckte Blut in den Schnee.
Jetzt erst erkannte er wer ihn weg gezogen hatte. Severus Snape.
„Hier gibt es absolut nichts zu sehen!", sagte Severus zu den schaulustigen Schülern. „Ihr da, bringt ihn in den Krankenflügel."
Zwei Schüler schnappten sich Frank und brachten ihn weg.
John blickte seinen Vater an. Er hatte die Hände immer noch zu Fäusten geballt.
„Mr Franco, in mein Büro.", sagte Severus schroff.
John trottete seinem Vater hinterher in den Kerker. Im Büro blieb er vor dem Schreibtisch stehen. Sicher würde er ihn gleich ordentlich maßregeln, aber John fühlte sich überhaupt nicht schuldig.
„Was war das da gerade?", wollte Severus wissen.
John schwieg.
„Ich habe dich etwas gefragt?"
„Das Arschloch hat Mary geschlagen.", antwortete John schließlich.
Severus verschränkte die Arme und runzelte die Stirn.
„Du hättest das nicht tun sollen.", sagte er.
„Was hättest du getan, wenn es Mom gewesen wäre?", entgegnete John.
„Das ist nicht die Frage."
„Und warum nicht?", wollte John wissen.
„Weil ich dein gottverdammter Lehrer bin!", zichte Severus aufgebracht. Er setzte sich hinter seinen Schreibtisch und atmete tief.
„Ich werde Flitwick darüber unterrichten müssen. Ich bin ja nicht dein Hauslehrer." Severus hielt kurz inne. „Komm her, setz dich."
Zögernd setzte sich John auf den Stühl vor dem Schreibtisch.
„Mary, hm. Ist sie das? Deine Freundin?", fragte Severus ruhig.
„Ja.", sagte John matt. „Der Typ wollte was von ihr und das hat sie sich nicht gefallen lassen. Da hat er ihr eine verpasst. Ich weiß nicht, ich konnte das nicht zulassen."
„Ja." Severus' Blick wurde nachdenklich.
„Was hättest du getan?", wollte John immer noch wissen.
„Etwas nicht besonders pädagogisch wertvolles.", antwortete Severus leise. „Ich hätte ihn grün und blau geschlagen. Das Problem ist das was in einem Augenblick emotional richtig scheint muss es letztendlich nicht auch sein."
Es klopfte an der Tür.
„Herein.", rief Severus und erhob sich.
Der kleine Professor Flitwick erschien in der Tür.
„Ah, wusste ich, dass ich Sie hier antreffe. Ich habe gehört während Ihrer Hofaufsicht gab es ein kleines Handgemenge.", sagte Flitwick.
„Mehr oder weniger.", antwortete Severus gelassen. „Ich übergebe Ihnen Mr Franco. Ich habe ihm noch keine Punkte abgezogen, falls Sie das also noch tun möchten ..."
„Sie? Keine Punkte abgezogen?", fragte Flitwick verwundert.
„Es gibt Tage, da vergesse selbst ich das.", antwortete Severus und geleitete John und Flitwick aus dem Büro.
Flitwick führte ihn in sein Büro neben dem Zauberkunstkabinett. John saß da und ließ die Morlpredigt über sich ergehen. Nebenbei zog er noch 30 Punkte für Ravenclaw ab. Nichts, was John wirklich interessiert hätte.
„Sie haben sich also wegen einem Mädchen gestritten?", wollte Flitwick zum Schluss noch mal genau wissen.
„Wegen einem Mädchen wurde Troja 10 Jahre lang belagert.", entgegnete John ungerührt.
Darauf wusste selbst der sonst so gesprächige Professor Flitwick nichts mehr zu antworten.
