Severus stand einmal mehr vor dem Kamin in Dumbledores Büro. Er sah in die Flammen und dachte über das nach, was sich in den letzten Monaten zugetragen hatte.
Man hatte sie alle an der Nase herumgeführt. Ihn, Lucius, Potter, ja, selbst Dumbledore war darauf herein gefallen. Sie hatten sich von Anfang an blenden lassen. Es war nicht wie letztes Jahr beim Stein der Weisen. Albus hatte ihm gerade erzählt, was er von Potter erfahren konnte, nachdem er erwacht war. Das Tagebuch hatte die kleine Ginny Weasley übernommen und sie zu einem Gefäß für den letzten Rest von Tom Riddle gemacht, der noch in diesem Buch schlummerte. Sie waren sich alle nicht der Gefahr bewusst gewesen. Gerüchte hin oder her. Sie hatten sich von Al Shaarrad allesamt vorführen lassen. Wäre er nicht aufgetaucht und hätte sie bedroht, dann würden sie noch immer im Dunkeln tappen.
Der schwarze Magier musste von dem Seelenteil in dem Tagebuch gewusst haben. Er musste gewusst haben wozu es fähig war und was es mit demjenigen tun würde, der es fand. Es war eiskalt berechnet gewesen. Und das alles nur, um den Standort der Kammer des Schreckens zu erfahren.
Severus wurmte es, dass sie ihm alle so unüberlegt in die Falle gegangen waren. Die Angst vor Voldemort hatte sie blind gemacht für das, was im Hintergrund ablief.
Die Tür zum Büro des Direktors schwang auf. Severus drehte sich um und erblickte einen sichtlich aufgebrachten Lucius Malfoy.
„Wie ich höre sind Sie wieder im Amt.", sagte Lucius an Dumbledore gewandt.
Der blickte noch nicht einmal von dem Papierkram auf seinem Schreibtisch auf.
„Der Minister war so frei.", sagte Albus ungerührt. Er sah von seinen Papieren auf und blickte in Lucius' Augen. Dieser erwiderte seinen Blick stumm.
„Ich nehme an Sie haben die Sache bereinigt?", fragte Lucius schließlich.
„Natürlich.", antwortete Dumbledore. Er hielt das Tagebuch hoch.
„Was ist das?", fragte Lucius.
„Das wissen sie ganz genau.", sagte Albus.
„Ach ja?"
„Es ist das Tagesbuch in dem ein Teil von Lord Voldemort gebunden war."
Lucius entglitten kurz die Gesichtszüge.
„Verstehe.", brummte Lucius.
Severus verschränkte die Arme vor der Brust und blickte seinen Freund abwartend an. Dumbledore wollte ihn zur Rede stellen. Das würde sicher interessant.
„Ein interessanter Plan, nicht wahr, Mr Malfoy? Stellen Sie sich vor, was passiert wäre, wenn wir das nicht rechtzeitig geklärt hätten? Man hätte alle Schuld Ginny Weasley gegeben. Man hätte ihren Eltern eine Untersuchungskommission auf den Hals gehetzt und womöglich wäre die ganze Geschichte vor den Zaubermagot gekommen."
„Was wollen Sie eigentlich andeuten?", fragte Lucius.
„Dass ich Sie im Auge behalte, Lucius."
„Behaupten Sie etwa, ich hätte etwas damit zutun gehabt?"
„Ich behaupte gar nichts, aber es sind schon merkwürdige Zufälle, oder?", sagte Albus.
Lucius atmete tief durch als müsse er sich selbst beruhigen.
„Folgen Sie nur weiter Ihren Hirngespinsten.", entgegnete Lucius.
Er wandte sich um und verließ das Büro. Severus folgte ihm. Im Flur hielt er ihn an.
„Was ist?", sagte Lucius genervt.
„Wie viel hast du gewusst?", fragte Severus gerade heraus.
„Was?"
„Al Shaarrad hat das alles nur inszeniert. Die Kammer des Schreckens, das Tagebuch, das Monster - wie viel wusstest du von dem, was er vor hatte?"
„Überhaupt nichts.", sagte Lucius.
„Du warst schon immer ein schlechter Lügner.", antwortete Severus.
„Ach ja? Ich muss mich vor dir überhaupt nicht rechtfertigen!"
Mit einem Mal schlug Severus Lucius' mit der Faust ins Gesicht. Es war eine Affekthandlung. Severus war einfach verdammt wütend auf ihn. Er hatte ihn und die ganze Schule in Gefahr gebracht und tat jetzt so als ginge ihn das nichts an.
Lucius heulte auf und hielt sich die Hand vor das Gesicht.
„Wegen dir sind beinahe Menschen gestorben. Wegen dir und deinem Scheiß, den du hier abgezogen hast!", sagte Severus voller Zorn. „Dir hätte klar sein müssen, dass ich das nicht auf mir sitzen lasse!"
„Verdammt, du hast mir die Nase gebrochen!", näselte Lucius und unter seiner Hand floss Blut hervor.
„Ich brech dir gleich noch was ganz anderes!", zichte Severus.
„Manchmal bist du echt ein armer Irrer!", rief Lucius, während das Blut aus seiner Nase lief und auf den Boden des Flurs tropfte.
„Besser als ein Lügner.", antwortete Severus.
Lucius ging schnellen Schrittes und blutender Weise davon. Severus fühlte sich seltsam zufrieden. Manchmal half es enorm einfach Leuten auf die Nase zu schlagen.
Die Geschichte geht weiter in
REQUIEM - 3. Akt: Schatten der Vergangenheit
