Am nächsten Morgen fühlte sich Severus Snape schrecklich und das lag nicht allein an seinen zahlreichen, blauen Flecken und Schürfwunden, die er gestern Nacht davongetragen hatte.

Der Verlust von Hagrid und Dumbledore brachte sie in die außergewöhnliche Situation, dass Minerva nach langer Zeit einmal mehr den Schulleiter ersetzen musste. Gut, im Grunde hielt sie ohnehin fast alles alleine am Laufen. Egal, ob Dumbledore gerade anwesend war oder nicht. Dennoch fiel es ihr merklich schwer.

Severus saß mit den anderen Lehrern im Lehrerzimmer. Die Ereignisse von gestern Abend trübten die Stimmung merklich. Außer bei Lockhart. Der grinste so blöd wie immer. Vermutlich hatte er es noch nicht einmal mitgekriegt.

„Trotz der angespannten Lage möchte ich, dass der Unterricht so normal wie möglich weiter läuft.", sagte Minerva. „Allerdings habe ich eine Liste mit Maßnahmen erarbeitet, die wir treffen werden, um nicht noch mehr Schüler zu gefährden. Die Kopien liegen Ihnen vor. Die Hauslehrer haben zudem dafür Sorge zu tragen, dass die Schüler in ihrer Freizeit die Gemeinschaftsräume nicht verlassen."

„Ist das Ihr ernst?", fragte Severus. „Wäre es nicht sinnvoller alle nach Hause zu schicken? Sie haben doch gestern selbst noch dafür plädiert."

„Ich bin in der unglücklichen Lage als stellvertretende Direktorin zwischen meinen eigenen Anliegen und den Anweisungen Dumbledores zu stehen. Es gibt jedoch folgende Alternative: Die Schüler bleiben in ihren Gemeinschaftsräumen, während wir auf die Suche nach dem Monster gehen."

Plötzlich herrschte eine Ruhe im Lehrerzimmer wie sie Severus noch nie erlebt hatte.

„Die Schule wurde doch in den letzten Jahrzehnten mehrmals nach der Kammer des Schreckens durchsucht. Nie wurde sie gefunden!", warf Flitwick ein.

„Ich sagte ja auch nicht, dass wir die Kammer des Schreckens suchen. Ich sagte, wir töten einen Basilisken.", entgegnete Minerva.

Severus zog die Augenbraunen nach oben und sah in die schockierten Gesichter seiner Kollegen. Er kam nicht umhin leise in sich hinein zu lächeln. Ja, das war schon eher die Minerva McGonagall, die er kannte.

Severus hob die Hand.

„Ich bin dabei. Wer macht noch mit?"

Die anderen Lehrer starrten jetzt ihn völlig entgeistert an.

„Das kann doch nicht ihr ernst sein?", entgegnete Flitwick.

„Mein lieber Filius, wann war etwas jemals nicht mein ernst?", sagte Minerva. „Ich werde gewiss niemanden zwingen, aber wir haben die Aufgabe uns um die Sicherheit unserer Schüler zu kümmern. Mir ist ein offener Kampf lieber als jeden Tag darauf zu warten, dass noch ein Schüler versteinert oder gar tot auf dem Flur gefunden wird."

„Wenn das so ist biete ich mich natürlich ebenfalls gerne an.", sagte Lockhart.

Severus wünschte sich, dass sich jemand anderes gemeldet hätte. Immerhin konnten sie ihn als Köder benutzen. Vielleicht fraß die Schlange ihn ja.

„Soo?", macht Minvera.

„Ich habe schon seit Wochen eine Theorie, wo wir nach der Kammer suchen müssen. Den Basilisken zu fangen dürfte ein Kinderspiel werden."

Lockhart grinste dämlich und sonnte sich in seiner nicht vorhandenen Brillianz.

„Nie im Leben!", murmelte Severus in sich hinein.

Minerva und die anderen Lehrer verschränkten die Arme vor der Brust und sahen skeptisch zu Lockhart. Offenbar war Severus nicht der einzige, der sehen wollte wie lange das Goldlöckchen das überlebte.

„Oh, dann schlage ich vor Sie teilen uns ihren grandiosen Plan mit.", sagte Minerva.

„Wie jetzt?", fragte Lockhart. Jetzt komplett ohne grinsen dafür augenscheinlich verwirrt.

„Wann denn sonst?", entgegnete Minerva schnippisch.

„Ähm ... also ich ... muss nur mal schnell in mein Büro."

Lockhart stand auf und verließ das Lehrerzimmer.

„Den sehen wir hoffentlich nie wieder.", sagte Severus.

Minerva wollte schon wieder ihren „Severus, sowas sagt man nicht!"-Blick aufsetzen als er ihr zuvor kam.

„Ach, kommen Sie. Der hat doch keinen blassen Schimmer von überhaupt nichts! Wenn Lockhart weiß wo die Kammer des Schreckens liegt, dann lass ich mir für sie Zöpfchen binden."

„Im ernst jetzt?", fragte Minerva.

„Oder auch im übertragenen Sinne. Ich zumindest werde keine Zeit mit diesem Volltrottel verschwenden.", antwortete Severus und erhob sich ebenfalls.

Severus ging hinaus. Einen Basilisken zu töten war schon eine Nummer für sich. Da brauchte er keine Amateure, die im Weg rumstanden. Davon abgesehen fing der Unterricht gleich an.

Severus ging hinunter in die Kerker und ließ die auf ihn wartende Klasse hinein. Nachdem er die Aufgaben verteilt hatte holte er ein Buch aus dem Schrank hinter sich. Es handelte sich um „Basilisken in Europa" von Warren Scamander - dem Enkel des berühmten Newt Scamander. Ein Standartwerk zum Thema extrem tödliche Riesenschlangen.

Ein Basiliskennest war recht einfach zu lokalisieren. Er musste lediglich überlegen welche Orte in Hogwarts dafür geeignet wären. Da kam ihm eine Idee.

„Ich bin gleich zurück.", sagte er im vorbeigehen zu seiner Klasse und ging in sein Büro.

Severus dachte daran wo die Schüler aufgefunden worden waren. Er holte einen alten, vergilbten Plan der Flure von Hogwarts aus einer Schublade. Im Prinzip hätten die Pläne aushängen müssen. Brandschutzvorschriften. Als hätte sich Dumbledore je für Brandschutz interessiert.

Er markierte mit einem Stift so gut es ihm sein Gedächtnis erlaubte die Orte an denen man die Versteinerten gefunden hatte. Dann nahm er ein Lineal und verband die Markierungen miteinander. Bingo! Die Linien kreuzten sich alle an einem Ort: dem Klo im Zweiten Stock.

Sollte es so verdammt einfach sein? Warum war in all den Jahren niemand darauf gekommen? Vielleicht war es zu einfach?

Er nahm den Plan und ging zurück in das Zaubertrankzimmer. Niemand hatte sich in der Zwischenzeit gesprengt oder vergiftet. Sehr gut.

Severus setzte sich wieder hinter sein Pult und schlug in seinem Standartwerk über Basilisken nach. Schließlich fand er es.

Ihre Nester legen Basilisken in dunklen, feuchten Orten an. Oft in Kanalisationen und Höhlen.

Gab es vielleicht gar keine Kammer des Schreckens, sondern das Vieh kroch einfach schon seit Jahrzehnten durch die Kanalisation von Hogwarts und kam alle paar Jahrzehnte raus, wenn der Magen knurrte? Möglich wäre es. Basilisken konnten locker über 1000 Jahre alt werden. Es war wie bei allen anderen Schlagen auch. Sie schliefen den Großteil ihres Lebens und kamen nur zur Jagd aus ihrem Nest. Die Frage war, ob der Hunger sie heraustrieb oder etwas anderes?

Nach dem Unterricht zeigte Severus Minerva seine Überlegungen. Sie saßen in ihrem Büro. Es war selten, dass er sie im Gryffindorturm besuchte.

„Das ist Ihnen während des Unterrichts eingefallen?", sagte Minerva unglaubig und sah auf den alten Plan.

„Da sehen Sie mal wie unterfordert ich bin.", kommentierte Severus trocken.

„Im Mädchenklo? Wir hatten die Kammer immer im Kerker vermutet."

„Wo würde ein Gryffindor auch sonst suchen?", stichelte Severus.

Minerva warf ihm nur einen strengen Blick zu. Bevor sie jedoch etwas darauf antworten konnte klopfte es energisch an der Bürotür.

„Ja!", rief Minerva.

Filch kam durch die Tür gestürzt.

„Argus, was gibt es?"

„Ma'am, Sie müssen sich das ansehen!", sagte der Hausmeister völlig außer sich.

„Was?", sagte Minerva. „Ich habe gerade keine Zeit für Schülerbestrafungen."

„Nein, Ma'am, das Monster. Es hat wieder zugeschlagen."

Sofort erhoben sich Severus und Minerva und folgten Filch zu einer Wand im Zweiten Stock. Wieder stand dort ein roter Schriftzug.

Ihr Skelett wird für immer in der Kammer liegen!

Minerva starrte die Wand an als würde sie nur sehr langsam begreifen was dort stand.

„Uns läuft die Zeit davon.", sagte Severus. „Basilisken nehmen keine Geiseln in ihr Nest mit. Sie fressen sie."

„Was soll ich Ihrer Meinung nach tun?", fragte Minerva. Sie rang mit sich die Fassung zu bewahren.

„Finden Sie heraus wer fehlt. Informieren Sie die anderen Lehrer. Ich bin gleich wieder da."

Severus musste sich vorbereiten. Wenn der Eingang irgendwo im Mädchenklo lag, dann hätten sie es mindestens mit einer Riesenschlange zutun, die neben giantischen, giftigen Zähnen einen tödlichen Blick hatte und einen zudem noch versteinern konnte. Da konnten Sie nicht mit nichts anderen als ihren Zauberstäben rein gehen. Das Problem mit Basilisken war ihre Zähigkeit. Manche Arten waren sogar Magieresistent. Sie brauchten also etwas Altmodisches.

Severus ging in Dumbledores Büro. Er schloss die Vitrine mit dem Schwert von Godric Gryffindor auf.

„Das Schwert darf nur von einem wahren Gryffindor geführt werden und Sie sind noch nicht einmal Schulleiter!", giftete eins der Portraits.

Severus nahm den aus Koboldstahl geschmiedeten Anderthalbhänder aus der Vitrine und legte die Klingte auf seine Schulter. Er sah die Potraits abwartend an.

„Ich bringe es wieder zurück. Ich wette Gryffindor hätte es gefallen, was ich damit vor habe.", sagte Severus.

Das Schwert war ungewöhnlich leicht für seine Größe. Man konnte es sowohl beidhändig als auch einhändig führen. Der Pariergriff war ähnlich wie bei frühen Wikingerschwertern kaum vorhanden und zeigte eine Darstellung des Weltenbaums Yggdrasil in dessen Mitte ein stilisierter Löwenkopf pragte. Es hatte immer Gerüchte gegeben, dass Gryffindor ursprünglich zu den Warägern gehörte. Nordmännern, die am Kaspischen und Schwarzen Meer ihr Glück suchten. Vermutlich änderte Gryffindor seinen Namen mehrmals, um von seiner Wikingerabstammung abzulenken. Im 10. Jahrhundert war es für einen Nordmann nicht einfach unter Christen zu leben - erst recht für einen Magier.

Severus ging zurück. Im Flur des Zweiten Stocks hatten sich bereits die Lehrer versammelt.

„Wen hat das Monster entführt?", wollte Professor Sprout wissen.

„Ginny Weasley.", sagte Minerva immer noch sichtlich mitgenommen.

Als Severus mit dem Schwert auf der Schulter um die Ecke kam sahen ihn seine Kollegen allesamt entgeistert an.

„Was soll das werden?", fragte Minerva zweifelnd.

„Ich töte einen Basilisken und rette eine Schülerin.", antwortete Severus ungerührt.

„Das ist das Schwert von Godric Gryffindor.", sagte Minerva in belehrendem Ton.

„Ja, und es ist das einzige Schwert in diesem Schloss, was noch scharf ist.", gab Severus zu bedenken. „Also, wer kommt mit?"

Severus hob die Hand. Er war der Einzige.

Minerva kam auf ihn zu.

„Kommen Sie mit?", fragte Severus.

„Natürlich komme ich mit. Es ist schließlich meine Schülerin." Minerva wandte sich an die restlichen Lehrer. „Wenn wir in einer Stunde nicht zurück sind, gehen sie vom Schlimmsten aus und unterrichten sie das Ministerium. Bringen sie die Schüler in Sicherheit."

Severus nickte ihr zu und betrat das Mädchenklo. Drinnen war es finster. Nur das Mondlich erhellte den Ort. In der Mitte klaffte eine große Öffnung zwischen den Waschbecken an der Wand. Groß genug für eine fünfzig Meter Riesenschlange.

„Das ist in der Tat neu.", sagte Minerva.

„Da war wohl schon jemand vor uns da.", sagte Severus.

„In der Tat.", sagte eine Stimme hinter ihnen.

Sie wandten sich um und Severus erblickte den schwarzen Magier aus Hogsmead. Baktu Moomba al Sharraam.Er richtete seinen Zauberstab auf sie.

„Sie?", fragte er verwirrt. „Wie kommen Sie hier rein?"

„Das ist unwichtig. Wichtig ist nur, was sich dort unten befindet."

„Severus, was ist hier los?", fragte Minerva.

„Tja, da bin ich leider auch überfragt."

„Geben Sie mir das Schwert, Snape.", forderte Sharraam.

„Was? Oh nein! Da müssen Sie zuerst an ihr vorbei. Glauben Sie mir, das wird selbst für Sie kein Spaß."

„Was ist da unten?", fragte Minerva.

„Die Kammer des Schreckens und wahrscheinlich noch wesentlich mehr."

„Wir sind nur hier, um einen Basilisken zu töten und eine Schülerin zu retten. Wir können uns sicher einigen.", sagte Severus.

Minerva sah ihn entsetzt an.

„Allerdings gehe ich nicht unbewaffnet da runter.", fügte Severus noch hinzu.

Sharraam ließ seinen Zauberstab sinken. Er trat an die Öffnung heran und sah nach unten.

„Vielleicht sollte jemand herausfinden wie tief es ist.", sagte der Magier, packte Minerva an den Schultern und schubste sie hinein.

Severus warf sich auf ihn. Sie packten beide das Schwert am Griff und rangen miteinander. Dabei rutschte sie auf den nassen Fließen aus und fielen zusammen in das Loch.

Die Tiefe war nicht endlos. Das Loch entpuppte sich als ein Abwasserrohr und sie rutschten mitsamt den Rückständen eines tausendjährigen Basilisken hinunter. Dabei entglitt Severus das Schwert. Es flog in eine Nebenröhre. Er wollte gar nicht wissen, was Minerva dazu sagen würde.

Nach einer schier endlosen Rutschtour landeten sie in einer Art Becken. Es war gefüllt mit Exkrementen und Knochen und Schädeln glückloserer Opfer der Riesenschlange. Die gefürchtete Kammer des Schreckens. Eine Kloake voller Basiliskenscheiße. Severus war fast schon froh sich nicht selbst riechen zu müssen.

Severus setzte sich auf. Der schwarze Magier raffte sich einen Meter neben ihn auf. Er warf seinen Umhang ab und stand jetzt nur noch in seinem Lederharnisch vor ihm.

Sharraam würdigte ihn nicht eines Blickes und verschwand stampfend um die nächste Ecke. Die Kanalisation von Hogwarts. Eine Labyrinth aus Rohren. Wie sollte er hier Ginny Weasley finden?

Severus rappelte sich auf und folgte dem Magier. Einige Meter durch den Tunnel und sie fanden sich in einem großen Vorraum wieder. Es gab eine massive Eisenluke ohne Griff. Sie stand offen.

„Sie wissen nicht, was hier unten ist.", sagte Sharraam an Severus gewandt. „Der Reichtum an Wissen, den solch ein Ort birgt. Mein Orden hat zu lange danach gesucht."

„Tja, auf Ihrem Wissenschatz sitzt immer noch eine Riesenschlange.", entgegnete Severus. „Welches Interesse hat die Schwarze Bibliothek an der Kammer des Schreckens? Außer natürlich dem, dass man hier allerhand schwarzmagische Artefakte abstauben könnte, nicht wahr? Verhökern Sie die auf dem Schwarzmarkt oder warum gibt sich ein hoher Magier mit jemanden wie Lucius ab?"

„Malfoy.", sagte Sharraam abschätzig. „Malfoy ist ein geldgieriger Bastard. Er würde eine wahrhaft mächtige Quelle nicht einmal erkennen, wenn sie ihm direkt auf der Nase säße."

„Eine Quelle?", fragte Severus. „Ah. Darum sind Sie hier. Der Mythos vom Ursprung von Slytherins Macht."

„Die Kammer des Schreckens ist der einzige Ort aus seinem Schaffen, der nie dokumentiert wurde. Warum sollte er das an ein Monster und die Jagd Muggelstämmige vergeudet haben?"

„Weil er ein mieser Rassist war?", sagte Severus. „Sie wissen sicher für wen ich einmal gearbeitet habe. Und dieser Magier hatte den ganzen Tag nichts besseres zutun als all seine Macht für seine Vorurteile zu vergeuden."

Sharraam bedachte Severus mit einem finsteren Blick und ging weiter. Sie stiegen durch die offene Luke. Die Höhle dahinter ging nicht weit. Etwas hatte die Decke zum Einsturz gebracht. Davor stand ein Junge und versuchte das Geröll mit bloßen Händen wegzuräumen: Ronald Weasley. Und neben ihm auf dem Boden saß ein debil vor sich hin lächelnder Gilderoy Lockhart.

„Mr Weasley.", sagte Severus.

Der Rotschopf fuhr herum und starrte ihn an als würde er einem Geist sehen.

„Boah ey, Professor Snape!"

„Klappe halten! Ist Potter auch hier?", sagte Severus bestimmt.

„Er ist hinter dem Steinhaufen.", sagte Weasley.

„Was habt ihr mit Lockhart angestellt?", fragte Severus.

„Ey, ich war das nicht! Der wollte mich und Harry mit einem Vergessenfluch belegen, hat sich meinen Zauberstab geschnappt und Bäm!"

Severus konnte es sich bildlich vorstellen und musste lächeln.

„Weasley, sagen Sie es nicht weiter, aber Ihr Zauberstab ist klasse."

Severus zog seinen Zauberstab aus der Tasche und räumte die Feldbrocken mit einem Schlenker seines Zauberstabs aus dem Weg. Es schleuderte das Geröll nach vorn.

„Weasley, Sie bleiben hier.", sagte Severus.

Er ging durch die Höhle hinein in eine große Halle. Schlangenstatuen zierten die Wände und eine vielzahl von Tunneleingängen führte von hier fort. Der Steg in der Mitte führte zu einer Art Zentralkammer. In ihr lag vor einer Art Wasserbecken Ginny Weasley. Er eilte zu ihr. Neben ihr lag ein altes, zerfleddertes Lederbuch. Als Severus es nehmen wollte spürte er wie Sharraam ihm seinen Zauberstab an den Hinterkopf hielt.

„Geben Sie es mir."

Severus nahm das Buch und hielt des dem Zirkelmagier hin.

„Das ist das Buch von dem Lucius gesprochen hat.", sagte Severus. „Lassen Sie mich raten, es war kein Zufall, dass es hier landete?"

„Die Kammer des Schreckens zu öffnen, geschweige denn zu finden ist leider kein Zuckerschlecken gewesen. Sie und diese Jungen haben mich zu ihr geführt. Es hat mich Jahrzehnte gekostet."

Aus der Ferne hörten die rennende Schritte und das Zischen des Basilisken. Minerva oder Potter? Einer von beiden.

„Ist es das Leben von Kindern wert? Was ist wenn sie nicht finden wonach Sie suchen? Was dann?", fragte Severus.

„Allein den Standort der Kammer zu kennen ist jede Mühe wert.", sagte Sharraam. „Dummer Weise habe ich mindestens sechs Zeugen zu viel."

Severus schlug ihm den Zauberstab aus der Hand und stürzte sich auf Sharraam. Sie wälzten sich auf dem glischigen, von Basiliskendung ürberzogenen Boden. Sharraam verlore das Buch.

Der Magier trat Severus in die Seite und rannte davon. Severus hielt sich die Rippen und setzte ihm nach. Aus der Röhre vor ihm hörte er einen Schrei. Minerva kam auf ihn zugerannt, mit dem Schwert von Gryffindor in der Hand. Sie stoppte vor ihm.

„Severus.", sagte sie außer Atem. Sie drückte ihm das Schwert in die Hand. „Wehe Sie verlieren das nochmal!"

Severus würde sein Bestes geben.

„Wo ist Potter?", fragte er.

In diesem Augenblick kam der Zirkelmagier ebenfalls aus der Röhre gerannt. Ihm dicht auf den Fersen, der Basilisk. Alle drei nahmen sie die Beine in die Hand. Sie rannten durch eine der Röhren. Severus nahm Minerva an die Hand und zog sie hinter sich her. Sie rannten um die nächste Abzweigung. Sharraam lief genau in die entgegengesetzte Richtung.

Sie würden hier unten sterben, wenn sie weiter vor dem Basilisken davonliefen. Er lebte hier. Er wusste welche Abzweigung wohin führte. Sie nicht.

An der nächsten Kreuzung trafen sie wieder auf Sharraam. Sie stoppten auf dem glitschigen Boden, um nicht mit dem Magier zusammenzuprallen. Mit einem Mal scheuerte Minerva Sharraam eine.

„Das ist für vorhin!", sagte sie und richtete drohend den Finger auf ihn.

Severus packte Minerva und warf sie zu Boden. In jenem Augenblick schoss der Basilisk um die Ecke und versenkte seine gewaltigen Zähne in dem schwarzen Magier. Mehrmals nacheinander biss die Schlange zu. Blut spritzte. Der Länge nach verschlang sie ihn. Sie hörten seine kläglichen Schreie und das Brechen der Knochen unter den gigantischen Kiefern.

Severus und Minerva nutzten die Gelegenheit zu entkommen. Sie rannten wieder nach draußen. Der Tunnel hatte jedoch keinen Absatz. Sie klatschten in das eisige Kloakenwasser in der Zentralkammer. Severus warf Gryffindors Schwert auf den Steg. Das Ding konnte er jetzt nicht gebrauchen. Es schlug klirrend auf dem Steinboden auf und rutsche in die Nähe von Ginny Weasley.

Severus zog sich aus dem Wasser und half Minerva hinaus. Potter war nirgends zu sehen. Hoffentlich hatte ihn nicht das Gleiche Schicksal ereilt wie ihren zwielichtigen Begleiter.

Sie hörten wie der Basilisk fauchend aus einem der Röhren anschoss.

„Raus hier!", sagte Severus, nahm Minerva an der Hand und sie rannten zurück zum Eingang der Kammer.

„Hören Sie auf mich an die Hand zu nehmen! Ich kann alleine laufen!", schimpfte Minerva und Severus ließ sie los.

„Haben Sie noch irgendwelche Ideen? Meine sind mir gerade ausgegangen.", sagte Severus.

„Eine hätte ich vielleicht noch.", sagte Minerva.

Sie streckte die Hände über den Kopf und klatschte sie zusammen. Im nächsten Augenblick schoss Fawkes aus Feuer und gleißendem Licht hervor. Der Phönix flog singend durch die Kammer. Plötzlich sahen sie Potter, der aus einer der Röhren gerannt kam. Er befand sich im heftigen Zwiestreit mit etwas oder jemanden, den sie nicht sehen konnten. Was tat er da?

Mit einem Mal kam der Basilisk aus dem Becken in der Mitte geschossen. Er schnappte nach Potter. Fawkes griff die Schlange an. Hackte ihr die Augen aus. Der geblendete Basilisk fauchte und schlug mit dem Schwanz wild um sich. Potter stürzte sich auf das Schwert, dass Severus hatte liegen lassen. Der Junge hieb damit nach der Schlange, traf sie aber nicht.

Severus und Minerva standen wie angewurzelt am anderen Ende der Kammer und verfolgten das Schauspiel. Er stand da und wollte etwas tun, doch Severus konnte nicht.

Schließlich schnappte der Basilisk einmal mehr nach Potter und dieser rammte ihm das Schwert in den Oberkiefer. Als er das Schwert wieder herauszog steckte ein Basiliskenzahn in seinem Arm.

Severus und Minerva sahen fassungslos zu. Basiliskengift war nahezu sofort tödlich. Erst recht für einen Zwölfjährigen. Ihm rutschte das Herz in die Hose.

Der Basilisk schrie im Todeskampf auf und kippte dann zur Seite. Auch Potter brach zusammen. Severus und Minerva rannten auf ihn zu. Fawkes landete auf Potters schlaffen Körper - und weinte.

In jenem Augenblick nahm der Junge die letzten Reste seiner Kraft zusammen und rammte den Basiliskenzahn in das zerfledderte Tagebuch vor ihm. Wie ein Schwall Blut ergoss sich Tinte daraus.

Was zum Teufel?, dachte Severus noch.

Immer wieder stach Potter darauf ein bis er schließlich entkräftet neben Ginny Weasley zusammenbrach.

Severus kniete sich neben Potter und besah das Buch. Er verstand nicht, was hier geschehen war. Er steckte das Buch ein und hievte Potter nach oben. Minerva nahm sich Ginny an. Zusammen gingen sie zum Eingang zurück.

„Ginny!", rief Ronald Weasley als er sah mit wem sie zurück kamen.

„Fawkes!", rief Minerva den Phönix her. „Haltet euch an ihm fest.

Es wirkte auf den ersten Blick absurd. Wie sie sich alle an dem dünnen Beinchen von Fawkes festhielten, doch Phönixe konnten wirklich alles tragen. Sechs Menschen auf einmal war kein Problem.

Er trug sie hinauf ins Mädchenklo, wo bereits ein Trupp schwer bewaffneter Auroren in magischen Rüstungen auf sie wartete.

Fawkes löste sich in einer Welle gleißenden Lichts auf als er sie oben abgesetzt hatte.

Sie würden in den nächsten Stunden jede menge Fragen beantworten müssen.